Front, Heck, Seiten und Boden sollen bei Mercedes-Benz künftig als getrennte Module entstehen, die sich je nach Fahrzeuggröße kombinieren lassen. Intern heißt das Vorhaben laut Handelsblatt „Tech-Stacks“. Ein ähnliches Verfahren entwickelt Tesla gerade für sein Robotaxi.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Wir arbeiten da an einem sehr ambitionierten Zukunftsplan.“ Mehr bestätigte Mercedes nicht, als das Handelsblatt am 22. Oktober über die neue Bauweise berichtete.[1] Die Zeitung beruft sich auf das Umfeld des Aufsichtsrats. Betroffen ist die Produktarchitektur der Modellgeneration, die Mercedes in den 2030er-Jahren auf den Markt bringen will.
Das Wichtigste in Kürze
- Mercedes will Autos laut Handelsblatt aus getrennten Modulen für Front, Heck, Seiten und Boden bauen.
- Kleine und große Modelle sollen dann ohne eigene Plattform je Größenklasse auskommen.
- Kostenziel, Zeitplan und Antriebsarten nennt der Konzern nicht.
- Tesla entwickelt mit dem „Unboxed“-Verfahren eine ähnliche Bauweise, bei der Module parallel entstehen.
Was ändert sich gegenüber den Plattformen?

Heute verteilt Mercedes seine Modelle auf mehrere technische Plattformen, etwa die MMA für Kompaktwagen wie den CLA und die MB.EA für größere Elektroautos. Eine Plattform legt Achsen, Antrieb, Batterielage und Elektronik für eine Größenklasse fest. Das Handelsblatt nennt dieses Nebeneinander teuer und komplex.[1]
Bei den Tech-Stacks entstehen stattdessen Module für vier Fahrzeugbereiche, aus denen sich kleine und große Autos zusammensetzen.[1] Welche Bauteile ein Modul umfasst, hat Mercedes nicht mitgeteilt.
Sparen lässt sich mit einem Baukasten über die Stückzahl: Je mehr Modelle dasselbe Modul nutzen, desto mehr Autos teilen sich Entwicklung, Werkzeuge und Einkauf. Neue Varianten entstehen aus vorhandenen Teilen, statt eine Plattform neu zu entwickeln. Das Tempo geben chinesische Hersteller vor: Das erste Elektro-SUV, das Volkswagen mit Xpeng entwickelt hat, entstand in weniger als zwei Jahren.
Ein Baukasten spart erst, sobald genug Modelle ihn nutzen. Wie viele das sind, entscheidet bei Mercedes die Modellpolitik, nicht das Werk.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie weit ist Tesla mit derselben Idee?
In seiner Einladung zur Hauptversammlung, die Tesla am 19. Oktober bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, beschreibt der Hersteller den Abschied vom linearen Fließband. Mit dem „Unboxed“-Verfahren sollen Module parallel entstehen, um Produktionszeit, Fabrikfläche und Kosten deutlich zu senken. Nach eigenen Angaben entwickelt Tesla das Verfahren noch.[2] Den ersten Einsatz plant das Unternehmen beim Robotaxi Cybercab, für das Tesla im Juli 2025 eine Serienfertigung ab 2026 ankündigte.[3]
Am klassischen Band wandert die ganze Karosserie von Station zu Station. Getrennte Module lassen sich dagegen gleichzeitig ausstatten und erst am Ende verbinden.
Am schwierigsten dürfte der Boden werden. Bei Elektroautos sitzt dort die Batterie, bei BMWs Neuer Klasse als tragendes Teil im Unterboden. Ob der Mercedes-Baukasten auch Verbrenner und Hybride aufnehmen soll, ist nicht bekannt.
Was bedeutet der Umbau für Werke und Zulieferer?
Den Spardruck zeigt die Pkw-Sparte, deren unbereinigte Umsatzrendite im zweiten Quartal bei 0,2 Prozent lag. Kurzfristig will Mercedes laut Handelsblatt weniger Leiharbeiter in Sindelfingen, Bremen und Rastatt einsetzen. Der Baukasten soll die Kosten dagegen erst ab der Modellgeneration der 2030er-Jahre senken.
Zulieferer müssen mit weniger Varianten und größeren Serien je Teil rechnen. Ein Betrieb, der heute ein Bauteil für eine einzelne Baureihe liefert, kann dann mehrere Baureihen beliefern oder den Auftrag verlieren. Lieferanten, die einen großen Teil ihres Umsatzes mit einzelnen Mercedes-Baureihen machen, sollten diese Abhängigkeit deshalb früh prüfen.
Nach § 90 des Betriebsverfassungsgesetzes muss Mercedes den Betriebsrat schon über die Planung neuer technischer Anlagen und Arbeitsverfahren unterrichten, also lange bevor die erste Linie umgebaut wird.[4]
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- HandelsblattMercedes will Autos künftig anders, billiger und schneller bauen (22. Oktober 2026, hinter Bezahlschranke)
- Tesla, Inc.Einladung zur Hauptversammlung 2026 (Proxy Statement, Formular DEF 14A) (SEC)
- Tesla, Inc.Update zum zweiten Quartal 2025 (SEC, Formular 8-K, Anlage 99.1)
- Gesetze im Internet§ 90 Betriebsverfassungsgesetz, Unterrichtungs- und Beratungsrechte
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