In einem Unternehmen mit 10.000 Beschäftigten arbeiten nach Eric Schmidts Schätzung ein paar Tausend Menschen, die der Betrieb dank KI nicht mehr braucht. Der frühere Google-Chef riet im Podcast des norwegischen Staatsfonds, diese Beschäftigten „rechtlich sauber und menschlich“ zu verabschieden, und schilderte, wie Firmenchefs per KI-Assistent verfolgen könnten, woran jeder Mitarbeiter gerade arbeitet.[1] In Deutschland hätte bei beidem der Betriebsrat mitzureden.
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- Schmidt sprach mit Nicolai Tangen, dem Chef des norwegischen Staatsfonds, in dessen Podcast „In Good Company“, veröffentlicht am 21. Oktober.
- Wegfallen sollen nach seiner Einschätzung vor allem Planungs- und Koordinationsaufgaben, gebraucht würden Erfinder, Vertrieb, Führungskräfte und Ansprechpartner für Behörden.
- Europa hält Schmidt für besonders veränderungsscheu: Dort werde reguliert, bevor etwas entstehe, und ein eigenes Basismodell fehle.
- In Deutschland bestimmt der Betriebsrat bei Software mit, die Leistung oder Verhalten von Beschäftigten überwachen kann. Für KI im Personalwesen gelten ab Dezember 2027 die Hochrisiko-Pflichten der KI-Verordnung.
Was hat Schmidt im Podcast gesagt?

Ausgangspunkt war der Abstimmungsaufwand großer Organisationen. Als Google-Chef, zu dem ihn die Gründer Larry Page und Sergey Brin 2001 gemacht hatten, habe er zwölf Stunden am Tag in Besprechungen gesessen, an fünf Tagen in der Woche, erzählte Schmidt dem Gastgeber Nicolai Tangen.[1] Einen großen Teil dieser Arbeit, also Informationen einsammeln, weiterreichen und Projekte auf Kurs halten, könnten KI-Plattformen übernehmen. Die Unternehmen, in die der Fonds investiert, kämen dann mit weniger Personal aus.
Als Beispiel nannte Schmidt einen Bekannten, der in seinem schnell wachsenden Unternehmen 20 Prozent der Belegschaft entließ und danach Morddrohungen bekam. Gehen mussten nach Schmidts Schilderung die Leute, die Pläne aufstellten und Zahlen hin und her schoben. Gebraucht habe der Unternehmer stattdessen Vertrieb, Entwickler und Mitarbeiter für den Kontakt zu Behörden. Für einen Konzern mit 10.000 Beschäftigten folgerte Schmidt: „Vermutlich haben Sie ein paar Tausend Leute, die Sie nicht brauchen.“ Firmenchefs müssten einen Weg finden, diese Beschäftigten rechtlich sauber und menschlich zu verabschieden, etwa in den Ruhestand.[1] Belege für die Größenordnung nannte Schmidt nicht, die Zahl bleibt seine Schätzung.
Wie die Führung im Alltag aussehen soll, beschrieb Schmidt am Beispiel von Claude Tag, einem KI-Assistenten von Anthropic für den Chatdienst Slack.[2] Jeder Mitarbeiter spreche mit seinem eigenen Assistenten, im Hintergrund liefen weitere Assistenten mit, die Systeme überwachen. Der Firmenchef hätte nach Schmidts Darstellung Zugriff auf alle davon, könnte nachsehen lassen, woran jeder arbeitet, und bekäme einen Hinweis, sobald jemand vor dem Wechsel zur Konkurrenz Daten abzieht. Von einer Führungskraft, die einen KI-Doppelgänger Aufgaben verteilen und Fortschritte abfragen lässt, erzählte Schmidt ebenfalls. Das Vorgehen klinge „ziemlich übergriffig“, räumte er ein, beschleunige aber die Entscheidungen.[1]
Was wirft Schmidt Europa vor?
Europäische Organisationen hält Schmidt für besonders veränderungsscheu. In Europa werde reguliert, bevor erfunden werde: Vor fünf Jahren habe Brüssel in seiner KI-Strategie aufgezählt, was alles nicht erlaubt sei, während die US-Strategie, an der er nach eigenen Worten mitschrieb, auf Tempo setzte und Fehler sofort beheben wollte. Die EU-Kommission hatte ihren Entwurf der KI-Verordnung im April 2021 vorgelegt.[3] Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und anderen habe er vorgeschlagen, für Firmen bis 20 Beschäftigte nur die Regeln zu Gesundheit und Arbeitsschutz gelten zu lassen. Wegen der hohen Strompreise solle Europa seine KI-Modelle in Partnerländern trainieren, etwa in den arabischen Staaten.[1]
Ein eigenes Basismodell, also ein großes KI-Modell als Grundlage für weitere Anwendungen, habe Europa nicht, sagte Schmidt. Als Gegenbeispiel für europäische Stärke nannte er im selben Gespräch Mistral, zu dessen ersten Geldgebern er nach eigenen Worten gehört. Das französische Unternehmen verkaufe vor allem an Firmen, die europäisches Recht einhalten müssen. Mistral trainiert dafür eigene große Modelle, zuletzt Mistral Large 4 mit einer Billion Parametern.
Schmidts Kritik an Europa hat eine Vorgeschichte. Anfang Oktober riet er im Economist-Interview, ukrainische Kampfdrohnen in Lizenz zu bauen, und verglich die meisten europäischen Armeen mit Beschäftigungsprogrammen. Seine Prognosen kommen zudem von einem Investor: An Anthropic, dessen Assistenten er als Beispiel wählte, hält Schmidt laut Bloomberg rund ein Prozent. Rechenzentren baue er ebenfalls, sagte er im Podcast und räumte dabei selbst ein Eigeninteresse ein.[1]
Wegfallen sollen vor allem Planung und Koordination. Belege für die Größenordnung nannte Schmidt nicht.
- Erfinder für neue Produkte
- Vertrieb, weil Geschäfte zwischen Menschen entstehen
- Führungskräfte, die schnell entscheiden
- Ansprechpartner für Regierungen und Behörden
- Kleinbetriebe bis 20 Beschäftigte: nur Regeln zu Gesundheit und Arbeitsschutz
- Strompreise: KI-Modelle in Partnerländern trainieren
- Software: den Sprung vom lokalen Anbieter zur weltweiten Plattform erleichtern
- Mehr als 10 Beschäftigte: Kündigungsschutzgesetz greift
- Mehr als 20 Wahlberechtigte: Betriebsrat bei Betriebsänderungen beteiligt
- Überwachende Software: Mitbestimmung nach § 87 BetrVG
- KI im Personalwesen: Hochrisiko-Pflichten ab 2. Dezember 2027
Was gilt in Deutschland für KI-Assistenten und Stellenabbau?
Eine abgeschwächte Form von Schmidts Vorschlag für Kleinbetriebe kennt das deutsche Recht bereits: Das Kündigungsschutzgesetz greift erst in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten.[4] Größere Einschnitte laufen über den Betriebsrat. In Unternehmen mit mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern muss die Geschäftsführung das Gremium über eine geplante Betriebsänderung unterrichten und mit ihm beraten.[5] Fallen ganze Funktionen weg, verhandeln beide Seiten über Interessenausgleich und Sozialplan.
Für den Assistenten, der dem Chef die Arbeit aller zeigt, gilt eine zweite Hürde. Bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung von Beschäftigten überwachen, bestimmt der Betriebsrat nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz mit.[6] Hinzu kommt die KI-Verordnung: Systeme, die Leistung und Verhalten von Beschäftigten beobachten und bewerten, zählen nach Anhang III zur Hochrisiko-KI.[7] Die Pflichten dafür greifen nach der Verschiebung durch den digitalen Omnibus, ein Änderungspaket der EU-Kommission, ab dem 2. Dezember 2027.
Für Geschäftsführer und Personalleiter heißt das: Vor der Einführung eines solchen Assistenten gehören eine Betriebsvereinbarung und klare Zugriffsrechte auf den Tisch, also welche Kanäle der Assistent liest und wer die Auswertungen sieht. Wie sich solche Rechte zuschneiden lassen, zeigt unser Beitrag „Wie viel darf ein KI-Agent im Unternehmen sehen?“ Dass Kennzahlen aus KI-Werkzeugen schnell über Kündigungen mitentscheiden, zeigt die Klage von 26 früheren Meta-Beschäftigten, deren Auswahl beim Stellenabbau am verbrauchten KI-Token-Kontingent gehangen haben soll. Bevor Planungs- und Koordinationsstellen wegfallen, lohnt eine Bestandsaufnahme, welche Abstimmung die KI tatsächlich übernimmt und welche weiter bei Menschen liegt.
FAQ: Eric Schmidt, KI und Stellenabbau
Was hat Eric Schmidt über KI und Arbeitsplätze gesagt?
Im Podcast „In Good Company“ des norwegischen Staatsfonds schätzte Schmidt, dass ein Konzern mit 10.000 Beschäftigten ein paar Tausend davon dank KI nicht mehr braucht. Wegfallen würden vor allem Planungs- und Koordinationsaufgaben, gebraucht würden Erfinder, Vertrieb und Führungskräfte.
Welche Rolle hat Eric Schmidt heute?
Schmidt leitete Google von 2001 bis 2011 und ist heute vor allem Investor. Nach eigenen Worten führt er vier junge Firmen. Der Investor zählt sich zu den ersten Geldgebern von Mistral und hält laut Bloomberg rund ein Prozent an Anthropic.
Darf ein Chef in Deutschland per KI auswerten, woran Beschäftigte arbeiten?
In Betrieben mit Betriebsrat nicht ohne dessen Zustimmung: Technische Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen, sind nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Nach der KI-Verordnung zählt solche KI im Personalwesen zudem zur Hochrisiko-KI, mit Pflichten ab dem 2. Dezember 2027.
Was ist Claude Tag?
Claude Tag ist ein KI-Assistent von Anthropic, den Teams im Chatdienst Slack per @-Erwähnung aufrufen. Der Assistent liest den Gesprächsverlauf eines Threads und antwortet dort. Anthropic bietet ihn als Betaversion für Kunden der Tarife Team und Enterprise an.
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Norges Bank Investment ManagementEric Schmidt: Are We Ready for Superintelligence? | Podcast | In Good Company (englisch, Video), 21. Oktober 2026; Episodenseite: Eric Schmidt: The Age of Agents, Superintelligence, and Why Europe Is Falling Behind
- AnthropicClaude in Slack: Taggen Sie @Claude in einem Thread, abgerufen am 23. Oktober 2026
- EUR-LexVorschlag für eine Verordnung zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz, COM(2021) 206
- Gesetze im Internet§ 23 Kündigungsschutzgesetz, Geltungsbereich, abgerufen am 23. Oktober 2026
- Gesetze im Internet§ 111 Betriebsverfassungsgesetz, Betriebsänderungen, abgerufen am 23. Oktober 2026
- Gesetze im Internet§ 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte, abgerufen am 23. Oktober 2026
- EUR-LexVerordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz, Anhang III Nummer 4, abgerufen am 23. Oktober 2026
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