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Der Münchner Anbieter von Software für Zeiterfassung und Personaleinsatz erwartet für 2026 eine operative Marge von rund 37 Prozent statt mindestens 34. Als Gründe nennt Atoss strenges Kostenmanagement und KI in der Produktentwicklung. Beim Umsatz rechnet der Vorstand nur noch mit dem unteren Ende seiner Spanne.

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Ende September arbeiteten 844 Menschen für die Atoss Software SE, neun weniger als ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis der ersten neun Monate stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dagegen um 19 Prozent auf 57,3 Millionen Euro.[1] Am 23. Oktober hob der Vorstand die Margenprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Atoss erwartet für 2026 eine EBIT-Marge von rund 37 Prozent, im April lag das Ziel bei mindestens 34, zu Jahresbeginn bei mindestens 32 Prozent.
  • Der Umsatz stieg in neun Monaten um 12 Prozent auf 155,8 Mio. €, die Erlöse aus Cloud und Abos um 26 Prozent.
  • Lizenzen für eigene Server brachten 39 Prozent weniger ein, deshalb peilt Atoss nur das untere Ende von 210 bis 215 Mio. € Umsatz an.
  • Die Aktie schloss am 22. Oktober bei 95,90 €, rund ein Drittel unter ihrem Rekordhoch vom Juli 2025.

Woher kommt die höhere Marge?

Ein Gerät mit Display zeigt 37% und „DIGITALE STECHKARTEN AUSWERTUNG LÄUFT...“ mit einem Chip oben
Atoss steigert Umsatzrendite auf 37 Prozent durch Kostenmanagement und KI-gestützte Produktivitätszuwächse in der Entwicklung

Die Umsatzrendite von 37 Prozent erklärt Atoss mit „unverändert konsequentem Kostenmanagement“ und mit Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz von KI, „insbesondere im Bereich Innovation & Development“, also in der Produktentwicklung.[1] Wie viel davon auf die KI entfällt, beziffert das Unternehmen nicht.

Allein im dritten Quartal erreichte die EBIT-Marge 40 Prozent nach 36 Prozent ein Jahr zuvor, bei 52,6 Mio. € Umsatz.[1] Dazu trägt das Geschäftsmodell bei: Wiederkehrende Erlöse aus Cloud, Abos und Wartung machen inzwischen 73 Prozent des Umsatzes aus. Ein laufendes Abo verursacht nach dem Abschluss kaum neue Vertriebskosten, solange der Kunde bleibt. Zusätzliche Nachfrage bringt seit 2022 die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung.

KI zahlt sich bei Atoss zuerst in den eigenen Kosten aus. Ob Kunden für KI-Funktionen mehr bezahlen, zeigen diese Zahlen noch nicht.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Warum reicht es beim Umsatz nur für das untere Ende?

Zwei Sparten entwickeln sich gegenläufig. Die Erlöse aus Cloud und Abos stiegen um 26 Prozent auf 85,2 Mio. €, der Cloud-Auftragsbestand für die nächsten zwölf Monate wuchs um 23 Prozent auf 125,0 Mio. €.[1] Lizenzen für Kunden, die die Software auf eigenen Servern betreiben, brachten dagegen nur 3,7 Mio. € nach 6,0 Mio. € im Vorjahr. Diese Umsätze bleiben laut Atoss „aktuell hinter den Erwartungen zurück“.[1]

Der Wechsel kostet zunächst Umsatz: Eine verkaufte Lizenz bucht der Anbieter in der Regel auf einmal, ein Abo verteilt sich über die Laufzeit. Auch die Wartungserlöse sanken um 3 Prozent auf 28,6 Mio. €. Dasselbe Muster zeigt SAP, dessen Supporterlöse im dritten Quartal um 5 Prozent zurückgingen. Die Umsatzspanne von 210 bis 215 Mio. € bestätigt Atoss, erwartet aber ihr unteres Ende.[1]

An der Börse hat sich die Aktie von ihrem Tief erholt. Am 26. Juni fiel sie bis auf 65,00 €, weniger als die Hälfte ihres Rekordhochs von 147,60 € im Juli 2025.[2] Vorstandschef Andreas Obereder wechselt planmäßig zum Jahreswechsel in den Aufsichtsrat.[1]

Atoss nach neun Monaten 2026
Die Abos wachsen, das Lizenzgeschäft schrumpft, die Marge steigt
+26 %
Erlöse aus Cloud und Abos, auf 85,2 Mio. €
−39 %
Lizenzen für den Betrieb auf eigenen Servern, auf 3,7 Mio. €
73 %
des Umsatzes sind wiederkehrende Erlöse aus Abos und Wartung
844
Beschäftigte Ende September, 9 weniger als ein Jahr zuvor
So hat Atoss die Margenprognose für 2026 angehoben
Jahresbeginn
mind. 32 %
operative Marge als Ziel für das Gesamtjahr
April
mind. 34 %
erste Anhebung nach dem ersten Quartal
Oktober
rund 37 %
zweite Anhebung, bei 155,8 Mio. € Umsatz in neun Monaten

Was folgt aus den Zahlen für die Belegschaft?

Ende März beschäftigte Atoss 862 Menschen, Ende September 844.[1] Einen Zusammenhang mit der KI stellt das Unternehmen nicht her, einen Stellenabbau kündigte es nicht an. Einen anderen Weg beschreibt Palo-Alto-Chef Nikesh Arora: Er will seine 6.000 Entwickler auch bei doppelter Produktivität halten und mit ihnen mehr entwickeln.

Wer KI in der Entwicklung einführt, muss in Deutschland den Betriebsrat früh einbinden. Nach § 90 des Betriebsverfassungsgesetzes ist er schon über die Planung von Arbeitsabläufen „einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz“ zu unterrichten.[3] Zeichnet ein KI-Werkzeug Leistung oder Verhalten der Beschäftigten auf, bestimmt er nach § 87 mit.[4]

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. ATOSS Software SEUmsatzwachstum und hohe Profitabilität im dritten Quartal stellen Weichen für weiteren Rekordabschluss (Quartalsmitteilung vom 23. Oktober 2026, PDF); Prognose vom April: Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 (PDF)
  2. Yahoo FinanceKursverlauf der ATOSS-Aktie an der Börse Xetra (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  3. Gesetze im Internet§ 90 Betriebsverfassungsgesetz, Unterrichtungs- und Beratungsrechte
  4. Gesetze im Internet§ 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte

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