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Die Thüringer Bäckerei Lampe aus Roßleben-Wiehe schließt im Insolvenzverfahren 15 ihrer ursprünglich 44 Filialen. Von den etwa 280 Arbeitsplätzen beim Insolvenzantrag im Juni sollen rund 150 erhalten bleiben. Die Gläubiger stimmten am Dienstag einstimmig für die Fortführung des Betriebs.

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„Bislang wurden drei Filialen geschlossen. Der Sanierungsplan sieht vor, dass weitere zwölf Filialen eingestellt werden“, sagte Insolvenzverwalter Frank Kreuznacht von der Kanzlei BBORS Kreuznacht der Bild-Zeitung.[1] Künftig betreibt die Bäckerei damit noch 29 Verkaufsstellen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Welche zwölf Filialen folgen, ist noch offen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis zum Abschluss der Sanierung sollen noch etwa 40 weitere Stellen wegfallen.
  • Rechnerisch schrumpft die Belegschaft damit um rund 130 auf etwa 150 Beschäftigte.
  • Die Brüder André und Stephan Lampe führen den 1879 gegründeten Familienbetrieb in sechster Generation.
  • Der Verwalter arbeitet nun einen Insolvenzplan aus, über den Gläubiger und Gericht noch entscheiden müssen.

Was haben die Gläubiger beschlossen?

Elf Brötchen und ein „GESCHLOSSEN“-Fähnchen auf Backblech
Gläubigerversammlung vom 20. Oktober beschließt Fortführung des Geschäftsbetriebs und Weiterbearbeitung des Insolvenzplans

Bei der Gläubigerversammlung am 20. Oktober sprachen sich die Gläubiger dafür aus, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und den Insolvenzplan weiter auszuarbeiten.[1] Diese Entscheidung sieht die Insolvenzordnung für den sogenannten Berichtstermin vor: Dort entscheiden die Gläubiger, ob ein Betrieb stillgelegt oder fortgeführt wird, und können den Verwalter beauftragen, einen Plan zu entwerfen.[2]

Gerettet ist die Bäckerei damit noch nicht. Über den fertigen Insolvenzplan stimmen die Gläubiger erneut ab, danach muss das Insolvenzgericht ihn bestätigen.[3] Kreuznacht äußerte sich zuversichtlich: „Die wirtschaftliche Situation hat sich während des Insolvenzverfahrens positiv entwickelt und stellt sich derzeit sehr stabil dar.“ Parallel verhandelt er mit den Gläubigern darüber, die Schulden des Unternehmens zu verringern.[1]

Warum geriet der Familienbetrieb in die Krise?

Als Gründe für den Insolvenzantrag nannte Geschäftsführer André Lampe im Juni stark gestiegene Personal- und Energiekosten, die Inflation und eine zurückhaltende Kundschaft. Das Amtsgericht Mühlhausen bestellte damals Kreuznacht zum vorläufigen Insolvenzverwalter. „Das Verfahren hat keine Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft“, sagte Lampe der Deutschen Presse-Agentur und kündigte an, die Instrumente der Eigenverwaltung für die Sanierung zu nutzen.[4] Alle 44 Filialen sollten damals weiterlaufen, laut t-online allein zwölf davon in Halle (Saale).[5]

Dazu kommt der Preisdruck durch günstige Backwaren aus dem Discounter.[1] Lampe steht damit in einer Branche, die seit Jahren schrumpft: Die Zahl der handwerklichen Bäckereibetriebe sank 2025 nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks um 2,8 Prozent auf 8.659, die Zahl der Beschäftigten um 1,4 Prozent auf 232.000. Der Branchenumsatz stieg zugleich um 1,3 Prozent auf 18,14 Milliarden Euro.[6] Verbandspräsident Roland Ermer sagte im Juni zur Lage der Branche: „Viele Betriebe arbeiten am Limit und kämpfen täglich mit gestiegenen Kosten.“

Bäckerei Lampe: Sanierung mit kleinerem Filialnetz
Was der Insolvenzverwalter für den Betrieb aus Roßleben-Wiehe angekündigt hat
15 von 44
Filialen fallen weg, drei davon sind bereits geschlossen
rund 40
weitere Stellen sollen bis zum Abschluss der Sanierung wegfallen
rund 150
Arbeitsplätze sollen bleiben, von etwa 280 beim Insolvenzantrag
1879
gegründet, heute in sechster Generation in Familienhand
Wo das Verfahren steht
Juni 2026
Insolvenzantrag, das Amtsgericht Mühlhausen bestellt Frank Kreuznacht als vorläufigen Verwalter.
bis Oktober
Drei Filialen schließen, ein Teil der Belegschaft verliert den Arbeitsplatz.
20. Oktober 2026
Die Gläubiger stimmen einstimmig für die Fortführung und den Insolvenzplan.
offen
Abstimmung über den Plan und Bestätigung durch das Gericht, zwölf weitere Filialen schließen.

Was bedeutet der Plan für die Beschäftigten?

Ein Teil der Belegschaft verlor schon zu Beginn des Verfahrens den Arbeitsplatz, weitere Kündigungen sind geplant. „Insgesamt ist ein Abbau von den aktuell bestehenden Beschäftigungsverhältnissen bis zum Abschluss der Restrukturierung von noch etwa 40 Mitarbeitern vorgesehen“, sagte Kreuznacht.[1] Im Insolvenzverfahren gilt für solche Kündigungen eine Frist von höchstens drei Monaten zum Monatsende, auch wenn Arbeits- oder Tarifvertrag eine längere vorsehen.[7]

Auch ein Sozialplan ist in der Insolvenz gedeckelt: Er darf je betroffenem Beschäftigten höchstens zweieinhalb Monatsverdienste vorsehen und insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Masse beanspruchen, die sonst an die Gläubiger verteilt würde.[8] Der Haushaltswaren-Discounter Kodi gab Anfang Oktober in seinem Verfahren 43 seiner 144 Filialen und die Zentrale in Oberhausen auf. Vermieter der betroffenen Lampe-Ladenlokale und Lieferanten melden offene Forderungen beim Verwalter an, welchen Anteil sie zurückbekommen, legt der Insolvenzplan fest.

Quellen

8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Joyn/Newstime (nach Angaben der Bild-Zeitung)Nach 147 Jahren insolvent: Bäckerei-Kette schließt 15 Filialen und streicht zahlreiche Arbeitsplätze22.10.2026
  2. Insolvenzordnung§ 157 Entscheidung über den Fortgang des Verfahrens (abgerufen 23.10.2026)
  3. Insolvenzordnung§ 217 Grundsatz (Insolvenzplan, abgerufen 23.10.2026)
  4. news.de (dpa)Bäcker Lampe insolvent: Filialen bleiben geöffnet12.06.2026
  5. t-onlineBäckerei-Insolvenz: Kette mit 44 Filialen ist insolvent14.06.2026
  6. HandwerksblattMehr Umsatz und Gründungen im Bäckerhandwerk17.06.2026
  7. Insolvenzordnung§ 113 Kündigung eines Dienstverhältnisses (abgerufen 23.10.2026)
  8. Insolvenzordnung§ 123 Umfang des Sozialplans (abgerufen 23.10.2026)

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