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Der Allgäuer Batteriespeicher-Hersteller Sonnen beantragte am Donnerstag Insolvenz, zwei Monate nach dem Verkauf durch Shell an das Family Office Tiven. Betroffen sind rund 400 Beschäftigte am Hauptsitz in Wildpoldsried. Service und Bestandsgeschäft für mehr als 150.000 Kunden sollen laut Handelsblatt weiterlaufen.

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Am Donnerstagmorgen erfuhr die Belegschaft der Sonnen GmbH vom Insolvenzantrag, den das Unternehmen dem Handelsblatt bestätigte.[1] Zahlreiche Tochtergesellschaften sollen abgewickelt werden oder in eine Insolvenz in Eigenverwaltung gehen, nur ein Produktionsstandort soll erhalten bleiben. Welchen Standort Sonnen behalten will, ist offen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Shell hatte Sonnen 2019 für knapp 500 Millionen Euro übernommen und bis 2025 mehr als eine weitere halbe Milliarde Euro nachgeschossen.
  • Der Umsatz sank laut Handelsblatt von 443 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 198,9 Millionen Euro im Jahr 2024.
  • Tiven gehört Aurelius-Mitgründer Gert Purkert und wollte Sonnen eigentlich sanieren.
  • Die US-Tochter meldet dagegen einen verdoppelten Absatz.

Wie weit ist das Verfahren?

Weißer Speicher mit teilbeleuchteter Ladestandsanzeige und orangefarbenem Aufkleber „VERKAUFT“
Sonnen hat Insolvenzantrag gestellt, Verfahren noch nicht eröffnet. Im Portal für Insolvenzbekanntmachungen kein Eintrag gefunden

Sonnen hat den Antrag gestellt, eröffnet ist das Verfahren noch nicht. Im amtlichen Portal für Insolvenzbekanntmachungen fand pv magazine am Donnerstag noch keinen Eintrag, eine Anfrage der Redaktion ließ Sonnen zunächst unbeantwortet.[2] Bestellt das Insolvenzgericht einen vorläufigen Verwalter mit Verfügungsbefugnis, muss dieser das Unternehmen bis zur Entscheidung über die Eröffnung grundsätzlich fortführen.[3] Tiven wollte sich gegenüber dem Handelsblatt nicht äußern.

Den Verkauf hatte Shell im August gegenüber pv magazine bestätigt: „Dieser Schritt unterstützt unsere laufenden Bemühungen zur Optimierung unseres Portfolios.“ Der Kaufpreis lag nach Informationen des Handelsblatts im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.[4] Für den Ölkonzern endete damit ein Engagement, in das er seit 2019 rund eine Milliarde Euro gesteckt hatte.

Wie tief steckte Sonnen in den roten Zahlen?

Nach dem Umsatzeinbruch 2024 lag das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei minus 188,7 Millionen Euro. Ein Sparkurs drückte den Verlust 2025 auf 52,2 Millionen Euro, die Zahl der Beschäftigten sank dabei von 1.318 auf 800.[1] In einem Interview vor der Fachmesse The smarter E sprach Vertriebschef Andreas Plenk noch von wieder anziehender Nachfrage nach zwei schwächeren Jahren. Viele Installateure zögerten aber, ihre Kapazitäten auszubauen, sagte Plenk, weil sie unsicher seien, ob der Aufwärtstrend anhalte.[4]

Auch andere Speicheranbieter in Deutschland haben zu kämpfen. EnBW stoppte bei seiner Tochter Senec das Neukundengeschäft, der Batteriehersteller Varta durchläuft ein Insolvenzverfahren. Am Tag des Insolvenzantrags meldete Sonnen USA dagegen, den Absatz binnen Jahresfrist verdoppelt zu haben, und bestätigte, dass Tiven das gesamte globale Geschäft übernommen hat.[2]

Sonnen: vom Shell-Zukauf zum Insolvenzantrag
Was über den Speicherhersteller aus Wildpoldsried bekannt ist
rund 400
Beschäftigte am Hauptsitz in Wildpoldsried sind betroffen
150.000
Kunden mit Sonnen-Speicher sollen weiter Service erhalten
199 Mio. €
Umsatz 2024, nach 443 Millionen Euro im Jahr 2023
rund 1 Mrd. €
steckte Shell in Kauf und Finanzierung bis 2025
Wo das Verfahren steht
2019
Shell übernimmt Sonnen für knapp 500 Millionen Euro.
August 2026
Shell verkauft Sonnen an Tiven, das Family Office von Gert Purkert.
22. Oktober 2026
Die Sonnen GmbH stellt Insolvenzantrag und informiert die Belegschaft.
offen
Das Insolvenzgericht entscheidet über einen vorläufigen Verwalter und die Eröffnung.

Was gilt jetzt für Beschäftigte und Kunden?

Die Beschäftigten in Wildpoldsried haben Anspruch auf Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Die Leistung ersetzt offene Löhne für die drei Monate vor dem Insolvenzereignis, in der Regel der Eröffnung des Verfahrens.[5] Beim Leipziger Solaranbieter EKD Solar betraf ein Insolvenzantrag Anfang Oktober ebenfalls rund 400 Beschäftigte.

Käufer mit Ansprüchen aus der Zeit vor der Eröffnung, etwa auf Gewährleistung, sind Insolvenzgläubiger und werden aus der Masse nur anteilig bedient.[6] Fachbetrieben mit offenen Sonnen-Bestellungen hilft eine schriftliche Zusage zu Liefertermin und Ersatzteilen, sobald ein Verwalter feststeht. Hausbesitzer sollten Kaufbeleg und Seriennummer ihres Speichers griffbereit halten.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. HandelsblattSonnen GmbH: Deutscher Speicherhersteller meldet Insolvenz an (22.10.2026, hinter Bezahlschranke)
  2. pv magazineSonnen meldet Insolvenz an22.10.2026
  3. Insolvenzordnung§ 22 Rechtsstellung des vorläufigen Insolvenzverwalters (abgerufen 23.10.2026)
  4. pv magazineShell verkauft Sonnen an Tiven28.08.2026
  5. Sozialgesetzbuch III§ 165 Anspruch (Insolvenzgeld, abgerufen 23.10.2026)
  6. Insolvenzordnung§ 38 Begriff der Insolvenzgläubiger (abgerufen 23.10.2026)

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