Bosch löst sein Autozuliefergeschäft in Deutschland aus der Robert Bosch GmbH heraus und führt Mobility ab dem 1. August 2027 als eigene Tochtergesellschaft. Zusammen mit drei Servicebereichen wechseln rund 62.500 Beschäftigte in neue GmbHs. In der Muttergesellschaft bleiben gut 3.000 Menschen für Zentrale und Forschung.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenMit 55,8 Milliarden Euro brachte Bosch Mobility 2025 rund 60 Prozent des Konzernumsatzes ein und war rechtlich trotzdem nur ein Bereich der Robert Bosch GmbH.[1] Industrial Technology mit Bosch Rexroth, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology arbeiten längst in eigenen Tochtergesellschaften. Mit der größten Sparte und drei Servicebereichen zieht Bosch jetzt nach.
Das Wichtigste in Kürze
- Bosch überführt Mobility und drei zentrale Servicebereiche in Deutschland in vier eigene GmbHs, alle zu 100 Prozent im Besitz des Konzerns.
- Rund 62.500 Beschäftigte wechseln, ihre Arbeitsverträge gehen auf die neuen Gesellschaften über.
- Die Robert Bosch GmbH wird zur Dachgesellschaft mit Zentrale, Forschung und Vorausentwicklung.
- Einen Börsengang plant Bosch laut SWR nicht.
Was ändert sich für die Beschäftigten?

Für den angekündigten Wechsel der Arbeitsverträge gilt § 613a BGB zum Betriebsübergang: Der neue Arbeitgeber übernimmt alle Rechte und Pflichten aus den bestehenden Arbeitsverhältnissen.[2] Was Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen regeln, darf die neue Gesellschaft ein Jahr lang nicht zum Nachteil der Beschäftigten ändern, sofern dort kein anderer Tarifvertrag gilt.
Mit getrennten Gesellschaften kann Bosch die Arbeitsbedingungen künftig je Gesellschaft verschieden gestalten, sagt der Hamburger Arbeitsrechtler Rainer Fuhlrott dem SWR.[3] Ob der Konzern davon Gebrauch macht, ist offen. Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Bosch Mobility Solutions, will die Veränderungen nach eigenen Worten konstruktiv und kritisch mitgestalten.[3]
Welchen Aufsichtsrat bekommt Bosch Mobility?
Eine GmbH mit mehr als 2.000 Beschäftigten fällt unter das Mitbestimmungsgesetz. Ab mehr als 20.000 Beschäftigten sitzen im Aufsichtsrat je zehn Vertreter der Anteilseigner und der Arbeitnehmer, drei der Arbeitnehmersitze gehen an Gewerkschaften.[4] Die meisten der 62.500 wechselnden Beschäftigten kommen aus dem Mobility-Bereich, die neue Gesellschaft liegt damit deutlich über dieser Schwelle. Neben dem Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH entsteht so ein eigenes Kontrollgremium für das Autogeschäft.
Eine eigene GmbH ändert keine Marge. Bosch Mobility muss die 4,7 Prozent aus dem ersten Halbjahr mit Produkten heben, nicht mit Gesellschaftsrecht.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum baut Bosch den Konzern gerade jetzt um?
Konzernchef Christian Fischer begründet den Schritt mit dem Wettbewerb: „Neue Konkurrenten, vor allem aus Asien, erhöhen den Wettbewerbsdruck.“[1] Im ersten Halbjahr 2026 sank der Mobility-Umsatz um 0,5 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro, die operative EBIT-Rendite fiel von 5,8 auf 4,7 Prozent. Bosch schrieb 270 Millionen Euro auf Produktionsanlagen ab, weil der Hochlauf der Elektromobilität länger dauert als erwartet.[5]
Parallel will Bosch laut SWR in Deutschland mehr als 20.000 Stellen streichen, vor allem in der Mobilitätssparte, zusätzliche Stellen sollen durch den Umbau nicht wegfallen.[3] Von Ende 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Bosch-Beschäftigten in Deutschland um 4.036 auf 118.932.[5] Im Werk Bamberg hat Bosch betriebsbedingte Kündigungen dagegen bis Ende 2032 ausgeschlossen.
Was unterscheidet Bosch von Continental?
Continental hat sein Autogeschäft 2025 als Aumovio abgespalten und an die Frankfurter Börse gebracht, die Industriesparte ContiTech ging an den Finanzinvestor Lone Star. Seither ist Continental ein reiner Reifenhersteller. Bosch plant dagegen keinen Börsengang.[3] Die Kapitalanteile liegen zu 94 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung.[1]
Als Ziel der eigenständigen Mobility-Gesellschaft nennt Bosch größere Spielräume für Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle.[1] Lieferanten und Kunden von Bosch Mobility sollten bis zum Start im August 2027 prüfen, welche Rahmenverträge mit der Robert Bosch GmbH laufen und was diese für einen Wechsel des Vertragspartners vorsehen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- BoschBosch ordnet Konzernstruktur neu (Mitteilung vom 22. Oktober 2026)
- Bürgerliches Gesetzbuch§ 613a Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang
- SWR AktuellRadikaler Konzernumbau bei Bosch
- Mitbestimmungsgesetz§ 7 Zusammensetzung des Aufsichtsrats in Verbindung mit § 1
- BoschHalbjahreszahlen 2026: Bosch bekräftigt Ausblick (Mitteilung vom 23. September 2026)
Mehr Newshunger?
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