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Bei Anthropic ist der Anteil der Berufseinsteiger unter den technischen Neueinstellungen seit Anfang 2025 von 27 auf 9 Prozent gefallen. Die von Beschäftigten gesteuerten KI-Agenten kamen im August auf sechsmal so viele Arbeitsstunden wie die Menschen selbst. Knapp wird damit die Aufmerksamkeit derjenigen, die all die Ergebnisse lesen und prüfen müssen.

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„Eine Armee von Claudes, und jeder will meine Aufmerksamkeit“, so beschreibt ein Ingenieur seinen Arbeitstag. Das Zitat stammt aus einem Bericht, den vier Ökonomen von Anthropic am 16. Oktober veröffentlicht haben.[1]

Nathan Wilmers, Regina Catipon, Maxim Massenkoff und Peter McCrory werten darin interne Daten zu Personal, KI-Nutzung, Kalendern und Vorstellungsgesprächen aus, ergänzt um 17 Interviews mit Beschäftigten.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Juniorstellen in der Technik schrumpfen, obwohl Anthropic insgesamt stark wächst.
  • Ingenieure spielen fünfmal so oft Code-Änderungen ein wie vor sechs Monaten.
  • Rund 80 Prozent ihrer Laufzeit warten die Agenten auf eine Antwort von Menschen.
  • In deutschen Betrieben redet der Betriebsrat mit, sobald Agentendaten die Leistung Einzelner messbar machen.

Warum stellt Anthropic weniger Berufseinsteiger ein?

Weiße Leiter vor weißem Hintergrund mit Schild „Einstieg“ an einer Sprosse
Claude schreibt zunehmend Code und findet Fehler. Deshalb sank der Junior-Anteil in technischen Abteilungen von 21 auf 14 Prozent, Stellenanzeigen für Einsteiger gingen seit Dezember 2025 stark zurück

Claude schreibt zunehmend Code und findet Fehler, deshalb suchen die Technikteams seit April 2026 seltener Einsteiger. Der Junior-Anteil in den technischen Abteilungen sank von 21 auf 14 Prozent, Stellenanzeigen für Einsteiger gingen seit Dezember 2025 besonders stark zurück.[1]

Pro Ingenieur stieg die Zahl der Commits, also der eingespielten Code-Änderungen, binnen sechs Monaten auf das Fünffache. Gelöscht oder zurückgenommen wurde Code von Agenten nicht häufiger als selbst geschriebener. Die Autoren räumen ein, dass ihre Messung eine Selbstselektion nicht ausschließt: Beschäftigte vor einem großen Projekt griffen womöglich eher zum Agenten.[1]

Was tun die Beschäftigten statt der Routinearbeit?

Die Beschäftigten steuern und kontrollieren zunehmend Agenten. Der Anteil dieser Steuerungsarbeit an der Arbeit mit Claude stieg vom Herbst 2025 bis zum Frühjahr 2026 von 10 auf 22 Prozent. Die Zahl dauerhaft hinterlegter Anweisungen für Agenten wuchs binnen eines Jahres von einigen Hundert auf 8.500.[1]

Selbst in Abteilungen ohne Technikbezug würde das Lesen der Agententexte die halbe Arbeitswoche füllen. Im Median verbringen Beschäftigte 20 Prozent mehr Zeit in Besprechungen als vor einem Jahr. In Vorstellungsgesprächen zählen Eigenständigkeit und Urteilsvermögen mehr, Fachwissen weniger.[1]

Anthropic: weniger Einsteiger, mehr Agentenstunden
Wie sich Arbeit und Einstellungen beim KI-Hersteller verschoben haben

Vier Kennzahlen aus dem Bericht

9 %
Anteil der Berufseinsteiger an den technischen Neueinstellungen, Anfang 2025 waren es 27 %
6 : 1
Arbeitsstunden der von Beschäftigten gesteuerten Agenten zu Arbeitsstunden der Menschen im August 2026
5 ×
so viele Commits je Ingenieur wie sechs Monate zuvor
80 %
ihrer Laufzeit warten Agenten im Dialog auf eine Antwort von Menschen

Vorher und nachher

Belegschaft
Junior-Anteil in der Technik
Anfang 2025: 21 %
2026: 14 %
Technik an der Belegschaft: von 61 auf 56 %
Arbeitsweise
Steuerung von Agenten
Herbst 2025: 10 % der Arbeit mit Claude
Frühjahr 2026: 22 %
Hinterlegte Anweisungen: von einigen Hundert auf 8.500
Deutschland
Stellenanzeigen auf Indeed
Einstiegsjobs: 46 % unter 2019
Ausbildung und duales Studium: rund 50 % über 2019
Stand: Juli 2026

Ohne die Einsteiger von heute fehlen morgen die Fachleute, die die Arbeit der Agenten beurteilen können.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger schrumpft auch hierzulande, die Ausbildung hält dagegen. Laut Indeed Hiring Lab lagen Stellenanzeigen für Einstiegsjobs im Juli 2026 um 46 Prozent unter dem Niveau von 2019, Ausbildungsplätze samt dualem Studium um rund 50 Prozent darüber.[2]

Für die Debatte um neue und verdrängte Jobs liefert der Bericht Zahlen aus einem Unternehmen, das KI in fast allen Abläufen einsetzt. Unabhängig geprüft sind diese Daten des Herstellers nicht.

Anthropic setzt auf Aktienbeteiligung, ein Frühwarnsystem für gefährdete Tätigkeiten und interne Wechsel. Den nicht eingestellten Einsteigern hilft nichts davon, schreiben die Autoren selbst.[1]

In Deutschland muss der Arbeitgeber den Betriebsrat über geplanten KI-Einsatz rechtzeitig unterrichten.[3] Werten Sie Agentenprotokolle oder Kalender pro Person aus, wie im Bericht beschrieben, bestimmt der Betriebsrat mit.[4]

Legen Sie außerdem eine feste Zahl an Einstiegs- und Ausbildungsplätzen fest, bevor Agenten die Aufgaben von Berufseinsteigern übernehmen. Wie Anthropic intern arbeitet, zeigt auch das Porträt des Designteams von Anthropic.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. AnthropicHow employment is changing at Anthropic16.10.2026
  2. Indeed Hiring LabBerufseinstieg: Stellenangebot sinkt, Ausbildungssystem bietet einen Anker23.09.2026
  3. Gesetze im Internet§ 90 Betriebsverfassungsgesetz, Unterrichtungs- und Beratungsrechte
  4. Gesetze im Internet§ 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte

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