Mehr als 80 % des Codes, den Anthropic im Mai 2026 in die eigene Codebasis übernahm, stammte von Claude. Die Entwicklung arbeitet nach der Einschätzung von Designleiter Joel Lewenstein etwa zehnmal so schnell wie früher, das Produktdesign nur drei- bis fünfmal so schnell. Im Designteam des KI-Herstellers zählt deshalb vor allem die Frage, was sich zu bauen lohnt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIn der ersten Arbeitswoche reicht bei Anthropic jeder neue Designer einen Pull Request ein, also eine Codeänderung zur Übernahme ins Produkt. Lewenstein und vier Teammitglieder schildern ihre Arbeitsweise in einem Porträt, das der Wagniskapitalgeber Designer Fund am 6. Oktober veröffentlichte.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Mehr als 80 % des übernommenen Codes stammt bei Anthropic von Claude, das Design hält mit diesem Tempo nicht Schritt.
- Die Designer arbeiten direkt im Code und bauen eigene Werkzeuge, darunter mindestens 30 Entwicklungsumgebungen.
- Aus einem internen Experiment entstand Claude Design, seit April 2026 als Forschungsvorschau verfügbar.
- Shopify und Linear ziehen aus derselben Technik gegensätzliche Schlüsse.
Warum hinkt das Design bei Anthropic hinterher?

Mit Claude beschleunigt sich die Umsetzung stärker als die Entscheidung. Ingenieure arbeiten nach Lewensteins Rechnung etwa zehnmal so schnell wie früher, Designer drei- bis fünfmal. Eine Woche Entwurfsarbeit lässt sich schwer begründen, sobald die Entwicklung ein Feature in 48 Stunden baut.[1]
Der Engpass wandert damit von der Umsetzung zur Auswahl. Lauffähige Prototypen entstehen mitunter, bevor sich ein Team auf die Idee geeinigt hat, und das Designteam entscheidet zunehmend, welche von vielen fertigen Varianten bleibt.
Nate Parrott, Designer im Team von Claude Code, speiste im Herbst 2025 das hauseigene Designsystem in eine HTML-Umgebung ein und erzeugte ein Dutzend klickbarer Varianten statt dreier Figma-Entwürfe.[1] Ein eigenes Team baute daraus Claude Design, das Anthropic am 17. April 2026 als Forschungsvorschau für die Tarife Pro, Max, Team und Enterprise startete.[2]
Wie arbeiten die Designer stattdessen?
Die Designer arbeiten direkt im Code und automatisieren wiederkehrende Handgriffe. Meaghan Choi, Designleiterin für Claude Code und Cowork, startet mit dem Befehl /fresh einen sauberen Arbeitszweig und mit /preview die lokale Vorschau.[1]
Für neue Funktionen lässt Choi fünf Varianten als klickbare Vorschau erzeugen und von Claude eine Empfehlung samt Begründung schreiben. Die Entscheidung trifft die Designerin selbst. Weil Sicherheits- und Datenschutzauflagen manche Fremdsoftware ausschließen, bauen die Beschäftigten ihre Hilfsprogramme häufig selbst, nach Schätzung von Produktdesigner Kyle Turman allein mindestens 30 Entwicklungsumgebungen.
UX-Forscher Matt Gallivan baute mit Claude in rund einer Woche ein Umfragesystem samt Dashboard, für das früher nach seiner Schätzung zwei bis drei Forscher einige Monate gebraucht hätten. Um im Alleingang mit Claude nicht aneinander vorbeizuarbeiten, trifft sich das Team bis zu viermal pro Woche in kleinen Gruppen zur Design-Kritik statt wie früher zweimal in großer Runde.
Anthropic in Zahlen (Stand Oktober 2026)
Drei Designteams, drei Haltungen
Je billiger der Prototyp, desto wertvoller das begründete Nein eines Designteams.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Gehen andere Designteams denselben Weg?
Shopify geht denselben Weg, Linear bremst bewusst. Katarina Batina, Vice President Design bei Shopify, beziffert den Anteil ihrer Designer, die Code direkt in die Produktion schieben, auf rund 60 %.[3]
Linear-Chef Karri Saarinen warnt dagegen, Code zwinge zur Festlegung, bevor ein Team das eigentliche Problem verstanden hat. Ein Mitglied seines Designteams setzt KI nur für rund ein Viertel neuer Entwurfsarbeit ein.[4] Saarinens Sorge passt zur Warnung vor dem Einheitslook vibecodierter Entwürfe. In einer Befragung unter 119 Designchefs erwarteten 94 % für die nächsten fünf Jahre einen stark veränderten Werkzeugkasten.
Was sollten Designteams im DACH-Raum jetzt tun?
Designteams sollten die begründete Auswahl unter vielen Prototypen als ihre Kernleistung verstehen. Zwei Vorbereitungen erleichtern den Umbau.
- Designsystem pflegen: Beim Einrichten von Claude Design werden Codebasis und Designdateien ausgelesen, Farben, Schriften und Komponenten fließen danach in jeden Entwurf ein.[2] Veraltete Komponenten erscheinen deshalb in jedem neuen Prototyp wieder. Alternativen ordnet der Vergleich von KI-Webdesign-Tools ein.
- Eigenbau regeln: Selbst gebaute Umfrage- oder Auswertungsprogramme verarbeiten schnell personenbezogene Daten, für die auch im Eigenbau die DSGVO gilt. Legen Sie fest, wer solche Werkzeuge freigibt. Im Enterprise-Tarif muss ein Administrator Claude Design ohnehin erst einschalten.[2]
Bei der Auswahl eines Dienstleisters aus dem Vergleich von UX- und UI-Agenturen lohnt die Frage, ob das Team Prototypen als lauffähigen Code liefert.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Designer FundWhen code is no longer the constraint: Inside Anthropic’s design team
- AnthropicIntroducing Claude Design by Anthropic Labs
- Designer FundHow to grow as a designer when AI is changing everything: Inside design at Shopify
- Designer FundHow tech’s most craft-obsessed team uses AI: Inside design at Linear
Mehr Newshunger?
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