Artikel teilen

Tim Sweeney stellt Epic Games auf KI um und verteilt dafür Entwickler auf neue Aufgaben. Weniger Personal sei nicht das Ziel, schreibt der Gründer, ein halbes Jahr nach über 1.000 Kündigungen. Laut Bloomberg soll das Team des verschobenen Disney-Spiels künftig mit Claude statt mit handgeschriebenem Code arbeiten.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Den KI-Umbau bei Epic Games kündigte Tim Sweeney am Montagabend auf X an: „Wir haben bei Epic einen gewaltigen Kurswechsel eingeleitet und verteilen Entwickler neu, um uns für maximale KI-Beschleunigung umzurüsten.“ Den Nutzen will der Epic-Chef an alle Teams weitergeben, die mit der Unreal Engine arbeiten.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Sweeney verteilt Entwickler neu, damit Epic so weit wie möglich mit KI arbeitet.
  • Laut Bloomberg verschiebt Epic seinen Shooter mit Marvel- und Star-Wars-Figuren, der im März 2027 erscheinen sollte.
  • Im März hatte Sweeney die Kündigung von über 1.000 Beschäftigten noch ausdrücklich von KI getrennt.

Was verlangt Epic von seinen Entwicklern?

Tastatur-Gehäuse, eine Leertaste mit Schriftzug „KI zuerst“ darauf, neutraler Hintergrund
Disney-Shooter wird verzögert, Team nutzt KI-Modelle von Anthropic statt handgeschriebenem Code für Grafiken

Am deutlichsten trifft der Kurswechsel das Disney-Projekt. Nach dem Bericht von Bloomberg kommt der Shooter wegen schleppenden Fortschritts und zu kleiner Teams später, das Team soll nun nach dem Prinzip „AI first“ mit den Modellen von Anthropic arbeiten. Handgeschriebener Code ist dort laut Bloomberg nicht mehr vorgesehen. Der Spielleiter verlangt Grafiken aus vollständigen KI-Workflows. Viele Beschäftigte reagierten laut dem Bericht verwirrt. Epic setze auf KI-beschleunigte Entwicklung, angeführt von den eigenen Entwicklern, erklärte Kommunikationschef Jake Jones gegenüber Bloomberg.

Warum dreht Sweeney gerade jetzt auf?

Die Antwort steht in seiner eigenen Kündigungsmail vom 24. März. Seit dem Einbruch bei Fortnite im Jahr 2025 gebe Epic deutlich mehr aus, als das Studio einnehme, schrieb Sweeney damals. Zusätzlich hatte Epic Einsparungen von über 500 Millionen Dollar ermittelt, umgerechnet rund 435 Millionen Euro. Mit KI habe der Abbau nichts zu tun, betonte er.[2] Die verbliebene Belegschaft soll nun mehr liefern, für Fortnite und für Disney, das sich 2024 mit 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) an Epic beteiligte. Ein Blick auf das Geschäftsmodell von Epic zeigt, wie stark das Studio an Fortnite hängt.

Am KI-Trend verdient Epic zudem selbst. Auf dem Asset-Marktplatz Fab stiegen die Umsätze der Verkäufer im September deutlich, weil Entwickler mit KI-Assistenten Szenen bauen und dafür Bausteine kaufen, schrieb Sweeney am 7. Oktober.[3] Eine Jobgarantie wie Palo-Alto-Chef Nikesh Arora, der wegen KI keinen seiner Entwickler entlassen will, gab Sweeney allerdings nicht ab.

Epics Weg zur KI-Wende
Wie Tim Sweeney das Studio binnen sieben Monaten umbaut, alle Beträge in Euro
Sparkurs
24. März 2026
1.000+

Kündigung von über 1.000 Beschäftigten. Laut Sweeney ohne Zusammenhang mit KI.

Zusätzliche Einsparungen
435 Mio. €

Bei Dienstleistern, Marketing und offenen Stellen.

KI-Kurs
22. Juni 2026

Fahrplan zur Unreal Engine 6 mit MCP-Schnittstelle für Claude, Gemini und andere Modelle. Vorabversion Ende 2027.

7. Oktober 2026

Sweeney meldet deutlich höhere Umsätze der Verkäufer auf dem Marktplatz Fab im September.

12. Oktober 2026

Sweeney kündigt den „gewaltigen Kurswechsel“ an. Entwickler wechseln in neue Aufgaben.

Disney-Projekt
Beteiligung von Disney
1,3 Mrd. €

Einstieg 2024. Der gemeinsame Shooter sollte im März 2027 erscheinen und kommt laut Bloomberg später.

Eine KI-Pflicht von oben ersetzt keine Regel dafür, wer die Fehler der Maschine findet und behebt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

In Betrieben mit Betriebsrat ließe sich eine Anordnung wie bei Epic nicht im Alleingang umsetzen. Plant ein Arbeitgeber KI in Arbeitsabläufen, muss er das Gremium nach § 90 Betriebsverfassungsgesetz rechtzeitig unterrichten. Können die Werkzeuge Verhalten oder Leistung der Beschäftigten erfassen, greift die Mitbestimmung nach § 87.[4] Zudem verpflichtet Artikel 4 der KI-Verordnung Firmen seit Februar 2025, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen.[5]

Für Studios, Agenturen und Industriekunden, die mit der Unreal Engine planen, folgen daraus zwei Aufgaben:

  • Prüfen Sie, welche KI-Werkzeuge über die angekündigte MCP-Schnittstelle der Unreal Engine 6 in Ihre Pipeline kommen. Die Vorabversion plant Epic für Ende 2027.[6]
  • Regeln Sie vor dem Einsatz, wer KI-Code und KI-Grafiken abnimmt. Wie schnell sonst die Haftung beim Vibe Coding zum Thema wird, zeigt unser Beitrag dazu.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Tim Sweeney auf XWe have a huge pivot underway here at Epic …12.10.2026
  2. Epic GamesToday’s layoffs24.03.2026
  3. Tim Sweeney auf XInterestingly, Fab seller revenue increased significantly in September …07.10.2026
  4. Gesetze im InternetBetriebsverfassungsgesetz (BetrVG), §§ 87 und 90
  5. EUR-LexVerordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (KI-Verordnung)
  6. Unreal EngineDer Weg zur Unreal Engine 622.06.2026

Mehr Newshunger?

4,3 19 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?