Die Ergebnisse von State of Devs 2026 liegen vor: Bei den 5.463 befragten Entwicklern stammen im Median 63 Prozent des Codes aus KI-Werkzeugen. Zwei Drittel berichten zugleich von nachlassender Motivation. Nur knapp jeder Vierte erlebt durch die KI eine bessere psychische Verfassung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„2026 könnte als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem KI zu groß wurde, um sie zu ignorieren“, schreibt Sacha Greif im Schlusswort zu State of Devs 2026.[1] Der Gründer von Devographics, dem Team hinter State of JS und State of CSS, führt seit über zehn Jahren Entwicklerumfragen durch. In der zweiten Ausgabe der Reihe, die vom 5. Juli bis zum 5. September lief, fragte Devographics nach Karriere, Arbeitsplatz und Gesundheit statt nach Frameworks, erstmals auch nach der Haltung zur KI.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Im Median stammen 63 Prozent des Codes der Befragten aus KI-Werkzeugen.
- Rund zwei Drittel berichten von nachlassender Motivation, 62 Prozent kennen Burnout aus dem eigenen Berufsleben.
- 83 Prozent arbeiten in Firmen, die KI fördern, doch nur 23 Prozent spüren durch die Werkzeuge eine bessere psychische Verfassung.
- Für deutsche Arbeitgeber berühren KI-Ranglisten die Mitbestimmung des Betriebsrats und die Gefährdungsbeurteilung.
Wie viel Code schreibt die KI bei den Befragten?

Im Median stammen 63 Prozent des Codes aus KI-Werkzeugen. Die größte Einzelgruppe lässt nach eigener Angabe 87,5 Prozent generieren, nur knapp ein Zehntel der Befragten verzichtet ganz auf generierten Code.[3]
Einen Teil des Schubs liefern die Arbeitgeber. Von den Befragten arbeiten 83 Prozent in Firmen, die KI-Nutzung fördern, nur 3 Prozent in Firmen, die davon abraten. Knapp ein Drittel greift nach eigener Angabe wegen dieser Förderung öfter zur KI. Devographics beobachtet, dass harte Vorgaben wie Quoten oder Ranglisten mit geringerer Arbeitszufriedenheit und schlechterer psychischer Verfassung einhergehen können.[3]
Ein ähnliches Gefälle zwischen Nutzung und Zustimmung zeigte die Stack-Overflow-Entwicklerumfrage 2025. Dort nutzten 84 Prozent der Befragten KI-Werkzeuge oder planten den Einsatz, aber 46 Prozent misstrauten der Genauigkeit der Ergebnisse, nur 33 Prozent vertrauten ihr.[4] Beim Stylen bleibt mehr Handarbeit: In der Schwesterumfrage State of CSS 2026 kamen nur 28 Prozent des CSS-Codes aus der KI.
Warum macht mehr KI-Code die Entwickler nicht zufriedener?
Nur 23 Prozent der Befragten bescheinigen den KI-Werkzeugen einen positiven Einfluss auf ihre psychische Verfassung, 46 Prozent widersprechen. Ein negatives Urteil geht laut Devographics mit Erschöpfung und Ernüchterung über die Tech-Branche einher.[3]
Die Erschöpfung reicht über die KI hinaus. Burnout kennen 62 Prozent aus dem eigenen Berufsleben, fast so viele wie in der Vorjahresausgabe mit 63 Prozent. Neu abgefragt wurde die aktuelle Stimmung: 66 Prozent spüren weniger Motivation, 60 Prozent wachsenden Zynismus gegenüber ihrer Arbeit oder Branche.[2]
Miranda Heath vom Software Stewardship Lab, die den Überblick zur Umfrage schrieb, verweist auf erste Studien. Prompten könne sich wie eine Sucht anfühlen, starke Abhängigkeit von KI untergrabe das Lernen. Mehrere Agenten parallel zu steuern, könne zu einer kognitiven Überlastung führen, die unter dem Namen „AI brainfry“ kursiert.[2] Die Entwicklerin Laura Summers beschrieb im Sommer, wie das Programmieren der zermürbenden Aufsicht über die Maschine wich.
Hinzu kommt die Sorge um den Arbeitsplatz. 42 Prozent halten einen unfreiwilligen Jobwechsel in den nächsten fünf Jahren für wahrscheinlich, 26 Prozent sogar einen Berufswechsel. Gut 9 Prozent verloren in den vergangenen zwölf Monaten ihre Stelle durch Entlassung. Berufseinsteiger mit höchstens vier Jahren Erfahrung stellen nur 9 Prozent der Befragten, die Daten spiegeln also vor allem erfahrene Entwickler.[5]
Zuletzt an sich bemerkt, Anteil der Befragten
Eine Rangliste der KI-Nutzung misst den Werkzeugverbrauch statt der Codequalität und kostet nebenbei die Motivation des Teams.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was folgt daraus für Arbeitgeber in Deutschland?
Psychische Belastungen bei der Arbeit gehören nach § 5 Arbeitsschutzgesetz in jede Gefährdungsbeurteilung. Wertet eine Rangliste die KI-Nutzung einzelner Entwickler aus, bestimmt ein vorhandener Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mit.[6][7]
Die Zahlen betreffen auch hiesige Teams. Deutschland stellt nach den USA die zweitgrößte Gruppe, 447 von 4.603 Teilnehmern mit Länderangabe.[8] Die meisten Befragten arbeiten im Web: 4.064 von 4.868 entwickeln täglich Frontends mit JavaScript oder TypeScript.[9]
Für Freiberufler fällt die Bilanz gemischt aus. Nur 32 Prozent der Selbstständigen verdienten zuletzt mehr, bei Angestellten lag der Anteil bei 53 Prozent.[5] Zugleich nutzen Freiberufler weniger KI und sehen die Technik kritischer.[9] Einen Vergleich der Einkommen liefert der Dr.-Web-Überblick zum Gehalt von Selbstständigen.
Koppeln Sie KI-Ziele gerne an Ergebnisse wie Fehlerquote oder Durchlaufzeit statt an Nutzungsquoten. Personenbezogene KI-Dashboards gehören vor dem Start auf den Tisch des Betriebsrats. Die Belastung durch parallel gesteuerte Agenten nehmen Sie in die nächste Gefährdungsbeurteilung auf, wie sie das Arbeitsschutzgesetz verlangt.
Quellen
[1] Devographics: „State of Devs 2026: Conclusion“
[2] Devographics: „State of Devs 2026: Overview“
[3] Devographics: „State of Devs 2026: AI“
[4] Stack Overflow: „2025 Developer Survey: AI“
[5] Devographics: „State of Devs 2026: Career“
[6] Bundesministerium der Justiz: „§ 5 ArbSchG, Beurteilung der Arbeitsbedingungen“
[7] Bundesministerium der Justiz: „§ 87 BetrVG, Mitbestimmungsrechte“
[8] Devographics: „State of Devs 2026: Demographics“
[9] Devographics: „State of Devs 2026: Workplace“
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