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Mercedes-Benz will laut Handelsblatt die Zahl der Leiharbeiter in seinen Fahrzeugwerken Sindelfingen, Bremen und Rastatt senken. Dort arbeiten nach dem Bericht rund 3.000 Zeitarbeiter. Zusammen mit Kürzungen bei Sonderzahlungen soll der Sparkurs in Deutschland jährlich 800 Millionen Euro bringen.

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Das Handelsblatt beruft sich auf Konzernkreise.[1] Mercedes äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Plänen und sprach nach Angaben der Nachrichtenagentur dts von „einigen Tausend“ Leiharbeitern.[2] Offen ist, wie viele Zeitarbeiter gehen sollen und bis wann.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Handelsblatt sollen Beschäftigte unbezahlt länger arbeiten, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Gewinnbeteiligung sollen schrumpfen oder wegfallen.
  • Betriebsrat und IG Metall lehnen die Einschnitte ab.
  • Einen Abbau der Stammbelegschaft erwägt das Management laut Bericht derzeit nicht.
  • Die unbereinigte Umsatzrendite der Autosparte lag im zweiten Quartal bei 0,2 Prozent.

Warum trifft der Sparkurs zuerst die Leiharbeiter?

Zwei Blanko-Ausweise mit orangefarbenem und grauem Schlüsselband, einer mit „Gast“-Stempel
Mercedes garantiert Stammbeschäftigten Kündigungsschutz bis 2034. Leiharbeiter sind ausgenommen und dürfen maximal 18 Monate beim gleichen Arbeitgeber eingesetzt werden

Für die Stammbelegschaft gilt bei Mercedes eine Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2034 ausschließt. Leiharbeiter fallen nicht darunter, ihr Arbeitsvertrag liegt beim Verleiher. Endet ein Einsatz, kündigt nicht Mercedes, sondern allenfalls die Zeitarbeitsfirma. Ohnehin darf derselbe Leiharbeiter höchstens 18 aufeinanderfolgende Monate beim selben Entleiher arbeiten, sofern ein Tarifvertrag nichts anderes regelt.[3] Bei der Stammbelegschaft hilft dem Konzern die Altersstruktur: Rund 20 Prozent der Beschäftigten scheiden laut Handelsblatt in den nächsten zehn Jahren aus.

Den Rahmen setzt das Sparprogramm „Next Level Performance“, mit dem Mercedes ab 2027 jährlich rund fünf Milliarden Euro einsparen will. Im September hatte Produktionsvorstand Michael Schiebe ein Montage- und ein Antriebswerk zur Disposition gestellt, falls das Sparziel verfehlt wird. Im Dezember startet außerdem die zweite Runde des Abfindungsprogramms für Verwaltung, Entwicklung und IT.

Was verlangt das Management von der Stammbelegschaft?

Schon Anfang September war die Forderung nach fünf zusätzlichen Wochenstunden ohne Lohnausgleich bekannt geworden. Neu im Bericht ist die jährliche Gewinnbeteiligung, die ebenfalls schrumpfen oder wegfallen soll. Das Paket könnte die Marge um knapp einen Prozentpunkt heben.[1] Konzernchef Ola Källenius plant zudem Verlagerungen in Niedriglohnländer und einen Baukasten aus Modulen für Front, Heck, Seiten und Boden, mit dem künftige Modelle billiger entstehen sollen.[4]

Bei einem Protesttag der IG Metall Mitte September hatte Michael Häberle, Betriebsratschef im Komponentenwerk Untertürkheim, zugespitzt wiedergegeben, wie die Botschaft des Managements bei vielen Beschäftigten ankommt: „Ihr seid viel zu teuer.“[1] Von Januar bis September lieferte Mercedes 1,24 Millionen Pkw aus, sieben Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mercedes: Sparkurs an den deutschen Werken
Was laut Handelsblatt geplant ist und wo der Streit steht
rund 3.000
Zeitarbeiter in den Werken Sindelfingen, Bremen und Rastatt
800 Mio. €
jährliche Einsparung in Deutschland als Ziel des Managements
rund 20 %
der Belegschaft scheiden in den nächsten zehn Jahren altersbedingt aus
0,2 %
unbereinigte Umsatzrendite der Autosparte im zweiten Quartal
Wie sich der Streit zugespitzt hat
Anfang September
Forderung nach fünf Wochenstunden mehr ohne Lohnausgleich wird bekannt.
21. September
Produktionsvorstand Schiebe stellt ein Montage- und ein Antriebswerk infrage.
30. September
Mercedes kündigt für Dezember eine zweite Runde des Abfindungsprogramms an.
23. Oktober
Handelsblatt berichtet über weniger Leiharbeit und Kürzungen bei Sonderzahlungen.

Was heißt das für die Werke und die Branche?

Bislang liegt nur ein Bericht aus Konzernkreisen vor, beschlossen ist nichts. Für Personaldienstleister in den Regionen Böblingen, Bremen und Mittelbaden zählt jetzt, wie schnell Mercedes Einsätze auslaufen lässt und welche Kündigungsfristen ihre Rahmenverträge vorsehen. Damit gewinnen Anschlussaufträge bei anderen Entleihern an Gewicht.

Mercedes ist mit solchen Plänen nicht allein. Der Zulieferer Aumovio will die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, Porsche streicht mit seinem Zukunftspaket bis 2035 weitere 5.000 Stellen. BMW hat sein Abfindungsprogramm nach zwölf Tagen geschlossen.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. HandelsblattMercedes braucht jeden Euro: So will Källenius den Konzern retten (23.10.2026, hinter Bezahlschranke)
  2. AD HOC NEWS / dts NachrichtenagenturMercedes-Benz will 3.000 Leiharbeiter in Deutschland abbauen23.10.2026
  3. Arbeitnehmerüberlassungsgesetz§ 1 Arbeitnehmerüberlassung, Erlaubnispflicht (Abs. 1b, abgerufen 23.10.2026)
  4. HandelsblattMercedes will Autos künftig anders, billiger und schneller bauen (22.10.2026, hinter Bezahlschranke)

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