Dänemark kauft Marschflugkörper vom Typ Anthem beim US-Rüstungsunternehmen Covenant, gefertigt werden sie laut dem Sender TV 2 in Deutschland. Das einzige deutsche Werk des Unternehmens steht in Leipzig und soll die Serienfertigung erst im ersten Quartal 2027 aufnehmen. Stückzahl und Preis nennt das Verteidigungsministerium in Kopenhagen nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenVerteidigungsminister Jeppe Bruus gab den Kauf am Donnerstag zusammen mit einem zweiten System bekannt: Neben Anthem, der vom Boden aus startet, kauft Dänemark den Marschflugkörper Joint Strike Missile des norwegischen Herstellers Kongsberg für seine F-35-Kampfjets.[1] „Auch wenn der Hersteller ein amerikanisches Unternehmen ist, werden die Flugkörper in Deutschland gebaut“, berichtete TV 2 von der Pressekonferenz.[2] Damit hat die Covenant-Fabrik im Leipziger Norden zweieinhalb Wochen nach ihrer Eröffnung einen namentlich bekannten Abnehmer.
Das Wichtigste in Kürze
- Das dänische Verteidigungsministerium meldete den Kauf am 22. Oktober 2026, die Auswahl folgt einer Empfehlung des Oberbefehlshabers der dänischen Streitkräfte.
- Wie viele Flugkörper Dänemark bestellt, was sie kosten und wann sie kommen, sagen weder Ministerium noch Parteien.
- Covenant hatte im Werk Leipzig bis zu 250 Arbeitsplätze und eine Investition von rund 250 Millionen Euro angekündigt.
- Das Bundesverteidigungsministerium bestätigt nur Gespräche mit Covenant, eine deutsche Bestellung gibt es bislang nicht.
Was hat Dänemark gekauft?

Das Ministerium spricht von weitreichenden Präzisionswaffen, die Ziele über große Entfernungen treffen. Sie sollen Angreifer abschrecken und im Ernstfall tief im gegnerischen Gebiet zurückschlagen können. „Die Anschaffungen sind ein deutlicher Schritt, um Dänemark besser zur Selbstverteidigung zu befähigen, die Nato zu stärken und unsere Fähigkeit zum Gegenschlag zu verbessern“, sagte Bruus.[1] Die Grundsatzentscheidung dafür hatte die Regierung von Mette Frederiksen bereits im September 2025 getroffen.[4]
Bis 2030 muss Dänemark der Nato eine solche Fähigkeit stellen, so das Ministerium laut Defense News.[3] Wie viele Flugkörper das Land kauft, wann sie geliefert werden und wo sie lagern, ließen Minister und Verteidigungspolitiker der beteiligten Parteien offen, auch zum Preis äußerten sie sich nicht.[2] Covenant peilt nach früheren Reuters-Angaben in der Serie einen mittleren sechsstelligen Dollarbetrag je Stück an.[3]
Warum kauft Dänemark bei einem jungen Hersteller?
Covenant wurde 2024 gegründet. Im Krieg eingesetzt wurde Anthem bislang nicht, der Flugkörper flog nur in Tests. Auf die Frage nach dem jungen Lieferanten verwies Bruus auf die Empfehlung des Oberbefehlshabers: Der Hersteller könne schnell liefern, sei kostengünstig und habe die Fähigkeiten, die das Militär und die Nato verlangen.[2] Die Gründer sind der israelisch-amerikanische Unternehmer Michael Kaufman und der israelische Sicherheitsforscher Ofir Dayan. Investoren steckten rund 250 Millionen Dollar in das Unternehmen, umgerechnet etwa 218 Millionen Euro (Kurs 0,87 Euro je Dollar). Zum Eigentümerkreis gehört laut TV 2 auch Peter Thiel.[2]
Den Markt öffnet eine Fähigkeitslücke in Europa. Viele Regierungen wollen im Ernstfall selbst zurückschlagen können, weil sie sich auf US-Hilfe mit solchen Waffen unter Präsident Donald Trump nicht mehr verlassen. Covenant wirbt damit, günstiger zu sein als die Systeme, die heute auf dem Markt sind.[3] Mit dem zweiten Kauf bei Kongsberg deckt Dänemark beide Startarten ab: aus der Luft mit der F-35 und vom Boden mit Anthem.
Dänemark bestellt, bevor in Leipzig der erste Flugkörper vom Band läuft. Für die bis zu 250 Arbeitsplätze zählt nun, ob Covenant den Serienstart im ersten Quartal 2027 schafft.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Auftrag für das Werk in Leipzig?
Covenant hatte die Fabrik am 5. Oktober in einer angemieteten Bestandshalle im Leipziger Norden eröffnet, wie Dr. Web zur Eröffnung des Covenant-Werks berichtete. Laut Staatssekretär Johannes Steiniger investiert das Unternehmen dort rund 250 Millionen Euro, bis zu 250 Menschen sollen in der Produktion arbeiten. Geplant sind 1.000 Flugkörper im ersten Jahr und bis zu 5.000 im zweiten. Damals sprach Covenant von einem europäischen Erstkunden, ohne ihn zu nennen. Ob Dänemark dieser Kunde ist, geht aus der Mitteilung des Ministeriums nicht hervor.[1]
Das Werk steht jetzt zwischen Eröffnung und Produktionsstart. Die Behörden müssen die frühere Lagerhalle noch als Fertigungsstätte genehmigen. Lenkflugkörper führt das Kriegswaffenkontrollgesetz in seiner Kriegswaffenliste, wer sie herstellt oder ausführt, braucht dafür eine Genehmigung des Bundes.[5] Ob Covenant sie für die Lieferung nach Dänemark bereits hat, ist nicht bekannt. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigt bislang nur Gespräche über einen eigenen Kauf.[3]
In der Stadt bleibt das Werk umstritten. In einer Online-Umfrage des Instituts O.trend lehnten im September 48 Prozent der 451 Befragten die Ansiedlung ab, 30 Prozent begrüßten sie. Die Befürworter nannten vor allem neue Arbeitsplätze und Aufträge für regionale Zulieferer.[6] Andere Rüstungsvorhaben in Deutschland hängen ebenso an Bestellungen, etwa die Kampfdrohnen von Schaeffler und Delair oder der Ausbau der Getriebefertigung bei Renk. Metall- und Elektronikbetriebe in Mitteldeutschland, die Teile für Anthem liefern wollen, haben bis zum Serienstart im ersten Quartal 2027 Zeit, sich bei der deutschen Tochter Covenant Industries GmbH zu bewerben. Mit Dänemark gibt es nun einen ersten öffentlich bekannten Abnehmer.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ForsvarsministerietDansk forsvar styrkes med to nye typer langtrækkende missiler
- TV 2Danmark køber angrebsmissiler (Liveblog)
- Defense NewsDenmark to buy Kongsberg, Covenant missiles for new long-range strike option
- Ritzau via presse-fotos.dkHer er Danmarks nye offensive våben
- Gesetz über die Kontrolle von KriegswaffenKriegswaffenliste, Teil B Nr. 7 sowie § 2 und § 3 (abgerufen 23.10.2026)
- Sachsen FernsehenCovenant in Leipzig: Fast jeder Zweite lehnt geplante Rüstungsproduktion ab
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