Das Rüstungsunternehmen Helsing hat seit der Übernahme von Grob Aircraft rund 18 Millionen Euro in den Standort Mattsies im Unterallgäu investiert. Die Belegschaft wuchs laut Geschäftsführer Wolfgang Gammel von 260 auf etwa 320 Menschen, weitere 10 bis 15 Millionen Euro sollen folgen. In den Hallen bei Mindelheim entstehen zwei Prototypen des unbemannten Kampfflugzeugs CA-1 Europa.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei Grob Aircraft in Mattsies ist das grelle Orange verschwunden: Gebäude und Firmengelände sind jetzt in Schwarz, Weiß und Dunkelgrau gehalten, berichtet die Augsburger Allgemeine nach einem Besuch vor Ort.[1] Mit den Farben hat sich auch das Geschäft verändert. Der Hersteller des Schulflugzeugs G120TP entwickelt für seinen Eigentümer Helsing ein Kampfflugzeug ohne Piloten, der Erstflug ist für 2027 geplant.
Das Wichtigste in Kürze
- Helsing hat rund 18 Millionen Euro in Grob Aircraft in Mattsies investiert, weitere 10 bis 15 Millionen Euro sind geplant.
- Die Belegschaft stieg von rund 260 auf etwa 320 Beschäftigte, etwa 30 Stellen in Fertigung, Einkauf und Engineering sind offen.
- In Mattsies entstehen zwei Prototypen des unbemannten Kampfflugzeugs CA-1 Europa, der Erstflug ist für 2027 geplant.
- Einen Beschaffungsauftrag für den CA-1 hat Helsing bislang nicht gemeldet.
Warum kauft ein KI-Unternehmen einen Flugzeugbauer?

Fertigung statt Neubau. Helsing unterschrieb den Kaufvertrag für Grob Aircraft am 4. Juni 2025 und erwarb das Unternehmen von H3 Aerospace.[2] Die Münchner sind bisher vor allem für Software bekannt, etwa für den KI-Piloten Centaur. Grob bringt nach Angaben von Helsing Erfahrung im Bau von Flugzeugen der Klasse von drei bis fünf Tonnen mit. In genau diese Klasse fällt der CA-1. Entwicklung und Tests des Kampfflugzeugs finden bei Grob statt.[3]
Knapp ein Viertel mehr Personal. Seit der Übernahme wuchs die Belegschaft in Mattsies um rund 60 Beschäftigte. Etwa 30 weitere Kräfte sucht Grob in Fertigung, Einkauf und Engineering.[1]
Wer bezahlt den Kampfjet ohne Piloten?
Lücke nach FCAS. Mit dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Programm FCAS im Juni 2026 fehlt Europa ein gemeinsames Vorhaben für die nächste Jet-Generation. Helsing setzt auf autonome Jets, die das Unternehmen in großer Stückzahl und kostengünstig bauen will. Denselben Ansatz verfolgt Boeing mit der MQ-28, für die Hensoldt die Sensorik liefert.
Privates Kapital. Helsing finanziert sich über Wagniskapital. Im Juli sammelte Helsing 1,8 Milliarden US-Dollar ein, rund 1,57 Milliarden Euro (Kurs 0,87), bei einer Bewertung von 18 Milliarden US-Dollar.[4] Gemessen an dieser Runde entsprechen die 18 Millionen Euro für Mattsies gut 1 %. Die Massenfertigung der Angriffsdrohne HX-2 plant Helsing dagegen in eigenen Resilience Factories. Die erste Fabrik in den USA soll in West Virginia mehr als 2.000 Stück pro Monat liefern.[5] Wie stark die Branche an privatem Geld hängt, beschreibt unsere Analyse zu Europas Drohnen-Boom.
Mit Grob hat Helsing ein Team gekauft, das seit Jahrzehnten Flugzeuge baut. Dieser Zukauf spart Jahre in der Entwicklung, ersetzt aber keinen Kunden für den CA-1.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Ausbau für das Unterallgäu?
Verschiebung zur Rüstung. Während Autozulieferer in Süddeutschland Stellen abbauen, schafft die Verteidigungsindustrie neue Stellen. Schaeffler und Delair planen die Serienfertigung von Kampfdrohnen, in Osnabrück sollen im früheren VW-Werk ab 2027 Bauteile für die Luftabwehr entstehen. Der Ausbau in Mattsies fällt kleiner aus, folgt aber demselben Muster: Ein Rüstungsunternehmen kauft vorhandene Fertigungserfahrung, statt auf der grünen Wiese neu zu bauen.
Chance für Zulieferer. Betriebe aus Schwaben mit Erfahrung in Faserverbund, Zerspanung oder Elektronik sollten den Kontakt zum Einkauf von Grob jetzt suchen, solange die Lieferkette für den CA-1 noch im Aufbau ist. Kalkulieren Sie dabei Exportkontrolle und Sicherheitsauflagen ein, die im zivilen Geschäft nicht anfallen. Belastbare Stückzahlen hängen allerdings vom ersten Kunden ab. Bis ein Staat den CA-1 bestellt, bleibt Mattsies ein Entwicklungsstandort mit Option auf Serienfertigung.
Quellen
[1] Augsburger Allgemeine: Grob Aircraft in Mattsies: Rüstungsfirma Helsing investiert 18 Millionen Euro (28.09.2026)
[2] Helsing: Helsing acquires Grob Aircraft to accelerate innovation in aerospace and defence (04.06.2025)
[3] Helsing: Helsing präsentiert autonomes Kampfflugzeug CA-1 Europa (25.09.2025)
[4] Helsing: Helsing sammelt 1,8 Mrd. US-Dollar in der Series-E-Finanzierungsrunde ein (13.07.2026)
[5] Helsing: Helsing baut seine US-Präsenz aus: West Virginia wird Standort für erste amerikanische Resilience Factory (14.07.2026)
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