„Der beste Freund des Menschen verdient die beste Technik“, sagt Anduril-Gründer Palmer Luckey. Mit diesem Satz wirbt er für Warhound, ein Unternehmen aus Texas, das Militär- und Polizeihunde genetisch verändern, klonen und mit Rüstungstechnik ausstatten will. Ausgedacht haben es Luckey und Ben Lamm, Chef des Biotech-Unternehmens Colossal Biosciences. Am 22. Oktober meldete Warhound eine Seed-Runde über 200 Mio. Dollar, rund 174 Mio. €.[1]
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenBegründet wird das Vorhaben mit Europa: Mehr als 80 Prozent der Diensthunde des US-Militärs stammen laut Warhound von dort, und weniger als die Hälfte der gekauften Tiere besteht die Ausbildung.[1] Anteile an Warhound hält Luckey nach Angaben von Lamm nicht.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Warhound will Belgische Malinois und Deutsche Schäferhunde genetisch verändern und klonen, die ersten Tiere sollen in rund zwei Jahren in den Dienst gehen.
- Geldgeber sind unter anderem Sequoia Capital, ARK Invest und In-Q-Tel, der Wagniskapitalgeber der US-Geheimdienste.
- Luckey hat die Idee mitentwickelt, Anduril liefert Ausrüstung wie Schutzbrillen und Schutzwesten.
- Die Bundeswehr löst dasselbe Problem seit 2014 konventionell, mit eigener Zucht in Ulmen.
Was plant Warhound?

Warhound hat sich am 22. Oktober erstmals öffentlich vorgestellt. Geführt wird das Unternehmen von David Spirk, früher erster Datenchef des US-Verteidigungsministeriums und zuletzt Berater bei Palantir. Zu den Geldgebern gehören neben Sequoia, ARK Invest und In-Q-Tel auch Franklin Templeton, 8VC und Lux Capital.[1] Laut TechCrunch bewertet die Runde Warhound mit 1,2 Mrd. Dollar, rund 1,04 Mrd. €.[2]
Die Arbeit beginnt im Labor. Colossal hat Zellen leistungsstarker Malinois und Schäferhunde in einer Biobank eingelagert und verändert deren Erbgut. Lamm nennt als Ziele Gesundheit, eine längere Lebensdauer, Schnelligkeit und einen feineren Geruchssinn für die Sprengstoffsuche. Geklont werden die Tiere bei Viagen, einer weiteren Colossal-Firma.[2] Die ersten Welpen sollen Anfang 2027 geboren werden, Lamm rechnet mit den ersten einsatzfähigen Hunden in etwa zwei Jahren. Einen Stückpreis nennt Warhound nicht. Im Gespräch ist ein Modell, bei dem der Staat laufend ausgebildete Hunde bezieht, statt einzelne Tiere zu kaufen.[3]
Die American Humane Society soll die Ausbildung zertifizieren und ausgemusterte Hunde an ihre früheren Hundeführer vermitteln. Die Bioethikerin Alta Charo von der University of Wisconsin begleitet das Vorhaben: „Fortschritte in der Biotechnologie bringen Chancen und Verantwortung zugleich“, sagt sie.[1]
Welche Rolle spielt Palmer Luckey?
Luckey und Lamm haben die Idee nach eigener Darstellung vor Jahren auf dem Moonshots Summit des Unternehmers Peter Diamandis entwickelt.[1] Beteiligt sind die beiden unterschiedlich. Colossal hält Anteile an Warhound und vergibt Lizenzen für seine Technik, Lamm sitzt im Verwaltungsrat. Luckey ist laut Lamm nur Partner und besitzt keine Anteile.[2]
Verdienen kann Luckeys Rüstungsfirma trotzdem. Anduril soll jeden Hund mit Augen- und Gehörschutz, Schutzwesten sowie dem Lagebildsystem Eagle Eye ausstatten, das Hund, Hundeführer und Einheit vernetzt.[3] Das Muster kennt man von Luckey: Im September holte ihn das Pentagon in eine Studie, die Lücken im Waffenarsenal benennen soll, während Anduril selbst Waffen verkauft (Palmer Luckey soll dem Pentagon sagen, welche Waffen fehlen). Auch bei Warhound sitzt er an der Stelle, an der aus einer Idee ein Auftrag für Anduril werden kann.
Colossal ist mit Projekten zur Wiederbelebung ausgestorbener Arten bekannt geworden, etwa des Mammuts und des Dodos. Für Aufsehen sorgten 2025 Welpen, die Colossal als wiederbelebte Schattenwölfe vorstellte, eine vor mehr als 10.000 Jahren ausgestorbene Wolfsart. Laut Fortune stießen diese Behauptungen bei Wissenschaftlern auf Kritik.[3] Welche Gene Warhound im Einzelnen verändert, hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
Warhound verspricht weniger Ausfälle in der Ausbildung. Belegen lässt sich das frühestens 2028, wenn die ersten geklonten Hunde ihren Lehrgang abgeschlossen haben. Bis dahin ist die eigene Zucht der Bundeswehr das erprobte Modell.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Bewertung laut TechCrunch rund 1,04 Mrd. €. Geldgeber u. a. Sequoia, ARK Invest, In-Q-Tel, Franklin Templeton.
- Palmer Luckey: Idee mitentwickelt, keine Anteile
- Ben Lamm: Colossal-Chef, sitzt im Verwaltungsrat
- Colossal: Anteile und Lizenzen, Klonen über Viagen
- Anduril: Schutzausrüstung und Lagebildsystem
- David Spirk: Chef, früher Palantir
Weniger als die Hälfte besteht die Ausbildung: Für 100 einsatzfähige Hunde werden rund 200 beschafft.
- Anfang 2027: erste geklonte Welpen
- etwa 2028: erste Hunde im Dienst
- offen: Preis, Gene, Pentagon-Auftrag
der rund 50 Hunde, die jährlich die Ausbildung durchlaufen, stammt aus eigener Zucht (Stand 2022).
Was bedeutet das für Europa und die Bundeswehr?
Für europäische Züchter ist das US-Militär ein großer Kunde. Rund 2.200 Diensthundeteams zählt dessen Diensthundeprogramm. Weil weniger als die Hälfte der gekauften Hunde die etwa dreijährige Ausbildung besteht, müssen für 100 einsatzfähige Tiere rund 200 beschafft werden.[1] Um dieselben Hunde konkurrieren laut Fortune auch andere Staaten, darunter China und Russland.[3] Bekommt Warhound einen Auftrag des Pentagons, verlieren europäische Zuchten einen Teil dieser Nachfrage, allerdings frühestens in einigen Jahren.
Die Bundeswehr kennt das Problem und hat es anders gelöst. Weil zugekaufte Junghunde die Anforderungen oft nicht erfüllten, züchtet die Schule für Diensthundewesen in Ulmen in Rheinland-Pfalz seit 2014 selbst Belgische Malinois und in geringerem Umfang Deutsche Schäferhunde. Nach Angaben der Bundeswehr aus dem Jahr 2022 dienen rund 300 Mensch-Hund-Teams in der Truppe, jedes Jahr durchlaufen etwa 50 Hunde die Ausbildung, ungefähr die Hälfte davon aus eigener Zucht.[4]
Ein Modell wie Warhound wäre in Deutschland rechtlich schwer umzusetzen. Eingriffe am Erbgut von Tieren, die Schmerzen, Leiden oder Schäden verursachen können, gelten nach dem Tierschutzgesetz als Tierversuch. Zudem verbietet das Gesetz, Wirbeltiere durch biotechnische Maßnahmen so zu verändern, dass erblich bedingte Leiden zu erwarten sind; ausgenommen sind Tiere für wissenschaftliche Zwecke.[5] Die EU-Verordnung zu neuen genomischen Techniken lockert die Regeln nur für Pflanzen. Für Hersteller von Ausrüstung für Diensthunde ist die Meldung trotzdem ein Signal: Mit Anduril drängt ein Rüstungskonzern in einen Markt, den bisher vor allem Spezialanbieter bedient haben.
FAQ: Palmer Luckey, Ben Lamm und Warhound
Was ist Warhound?
Warhound ist ein Rüstungstechnik-Unternehmen aus Texas, das Diensthunde für Militär, Polizei und Rettungskräfte genetisch verändern, klonen und ausrüsten will. Ausgedacht haben es Palmer Luckey und Ben Lamm. Am 22. Oktober 2026 meldete es eine Seed-Runde über 200 Mio. Dollar, rund 174 Mio. Euro.
Ist Palmer Luckey an Warhound beteiligt?
Anteile hält Luckey laut Ben Lamm nicht, er ist Partner. Seine Firma Anduril soll die Hunde mit Augen- und Gehörschutz, Schutzwesten und dem Lagebildsystem Eagle Eye ausstatten. Anteile hält Lamms Unternehmen Colossal Biosciences, das seine Technik an Warhound lizenziert.
Wann sollen die ersten Hunde im Einsatz sein?
Die ersten geklonten Welpen sollen laut Lamm Anfang 2027 geboren werden. Mit einsatzfähigen Hunden rechnet er in etwa zwei Jahren. Einen Preis pro Hund nennt Warhound nicht, einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums hat das Unternehmen bisher nicht gemeldet.
Woher bekommt die Bundeswehr ihre Diensthunde?
Die Bundeswehr züchtet seit 2014 an der Schule für Diensthundewesen in Ulmen selbst Belgische Malinois und Deutsche Schäferhunde. Laut Bundeswehr stammte 2022 etwa die Hälfte der rund 50 Hunde, die jährlich die Ausbildung durchlaufen, aus eigener Zucht, der Rest wird zugekauft.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Warhound via PR NewswireWarhound Launches with $200 Million to Rebuild America’s Military Working Dog Supply (englisch)
- TechCrunchWarhound raises $200M to engineer war dogs and arm them with Anduril gear (englisch)
- FortunePalmer Luckey teams with dire wolf billionaire Ben Lamm to launch $200 million Warhound (englisch)
- BundeswehrHundezucht der Bundeswehr: Optimaler Start ins Diensthundeleben
- Tierschutzgesetz§ 7 TierSchG und § 11b TierSchG, abgerufen am 23. Oktober 2026
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