Palantir verkauft keine Daten und wird trotzdem mit Daten zum wertvollsten Softwarehaus seiner Größenklasse. Die Firma von Peter Thiel sitzt in den Rechenzentren von Geheimdiensten, der US-Armee und der bayerischen Polizei. Daraus zieht der Konzern eine Nettomarge von 36 Prozent.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPalantir legt an diesem Montag, dem 3. August 2026, nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal vor, und Analysten erwarten einen Umsatz von umgerechnet rund 1,57 Milliarden Euro. Schon das erste Quartal 2026 hatte ein Wachstum von 85 Prozent auf etwa 1,42 Milliarden Euro gebracht. Hinter diesem Tempo steht ein Geschäftsmodell, das die meisten Beobachter falsch beschreiben, weil sie Palantir für eine Datenkrake im Stil von Meta oder Google halten.
Das Wichtigste in Kürze
- Palantir setzte 2025 rund 3,9 Milliarden Euro um, ein Plus von 56 Prozent; davon stammten 54 Prozent von Staaten und 46 Prozent von Unternehmen.
- Der Konzern verdient fast alles mit Software-Abonnements für die Plattformen Gotham, Foundry und AIP und verkauft nach eigener Darstellung keine Nutzerdaten.
- 2025 blieben unter dem Strich rund 1,4 Milliarden Euro Gewinn, die sogenannte Rule of 40 erreichte den Rekordwert 127.
- An der Börse ist Palantir rund 257 Milliarden Euro wert, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt über 130 und damit weit über jedem klassischen Softwarekonzern.
- In Deutschland arbeitet die Polizei in mehreren Ländern mit Palantir-Software, während das Bundesverfassungsgericht die Rechtsgrundlagen wiederholt kassiert hat.
1Wie hoch war 2025 der Umsatzanteil der staatlichen Kunden bei Palantir?Aufklappen ↓
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2Wer gab Palantir 2005 das erste größere Kapital und wurde zum Entwicklungspartner?Aufklappen ↓
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3Was verkauft Palantir nach eigener Darstellung ausdrücklich nicht?Aufklappen ↓
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4Wie hoch war 2025 die GAAP-Nettomarge von Palantir?Aufklappen ↓
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5Unter welchem Namen setzt die bayerische Polizei Software auf Palantir-Basis ein?Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Palantir und wie fing alles an?
Palantir entstand 2003 aus einer Idee, die nach dem 11. September 2001 fast trotzig klang: Terrorabwehr mit den Betrugserkennungs-Werkzeugen von PayPal, ohne die Bürgerrechte über Bord zu werfen. PayPal-Mitgründer Peter Thiel steckte eigenes Geld hinein und holte einen alten Bekannten aus Stanford als Chef.
Dieser Bekannte war Alex Karp, ein promovierter Sozialphilosoph ohne Technik- oder Startup-Erfahrung, der in Frankfurt bei einem Schüler von Jürgen Habermas studiert hatte. Zum Gründerkreis gehörten außerdem Joe Lonsdale, Stephen Cohen und der Programmierer Nathan Gettings. Den Namen lieh sich die Runde bei J. R. R. Tolkien, denn ein Palantír ist ein sehender Stein, mit dem man über weite Entfernungen blickt.
Die Grundidee war so einfach wie heikel. Bei PayPal hatte ein System namens Igor betrügerische Zahlungsmuster erkannt, indem es Transaktionen quer über viele Konten verknüpfte. Genau diese Verknüpfungslogik wollten die Gründer auf Terrorismus, Geldwäsche und organisierte Kriminalität übertragen. Der Anspruch, dabei die Grundrechte mitzudenken, war von Anfang an Teil der Erzählung und wurde später ebenso zum Verkaufsargument wie zur Angriffsfläche.
Das Silicon Valley wollte diese Mischung aus Geheimdienstnähe und Philosophie zunächst nicht finanzieren. Sequoia Capital und andere Wagniskapitalgeber lehnten ab, teils mit dem Hinweis, dass Behörden als Kunden zu langsam und zu kompliziert seien. Stattdessen investierte 2005 In-Q-Tel, die Wagniskapitaltochter des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, rund 1,7 Millionen Euro. Wichtiger als das Geld war der Zugang, denn Analysten der CIA testeten die frühe Software über Jahre und sagten den Entwicklern genau, was im Alltag fehlte.
Aus dieser Rückkopplung wuchs Gotham, ein Werkzeug, das verstreute Datenquellen zusammenzieht und verborgene Zusammenhänge sichtbar macht. Die frühe Kundenliste las sich wie ein Adressbuch der Sicherheitsbehörden, von der CIA über das FBI bis zu Spezialeinheiten des Militärs. Über Jahre schrieb Palantir dabei rote Zahlen, weil jeder Behördenauftrag zunächst mühsame Handarbeit von Ingenieuren vor Ort bedeutete. Wir halten diesen Ursprung für den Schlüssel zum Verständnis, denn Palantir hat sein Handwerk am schwierigsten denkbaren Kunden gelernt, dem Staat im Ausnahmezustand.
Prägend war und ist die Rolle von Alex Karp, der bis heute mit ungewöhnlichem Auftreten führt. Der Chef spricht offen über Meditation, Ausdauersport und seine Distanz zum klassischen Silicon Valley. Zugleich baute er eine Kultur, die sich als Dienstleister der westlichen Demokratien versteht. Diese Haltung zog Fachleute an, die lieber für Sicherheitsbehörden als für Werbenetzwerke arbeiten wollten. Aus der Mischung von Mission und Technik entstand ein Selbstverständnis, das Palantir bis heute von den meisten Wettbewerbern trennt.
Der Aufstieg verlief dennoch nicht geradlinig. Über Jahre stand die Firma vor dem Ausstieg wichtiger Geldgeber, weil Behördenprojekte langsam wuchsen und die Kosten hoch blieben. Erst als sich die frühen Einsätze bei Militär und Nachrichtendiensten herumsprachen, stabilisierte sich die Nachfrage. Diese zähe Frühphase prägte die Firma und ihre Vorliebe für lange, tiefe Kundenbeziehungen.
Der Name blieb dabei Programm. Ein Palantír zeigt in Tolkiens Welt zwar ferne Ereignisse, verführt seinen Nutzer aber auch zu Fehlschlüssen und zum Kontrollverlust. Diese Doppeldeutigkeit passt zur Firma, deren Technik Übersicht verspricht und zugleich Ängste vor Überwachung weckt. Schon die Namenswahl trug den späteren Streit in sich.
Wie wurde aus einer Geheimdienst-Software ein Börsenstar?

Der entscheidende Sprung gelang, als Palantir seine Behörden-Software für Konzerne übersetzte und 2020 an die Börse ging. Bis dahin war die Firma ein hoch bewerteter, aber tief defizitärer Geheimtipp, der jahrelang mehr Geld verbrannte, als er einnahm.
Neben Gotham für Staaten stellte Palantir mit Foundry eine zweite Plattform für Unternehmen. Foundry verband die zersplitterten IT-Systeme großer Konzerne, von der Fertigung über die Lieferkette bis zur Buchhaltung, zu einem gemeinsamen Datenmodell. Frühe Großkunden kamen aus der Pharmaindustrie, der Luftfahrt und dem Energiesektor, wo verstreute Datentöpfe seit Jahrzehnten ein teures Problem waren.
Der Weg an die Börse führte im September 2020 über eine Direktnotierung an der New Yorker Börse, ohne klassische Emissionsbanken und ohne frisches Kapital am ersten Tag. In den ersten Quartalen als börsennotierte Firma blieb Palantir defizitär, weil hohe Vergütungen in Aktien die Bilanz belasteten. Anleger stritten heftig darüber, ob hier ein künftiger Riese oder ein überbewerteter Rüstungszulieferer an den Markt gekommen war.
Den eigentlichen Umbruch brachte 2023 die dritte Plattform, AIP, kurz für Artificial Intelligence Platform. AIP schließt große Sprachmodelle an die Datenwelt eines Kunden an, ohne dass die Modelle unkontrolliert schalten und walten. Palantir verkauft diese Anbindung über mehrtägige Bootcamps, in denen Kundenteams innerhalb von Tagen eine lauffähige Anwendung bauen, statt monatelang über Konzepte zu reden.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2025 | rund 3,9 Milliarden Euro |
| Gewinn 2025 | rund 1,4 Milliarden Euro |
| Wachstum 2025 | 56 Prozent |
| Umsatzprognose 2026 | rund 6,66 Milliarden Euro |
| Beschäftigte Ende 2025 | 4.430 |
| Börsenwert Juli 2026 | rund 257 Milliarden Euro |
Diese Bootcamps verkürzten die Verkaufszyklen drastisch und trieben vor allem das kommerzielle Geschäft in den USA an. Anders als viele Tech-Konzerne wuchs Palantir kaum durch Zukäufe, sondern fast ausschließlich aus eigener Kraft. 2025 setzte die Firma rund 3,9 Milliarden Euro um, beschäftigte zum Jahresende 4.430 Menschen und wurde 2024 in den Aktienindex S&P 500 aufgenommen. Der Börsenwert kletterte laut dem Finanzdienst companiesmarketcap im Juli 2026 zeitweise über umgerechnet 260 Milliarden Euro, was Palantir teurer macht als manchen Autobauer mit dem Zehnfachen an Umsatz.
Für Diskussionen sorgte in dieser Phase eine ungewöhnliche Wachstumstaktik. Palantir beteiligte sich an mehreren Börsenmänteln, sogenannten SPACs, deren Zielfirmen kurz darauf Foundry-Verträge unterschrieben. Beobachter sahen darin einen Kreislauf, bei dem der Konzern seinen eigenen Umsatz mitfinanzierte, während Palantir auf reguläre Geschäftsabschlüsse verwies. Die Episode zeigte, wie hart die Firma in den ersten Börsenjahren um Wachstumszahlen kämpfte, bevor das KI-Geschäft die Lage drehte.
Der Wandel spiegelt sich in den Quartalszahlen. Aus einem Umsatz von rund 1,42 Milliarden Euro im ersten Quartal 2026 und einem Nettogewinn von etwa 757 Millionen Euro wurde binnen eines Jahres eine Wachstumsgeschichte, die selbst hartgesottene Skeptiker überraschte. Das Tempo von 85 Prozent Zuwachs liegt weit über dem, was etablierte Softwarekonzerne dieser Größe erreichen. Genau der Kontrast zwischen dem Alter des Modells und der Frische der Zahlen macht Palantir zum Streitfall unter Anlegern.
Bemerkenswert bleibt, dass Palantir diesen Aufstieg fast ohne Zukäufe schaffte. Während Konkurrenten Umsatz durch Übernahmen einkauften, baute Palantir seine Plattformen Stück für Stück selbst. Dieser Verzicht auf teure Akquisitionen hielt die Bilanz sauber und die Kultur einheitlich, kostete aber Zeit und erklärt die langen Verlustjahre vor dem Durchbruch.
Wie verdient Palantir tatsächlich sein Geld?

Palantir verdient fast alles mit mehrjährigen Abonnements für drei Software-Plattformen und verkauft dabei keine Daten, sondern die Werkzeuge, mit denen Kunden ihre eigenen Daten in Entscheidungen verwandeln. Genau diese Unterscheidung trennt Palantir von Werbekonzernen wie Meta oder Google.
Die erste Erlösquelle ist das Geschäft mit Staaten, das 2025 rund 2,1 Milliarden Euro einbrachte. Die zweite ist das Geschäft mit Unternehmen, das mit etwa 1,8 Milliarden Euro noch kleiner, aber deutlich dynamischer ist. Im ersten Quartal 2026 wuchs allein das kommerzielle US-Geschäft laut Palantir um 133 Prozent auf umgerechnet rund 518 Millionen Euro, der Motor der ganzen Beschleunigung.
Bemerkenswert ist die Effizienz dahinter. Aus 4.430 Beschäftigten zog Palantir 2025 einen Umsatz von rund 880.000 Euro je Kopf, ein Wert, von dem klassische IT-Dienstleister nur träumen. Die Zahl der Kunden stieg um 34 Prozent auf 954, und die abgeschlossenen Auftragswerte legten laut Geschäftsbericht um 138 Prozent zu. Der Konzern wächst also schneller und zieht zugleich aus jedem Mitarbeiter mehr Ertrag als die Konkurrenz.
Hinter dem Wachstum steht eine hohe Vertragstreue. Die Netto-Dollar-Bindung, die misst, wie viel Bestandskunden im Folgejahr zusätzlich ausgeben, lag zuletzt deutlich über 100 Prozent. Ein einmal gewonnener Kunde bringt also Jahr für Jahr mehr Umsatz, ohne dass Palantir ihn neu erobern muss. Dieser Selbstlauf aus dem Bestand ist der leise, aber entscheidende Hebel hinter den Margen.
Auffällig ist zudem die geografische Schieflage. Rund 74 Prozent des Umsatzes stammen aus den USA, nur 26 Prozent aus dem Rest der Welt. Der Heimatmarkt trägt das Geschäft, was Palantir stark, aber auch abhängig von der US-Politik macht. Der Ausbau in Europa gilt intern als große Wachstumsreserve, stößt jedoch auf rechtliche Hürden.
Drei Plattformen, ein Betriebssystem
Technisch ruht der Umsatz auf Gotham, Foundry und AIP, verklammert durch das Bereitstellungswerkzeug Apollo. Gotham bedient Geheimdienste und Militär, Foundry die Wirtschaft, AIP legt eine KI-Schicht über beide.
Die eigentliche Bindekraft steckt in der Ontologie, einem digitalen Modell, das Maschinen, Verträge, Personen und Prozesse eines Kunden in einer gemeinsamen Sprache abbildet. Über diese Ontologie schreibt AIP Entscheidungen zurück in die Systeme, statt nur Berichte zu erzeugen. Ein Sprachmodell schlägt etwa vor, eine Bestellung umzuleiten, und ein Mensch gibt sie frei. Was im Werbegeschäft der Algorithmus für Anzeigen ist, ist bei Palantir diese Handlungsschleife aus Daten, Vorschlag und Freigabe.
Warum kein Datenverkauf auftaucht
Bei einem digitalen Geschäftsmodell fragt man zuerst nach den Datenströmen, und bei Palantir führt diese Frage zu einer überraschend leeren Bilanzposition. Die Kundendaten liegen weiter beim Kunden, in dessen eigener Cloud oder im eigenen Rechenzentrum.
Deshalb steht in Palantirs Bilanz kein Datenschatz als Vermögenswert, wie ihn ein Werbekonzern implizit besitzt. Der Wert steckt stattdessen in den laufenden Verträgen, die Palantir als Remaining Deal Value ausweist. Allein im kommerziellen US-Geschäft summierte sich dieser noch nicht abgerechnete Auftragsbestand Anfang 2026 auf umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro. Als eigentliche Ware zählt damit der langfristige Zugang zur Plattform, nicht der einzelne Datensatz.
Diese Konstruktion hat einen handfesten Vertriebsvorteil, gerade bei sensiblen Kunden. Ein Geheimdienst oder ein Pharmakonzern behält seine Daten im eigenen abgeschotteten Bereich, wo Palantirs Software direkt darauf zugreift. Der Verzicht auf den Datenhandel ist also kein moralischer Luxus, sondern eine Bedingung dafür, überhaupt in diese Hochsicherheitsumgebungen hineinzukommen.
Die weniger sichtbaren Ströme
Neben den großen Abos speisen kleinere, weniger sichtbare Quellen die Bilanz. Dazu zählen strategische Beteiligungen an Partnerfirmen, Optionsrechte aus früheren Verträgen und der schnell wachsende Aufpreis für KI-Funktionen über AIP.
Besonders die staatlichen Verträge tragen versteckte Vorteile. Diese Abkommen laufen über viele Jahre, sind schwer kündbar und finanzieren die Entwicklung neuer Funktionen vor, die Palantir später an Firmenkunden verkauft. Der Staat bezahlt damit indirekt einen Teil der Produktpipeline, von der später die Wirtschaft profitiert.
| Segment | Umsatzanteil 2025 | Besonderheit |
|---|---|---|
| Staat | rund 54 Prozent | stabil, mehrjährig, gut planbar |
| Wirtschaft | rund 46 Prozent | schnellstes Wachstum, KI-getrieben |
| USA | rund 74 Prozent | Kernmarkt, politisch abhängig |
| Ausland | rund 26 Prozent | Wachstumsreserve mit rechtlichen Hürden |
Wo die Marge wirklich sitzt
Die dickste Marge trägt das Software-Abo, während Einführung und Betreuung bewusst schlank gehalten sind. Palantir wies für 2025 eine bereinigte operative Marge von 50 Prozent und eine GAAP-Nettomarge von 36 Prozent aus.
Diese Werte bündeln sich in der Rule of 40, einer Faustregel für Softwarefirmen, die Wachstum und Marge addiert. Ein Ergebnis über 40 gilt als gesund, Palantir erreichte 2025 den Wert 127. Der freie Mittelzufluss lag bei knapp 2 Milliarden Euro, sodass die Firma ihr Wachstum aus eigener Kraft finanziert und keinen Kapitalmarkt für den laufenden Betrieb braucht. Wir kennen wenige Softwarehäuser, die Tempo und Profitabilität derart in Deckung bringen.
Zwischen den Segmenten klafft dabei eine Margenlücke. Das reine Lizenzgeschäft wirft eine Bruttomarge von über 80 Prozent ab, während die Arbeit der vorgelagerten Ingenieure beim Kunden deutlich teurer ausfällt. Palantir steuert diese Mischung bewusst, indem es die margenarme Einführung als Türöffner nutzt und den eigentlichen Gewinn über die Lizenzen einfährt.
Innerhalb dieser Zahlen verschieben sich die Gewichte spürbar. Das Staatsgeschäft finanzierte über Jahre die Entwicklung, die heute das kommerzielle Geschäft trägt, eine klassische Quersubventionierung mit langem Atem. Die kostenlosen oder verbilligten Bootcamps wiederum sind ein Lockangebot, das neue Firmenkunden anfüttert und später über Ausbaustufen abkassiert. Der eine Bereich zahlt so auf den anderen ein.
In den vergangenen fünf Jahren kippte damit das ganze Modell vom Zuschussfall zum Gewinnbringer. 2020 schrieb Palantir noch tiefrote Zahlen, 2025 standen rund 1,4 Milliarden Euro Gewinn in den Büchern. Für 2026 stellte die Firma nach dem ersten Quartal einen Umsatz von umgerechnet rund 6,66 Milliarden Euro in Aussicht, ein Plus von 71 Prozent. Der Auslöser trägt einen Namen: die KI-Welle, die AIP vom Nebenprodukt zum Wachstumstreiber machte.
Diese Verschiebung hat einen Preis-Hebel bekommen. AIP verkauft Palantir als kostenpflichtige Erweiterung, die auf den bestehenden Verträgen aufsetzt. Bestandskunden zahlen also einen Aufschlag für die KI-Schicht, ohne die Plattform zu wechseln. Genau dieser Aufpreis erklärt, warum das kommerzielle Geschäft zuletzt schneller wuchs als das mit Staaten.
Wie groß ist die Marktmacht von Palantir?

Palantir ist im Behördengeschäft mit Datenanalyse konkurrenzarm und im Firmengeschäft ein teurer Spezialist, der seine Kunden über die Ontologie fest an sich bindet. Der Wettbewerb sieht in beiden Feldern sehr unterschiedlich aus.
Im Staatsgeschäft treten klassische Rüstungs- und Beratungshäuser wie Booz Allen Hamilton oder Leidos an, die jedoch selten eine vergleichbar tiefe Plattform bieten. Im Firmengeschäft rivalisiert Palantir mit Datenspezialisten wie Snowflake und Databricks sowie mit den großen Cloud-Anbietern Amazon, Microsoft und Google. Der Unterschied liegt in der Tiefe, denn Palantir liefert über den Datenspeicher hinaus das eigentliche Betriebssystem für Entscheidungen.
Die Bindung entsteht über zwei Hebel. Der erste ist die Ontologie, die mit jedem modellierten Prozess wächst und einen Wechsel teuer macht. Der zweite sind die vorgelagerten Ingenieure von Palantir, die sich in die Abläufe eines Kunden eingraben und dort schwer ersetzbar werden. Ein Umzug zur Konkurrenz bedeutet, dieses über Jahre gewachsene Modell von Grund auf neu aufzubauen.
| Feld | Wichtigste Wettbewerber | Palantirs Vorteil |
|---|---|---|
| Staat und Militär | Booz Allen Hamilton, Leidos | tiefe eigene Plattform statt Beratung |
| Datenplattformen | Snowflake, Databricks | Ontologie und Handlungslogik |
| Cloud-Pakete | Amazon, Microsoft, Google | vorgelagerte Ingenieure vor Ort |
Wie stark diese Position ist, zeigte im Sommer 2026 ein Rahmenvertrag mit der US-Armee über bis zu umgerechnet 8,7 Milliarden Euro, der laut Berichten des Senders CNBC 75 einzelne Verträge zu einem Abkommen bündelt. Der genannte Betrag ist eine Obergrenze und keine feste Zusage, doch die Bündelung zeigt die Richtung. Solche Großabschlüsse zementieren Palantir als festen Bestandteil der US-Sicherheitsarchitektur, und für Herausforderer wird der Einstieg damit von Jahr zu Jahr schwerer.
Auch jenseits der USA wächst Palantirs Staatsgeschäft. In Großbritannien betreibt die Firma für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS eine zentrale Datenplattform, deren Vertrag laut Medienberichten rund 380 Millionen Euro schwer ist und 2026 politisch überprüft wird. Solche Aufträge zeigen die Reichweite des Modells und zugleich seine Angriffsfläche, denn öffentliche Gesundheitsdaten gelten als besonders sensibel.
Der eigentliche Schutzwall ist jedoch weniger sichtbar. Je länger ein Kunde mit Palantir arbeitet, desto mehr seiner Abläufe stecken in der Ontologie, und desto teurer wird ein Wechsel. Große Behörden und Konzerne scheuen diesen Aufwand, sobald erste kritische Prozesse laufen. Diese wachsende Trägheit ist für Palantir wertvoller als jeder einzelne Großauftrag.
Die Rivalen sitzen dabei nicht still. Snowflake und Databricks bauen ihre Datenplattformen um KI-Funktionen aus, und die großen Cloud-Anbieter bündeln Speicher, Rechenkraft und Modelle zu günstigen Paketen. Palantir kontert mit der Tiefe seiner Ontologie und mit Partnerschaften, etwa der Zusammenarbeit mit Microsoft und großen Chipherstellern. Der Wettbewerb entscheidet sich weniger am Speicher als an der Entscheidungslogik darüber.
Von einem klassischen Monopol ist Palantir dennoch weit entfernt. Der Konzern hält in keinem großen Markt eine erdrückende Mehrheit, sondern gewinnt über Tiefe und Bindung statt über schiere Größe. Genau deshalb steht die Firma bislang kaum im Fokus der Kartellbehörden, anders als die Suchmaschinen und sozialen Netzwerke des Silicon Valley.
Wer ist bei Palantir eigentlich das Produkt?

Bei Palantir ist der zahlende Kunde nicht das Produkt, sondern der Auftraggeber, während die eigentliche Ware die analysierte Wirklichkeit ist, bei Behörden auch die überwachte Bevölkerung. Damit kehrt Palantir die Logik der Werbeplattformen um.
Bei Meta oder Google zahlt der Werbekunde, und der Nutzer wird mitsamt seinem Verhalten zur handelbaren Ware. Bei Palantir zahlt der Konzern oder die Behörde für eine Software, die auf ihren eigenen Datenbeständen arbeitet. Der Endnutzer taucht als Werbeziel gar nicht auf, weil es kein Werbegeschäft gibt und keine Zielgruppe versteigert wird.
Für Firmenkunden ist das Rohmaterial die eigene Betriebsrealität, also Maschinenlaufzeiten, Lieferketten oder Kreditrisiken. Bei staatlichen Einsätzen jedoch verschiebt sich die Rolle grundlegend. Sobald eine Polizei oder eine Einwanderungsbehörde Personendaten durch die Plattform laufen lässt, wird die betroffene Bevölkerung zum Gegenstand der Analyse, ohne je Kunde oder Nutzer zu sein.
Aus dieser Doppelrolle zieht Palantir seinen guten wie seinen schlechten Ruf. Ein Werk, das Panzerlogistik oder die Suche nach Krebswirkstoffen beschleunigt, trägt dieselbe Technik wie ein Werkzeug zur Rasterfahndung. Die Frage, wer hier Produkt ist, hängt am konkreten Einsatz und nicht an der Software allein. Genau diese Ambivalenz macht die Firma zum Politikum.
Für den einzelnen Bürger bleibt diese Rolle meist unsichtbar. Anders als bei einem sozialen Netzwerk gibt es kein Konto, keine Einwilligung und keine Datenschutzerklärung zum Wegklicken. Die Analyse geschieht im Hintergrund einer Behörde, was die demokratische Kontrolle erschwert und den Streit regelmäßig vor Gericht trägt.
Bei Firmenkunden liegt die Sache klarer. Ein Autohersteller, der seine Lieferkette in Foundry abbildet, ist zugleich Kunde und Lieferant der Daten, die den Nutzen erzeugen. Der Wert entsteht aus seiner eigenen Betriebsrealität, und der Konzern behält die Kontrolle über das Rohmaterial. Damit fehlt die moralische Schärfe, die den staatlichen Einsatz begleitet.
Was kostet Palantir wirklich, und wer trägt die Kosten?

Palantir veröffentlicht keine Preisliste, sondern verhandelt jeden Vertrag einzeln, meist über mehrere Jahre und mit hohen Einstiegshürden. Der sichtbare Listenpreis existiert nicht, was den wahren Preis zur Verhandlungssache macht.
Der Einstieg gelingt oft über ein günstiges Bootcamp, in dem ein Kundenteam einen ersten Anwendungsfall baut. Danach folgt das eigentliche Geschäft, die schrittweise Ausweitung auf weitere Abteilungen, im Fachjargon Land and Expand. Jede neue Ausbaustufe kostet zusätzliche Lizenzen, und die vorgelagerten Ingenieure werden separat vergütet.
Die folgende Übersicht zeigt, aus welchen Bestandteilen sich der Preis für einen typischen Firmenkunden grob zusammensetzt.
| Kostenbestandteil | Wofür der Kunde zahlt | Charakter |
|---|---|---|
| Plattform-Lizenz | Zugang zu Foundry oder AIP, meist pro Jahr | Wiederkehrend, margenstark |
| Bootcamp und Einführung | Erster Anwendungsfall in wenigen Tagen | Lockangebot, kaum Gewinn |
| Vorgelagerte Ingenieure | Anpassung an die eigenen Prozesse | Projektbezogen, arbeitsintensiv |
| Ausbaustufen | Weitere Abteilungen und Datenquellen | Wiederkehrend, wachsend |
| Rechen- und Speicherkosten | Betrieb in der Cloud des Kunden | Durchlaufend, beim Kunden |
Wegen der fehlenden Preisliste zahlen vergleichbare Kunden oft sehr unterschiedliche Summen für ähnliche Leistungen. Der Preis richtet sich weniger nach den Kosten als nach dem Nutzen, den Palantir beim Kunden verspricht, ein Muster, das Fachleute wertbasierte Preisbildung nennen. Kunden, die früh und laut über Einsparungen reden, zahlen am Ende tendenziell mehr.
Genau diese Undurchsichtigkeit ist Teil des Geschäfts. Ohne öffentliche Preise fehlt dem Kunden ein Vergleichsmaßstab, und der Anbieter behält die Deutungshoheit über den Wert seiner Leistung. Für den Einkauf großer Organisationen bedeutet das lange Verhandlungen mit Fachleuten, die den tatsächlichen Nutzen kaum unabhängig prüfen können. Der Preis wird so zu einer Frage von Verhandlungsmacht und weniger von Marktvergleich.
Am Ende tragen die Kosten unterschiedliche Schultern. Im Firmengeschäft zahlt der Konzern, der sich Effizienz verspricht. Im Staatsgeschäft zahlt der Steuerzahler, und bei Überwachungseinsätzen tragen betroffene Bürger einen Teil des Preises in Form von Eingriffen in ihre Grundrechte.
Auch die Folgekosten fallen ins Gewicht. Kunden, die die Plattform tief in ihre Abläufe einbauen, müssen Personal schulen, Schnittstellen pflegen und die laufenden Rechenkosten in der Cloud tragen. Diese Ausgaben tauchen im ersten Angebot selten auf, summieren sich aber über die Vertragslaufzeit zu einem erheblichen Posten.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am stärksten profitieren Aktionäre und Führung, während Wettbewerber, Datenschützer und überwachte Gruppen die Kehrseite tragen. Die Gewinnverteilung folgt dem steilen Kursverlauf der Aktie.
Auf der Gewinnerseite stehen Mitgründer Peter Thiel, dessen Anteile Milliarden wert sind, und Chef Alex Karp, der über Jahre zu den bestbezahlten Managern der US-Wirtschaft zählte. Auch die Belegschaft profitiert über Aktienpakete, und viele Kleinanleger feierten Palantir als eine der Kursraketen des Jahrzehnts. Die Aktie ist zum Kult geworden, mit einer treuen Gemeinde in den sozialen Netzwerken, die jeden Quartalsbericht wie ein Fußballspiel begleitet.
Die Vergütung an der Spitze fällt üppig aus. Alex Karp gehörte in einzelnen Jahren zu den bestbezahlten Konzernchefs der USA, ein Großteil davon in Aktien und Optionen. Für Kleinanleger ist die Kehrseite das Risiko, denn dieselbe Aktie, die binnen weniger Jahre um ein Vielfaches stieg, kann bei einer Enttäuschung ebenso schnell fallen.
Auf der Verliererseite finden sich Konkurrenten, die im Behördengeschäft kaum an Palantir vorbeikommen. Hinzu kommen Datenschützer und Bürgerrechtler, die den Einsatz in der Strafverfolgung als Gefahr für die Grundrechte sehen. Wer als Bürger unbescholten in eine automatisierte Rasterfahndung gerät, spürt diese Kehrseite, ohne je gefragt worden zu sein, ein Ungleichgewicht, das sich schwer auflösen lässt.
Dazu kommt ein Muster, das wir aus vielen Plattformgeschäften kennen. Kunden, die einmal tief im Palantir-Ökosystem stecken, akzeptieren über die Jahre eher steigende Preise, als den teuren Ausstieg zu wagen. Dieser stille Sog wirkt bei Behörden wie bei Konzernen und verschiebt die Verhandlungsmacht Schritt für Schritt zugunsten des Anbieters.
Palantir hat die unbequemste Ecke der Digitalisierung besetzt, die Software für Staaten im Ernstfall. Genau diese Nähe zu Geheimdiensten und Militär ist der Grund für die 36 Prozent Nettomarge und zugleich der Grund, warum in Karlsruhe über die Firma gestritten wird.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Gruppen nach Nutzen und Last.
| Gruppe | Rolle | Bilanz |
|---|---|---|
| Peter Thiel und Alex Karp | Mitgründer und Chef | Milliardenvermögen, hohe Vergütung |
| Belegschaft | 4.430 Beschäftigte | Aktienpakete, hoher Umsatz je Kopf |
| Kleinanleger | Aktionäre | Hohe Kursgewinne, hohes Risiko |
| Wettbewerber | Rüstung und Datenfirmen | Verdrängung im Staatsgeschäft |
| Überwachte Bürger | Gegenstand der Analyse | Grundrechtseingriffe ohne Wahl |
Wie politisch ist Palantir?

Palantir ist eines der politischsten Technologieunternehmen der Welt, verflochten mit der US-Regierung, mit wachsendem Lobbybudget und mitten in einem deutschen Verfassungsstreit. Die Nähe zur Macht ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des Geschäftsmodells.
Mitgründer Peter Thiel unterstützte den politischen Aufstieg von Donald Trump früh und finanzstark. Chef Alex Karp verteidigt die Arbeit für Militär und Geheimdienste offensiv als Dienst am Westen und legt sich dabei auch mit Teilen der eigenen Branche an. In Washington baute die Firma ihren Einfluss aus und gab laut der Transparenzplattform OpenSecrets 2025 rund 5,3 Millionen Euro für Lobbyarbeit aus, mehr als das Doppelte des Werts von 2020. Im Zentrum stehen dabei Verteidigungsetats und Programme der US-Armee.
Diese Nähe zur Macht schneidet nach zwei Seiten. Einerseits sichert sie Palantir Aufträge und Einfluss, andererseits macht sie die Firma zur Zielscheibe, sobald sich politische Mehrheiten verschieben. Ein Konzern, dessen Umsatz zu großen Teilen von Regierungsentscheidungen abhängt, trägt ein politisches Klumpenrisiko, das keine Bilanzkennzahl abbildet.
Der Streit um die Datenbank der Amerikaner
In den USA entzündet sich die Kritik an Aufträgen, die Palantir tief in sensible Behördendaten führen. Für die Einwanderungsbehörde ICE entwickelt die Firma unter dem Namen ImmigrationOS für umgerechnet rund 26 Millionen Euro eine Plattform zur Nachverfolgung von Migranten.
Der Auftrag hat eine politische Sprengkraft, die weit über die Summe hinausreicht. Kritiker aus Menschenrechtsgruppen sehen in ImmigrationOS ein Werkzeug für Massenabschiebungen, während Befürworter auf geltendes Recht und den Auftrag der Behörde verweisen. Für Palantir ist der Einsatz ein Beleg der eigenen Erzählung, dem Staat zu dienen, und zugleich der Grund für Proteste vor der Firmenzentrale.
Für zusätzliche Schärfe sorgt der Vorwurf, Palantir helfe der Steuerbehörde IRS beim Aufbau einer zentralen Superdatenbank über US-Bürger. Die Senatoren Ron Wyden und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez forderten dazu im Juni 2025 in einem Brief Auskunft und warnten vor einem Überwachungsinstrument. Palantir wies das als, so die Formulierung des Unternehmens, angstschürende Erfindung zurück und erklärte, man baue keine Masterdatenbank und ermögliche keine Massenüberwachung von Bürgern.
| Auftrag | Auftraggeber | Umfang |
|---|---|---|
| ImmigrationOS | US-Einwanderungsbehörde ICE | rund 26 Millionen Euro |
| Zentrale Datenplattform | US-Steuerbehörde IRS | Umfang öffentlich umstritten |
| Federated Data Platform | Britischer Gesundheitsdienst NHS | rund 380 Millionen Euro |
An diesem Streit zeigt sich die Zwickmühle des Modells. Dieselbe Technik, die einem Konzern hilft, Lieferketten zu ordnen, ordnet im Staatsdienst eben auch Menschen und ihre Bewegungen. Palantir verweist auf eingebaute Zugriffs- und Protokollregeln, doch Bürgerrechtsorganisationen wie die American Civil Liberties Union bezweifeln, dass technische Leitplanken den politischen Missbrauch verhindern.
Wie heikel der Umgang mit Behördendaten ist, zeigen Berichte über den Zugriff auf Gesundheitsdaten und gelöschte Chatverläufe im Umfeld der Einwanderungsbehörde. Solche Meldungen nähren den Verdacht, dass sensible Informationen ohne ausreichende Kontrolle zusammenfließen. Palantir betont, nur die Software zu liefern und nicht über die Daten zu verfügen, doch die Trennlinie bleibt für Außenstehende schwer zu prüfen.
Warum Karlsruhe mitredet
In Deutschland ist Palantir zum Prüfstein für die Grenzen der Polizeiarbeit geworden. Das Bundesverfassungsgericht erklärte am 16. Februar 2023 die Rechtsgrundlagen für die automatisierte Datenanalyse in Hessen und Hamburg für verfassungswidrig, weil sie zu weit gefasst waren.
Trotzdem setzt die bayerische Polizei die auf Gotham aufbauende Software VeRA ein. Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zufolge nutzten die Beamten das System zwischen September 2024 und Mai 2025 fast hundertmal und durchsuchten dabei rund 39 Millionen Personendatensätze. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte reichte im Juli 2025 dagegen eine Verfassungsbeschwerde ein und spricht von einer Blackbox, deren Innenleben niemand von außen kontrolliere.
Auch Nordrhein-Westfalen geriet ins Visier. Laut netzpolitik.org stufte ein Gericht 2026 die Rechtsgrundlage des dortigen Palantir-Einsatzes als nicht verfassungskonform ein. Über allem schwebt der US-Cloud Act, der amerikanischen Behörden theoretisch Zugriff auf Daten US-amerikanischer Anbieter erlaubt. Für europäische Sicherheitsbehörden ist das ein heikler Punkt, der Fragen der Datenhoheit aufwirft. Wie kritisch der Umgang mit solchen Systemen ist, zeigt unser Ressort Datenschutz an vielen Beispielen.
Was könnte Palantir zu Fall bringen?

Das größte Risiko für Palantir ist die eigene Börsenbewertung, gefolgt von der Abhängigkeit vom US-Staat und dem regulatorischen Gegenwind in Europa. Jede dieser Bruchstellen ist real und öffentlich dokumentiert.
An der Börse wird Palantir mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 130 gehandelt, ein Vielfaches selbst schnell wachsender Softwarehäuser. Eine solche Bewertung verzeiht keine Enttäuschung, denn schon ein leicht verfehltes Wachstumsziel kann den Kurs zweistellig einbrechen lassen. Die Aktie schwankte auch 2026 heftig, ein Zeichen für die Nervosität der Erwartungen, die in den Kurs eingepreist sind.
Zur Einordnung hilft ein Blick auf die Zahlenbasis. Bei einem Börsenwert von rund 257 Milliarden Euro und einem Gewinn von 1,4 Milliarden Euro zahlt der Markt für jeden Euro Gewinn ein Vielfaches dessen, was er großen Softwarehäusern sonst zugesteht. Diese Lücke lässt sich nur mit jahrelangem zweistelligem Wachstum schließen, einem Tempo, das kaum ein Konzern dauerhaft hält.
Im pessimistischen Szenario träfen mehrere Risiken zugleich ein. Ein Sparhaushalt in Washington, ein verlorenes Verfahren in Europa und ein technischer Gleichstand mit den Cloud-Anbietern würden Wachstum und Bewertung gemeinsam belasten. Im optimistischen Fall dagegen würde AIP zum Standard, den Behörden und Konzerne gleichermaßen buchen. Zwischen diesen Polen liegt das nüchterne Mittel, ein teurer Spezialist mit solidem, aber langsamer wachsendem Geschäft.
Die zweite Bruchstelle ist die Konzentration auf den US-Staat, der noch immer den größten Umsatzblock stellt. Ein politischer Wechsel, ein Sparhaushalt oder ein Skandal könnten Aufträge verzögern oder stoppen. Hinzu kommt in Europa der Cloud Act, der viele Behörden zögern lässt und Palantir ganze Märkte verschließt, solange die Frage der Datenhoheit ungelöst bleibt.
Die dritte Gefahr droht von der Technik selbst. Cloud-Anbieter und quelloffene KI-Bausteine könnten die Ontologie-Schicht mit der Zeit zur Massenware machen und Palantirs Preisaufschlag untergraben. Dazu kommt die Abhängigkeit von zwei Gründerfiguren, denn ein Abgang von Alex Karp oder Peter Thiel würde die Firma an einer empfindlichen Stelle treffen. Wir sehen drei plausible Szenarien für die nächsten fünf Jahre, den Aufstieg zum Standardbetriebssystem des Westens, das Verharren als teurer Spezialist oder den harten Absturz nach einer geplatzten Bewertung.
Was bedeutet Palantir für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Deutschland ist Palantir zugleich ein leistungsfähiges Werkzeug und eine Grundsatzfrage der Datenhoheit, die Unternehmer und Verbraucher unterschiedlich berührt. Der aktuelle Verfassungsstreit macht die abstrakte Debatte greifbar.
Für deutsche Verbraucher ist der wichtigste Berührungspunkt die Polizeiarbeit. Bürger in Bayern oder anderen Ländern, deren Daten in eine automatisierte Analyse geraten, laufen möglicherweise durch die Software eines US-Konzerns, der dem Cloud Act unterliegt. Der Nutzen einer schnelleren Fahndung steht damit gegen das Risiko für die Grundrechte, eine Abwägung, die Gerichte und nicht Anbieter treffen sollten.
Der britische Fall dient dabei als Warnung. Die Debatte um Palantirs Gesundheitsdatenplattform beim NHS zeigt, wie schnell aus einem Effizienzversprechen ein Streit über Datenhoheit und Vergabeverfahren wird. Deutsche Entscheider können daraus lernen, Verträge von Beginn an mit Ausstiegsklauseln und klaren Prüfrechten zu versehen.
Für den deutschen Mittelstand bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass Palantir selten die passende Wahl ist. Die hohen Einstiegskosten und die tiefe Bindung lohnen sich vor allem für Großkonzerne mit vielen zersplitterten Systemen. Kleinere Betriebe fahren mit schlankeren, europäischen Werkzeugen meist günstiger und behalten ihre Daten näher am eigenen Haus.
Für deutsche Unternehmen stellt sich die Lage praktischer. Große Industriekonzerne können mit Foundry ihre Lieferketten und Fertigung steuern, zahlen dafür aber hohe, individuell verhandelte Preise und binden sich langfristig an eine Plattform. Der Mittelstand wiederum findet in europäischen Anbietern und in Häusern wie SAP oft die naheliegendere Alternative, schon aus Gründen der Datenhaltung und der Nähe im Support. Die technische Seite solcher Plattformen vertieft unser Ressort Künstliche Intelligenz mit den passenden Grundlagen.
Konkret raten wir zu drei Schritten. Als Verbraucher lohnt der Blick darauf, welche Behörde im eigenen Bundesland welche Analysesoftware nutzt, denn diese Verfahren sind öffentlich dokumentiert und werden von Landtagen debattiert. Als Unternehmer sollte man vor einem Vertrag die Ausstiegskosten kalkulieren, weil die Ontologie die Bindung mit jedem Jahr vertieft. Für die kommenden zwölf Monate zeichnen sich drei Szenarien ab, eine vorsichtige Ausweitung im Firmengeschäft, ein Stillstand im Behördengeschäft wegen der Gerichtsverfahren oder ein politischer Kompromiss mit klaren Leitplanken für den Einsatz. Einen Vergleich mit anderen Softwaregiganten bietet unsere Analyse zu Salesforce als verwandte Fallstudie.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu Palantir und seinem Geschäftsmodell

AIP
AIP steht für Artificial Intelligence Platform und ist Palantirs jüngste Plattform. Der Baustein verbindet große Sprachmodelle mit den Daten eines Kunden und erlaubt es, aus diesen Daten konkrete, freigabepflichtige Handlungen abzuleiten.
Apollo
Apollo ist Palantirs Werkzeug zur Auslieferung und Wartung der Software. Der Dienst sorgt dafür, dass Aktualisierungen auch in abgeschotteten Umgebungen wie Geheimdiensten oder Fabriken sicher eingespielt werden.
Bruttomarge
Bruttomarge bezeichnet den Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Herstellkosten übrig bleibt. Bei Software liegt dieser Wert oft über 80 Prozent, weil eine zusätzliche Lizenz kaum Mehrkosten verursacht.
Cloud Act
Cloud Act ist ein US-Gesetz von 2018, das amerikanischen Behörden unter Bedingungen Zugriff auf Daten gewährt, die US-Anbieter verwalten. Für europäische Nutzer wirft die Regel schwierige Fragen der Datenhoheit auf.
Direktnotierung
Direktnotierung ist ein Börsengang ohne begleitende Emissionsbanken und ohne Ausgabe neuer Aktien. Palantir wählte 2020 diesen Weg, bei dem bestehende Anteile direkt handelbar werden.
Foundry
Foundry ist Palantirs Plattform für Unternehmen. Das System verbindet zersplitterte IT-Landschaften zu einem gemeinsamen Datenmodell und bildet die Grundlage für Analysen in Fertigung, Lieferkette und Verwaltung.
Gotham
Gotham ist die älteste Plattform von Palantir und richtet sich an Geheimdienste, Militär und Sicherheitsbehörden. Das Werkzeug führt verstreute Datenquellen zusammen und macht Zusammenhänge für Ermittler sichtbar.
In-Q-Tel
In-Q-Tel ist die Wagniskapitaltochter des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Der Investor beteiligte sich 2005 an Palantir und verschaffte der jungen Firma Zugang zu den Sicherheitsbehörden als frühe Kunden.
Land and Expand
Land and Expand beschreibt eine Vertriebsstrategie, bei der ein Anbieter mit einem kleinen Einstieg beginnt und den Umsatz später über zusätzliche Abteilungen und Funktionen ausweitet. Palantir nutzt dafür seine Bootcamps.
Nettomarge
Nettomarge ist der Anteil des Umsatzes, der nach allen Kosten und Steuern als Gewinn übrig bleibt. Palantir erreichte 2025 eine Nettomarge von 36 Prozent, einen Spitzenwert für ein wachsendes Softwarehaus.
Ontologie
Ontologie nennt Palantir sein digitales Abbild der Wirklichkeit eines Kunden, das Maschinen, Verträge und Personen als verknüpfte Objekte darstellt. Dieses Modell ist der Kern der Kundenbindung, weil ein Wechsel den kompletten Neuaufbau erfordert.
Remaining Deal Value
Remaining Deal Value ist der noch nicht abgerechnete Wert bereits geschlossener Verträge. Die Kennzahl zeigt, wie viel Umsatz künftig gesichert in den Büchern steht, und ersetzt bei Palantir den fehlenden Datenschatz in der Bilanz.
Rule of 40
Rule of 40 ist eine Faustregel für Softwarefirmen, die Umsatzwachstum und Gewinnmarge addiert. Ein Wert über 40 gilt als gesund, Palantir erreichte 2025 den außergewöhnlichen Wert 127.
Vorgelagerte Ingenieure
Vorgelagerte Ingenieure sind Palantir-Fachleute, die direkt beim Kunden dessen Abläufe in die Software übersetzen. Im Englischen heißen sie Forward Deployed Engineers und gelten als ein wichtiger Grund für die enge Bindung an die Plattform.
FAQ: Palantir und sein Geschäftsmodell

Wie verdient Palantir sein Geld?
Palantir verdient fast alles mit mehrjährigen Software-Abonnements für die Plattformen Gotham, Foundry und AIP. 2025 setzte die Firma rund 3,9 Milliarden Euro um, davon 54 Prozent mit Staaten und 46 Prozent mit Unternehmen. Zusätzlich zahlen Kunden für Einführung und vorgelagerte Ingenieure, die die Software an ihre Abläufe anpassen.
Verkauft Palantir Nutzerdaten?
Nein, nach eigener Darstellung verkauft Palantir keine Nutzerdaten. Die Kundendaten bleiben beim Kunden, in dessen eigener Cloud oder Rechenzentrum. Palantir vermietet nur die Software, die auf diesen Daten arbeitet. Damit unterscheidet sich das Modell grundlegend von Werbekonzernen wie Meta oder Google, deren Erlöse auf der Verwertung von Nutzerdaten beruhen.
Was ist der Unterschied zwischen Gotham und Foundry?
Gotham ist Palantirs Plattform für Geheimdienste, Militär und Sicherheitsbehörden und führt verstreute Datenquellen für Ermittler zusammen. Foundry richtet sich an Unternehmen und verbindet zersplitterte IT-Systeme zu einem gemeinsamen Datenmodell für Fertigung, Lieferkette und Verwaltung. Beide teilen sich die zugrunde liegende Technik, sprechen aber unterschiedliche Kunden an.
Nutzt die deutsche Polizei Palantir?
Ja, mehrere Bundesländer nutzen Software auf Palantir-Basis. Bayern setzt unter dem Namen VeRA eine auf Gotham aufbauende Analyseplattform ein. Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2023 die Rechtsgrundlagen in Hessen und Hamburg für verfassungswidrig, und gegen den bayerischen Einsatz läuft seit 2025 eine Verfassungsbeschwerde der Gesellschaft für Freiheitsrechte.
Ist die Palantir-Aktie überbewertet?
Palantir wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 130 gehandelt, weit mehr als klassische Softwarekonzerne. Ob das gerechtfertigt ist, hängt vom künftigen Wachstum ab, das zuletzt bei über 80 Prozent lag. Eine so hohe Bewertung verzeiht keine Enttäuschung, weshalb schon leicht verfehlte Ziele den Kurs stark bewegen können. Dies ist keine Anlageberatung.
Wer ist Alex Karp?
Alex Karp ist Mitgründer und Chef von Palantir. Der promovierte Sozialphilosoph führt die Firma seit 2003 und gehörte über Jahre zu den bestbezahlten Managern der US-Wirtschaft. Er verteidigt die Arbeit für Militär und Geheimdienste offensiv, während Mitgründer Peter Thiel als bekannter Investor und politischer Unterstützer im Hintergrund wirkt.
Quellen
- Palantir Technologies | Geschäftszahlen und Business Update viertes Quartal 2025 | investors.palantir.com | besucht am 03.08.2026
- Palantir Technologies | Business Update erstes Quartal 2026 | investors.palantir.com | besucht am 03.08.2026
- Businesswire | Palantir Reports Q1 2026 U.S. Revenue Growth of 104 Prozent | businesswire.com | besucht am 03.08.2026
- companiesmarketcap | Palantir Market Capitalization | companiesmarketcap.com | besucht am 03.08.2026
- CNBC | Palantir lands 10 billion dollar Army software and data contract | cnbc.com | besucht am 03.08.2026
- OpenSecrets | Palantir Technologies Lobbying Profile | opensecrets.org | besucht am 03.08.2026
- US-Senat, Finanzausschuss | Brief von Wyden und Ocasio-Cortez an Palantir vom 17.06.2025 | finance.senate.gov | besucht am 03.08.2026
- Gesellschaft für Freiheitsrechte | Blackbox Palantir, Verfassungsbeschwerde Bayern | freiheitsrechte.org | besucht am 03.08.2026
- netzpolitik.org | Automatisierte Datenanalyse in NRW nicht verfassungskonform | netzpolitik.org | besucht am 03.08.2026
- American Immigration Council | ICE to Use ImmigrationOS by Palantir | americanimmigrationcouncil.org | besucht am 03.08.2026