Roche trifft bis auf Weiteres keine neuen Investitionsentscheidungen für Deutschland. Deutschland-Chef Daniel Steiners begründet den Schritt in einem Interview der „Welt“ mit dem höheren Herstellerabschlag auf patentgeschützte Arzneimittel. In Berlin beginnt am selben Tag der Investitionsgipfel der Bundesregierung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Wir haben sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland erst einmal auf Hold gesetzt“, sagt Steiners, also vorerst auf Eis gelegt.[1] Der Schweizer Konzern beschäftigt hierzulande rund 18.500 Menschen, die größten Standorte sind Mannheim und Penzberg. Welche Vorhaben und Summen betroffen sind, hat Roche bisher nicht gesagt.
Das Wichtigste in Kürze
- 2025 investierte Roche rund 719 Millionen Euro in seine deutschen Standorte, so viel wie nie zuvor.
- Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz steigt der Herstellerabschlag von 7 auf 15,5 Prozent.
- Boehringer Ingelheim und Eli Lilly hatten ihre Investitionspläne für Deutschland bereits eingefroren oder halbiert.
Warum trifft ein Rabatt für die Krankenkassen die Investitionen?

Den Herstellerabschlag gewähren Pharmaunternehmen den gesetzlichen Krankenkassen als Pflichtrabatt auf patentgeschützte Arzneimittel. Am 10. Juli 2026 hat der Bundestag das Spargesetz verabschiedet,[2] der Abschlag steigt damit um 8,5 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent. Ausgenommen sind unter anderem Medikamente, deren klinische Studien zu einem wesentlichen Teil in Deutschland liefen.
Der Rabatt richtet sich nach dem Verkauf in Deutschland, nicht nach dem Ort der Herstellung. Ein Hersteller mit eigenem Werk in Deutschland zahlt deshalb denselben Abschlag wie ein Konkurrent, der den deutschen Markt nur beliefert. Im Koalitionsvertrag stehe zwar, der Pharmastandort solle gestärkt werden, sagt Steiners, doch „privatwirtschaftliche Investitionen folgen keinen politischen Ankündigungen“.
Der GKV-Spitzenverband beziffert die Ersparnis aus dem höheren Abschlag auf 4,1 Milliarden Euro, die gesetzlichen Ausnahmen kosten davon bereits 1,5 Milliarden.[3] Eine Standortklausel nach den Vorschlägen eines Fachgremiums würde laut Verband weitere 1,3 Milliarden Euro kosten, die Hälfte des Rests. „Standortförderung ist keine Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung!“, sagt Verbandsvorständin Stefanie Stoff-Ahnis.
Was steht bei Roche in Deutschland auf dem Spiel?
Im Geschäftsjahr 2025 steckte Roche rund 719 Millionen Euro in Ausbau und Erhalt seiner deutschen Standorte, laut Konzern ein Höchststand.[4] Seit 2020 summieren sich die Investitionen auf 3,8 Milliarden Euro. Das größte laufende Vorhaben ist ein Produktionszentrum für Diagnostika in Penzberg, das mehr als 600 Millionen Euro kostet und 2028 in Betrieb gehen soll.
Im Juni hatte Roche noch erklärt, an diesem Neubau festzuhalten, und darauf verwiesen, dass die Entscheidung dafür schon vor Jahren gefallen sei. Einen Baustopp oder Stellenabbau hat der Konzern auch jetzt nicht angekündigt.
Im April 2025 kündigte Roche Investitionen von umgerechnet rund 43,5 Milliarden Euro in den USA an, verteilt auf fünf Jahre.[5] Das US-Programm stammt aus der Zeit vor dem Streit um das Spargesetz, einen direkten Zusammenhang hat Roche nicht hergestellt.
An der Standortklausel entscheidet sich, wer die Rechnung bezahlt: die Pharmawerke oder die Beitragszahler.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Roche bleibt beim Produktionszentrum in Penzberg für mehr als 600 Mio. €.
Der Bundestag beschließt den höheren Herstellerabschlag von 15,5 %.
Ein Fachgremium schlägt Entlastungen für Firmen vor, die in Deutschland forschen und produzieren.
Roche setzt neue Investitionsentscheidungen aus, in Berlin beginnt der Investitionsgipfel.
Was bedeutet der Investitionsstopp für den Pharmastandort?
Vor Roche haben Boehringer Ingelheim und Eli Lilly ihre Pläne wegen des Gesetzes zurückgefahren. Boehringer hat rund 900 Millionen Euro für Ingelheim und Biberach eingefroren, Lilly halbiert laut Reuters seine Investition von 2,3 Milliarden Euro in Alzey. Boehringer steckt zugleich rund 8,7 Milliarden Euro in die USA, Bayer baut dort ein Pharmawerk in Ohio für 1,9 Milliarden Euro.
Am 29. September hat das Fachgremium dem Gesundheits- und dem Wirtschaftsministerium vorgeschlagen, Unternehmen, die in Deutschland forschen und produzieren, ganz oder teilweise vom zusätzlichen Abschlag zu befreien.[3] Beschlossen hat die Bundesregierung die Klausel noch nicht. Beim ersten Investitionsgipfel „Invest in Germany“ am 19. und 20. Oktober wirbt Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin um internationales Kapital.
Bauunternehmen, Zulieferer und Dienstleister rund um Mannheim, Penzberg und Grenzach-Wyhlen sollten in ihrer Auftragsplanung für 2027 keine neuen Roche-Projekte einrechnen, bis die Bundesregierung über die Standortklausel entschieden hat.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- WELTPharmakonzern Roche: ‚Europa sollte vor allem lernen, sich wieder anzustrengen‘, Interview mit Daniel Steiners
- Deutscher Bundestag, DIPGesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz)
- GKV-SpitzenverbandAusnahmen bei Herstellerabschlägen gefährden GKV-Sparziel
- Roche DeutschlandJahresergebnisse 2025 von Roche in Deutschland
- RocheRoche to invest USD 50 billion in pharmaceuticals and diagnostics in the United States over the next five years (22.04.2025, englisch)
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