Drei Pharmaunternehmer von der Bergstraße gründen QPace Analytics und wollen in Bensheim ein Freigabelabor für importierte Medikamente bauen. Bis 2028 stecken die Gesellschafter einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt, rund 100 Stellen sind geplant. Der Engpass entsteht durch eine Prüfpflicht im EU-Arzneimittelrecht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür importierte Arzneimittel fehlt in Bensheim bislang ein Freigabelabor: Im Pharmalager der MSK Pharma Group liegt die Ware fertig verpackt bereit und darf trotzdem noch nicht ausgeliefert werden. QPace Analytics will diese Lücke mit einem Neubau im Stubenwald schließen. Nach Angaben des Start-ups verzögert die vorgeschriebene Prüfung die Auslieferung heute um Tage oder sogar Wochen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- QPace Analytics investiert bis 2028 einen zweistelligen Millionenbetrag in ein Freigabelabor in Bensheim, geplant sind rund 100 Arbeitsplätze.
- Erste Chargen prüft QPace ab 2027 bei Dr. Reckeweg, der Neubau soll 2028 fertig sein.
- Bis 2029 plant das Unternehmen bis zu 1.200 Chargen im Monat.
- Nach EU-Recht wird jede Arzneimittelcharge aus einem Drittland in der EU ein zweites Mal analysiert.
Was plant QPace Analytics in Bensheim?

Drei Gründer. Hinter QPace Analytics stehen Szilárd Varga von der Grünewald GmbH, David Reckeweg-Lecompte von der Pharmazeutischen Fabrik Dr. Reckeweg und Simon Heß, Geschäftsführer der MSK Pharma Group.[1] Das Geld fließt in Labor und Neubau im Bensheimer Stubenwald, eine genaue Summe nennt die Mitteilung vom 14. September nicht. Im ersten Ausbauschritt soll ein Labor mit rund 1.000 Quadratmetern entstehen, geplant sind rund 100 qualifizierte Arbeitsplätze.
Start vor dem Neubau. Ab 2027 will QPace erste Chargen in bestehenden Laboren von Dr. Reckeweg prüfen. „Die Pharmaindustrie benötigt zusätzliche Prüfkapazitäten schon heute“, sagt Reckeweg-Lecompte.[1] Beschlossen sind damit Standort und Finanzierung durch die Gesellschafter. Einen Baubeginn im Stubenwald nennt QPace bislang nicht, erste Kundenprojekte befinden sich nach Firmenangaben in Vorbereitung.
Warum warten fertige Medikamente auf ein Labor?
Zweite Analyse. Artikel 51 der EU-Richtlinie 2001/83/EG verlangt, dass jede aus einem Drittland eingeführte Arzneimittelcharge in der EU erneut qualitativ und quantitativ analysiert wird, bevor eine sachkundige Person sie freigibt.[2] Von dieser Pflicht befreit nur ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung mit dem Herstellerland. Mit Indien und China, zwei großen Lieferländern für Generika, hat die EU kein solches Abkommen geschlossen.
Proben auf Reisen. Bislang verschicken Importeure die Proben laut QPace an Auftragslabore quer durch Europa und warten wegen knapper Kapazitäten lange auf Ergebnisse.[1] QPace setzt das Labor deshalb neben den EU-Hub der MSK Pharma Group, die in Bensheim zwei Logistikzentren mit Kühllager betreibt und im Mai den Spatenstich für ein drittes feierte.[3] Wareneingang, Prüfung und Chargenfreigabe liegen künftig am selben Standort.
Was bedeutet das Labor für den Pharmastandort Hessen?
Gleiche Regel, zweites Labor. Aus demselben rechtlichen Grund nahm Merck im Juli in Darmstadt ein Prüflabor für 25 Millionen Euro in Betrieb, ausgelegt auf Biologika und Zelltherapien. QPace verlegt dieselbe Prüfpflicht direkt an den Wareneingang eines Pharmalagers. Hessens Pharmabilanz fällt gemischt aus: BioNTech schließt Werke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein, Sanofi baut dagegen in Frankfurt-Höchst eine Insulinfabrik, für die Brüssel im September 400 Millionen Euro deutsche Beihilfe genehmigte. QPace finanziert sein Labor nach bisherigem Stand ohne genannte Fördermittel.
Die Tabletten kommen aus Asien, die Pflichtprüfung findet in Europa statt. QPace baut sein Geschäft auf den Wochen dazwischen. Bensheim soll dafür rund 100 Arbeitsplätze bekommen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Durchlaufzeit messen. Pharmaimporteure und Zulassungsinhaber mit Ware aus Drittländern sollten nachrechnen, wie viele Tage eine Charge zwischen Wareneingang und Freigabe im Lager liegt. QPace will das Labor nach Aussage von Szilárd Varga „gemeinsam mit den Unternehmen, die diese Kapazitäten künftig nutzen werden“ entwickeln.[1] Für Bensheim gilt: Erst mit dem Bau im Stubenwald wird aus der Ankündigung ein Standort.
Quellen
[1] QPace Analytics: „500 Millionen Packungen pro Jahr: QPace Analytics stärkt Europas Arzneimittelfreigabe“ (Pressemitteilung, 14.09.2026)
[2] EUR-Lex: Richtlinie 2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel, Artikel 51
[3] MSK Pharma Group: About us (Unternehmenschronik, abgerufen am 30.09.2026)
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