LPKF senkt die Jahresprognose, wie schon im September 2025. Der Laserspezialist aus Garbsen bei Hannover erwartet für 2026 nur noch 93 bis 100 Millionen Euro Umsatz statt bis zu 120 Millionen. Ein großer Solar-Auftrag verzögert sich. Die ersten Bestellungen für Chip-Packaging auf Glas bringen erst 2027 Erlöse.

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Die LPKF-Prognose hängt an genau den Bestellungen, die Vorstandschef Klaus Fiedler im Juli zur Bewährungsprobe erklärt hatte: „Jetzt kommt es darauf an, die entscheidenden Beweispunkte über strategisch relevante Aufträge zu liefern.“[1] Gemeint war das Advanced Packaging, bei dem Chiphersteller mehrere Chips auf einem gemeinsamen Träger verbinden. Diese Bestellungen treffen nun später ein als geplant.

Das Wichtigste in Kürze

  • LPKF erwartet für 2026 einen Konzernumsatz von 93 bis 100 Millionen Euro, bisher waren 105 bis 120 Millionen Euro geplant.
  • Die bereinigte EBIT-Marge soll zwischen minus 7,0 und minus 2,5 Prozent liegen statt zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent.
  • Ein größerer Solar-Auftrag bringt 2026 voraussichtlich keinen Umsatz mehr, erste Bestellungen für das Advanced Packaging zählen erst 2027.
  • Im zweiten Halbjahr muss LPKF trotz Senkung rechnerisch 55 bis 74 Prozent mehr umsetzen als im ersten.

Warum senkt LPKF die Prognose?

Glas-Acryl-Award auf Metallsockel mit Text »Lieferung 2027«
Großer Solar-Auftrag und Advanced-Packaging-Bestellungen verschieben sich auf 2027, Umsatzlücke 2026 entsteht

Zwei Umsatzquellen fallen für 2026 aus. Ein größerer Solar-Auftrag, den der LPKF-Vorstand als wesentlich für die Prognose einstuft, trifft voraussichtlich nicht mehr rechtzeitig ein, um 2026 noch Umsatz zu bringen.[2] Auch die Bestellungen aus dem Einstieg ins Advanced Packaging tragen erst im nächsten Geschäftsjahr zum Umsatz bei. Die übrigen Sparten gleichen diese Lücke nicht aus. Das Effizienzprogramm spart mehr als geplant, fängt die schwache Geschäftsentwicklung aber nicht vollständig auf. Für den Umbau im Programm North Star rechnet LPKF 2026 mit Kosten von rund 3 bis 4 Prozent des Umsatzes.[3]

Die Solarkunden warten auf Perowskit. Schon im Halbjahresbericht nannte LPKF zwei Gründe für die schwache Solarsparte: Kunden halten Investitionen zurück; der Wechsel zu Perowskit-Zellen hat noch nicht eingesetzt.[1] Solange offen bleibt, wann Modulhersteller ihre Linien auf die neue Zelltechnik umstellen, verschieben viele Hersteller den Kauf neuer Laseranlagen. Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr um 38,3 Prozent auf 36,5 Millionen Euro, vor allem wegen des Solargeschäfts.

Warum kommen die Glas-Aufträge so spät?

Glas steht erst vor der Serie. Mit dem Verfahren LIDE verändert LPKF Glas per Laser so, dass beim anschließenden Ätzen feine Löcher und Strukturen entstehen. Glasträger sollen im Chip-Packaging die organischen Substrate ablösen, weil sie sich bei Hitze weniger verziehen und feinere Leiterbahnen erlauben. Den adressierbaren Markt für Advanced Packaging bis 2030 bezifferte LPKF im Juli auf rund 1,7 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr bestellten unter anderem ein Spezialglashersteller und die Penn State University LIDE-Systeme.[1]

Der Hochlauf zieht sich bis 2030. Den Takt geben wenige Chiphersteller und Substratfertiger vor. Die SKC-Tochter Absolics baut im US-Bundesstaat Georgia die erste Fabrik für die Massenfertigung von Glassubstraten, Intel richtet seine eigene Roadmap laut dem Marktforscher Trendforce auf 2030 aus.[4] Ausrüster verkaufen in dieser Phase Einzelanlagen für Entwicklung und Qualifizierung, die großen Serienaufträge folgen erst, sobald die Fabriken hochfahren. Technisch ist LPKF im Rennen, wie die im Juli gemeldete Lieferung einer Anlage für Glaswellenleiter an einen koreanischen Chiphersteller zeigt.

Andere Ausrüster kennen das Muster. Aixtron sammelte im Sommer Rekordaufträge aus der KI-Photonik, schrieb im Halbjahr aber rote Zahlen. Bei PVA TePla wuchs der Auftragseingang um 80 Prozent, während der Gewinn schrumpfte. Zwischen Bestellung und Umsatz liegen bei Halbleiter-Ausrüstern oft Quartale.

LPKF: Die Prognose für 2026 im Vergleich
Stand: Ad-hoc-Mitteilung vom 30. September 2026
Bisherige Prognose
105–120 Mio. €
Konzernumsatz, im Juli zum Halbjahr noch bestätigt
−3,0 bis +4,5 %
bereinigte EBIT-Marge
Neue Prognose
93–100 Mio. €
Konzernumsatz ohne Solar-Großauftrag und ohne erste Glas-Aufträge
−7,0 bis −2,5 %
bereinigte EBIT-Marge
36,5 Mio. €
Umsatz im ersten Halbjahr 2026, ein Minus von 38,3 Prozent
56,5–63,5 Mio. €
Umsatz, den LPKF rechnerisch im zweiten Halbjahr erreichen muss
1,7 Mrd. €
adressierbarer Markt für Advanced Packaging bis 2030 nach LPKF-Schätzung
15.09.2025
Erste Senkung: 115 bis 125 statt 125 bis 140 Mio. €
23.07.2026
Halbjahresbericht bestätigt die Prognose
30.09.2026
Zweite Senkung auf 93 bis 100 Mio. €
29.10.2026
Bericht zu den ersten neun Monaten
2027
Erste Glas-Aufträge sollen Umsatz bringen

Was verlangt die neue Prognose vom zweiten Halbjahr?

Die Rechnung bleibt ehrgeizig. Nach 36,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr braucht LPKF von Juli bis Dezember noch 56,5 bis 63,5 Millionen Euro Umsatz, also 55 bis 74 Prozent mehr. Beim bereinigten EBIT stand zur Jahresmitte ein Minus von 10,4 Millionen Euro. Rechnerisch plant der Vorstand für das zweite Halbjahr damit einen bereinigten Gewinn von etwa 3 bis 8 Millionen Euro, sonst verfehlt LPKF die neue Margenspanne.

Die Prognose sinkt im zweiten Herbst in Folge. Am 15. September 2025 kappte LPKF die Umsatzerwartung von 125 bis 140 auf 115 bis 125 Millionen Euro.[5] Am Ende erreichte das Unternehmen 2025 einen Umsatz von 115,3 Millionen Euro.[3] Die neue Spanne für 2026 liegt 13 bis 19 Prozent unter diesem Wert.

LPKF verkauft die Technik für ein Chip-Packaging, das bei den Kunden noch nicht in Serie läuft. Bis dahin müsste die Solarsparte die Lücke schließen, doch deren Kunden warten selbst auf die nächste Zelltechnik.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Zulieferer planen besser mit 2027. Mittelständler, die Maschinen oder Messtechnik für das Packaging auf Glas liefern, sollten Serienvolumen frühestens ab 2027 einplanen und Entwicklungsaufträge nicht mit festen Stückzahlen verwechseln. Den nächsten Anhaltspunkt liefert LPKF am 29. Oktober mit dem Bericht zu den ersten neun Monaten.[6] Aussagekräftig sind dort der Auftragseingang aus dem Advanced Packaging und der Auftragsbestand, der Ende Juni bei 34,7 Millionen Euro lag.

Quellen

[1] LPKF Laser & Electronics: „LPKF legt Halbjahresfinanzbericht vor“ (23.07.2026)

[2] LPKF Laser & Electronics, Ad-hoc-Mitteilung über EQS: „LPKF senkt die Prognose für das Geschäftsjahr 2026“ (30.09.2026)

[3] LPKF Laser & Electronics: „LPKF reports slight improvement in earnings in 2025 and initiates Group realignment“

[4] Trendforce: „Korea Challenges Intel on Glass Substrate Standards as Absolics, Samsung Accelerate Commercialization“ (15.04.2026)

[5] LPKF Laser & Electronics, Ad-hoc-Mitteilung über EQS: „LPKF senkt die Prognose für das Geschäftsjahr 2025“ (15.09.2025)

[6] LPKF Laser & Electronics: Finanzterminkalender

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