Bayer verkauft das Krebsmittel Stivarga für bis zu 375 Millionen Euro an den Aachener Pharmakonzern Grünenthal. Der Patentschutz endet in der EU 2029 und in den USA 2030. So macht der Leverkusener Konzern einen alternden Wirkstoff zu Geld, bevor die ersten Nachahmer starten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Verkauf wirkt wie eine Randnotiz im DAX-Alltag, steht aber für ein Muster. Große Konzerne stoßen reife Wirkstoffe ab, bevor der Patentschutz fällt, und spezialisierte Käufer verdienen genau an diesen bewährten Produkten.
Das Wichtigste in Kürze
- Bayer verkauft die weltweiten Rechte am Krebsmittel Stivarga (Wirkstoff Regorafenib) für bis zu 375 Millionen Euro an Grünenthal.
- Grünenthal rechnet für 2027 mit einem positiven EBITDA-Beitrag von bis zu rund 100 Millionen Euro.
- Der Patentschutz endet in der EU 2029 und in den USA 2030.
- Der Abschluss steht für Ende 2026 oder Anfang 2027 unter dem Vorbehalt der Kartellfreigabe.
Was umfasst der Verkauf?

Bayer übergibt Grünenthal die weltweiten Rechte an Stivarga, dem oralen Krebsmittel mit dem Wirkstoff Regorafenib. Das Präparat ist in mehr als 90 Märkten zugelassen und behandelt fortgeschrittenen Darmkrebs, Leberkrebs sowie gastrointestinale Stromatumoren, meist bei bereits vorbehandelten Patienten. Für die Rechte zahlt Grünenthal bis zu 375 Millionen Euro. Den Abschluss erwarten beide Seiten für Ende 2026 oder Anfang 2027, sobald die Kartellbehörden zustimmen.[1]
Warum trennt sich Bayer gerade jetzt?
Der Zeitpunkt verrät die Logik. Der Patentschutz für Stivarga endet in der EU 2029 und in den USA 2030. Danach drücken Generika Preis und Umsatz. Bayer verkauft den Wirkstoff also im lukrativsten Fenster, das noch bleibt, statt bis zum Patentablauf 2029 zu warten.
Dahinter steckt Druck auf mehreren Ebenen. Der Konzern kämpft weiter mit den Milliarden-Altlasten aus dem Glyphosat-Streit. Für wachstumsstärkere Präparate wie Nubeqa und Kerendia braucht Bayer frisches Kapital. Zugleich verlagert der Konzern die Wirkstoffforschung ins Rechnen, denn neue Kandidaten kommen zunehmend aus dem Computer. Ein etabliertes, aber alterndes Molekül passt in diese Kernstrategie nicht mehr.
Bayer kassiert 375 Millionen Euro für einen Wirkstoff, dessen beste Jahre gezählt sind, und finanziert damit die eigene Pipeline. Grünenthal wiederum kauft genau das, worauf der Spezialist aus Aachen setzt: einen fertigen Umsatzbringer ohne Forschungsrisiko.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was gewinnt Grünenthal?
Für Grünenthal passt der Kauf ins Geschäftsmodell. Der eigenfinanzierte Aachener Konzern sammelt seit Jahren etablierte Medikamente ein und hält sie mit schlankem Vertrieb profitabel, statt teuer selbst zu forschen. Vorstandschef Gabriel Baertschi spricht von einem „starken strategischen Fit“ und einer „disziplinierten Zukaufstrategie“, mit der Grünenthal bewährte Arzneien mit klarem medizinischem Bedarf übernehme und langfristig Wert schaffe.[1]
Der Verkauf reiht sich in eine breitere Konsolidierung im deutschen Pharmamarkt ein. Erst kürzlich durfte Merck aus Darmstadt den US-Diagnostikspezialisten Bio-Techne für rund zehn Milliarden Euro übernehmen. Für Entscheider zeigt der Fall eine Lehre: Der frühe Verkauf eines reifen Produkts an einen effizienten Betreiber bringt oft mehr, als den Wertverfall über Jahre auszusitzen.
Häufige Fragen zum Stivarga-Verkauf
Was ist Stivarga?
Stivarga ist ein orales Krebsmedikament von Bayer mit dem Wirkstoff Regorafenib. Der Wirkstoff ist in mehr als 90 Ländern zugelassen und behandelt fortgeschrittenen Darmkrebs, Leberkrebs und gastrointestinale Stromatumoren, meist bei bereits vorbehandelten Patienten.
Wie viel zahlt Grünenthal für Stivarga?
Grünenthal zahlt an Bayer bis zu 375 Millionen Euro für die weltweiten Rechte an Stivarga. Für 2027 erwartet Grünenthal daraus einen positiven EBITDA-Beitrag von bis zu rund 100 Millionen Euro, sofern der Abschluss wie geplant bis Anfang 2027 gelingt.
Warum verkauft Bayer Stivarga?
Der Patentschutz für Stivarga endet in der EU 2029 und in den USA 2030. Bayer verkauft den Wirkstoff im letzten lukrativen Fenster und richtet die Mittel auf wachstumsstärkere Präparate wie Nubeqa und Kerendia sowie auf die eigene Wirkstoffforschung.
Quelle
[1] Grünenthal: „Grünenthal acquires cancer treatment Stivarga®“
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