Amprion hat den neuen Netzknoten am Industriepark Höchst offiziell in Betrieb genommen. Nach Angaben des Standortbetreibers Infraserv Höchst hätten Sanofi und Vulcan Energy ihre Fabriken im Frankfurter Westen ohne diesen Anschluss nicht bauen können. Auch Rechenzentren fragen dort Leistung an: Der Netzbetreiber Syna versorgt bereits 16 davon, weitere Betreiber haben Anschlüsse angefragt.

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Die 380-Kilovolt-Umspannanlage Schwanheim bei Kelsterbach liefert schon seit Januar 2025 Strom, am Donnerstag hat Amprion sie symbolisch in Betrieb genommen.[1] Mit zwei weiteren Anlagen bildet sie den Netzknoten FWH Süd.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Netzknoten FWH Süd besteht aus drei Umspannanlagen, den 380-Kilovolt-Teil in Schwanheim genehmigten die Behörden im Juni 2021.
  • Laut Infraserv Höchst hängen die Insulinfabrik von Sanofi und die Lithiumanlage von Vulcan Energy an diesem Anschluss.
  • Sanofi erhält 400 Millionen Euro Beihilfe und muss die Fabrik bis Ende 2032 fertigstellen.
  • Neue Arbeitsplätze beziffern weder Amprion noch Infraserv.

Welche Fabriken hängen am neuen Netzknoten?

Stecker mit Ampulle, verbunden durch ein Kabel, an dem ein Schild mit der Aufschrift „380 kV“ hängt
Sanofi investiert 1,5 Milliarden Euro in neue Insulinfabrik in Höchst. EU genehmigt 400 Millionen Euro deutsche Beihilfe zur Sicherung der Produktion

Insulin aus Höchst. Für seine neue Insulinfabrik im Industriepark hatte Sanofi 2024 rund 1,3 Milliarden Euro angekündigt, Infraserv nennt inzwischen etwa 1,5 Milliarden Euro.[1] Die EU-Kommission genehmigte am 9. September eine deutsche Beihilfe von 400 Millionen Euro. Ohne das Geld hätte Sanofi laut Kommission die Herstellung von Insulin-Wirkstoffen in Frankfurt eingestellt. Im Gegenzug muss der Konzern die Fabrik bis Ende 2032 fertigstellen und bis Ende 2042 jedes Jahr mindestens 1,1 Tonnen Insulin in Höchst produzieren.[2]

Lithium vom Oberrhein. Vulcan Energy verarbeitet in Höchst künftig Lithium aus der Geothermie-Förderung bei Landau zu Lithiumhydroxid für Autobatterien. Für das Gesamtprojekt Lionheart hat das Unternehmen im Mai eine Finanzierung über 2,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Geldgeber sind Banken, Industriepartner und staatliche Stellen.[3] Geplant sind bis zu 24.000 Tonnen im Jahr, genug für rund 500.000 E-Auto-Batterien.

Warum entscheidet das Stromnetz über Ansiedlungen?

Strom als Rohstoff. Vulcan setzt in Höchst auf eine Membran-Elektrolyse, die das Lithiumchlorid mit elektrischem Strom in Lithiumhydroxid umwandelt. Laut Infraserv-Geschäftsführer Joachim Kreysing wären beide Großprojekte ohne den neuen Knoten nicht denkbar gewesen.[1] Wie Übertragungsnetz und Umspannanlage zusammenspielen, beschreibt unser Erklärstück zum Stromnetz in Deutschland.

Jahre an Vorlauf. Die Genehmigung für die Anlage Schwanheim kam im Juni 2021, gebaut hat Amprion ab 2022.[1] Vom Bescheid bis zum ersten Strom vergingen dreieinhalb Jahre. Für Investoren zählt deshalb, wo Kapazität bereits liegt. Am Rechenzentrum in Schladen-Werla zeigt sich die Kehrseite: Dort steht der Anschluss, der Betreiber fehlt.

Rechenzentren drängen nach. Im Süden des Industrieparks soll Ende des Jahres der Bau eines Rechenzentrums beginnen. „Es gibt da im Moment unglaubliche Sprünge im Leistungsbedarf“, sagte Edwin Schick, Technischer Geschäftsführer der Syna.[1] RWE-Chef Markus Krebber fordert bereits, die Rechenzentren am Netzausbau zu beteiligen.

Netzknoten FWH Süd: was daran hängt
Stromanschluss und Großprojekte am Industriepark Höchst
380 kV
Umspannanlage Schwanheim: genehmigt 2021, technisch in Betrieb seit Januar 2025
1,5 Mrd. €
Sanofis Insulinfabrik laut Infraserv, davon 400 Mio. € deutsche Beihilfe
24.000 t
Lithiumhydroxid im Jahr plant Vulcan Energy im Projekt Lionheart
16
Rechenzentren am Netz der Syna, weitere Betreiber haben angefragt
2032
Frist der EU für die Fertigstellung der Insulinfabrik

Ansiedlungen scheitern in Deutschland seltener am Grundstück als am Stromanschluss. In Höchst lag die Leitung bereit, bevor Sanofi und Vulcan sich entschieden.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wie weit sind die Projekte?

Netz fertig, Fabriken folgen. Beim Stromanschluss ist die letzte Stufe erreicht: Auch die 110-Kilovolt-Anlagen Waldsee und Farbwerke Höchst Süd laufen seit diesem Jahr im Regelbetrieb. Bei Sanofi liegen Standortentscheidung und Beihilfe-Genehmigung vor, die nächste Stufe ist der Bau. Am Standort arbeiten laut Hessischem Rundfunk rund 6.500 Menschen, im neuen Werk sollen mehrere hundert Fachkräfte arbeiten. Vulcan hat die Finanzierung gesichert und plant den Produktionsstart für 2028.

Was bedeutet das für Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet?

Leistung früh anmelden. Betriebe mit Ausbauplänen sollten ihren künftigen Strombedarf jetzt beim Verteilnetzbetreiber anmelden. Rechenzentren fragen in der Region laut Syna bereits zusätzliche Leistung an.

Netzkosten einrechnen. Den Ausbau bezahlen die Kunden über ihre Netzentgelte, deren Verteilung die Reform von 2026 neu regelt. Die Rendite der Netzbetreiber legt die Bundesnetzagentur fest. Diese Planbarkeit war für RWE ein Grund, seinen Anteil an Amprion auf 58 Prozent aufzustocken.

Quellen

[1] Frankfurter Neue Presse: Neuer Netzknoten bei Kelsterbach sichert Sanofi- und Vulcan-Ansiedlung (25.09.2026)

[2] Europäische Kommission: Commission approves €400 million German State aid to enhance insulin supply resilience (09.09.2026)

[3] Vulcan Energy: Vulcan Energy erreicht Financial Close für Finanzierungspaket des Lionheart-Projekts (28.05.2026)

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