Die Bundesnetzagentur krempelt die Netzentgelte um. Künftig sollen auch Erzeuger und Speicher an den Netzkosten beteiligt werden, bisher waren sie davon befreit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Netzentgelte machen rund ein Viertel der Stromrechnung aus und gehen jedes Jahr in die Milliarden. Ende Mai 2026 hat die Bundesnetzagentur einen Zwischenstand zur Reform der Netzentgeltsystematik vorgelegt. Im Sommer folgt der Entwurf einer Festlegung.
Das Wichtigste in Kürze
- Erzeuger sollen künftig über einen gedeckelten Kapazitätspreis von zunächst 4 bis 7 Euro je Kilowatt und Jahr zur Netzfinanzierung beitragen.
- Auch Batterie- und Pumpspeicher zahlen einen Kapazitätspreis, allerdings keine Arbeitspreise.
- Für Bestandskunden verlängert sich die Bandlastregelung bis Ende 2031.
- Über die künftigen Regeln für Industriekunden entscheidet die Behörde Anfang 2027, nach Auswertung laufender Pilotprojekte.
- Die heutige Stromnetzentgeltverordnung von 2005 läuft Ende 2028 aus.
Was ändert sich für Erzeuger und Speicher?

Bislang tragen vor allem die Verbraucher die Netzkosten. Das soll sich verschieben. Neue Zahler sind künftig auch Wind- und Solarparks, die über einen jährlichen Kapazitätspreis einsteigen.
Speicher bekommen eine Sonderrolle, weil sie das Netz entlasten statt belasten. Betreiber von Batterie- und Pumpspeichern zahlen denselben Kapazitätspreis wie Erzeuger, jedoch keine mengenabhängigen Arbeitspreise. Die Behörde spiegelt damit ihre Funktion als Flexibilitätsanbieter.
Warum kommt die Reform gerade jetzt?

Auslöser ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das die alten Regeln kippt. Die Systematik stammt aus dem Jahr 2005 und passt nicht mehr zu einem System mit volatiler Einspeisung und knappen Anschlusskapazitäten. Faire Verteilung nennt Behördenpräsident Klaus Müller das Ziel der Neuregelung.
Für Haushalte und Betriebe bringt 2026 zunächst Entlastung. Ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro dämpft die Entgelte, im Schnitt sinken sie für Haushalte um rund 17 Prozent. Wie sich die Kosten langfristig verteilen, entscheidet aber erst die neue Systematik.
Jahrzehntelang zahlten allein die Verbraucher das Netz, jetzt rücken Erzeuger und Speicher mit ins Boot. Das ist überfällig, und Unternehmen sollten die neuen Kapazitätspreise schon heute einkalkulieren.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Betriebe mit eigener Erzeugung oder eigenem Speicher prüfen am besten früh, wie sich der geplante Kapazitätspreis auf ihre Kalkulation auswirkt. Die konkreten Regeln für industrielle Verbraucher folgen Anfang 2027, eine Beteiligung an den Pilotprojekten kann sich lohnen.