Die Solarindustrie verbaut immer weniger Silber pro Modul und ersetzt es zunehmend durch Kupfer. Trotzdem bleibt der Silbermarkt im sechsten Jahr in Folge im Defizit, und der Preis hat erstmals die Marke von 100 US-Dollar je Unze durchbrochen. Für Photovoltaik-Hersteller und Elektronikfertiger wird das zur Rechenaufgabe.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSilber steckt in jeder Solarzelle und in unzähligen Elektronikbauteilen, doch ausgerechnet die Photovoltaik dreht den Verbrauch zurück. Das Silver Institute meldet für 2026 das sechste jährliche Angebotsdefizit in Folge, geschätzt rund 46 Millionen Unzen. Der Preis kletterte im Januar erstmals über 100 US-Dollar je Unze.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Silver Institute erwartet für 2026 ein Angebotsdefizit von rund 46 Millionen Unzen, nach gut 40 Millionen Unzen im Vorjahr.
- Die Photovoltaik-Branche reduziert den Silbereinsatz pro Modul stark, was die industrielle Nachfrage drückt.
- Silberpaste macht je nach Zelltyp 10 bis 20 Prozent der Solarzellenkosten aus.
- Hersteller wie LONGi stellen auf kupferbasierte Kontakte um, ab dem zweiten Quartal 2026 in der Massenfertigung.
Warum spart die Solarbranche ausgerechnet Silber ein?

Solarmodule funktionieren über feine Silberbahnen, die den Strom aus der Zelle leiten. Bei Silberpreisen über 100 US-Dollar je Unze und schrumpfenden Margen senken die Hersteller den Einsatz pro Zelle, ein Vorgang, den die Branche Thrifting nennt. Laut Silver Institute drückt dieser Effekt die industrielle Silbernachfrage 2026 weiter nach unten.
Manche Hersteller gehen einen Schritt weiter und ersetzen Silber durch Kupfer. LONGi bringt kupferbasierte Back-Contact-Zellen ab dem zweiten Quartal 2026 in die Massenfertigung, Jinko und Aiko verfolgen ähnliche Wege. Vollständig gelingt der Austausch noch nicht, denn Kupfer erhöht die Montagekosten und wirft Fragen zur Langlebigkeit auf.
Beim Silber kollidieren zwei Welten. Die Finanzanleger treiben den Preis auf Rekorde, während die Industrie händeringend nach Wegen sucht, das Metall aus ihren Produkten zu drängen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Photovoltaik und Elektronik?

Trotz der Sparbemühungen bleibt der Markt angespannt. Rund 70 Prozent des Silberangebots fallen als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an und lassen sich kaum gezielt ausweiten. Solange Investoren physisches Silber kaufen, zehrt der Markt an den Lagerbeständen, und das Defizit hält an.
Für Solarprojekte und Elektronikfertigung heißt das, Materialkosten und Lieferfristen genauer zu planen. Prüfen Sie bei Modulen, welche Zelltechnik verbaut ist, denn kupferbasierte Designs verschieben das Kostenrisiko. Wie eng Energiewende und Rohstoffpreise zusammenhängen, zeigt auch der Blick auf die Seltenen Erden.
Kurzfristig federt die Substitution den Silberhunger der Solarbranche etwas ab, doch der strukturelle Mangel bleibt bestehen. Behalten Sie die Preisentwicklung im Blick, wenn Sie größere Mengen an Modulen oder Bauteilen einkaufen. Ein Defizit im sechsten Jahr ist kein Ausreißer mehr, sondern der Normalzustand.