Figma verkauft weder Software zum Runterladen noch Werbung. Trotzdem war der Design-Anbieter am ersten Börsentag mehr wert als die Summe, mit der Adobe ihn einst kaufen wollte. Das Geheimnis steckt in einem einzigen, harmlos klingenden Wort.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFigma hat gerade sein erstes großes Quartal als börsennotierter Konzern hinter sich. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal 2026 um 48 Prozent auf 321 Millionen Euro, das dritte Quartal in Folge mit sich beschleunigendem Wachstum. Dahinter steckt ein Geschäftsmodell, das aus dem harmlosen Wort Zusammenarbeit eine der wirksamsten Geldmaschinen im Software-Geschäft gebaut hat.
Vor knapp drei Jahren wollte Adobe genau diese Maschine für 17,3 Milliarden Euro kaufen. Der Deal platzte am Veto der Wettbewerbshüter in Brüssel und London, und Figma kassierte eine Milliarden-Abfindung fürs Nichtstun. Zwei Jahre später ging der Design-Spezialist selbst an die Börse und war am ersten Handelstag mehr wert als das gebotene Übernahmegeld. Wer verstehen will, wie ein Werkzeug für Designer diesen Wert erreicht, muss das Erlösmodell öffnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Umsatz: Figma setzte 2025 rund 915 Millionen Euro um (plus 41 Prozent) und lag im zweiten Quartal 2026 bei 321 Millionen Euro Quartalsumsatz mit 48 Prozent Wachstum.
- Erlösmodell: Nahezu der gesamte Umsatz stammt aus Abonnements für Nutzersitze. Jeder Mitarbeiter, der aktiv in einer Datei arbeitet, wird zum bezahlten Sitz.
- Bindung: Die Netto-Umsatzbindung liegt bei 136 Prozent. Bestandskunden geben Jahr für Jahr deutlich mehr aus, ohne dass Figma neue Kunden gewinnen muss.
- Marktmacht: Unter professionellen Produktdesignern nutzen mehr als 80 Prozent Figma als Hauptwerkzeug, fast alle Konzerne der Fortune 500 setzen es ein.
- Aufhänger: Nach dem Börsengang bei 16,7 Milliarden Euro Bewertung steht Figma unter dem Druck, sein Wachstum mit teuren KI-Funktionen zu verteidigen.
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1 Woraus zieht Figma nahezu seinen gesamten Umsatz? Aufklappen ↓
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2 Wie hoch war die geplatzte Adobe-Übernahme von Figma? Aufklappen ↓
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3 Was bedeutet die Netto-Umsatzbindung von 136 Prozent? Aufklappen ↓
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4 Warum ist Adobe XD für Figma kaum noch eine Gefahr? Aufklappen ↓
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5 Welches Risiko droht deutschen Behörden bei Figma besonders? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Figma, und wie fing alles an?
Figma begann 2012 als das Projekt zweier Studienabbrecher, die das Design komplett in den Browser holen wollten. Dylan Field und Evan Wallace lernten sich an der Brown University kennen. Field brach das Studium ab und nahm ein Thiel-Stipendium an, jene 100.000-Dollar-Förderung von Peter Thiel für junge Gründer, die auf einen Abschluss verzichten.
Die Idee klang zunächst wie technischer Größenwahn. Professionelle Design-Programme wie Photoshop oder Sketch liefen damals ausschließlich als schwere Anwendungen auf dem eigenen Rechner. Field und Wallace wollten dieselbe Leistung im Webbrowser abbilden, ohne Installation, ohne Dateien, die per Mail hin- und hergeschickt werden.
Der Schlüssel lag in einer Technologie namens WebGL, mit der sich Grafik direkt in der Grafikkarte des Rechners über den Browser berechnen lässt. Evan Wallace, der Ingenieur des Duos, trieb diesen Kern voran, während Field das Produkt und die Vision formte. Vier Jahre tüftelten die beiden im Stillen, bevor überhaupt eine öffentliche Version erschien.
Genau diese lange Stille war ein Wagnis. Investoren drängten auf einen schnelleren Start, doch Field bestand darauf, das Werkzeug erst dann zu zeigen, wenn es wirklich funktionierte. 2016 ging die erste offene Version live, und der eigentliche Unterschied zu allem Bisherigen lag nicht in der Grafik. Er lag in der gemeinsamen Arbeit in Echtzeit, die es in einem professionellen Design-Werkzeug so noch nie gegeben hatte.
Mehrere Menschen konnten dieselbe Design-Datei gleichzeitig öffnen und bearbeiten, so wie es Google Docs für Textdokumente vormachte. Was heute selbstverständlich klingt, war für die Design-Branche ein Bruch mit einem jahrzehntealten Arbeitsmuster. Der Cursor der Kollegin bewegte sich sichtbar über den eigenen Bildschirm, Feedback wurde zum Live-Ereignis statt zur E-Mail mit angehängter Datei.
Genau in dieser Verlagerung liegt der Ursprung des späteren Geschäftsmodells. Ein Werkzeug, das nur ein einzelner Designer bedient, verkauft sich pro Designer. Ein Werkzeug, in dem plötzlich das ganze Team mitarbeitet, verkauft sich pro Mitarbeiter, und die Zahl der Mitarbeiter ist um ein Vielfaches größer. Die gemeinsame Arbeit war nicht nur eine schöne Funktion, sie war der Grundstein einer Umsatzlogik.
Wie wurde aus einem Browser-Experiment ein Milliarden-Riese?

Figma wuchs, weil sich sein Werkzeug von selbst in Unternehmen ausbreitete, ein Kollege nach dem anderen. Ein Designer teilte einen Link zu seiner Datei, und wer diesen Link öffnete, war bereits mitten im Produkt. Kein Download, kein Installations-Ticket bei der IT-Abteilung, keine Hürde.
Dieses Muster nennt die Branche produktgetriebenes Wachstum. Das Produkt selbst übernimmt die Rolle des Vertriebs, weil jeder geteilte Entwurf neue Nutzer hereinzieht. Ähnlich wuchs der australische Software-Konzern Atlassian, dessen Aufstieg fast ohne klassischen Vertrieb zeigt, wie stark dieser Mechanismus im Software-Geschäft trägt.
Der entscheidende Moment kam mit den großen Technologie-Konzernen. Als Teams bei Microsoft, Netflix oder Google anfingen, ihre Oberflächen in Figma zu entwerfen, wurde das Werkzeug zum Standard einer ganzen Berufsgruppe. Junge Designer lernten es an der Universität, brachten es in ihren ersten Job mit und setzten es dort durch.
| Jahr | Meilenstein | Bedeutung |
|---|---|---|
| 2016 | Öffentlicher Start | Echtzeit-Zusammenarbeit im Browser |
| 2021 | FigJam | Whiteboard für Workshops, neue Nutzergruppe |
| 2023 | Dev Mode | Eigener Zugang für Programmierer |
| 2025 | Figma Make, Sites, Buzz | Sprung zur KI-Plattform mit acht Produkten |
Parallel baute Figma sein Angebot in die Breite. 2021 kam FigJam dazu, ein digitales Whiteboard für Brainstorming und Workshops. 2023 folgte der Dev Mode, eine eigene Ansicht für Programmierer, die Designs in Code übersetzen. Damit sprang Figma von der reinen Designer-Zielgruppe auf die weit größere Gruppe der Entwickler über.
2025 beschleunigte der Konzern das Tempo noch einmal und kaufte gezielt zu. Mit der Übernahme des Anbieters Payload holte sich Figma Technologie für die Verwaltung von Inhalten, mit dem Zukauf von Weavy zusätzliche KI-Kompetenz. Aus dem einen Werkzeug wurde binnen weniger Jahre eine Produktfamilie mit Design, Whiteboard, Präsentationen, Webseiten-Baukasten und KI-Generator.
Der eine Moment, ab dem nichts mehr war wie zuvor, kam paradoxerweise durch eine Niederlage. Als die Wettbewerbshüter 2023 den Verkauf an Adobe stoppten, stand Figma plötzlich als eigenständiger Sieger da, mit einer Milliarden-Abfindung in der Kasse und einem Rivalen, der sein Konkurrenzprodukt danach aufgab. Aus dem geplatzten Verkauf wurde der Startschuss für den eigenen Börsengang zwei Jahre später.
Die nackten Zahlen belegen die Wucht dieser Entwicklung. 2024 setzte Figma nach eigenen Angaben 649 Millionen Euro um, ein Jahr später waren es bereits 915 Millionen Euro. Der Sprung über die Milliardengrenze beim Dollar-Umsatz gelang 2025, und das Wachstum beschleunigte sich 2026 sogar wieder, statt abzuflachen.
Auch geografisch dehnte sich Figma früh aus. Weil das Werkzeug im Browser läuft, verbreitete es sich ohne Länderorganisation und lokale Installationen von selbst über Kontinente hinweg, von den USA über Europa bis nach Asien. Diese grenzenlose Verbreitung senkte die Kosten der Internationalisierung auf einen Bruchteil dessen, was klassische Softwarehäuser dafür aufwenden mussten.
Heute beschäftigt Figma mehrere tausend Menschen und verkauft sein Werkzeug in fast jeden großen Konzern der Welt. Aus dem Browser-Experiment zweier Studienabbrecher ist ein Konzern geworden, den die Börse zeitweise mit mehr als 52 Milliarden Euro bewertete. Der Weg dorthin führte über die konsequente Ausdehnung eines einzigen Prinzips, das jede weitere Berufsgruppe in dasselbe Werkzeug zog.
- Selbstläufer: Jeder geteilte Design-Link zog neue Nutzer ins Produkt, ohne Vertrieb.
- Ausdehnung: Von Designern über Entwickler bis zu Marketing-Teams wuchs die Zielgruppe stetig.
- Tempo: Der Umsatz stieg von 649 auf 915 Millionen Euro binnen eines Jahres.
Wie verdient Figma tatsächlich sein Geld?

Figma verdient sein Geld fast ausschließlich mit Abonnements für Nutzersitze, und der wahre Hebel liegt darin, dass jeder aktive Mitarbeiter zum bezahlten Sitz wird. Es gibt keine Werbung, keinen Verkauf von Nutzerdaten und keine einmaligen Lizenzen. Der Umsatz fließt Monat für Monat aus laufenden Verträgen.
Woher der Umsatz konkret kommt
Nahezu der gesamte Umsatz stammt aus drei gestaffelten Abo-Stufen: Professional für kleine Teams, Organization für größere Firmen und Enterprise für Konzerne. Der Preis bemisst sich an der Zahl der Menschen, die aktiv gestalten, nicht an der Größe des Unternehmens selbst. Jeder Sitz kostet, und je größer die Firma, desto mehr Sitze fallen an.
Der Löwenanteil des Geldes kommt inzwischen von großen Kunden. Konten mit mehr als 8.700 Euro Jahresumsatz machen den Großteil des Geschäfts aus, und die Zahl der Konten oberhalb von 87.000 Euro Jahresumsatz wuchs zuletzt um 46 Prozent. Das Enterprise-Geschäft ist der Wachstumskern, nicht das Geschäft mit Einzelnutzern.
Diese Verschiebung hin zu Großkunden erklärt die Stabilität des Modells. Ein Konzern, der Figma in Dutzenden Teams verankert hat, kündigt nicht wegen einer Preiserhöhung, weil der interne Aufwand eines Wechsels den Aufschlag um ein Vielfaches übersteigt. Der Umsatz ist damit wiederkehrend und zugleich krisenfest, solange die Kunden im Werkzeug arbeiten.
Die versteckten Erlösströme
Interessanter als die Hauptstufen sind die Nebenströme, die Figma leise aufgebaut hat. Der wichtigste ist der Dev-Sitz, ein günstigerer Zugang für Programmierer, mit dem Figma seine Nutzerbasis weit über die Designer hinaus verbreitert. Jeder Entwickler im Team wird so zum zusätzlichen Umsatzträger.
Der zweite versteckte Strom entsteht gerade erst. Ab März 2026 führt Figma sogenannte KI-Guthaben ein, ein Verbrauchsmodell für seine neuen Werkzeuge wie Figma Make, das aus einer Texteingabe einen funktionsfähigen Entwurf erzeugt. Bei intensiver KI-Nutzung fällt künftig ein Aufpreis an, entweder über ein zusätzliches Abo oder nach Verbrauch.
Daten und Algorithmen als Erlösbasis
Anders als Meta oder Google verkauft Figma keine Aufmerksamkeit und keine Nutzerprofile. Die Daten der Kunden sind trotzdem der Rohstoff für das nächste Kapitel des Geschäftsmodells. Jede Datei, jede Komponente, jeder Klick liefert das Material, aus dem Figma seine KI-Werkzeuge trainiert.
Der Wert dieser Daten taucht in keiner Bilanzposition auf, prägt aber die Strategie. Mit Millionen von Design-Dateien im Rücken lassen sich Modelle bauen, die Layouts vorschlagen, Code erzeugen oder ganze Prototypen aus einem Satz ableiten. Figma verwandelt das gesammelte Design-Wissen seiner Nutzer in ein Produktmerkmal, für das es künftig zusätzlich Geld verlangt.
Genau hier schließt sich der Kreis zum Sitz-Modell. Die KI erzeugt keinen Bruch mit der bisherigen Logik, sondern eine zusätzliche Schicht darüber. Jeder Sitz bekommt ein begrenztes KI-Guthaben, und wer mehr braucht, kauft nach. Aus dem festen Abo wird so ein Abo mit Verbrauchskomponente, das mit der Nutzungsintensität mitwächst.
Margen, Quersubventionen und Netzwerkeffekte
Die Bruttomarge liegt bei 85 Prozent, ein Traumwert, der zeigt, wie günstig zusätzliche Sitze zu bedienen sind. Unter dem Strich schrieb Figma zuletzt dennoch Verluste, weil der Börsengang eine enorme, einmalige Belastung durch Aktienvergütungen auslöste. Im vierten Quartal 2025 summierte sich der operative Verlust auf 169 Millionen Euro, fast ausschließlich wegen dieser Sondereffekte.
Eine kostenlose Einstiegsstufe quersubventioniert das bezahlte Geschäft. Studierende, Lehrende und kleine Teams nutzen Figma gratis, gewöhnen sich an das Werkzeug und wechseln später in einem Unternehmen zur bezahlten Version. Das Gratis-Angebot ist kein Geschenk, sondern der Trichter an der Spitze des Verkaufs.
| Erlös-Baustein | Was dahinter steckt | Rolle im Modell |
|---|---|---|
| Voll-Sitze | Abo für alle, die aktiv gestalten | Haupteinnahme |
| Dev-Sitze | Günstiger Zugang für Programmierer | Basis-Verbreiterung |
| KI-Guthaben | Verbrauchsabhängige KI-Funktionen ab 2026 | Neue Wachstumsquelle |
| Gratis-Stufe | Kostenloser Zugang für Einsteiger | Quersubvention und Trichter |
Den stärksten Hebel bildet der Netzwerkeffekt. Sobald ein Team seine Bausteine, Farben und Vorlagen in Figma pflegt, wird ein Wechsel aufwendig und teuer, weil das gesamte Design-System dort liegt. Genau daraus speist sich die Netto-Umsatzbindung von 136 Prozent: Bestandskunden geben Jahr für Jahr mehr aus, weil sie tiefer im System stecken.
Diese Bindung ist der Grund, warum Analysten Figma trotz der roten Zahlen unter dem Strich hoch bewerten. Ein Umsatz, der zu 100 Prozent wiederkehrt und zusätzlich von allein wächst, gilt an der Börse als das wertvollste aller Software-Muster. Der Buchverlust aus den Aktienvergütungen des Börsengangs ist ein einmaliger Effekt, die Bindung dagegen ein dauerhafter.
Wie sich das Modell verschoben hat
Vor fünf Jahren war Figma ein einzelnes Design-Werkzeug für Designer. Heute ist es eine Plattform aus acht Produkten, die von der ersten Skizze bis zur fertigen Webseite reicht. Der Umsatz hat sich in diesem Zeitraum vervielfacht, und die neue Front ist die künstliche Intelligenz, mit der Figma sein Wachstum gegen die nächste Software-Generation verteidigen will.
- Ein Modell: Fast der gesamte Umsatz stammt aus Abos für aktive Nutzersitze.
- Zwei Verstärker: Netzwerkeffekt und Gratis-Trichter treiben die Bindung von 136 Prozent.
- Nächste Stufe: KI-Guthaben legen ab 2026 eine Verbrauchskomponente über das Abo.
Wie groß ist die Marktmacht von Figma?

Figma dominiert das professionelle Interface-Design so klar, dass es für viele Teams gar keine ernsthafte Alternative mehr gibt. Unter professionellen Produktdesignern nutzen mehr als 80 Prozent das Werkzeug als Hauptwerkzeug. In der Breite des Marktes für gemeinsame Design-Arbeit hält Figma rund 41 Prozent Anteil.
Die Verankerung reicht bis in die Chefetagen der Weltwirtschaft. Nach Branchenauswertungen setzen nahezu alle Konzerne der Fortune 500 Figma ein, und die Zahl der monatlich aktiven Nutzer liegt im zweistelligen Millionenbereich. Diese Durchdringung macht das Werkzeug zu einer Infrastruktur, an der kaum ein größeres Produktteam vorbeikommt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Hauptwerkzeug bei Profi-Designern | über 80 Prozent |
| Anteil am kollaborativen Design-Markt | rund 41 Prozent |
| Nutzung in Fortune-500-Konzernen | nahezu flächendeckend |
| Netto-Umsatzbindung | 136 Prozent |
Die Konkurrenz ist in den vergangenen Jahren regelrecht zerbröselt. Adobe hat sein einst gefeiertes XD in den Wartungsmodus geschickt, es lässt sich einzeln nicht mehr kaufen und bekommt keine nennenswerten Updates. Der Pionier InVision hat den Betrieb ganz eingestellt, und Framer hat sich zum Baukasten für Webseiten umorientiert.
Übrig bleibt ein Feld, das die Branche als Dreikampf beschreibt. Neben Figma behaupten sich das ältere Sketch in einer treuen Nische und das quelloffene Penpot, das sich als selbst betreibbare Alternative positioniert. Gegen die schiere Verbreitung von Figma wirken beide wie Randerscheinungen, so sehr sie inhaltlich überzeugen mögen.
Der wahre Verstärker der Marktmacht sitzt an den Universitäten. Weil Figma für Studierende und Lehrende kostenlos ist, lernt eine ganze Generation von Designern das Werkzeug schon in der Ausbildung und bringt es später in jeden neuen Job mit. So erneuert sich die Dominanz von selbst, Jahrgang für Jahrgang, ohne dass Figma dafür einen einzigen Vertriebseuro ausgeben muss.
Ernsthafte Herausforderer sind rar, und ihre Rollen sind klar verteilt. Sketch bedient eine treue Apple-Gemeinde, Penpot wirbt mit Datenhoheit und offenem Quellcode, und der Marketing-Baukasten Canva greift von der Verbraucherseite her an. Keiner dieser Anbieter kombiniert bisher Reichweite, Tiefe und Zusammenarbeit so wie der Marktführer, weshalb sie eher Nischen besetzen, als das Zentrum des Marktes ernsthaft anzugreifen, solange die Wechselkosten so hoch bleiben.
Die eigentliche Stärke liegt in den Wechselkosten. Ein Team, das seine Vorlagen, Bausteine und Freigabeprozesse in Figma aufgebaut hat, verliert bei einem Umzug weit mehr als Dateien, nämlich seine gesamte Arbeitsweise. Diese Bindung ist stärker als jeder Preisvorteil eines Herausforderers, ein klassischer Lock-in.
Kartellrechtlich geriet Figma bislang nur als Übernahmeziel ins Visier, nicht als Täter. Die Wettbewerbshüter stoppten 2023 den Verkauf an Adobe gerade deshalb, weil sie die Marktmacht des Zusammenschlusses fürchteten. Paradoxerweise stärkte dieses Nein Figmas Position, weil der schärfste Rivale sein eigenes Produkt danach aufgab.
- Vormacht: Über 80 Prozent der Profis nutzen Figma als Hauptwerkzeug.
- Zerfall der Rivalen: Adobe XD im Wartungsmodus, InVision eingestellt, Framer umorientiert.
- Bindung: Ganze Design-Systeme liegen in Figma, ein Wechsel wird dadurch teuer.
Wer ist bei Figma eigentlich das Produkt?

Bei Figma ist der Kunde tatsächlich der Kunde, doch die eigentliche Ware ist die Zusammenarbeit selbst, die das Unternehmen in Sitze verwandelt. Anders als bei werbefinanzierten Plattformen zahlt hier, wer nutzt. Niemand wird über seine Daten verkauft.
Der Trick liegt in der Definition dessen, was einen bezahlten Sitz auslöst. Sobald ein Mitarbeiter über das bloße Zuschauen hinausgeht und selbst etwas verändert, wird er zum kostenpflichtigen Voll-Sitz. Die Grenze zwischen dem passiven Betrachter und dem aktiven Gestalter ist die Schwelle, an der Figma sein Geld verdient.
Genau diese Schwelle rückt immer weiter nach unten. Mit FigJam für Workshops, dem Dev Mode für Entwickler und den neuen Marketing-Werkzeugen zieht Figma Berufsgruppen ins Produkt, die früher nie ein Design-Werkzeug angefasst hätten. Jeder Projektmanager, der einen Kommentar hinterlässt, jeder Marketer, der eine Grafik anpasst, wird zum potenziellen Sitz.
Für den Kunden entsteht daraus eine unauffällige Dynamik. Ein Unternehmen kauft zunächst zehn Sitze für seine Designer und stellt Monate später fest, dass plötzlich fünfzig Menschen aktiv im Werkzeug arbeiten. Die Rechnung wächst ohne jede Preiserhöhung, allein durch die eigene Belegschaft, die sich das Werkzeug nach und nach erschließt.
Aus der Perspektive des Lesers ist Figma damit ein Werkzeug, das seine Kosten selbst vermehrt. Der Anbieter muss kaum noch aktiv verkaufen und schaut vor allem zu, wie die Zusammenarbeit im Unternehmen die Sitzzahl nach oben treibt. Der Kunde bezahlt am Ende für seinen eigenen Erfolg mit dem Produkt.
Damit unterscheidet sich Figma grundlegend von den Plattformen, die den Nutzer zur Ware machen. Hier gibt es keine versteckte Verwertung, keine Weitergabe von Profilen, keine Werbung. Der ehrlichere Preis dieses Modells liegt offen auf dem Tisch, und er heißt Sitzzahl, die mit dem Erfolg des Werkzeugs im Unternehmen steigt.
- Kein Datenverkauf: Der Kunde zahlt selbst, niemand wird über seine Daten vermarktet.
- Die Schwelle: Wer aktiv gestaltet, wird zum bezahlten Sitz.
- Selbstläufer: Die Rechnung wächst mit der eigenen Belegschaft, nicht mit Preiserhöhungen allein.
Was kostet Figma wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein voller Figma-Sitz kostet im Monatsabo rund 17 Euro, und der wahre Preis entsteht aus der Zahl der Sitze, die kaum jemand vorab genau kalkuliert. Im Jahresabo sinkt der Betrag pro Sitz, doch die eigentliche Rechnung macht die Menge.
Im März 2025 hob Figma die Preise deutlich an und ordnete zugleich die Sitzarten neu. Der volle Sitz stieg um bis zu einem Drittel, gemessen an der Monatszahlung von zuvor rund 14 auf 17 Euro. Gleichzeitig bündelte Figma das Whiteboard FigJam, die Präsentationen und weitere Werkzeuge in diesen einen Sitz, ob der Kunde sie nutzt oder nicht.
Diese Bündelung war der Kern der Kritik. Teams, die nur die reine Design-Funktion brauchten, zahlten plötzlich für ein ganzes Paket mit. Der neue Dev-Sitz für Programmierer blieb mit rund 10 Euro im Monat günstiger, doch auch er bekam Zusatzfunktionen aufgedrückt, die den Preis rechtfertigen sollten.
Bereits die Ankündigung Ende 2024 löste Widerstand aus, lange bevor die neuen Preise galten. In Fachforen und sozialen Netzwerken sammelten sich Klagen über die faktische Verteuerung um mehr als ein Fünftel im Jahresabo. Der Ärger blieb folgenlos, weil kaum ein Team eine echte Ausweichmöglichkeit hatte, und genau diese Machtlosigkeit ist Teil des Geschäftsmodells.
| Kostenbestandteil | Ungefährer Wert pro Voll-Sitz im Monat | Wer profitiert |
|---|---|---|
| Reine Betriebskosten der Cloud | unter 3 Euro | Figma über die hohe Marge |
| Forschung und Entwicklung | hoher Anteil | künftige Funktionen, KI |
| Vertrieb und Marketing | moderat, weil das Produkt sich selbst verkauft | Figma über niedrige Vertriebskosten |
| Marge | Rest des Abopreises | Figma und seine Aktionäre |
Die Kostenverteilung offenbart, warum das Modell so profitabel ist. Der reine Betrieb eines zusätzlichen Sitzes kostet Figma nur wenige Euro, der Rest des Abopreises fließt in Entwicklung und Marge. Der teuerste Posten ist die ständige Weiterentwicklung, mit der Figma seinen Vorsprung sichert, nicht der reine Betrieb der Server.
Für den Kunden liegt die eigentliche Kostenfalle im Jahresabo. Beim Jahresvertrag sinkt der Preis pro Sitz zwar, doch der Kunde bindet sich für zwölf Monate an eine Sitzzahl, die er zu Vertragsbeginn oft zu niedrig ansetzt. Wächst das Team unterjährig, kommen neue Sitze zum vollen Preis hinzu, während der Rabatt der Altverträge nicht rückwirkend greift.
Die Last der Kosten trägt am Ende der Kunde, und zwar auf zwei Wegen. Er zahlt den steigenden Sitzpreis, und er zahlt für die wachsende Sitzzahl, die aus der eigenen Nutzung folgt. Preissenkungen gab Figma bislang nicht weiter, Erhöhungen dagegen setzte es zügig durch, wie der Sprung von 2025 zeigt.
Nur die größten Kunden entkommen dem Listenpreis. Konzerne mit hunderten Sitzen verhandeln im Enterprise-Geschäft individuelle Rabatte, während kleine Teams und Selbstständige den vollen Tarif zahlen. Diese Preisspreizung verlagert die Last systematisch nach unten, weg von den zahlungskräftigen Großkunden hin zu den kleinen Nutzern ohne Verhandlungsmacht.
- Preisstruktur: Voll-Sitz rund 17 Euro im Monat, Dev-Sitz rund 10 Euro.
- Bündelung: Seit 2025 stecken FigJam, Präsentationen und mehr im Voll-Sitz, ob genutzt oder nicht.
- Richtung: Erhöhungen kamen schnell, Senkungen bislang gar nicht.
Wer profitiert am Aufstieg von Figma, und wer zahlt drauf?

Am Aufstieg von Figma verdienen vor allem die Gründer, die frühen Investoren und die Konzernkunden, während Wettbewerber und preisgebundene Bestandsnutzer die Zeche zahlen. Die Gewinner sitzen an der Spitze der Kapitaltabelle, die Verlierer verteilen sich über den Markt.
Der größte Einzelgewinner ist Dylan Field. Beim Börsengang verkaufte er Anteile im Wert mehrerer hundert Millionen Euro und behielt zugleich die Kontrolle über das Unternehmen. Die frühen Wagniskapitalgeber, die Figma vor Jahren mit wenigen Millionen finanzierten, sahen ihren Einsatz bei der Börsenbewertung von 16,7 Milliarden Euro vervielfacht.
Auch die Konzernkunden ziehen einen echten Nutzen. Ein global verteiltes Produktteam, das früher Dateien per Mail verschickte, arbeitet heute in Echtzeit zusammen und spart damit Zeit und Reibung. Für diese Kunden ist der steigende Sitzpreis ein kalkulierbarer Preis für einen realen Produktivitätsgewinn.
Auch die eigenen Mitarbeiter gehören zu den Gewinnern, zumindest jene mit Anteilen. Der Börsengang machte langjährige Beschäftigte mit Aktienpaketen zu wohlhabenden Menschen, was zugleich die hohe Belastung durch Aktienvergütungen erklärt, die Figmas Bilanz zuletzt ins Minus zog. Der Reichtum der Belegschaft und der Buchverlust des Konzerns sind zwei Seiten derselben Medaille.
Ein stiller Profiteur ist zudem das Ökosystem rund um Figma. Tausende von Zusatzbausteinen, Vorlagen und Plugins entstehen von Drittentwicklern, die an der Reichweite der Plattform mitverdienen. Dieses Umfeld verstärkt die Bindung weiter, weil jede zusätzliche Erweiterung den Wechsel zu einem Rivalen noch unattraktiver macht.
Auf der Verliererseite stehen zuerst die Wettbewerber. Adobe verlor mit dem geplatzten Deal die Übernahme, überwies eine Milliarden-Abfindung und musste zusehen, wie sein eigenes XD bedeutungslos wurde. Kleinere Anbieter kämpfen gegen einen Standard, den sie inhaltlich schlagen können, aber nicht in der Verbreitung.
Ein doppeltes Gesicht zeigt das Ökosystem der Zulieferer und Freelancer. Spezialisierte Design-Studios verdienen gut daran, dass Konzerne ihre Figma-Projekte extern vergeben, und Schulungsanbieter leben von der Nachfrage nach Figma-Kompetenz. Gleichzeitig geraten genau diese Dienstleister in eine Abhängigkeit, weil ihr ganzes Geschäft an der Verfügbarkeit und den Konditionen eines einzigen Anbieters hängt.
Auch kleine Agenturen und Freiberufler zahlen einen stillen Preis. Eine Agentur, deren Kunden auf Figma setzen, muss selbst einen bezahlten Sitz vorhalten, ganz gleich wie knapp die eigene Kalkulation ist. Die Marktmacht des Standards zwingt so auch jene zur Kasse, die das Werkzeug lieber meiden würden, ein klassischer Mitnahmeeffekt zulasten der Kleinsten.
Am härtesten trifft es die preisgebundenen Bestandskunden. Ein Kunde mit tief in Figma verankertem Design-System kann die Preiserhöhung von 2025 nicht einfach ablehnen, weil ein Wechsel die gesamte Arbeitsweise zerstören würde. Diese Kunden sitzen in der Plattform-Falle, dem Pendant zum Ressourcenfluch: Einmal drin, kommt man schwer wieder heraus und akzeptiert steigende Konditionen.
| Gruppe | Profiteur oder Verlierer | Grund |
|---|---|---|
| Gründer und Frühinvestoren | Profiteur | Börsengang bei 16,7 Milliarden Euro |
| Konzernkunden | gemischt | Produktivität gewonnen, Preis gestiegen |
| Bestandsnutzer | Verlierer | Preiserhöhung ohne Ausweichmöglichkeit |
| Adobe und Rivalen | Verlierer | Marktanteil und Übernahme verloren |
Figma hat aus Zusammenarbeit eine Zahlungspflicht gemacht: Jeder Kollege, der eine Datei nur öffnet, kann zum bezahlten Sitz werden. Diese Mechanik erklärt 136 Prozent Netto-Umsatzbindung besser als jedes einzelne Produktmerkmal.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Figma?

Figma wurde weniger durch eigene Lobbyarbeit politisch als durch den Umstand, dass sein geplatzter Verkauf zum europäischen Präzedenzfall für die Fusionskontrolle wurde. Der Konzern selbst gibt vergleichsweise wenig für politische Einflussnahme aus. Zum Politikum machte ihn Adobe.
Der Fall begann 2022, als Adobe die 17,3 Milliarden Euro schwere Übernahme ankündigte. Für die Wettbewerbshüter war klar, dass hier der Marktführer im Kreativ-Software-Geschäft seinen gefährlichsten Herausforderer schlucken wollte. Genau diese Konstellation nennen Ökonomen eine Killer-Akquisition, den Kauf eines Rivalen, um ihn verschwinden zu lassen.
Die britische Wettbewerbsbehörde und die Europäische Kommission stellten sich quer. Beide Behörden signalisierten, dass sie den Zusammenschluss blockieren würden, woraufhin beide Unternehmen den Deal Ende 2023 einvernehmlich beerdigten. Die Europäische Kommission dokumentierte ihre Bedenken öffentlich und machte den Fall damit zu einem Lehrstück für die europäische Fusionskontrolle.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| September 2022 | Adobe kündigt die Übernahme für 17,3 Milliarden Euro an |
| 2023 | Wettbewerbshüter in London und Brüssel signalisieren Widerstand |
| Dezember 2023 | Beide Seiten geben den Deal auf, Figma erhält 867 Millionen Euro |
| Juli 2025 | Figma geht eigenständig an die Börse |
Für Figma war das Nein ein doppelter Gewinn. Der Konzern kassierte eine Abfindung von 867 Millionen Euro und behielt seine Unabhängigkeit, während Adobe leer ausging und sein Konkurrenzprodukt danach aufgab. Selten hat ein regulatorisches Verbot einem Unternehmen so unmittelbar genützt wie in diesem Fall.
Über den Einzelfall hinaus setzte die Entscheidung ein Signal an die gesamte Tech-Branche. Die Wettbewerbshüter machten deutlich, dass sie den Aufkauf junger Herausforderer durch etablierte Riesen künftig genauer prüfen, ein Grundgedanke, der auch im europäischen Digitalrecht mitschwingt. Für Gründer bedeutet das mehr Chancen auf Eigenständigkeit, für Konzerne engere Grenzen beim Zukauf.
Figma selbst hält sich mit offener politischer Einflussnahme auffällig zurück. Der Konzern betreibt keine sichtbare Lobbymaschine wie Adobe oder Google, sondern setzt auf die stille Macht des Standards, den seine Nutzer selbst durchsetzen. Diese Zurückhaltung ist Teil der Erzählung vom sympathischen Herausforderer, die Figma seit dem geplatzten Adobe-Deal sorgsam pflegt.
Politisch brisant ist zudem die Machtstruktur an der Spitze. Dylan Field kontrolliert über Aktien mit erhöhtem Stimmrecht die Mehrheit der Stimmen, obwohl er längst nicht die Mehrheit der Anteile hält. Diese Gründerkontrolle ist im Silicon Valley üblich, entzieht das Unternehmen aber weitgehend dem Einfluss normaler Aktionäre.
Auch steuerlich folgt Figma dem üblichen Muster US-amerikanischer Software-Konzerne. Der Sitz in Kalifornien und die internationale Struktur erlauben die vertraute Optimierung, ohne dass Figma dabei besonders auffällig würde. Der eigentliche politische Fußabdruck des Konzerns bleibt der Präzedenzfall, den sein gescheiterter Verkauf geschaffen hat.
- Präzedenzfall: Der gestoppte Adobe-Deal wurde zum Lehrstück europäischer Fusionskontrolle.
- Doppelgewinn: Figma kassierte 867 Millionen Euro und blieb unabhängig.
- Kontrolle: Gründer Dylan Field hält über Sonderstimmrechte die Mehrheit der Stimmen.
Was könnte Figma zu Fall bringen?

Die größte Gefahr für Figma ist nicht ein direkter Konkurrent, sondern die Möglichkeit, dass künstliche Intelligenz das Entwerfen so verändert, dass die Sitz-Logik nicht mehr greift. Wenn eine KI aus einem Satz eine Oberfläche baut, braucht es womöglich weniger Menschen, die aktiv gestalten. Genau diese Menschen sind Figmas Umsatzbasis.
Das Risiko ist konkret, weil Figma es selbst befeuert. Mit Werkzeugen wie Figma Make treibt der Konzern die Automatisierung des Entwerfens voran und untergräbt damit potenziell sein eigenes Sitz-Modell. Sinkt die Zahl der aktiven Gestalter, hilft auch die schönste Software nicht, wenn niemand mehr einen Voll-Sitz braucht.
Ein zweites Risiko lauert bei den großen Plattformen. Sollten Anbieter wie Google oder Microsoft leistungsfähige Design-Funktionen kostenlos in ihre Büropakete einbauen, geriete Figma von der Preisseite unter Druck. Der Netzwerkeffekt schützt zwar Bestandskunden, doch neue Teams könnten sich für die eingebaute Alternative entscheiden.
Von unten drückt zugleich der Aufsteiger Canva ins Feld. Was als einfaches Werkzeug für Grafiken im Marketing begann, rückt mit jeder neuen Funktion näher an die professionelle Gestaltung heran und zielt genau auf jene Gelegenheitsnutzer, die Figma über FigJam und die Marketing-Werkzeuge selbst einfängt. Der Kampf um die Ränder entscheidet, wie viele neue Sitze künftig überhaupt bei Figma landen.
Hinzu kommt die selbst erzeugte Unzufriedenheit über die Preise. Die Erhöhung von 2025 hat viele Nutzer verärgert, und jede weitere Zusatzgebühr für KI-Guthaben verstärkt den Eindruck, dass Figma seine Marktmacht ausnutzt. Wächst dieser Frust, öffnet sich ein Fenster für quelloffene Herausforderer wie Penpot, die auf Unabhängigkeit setzen.
Die Börse beobachtet zudem misstrauisch die Profitabilität. Analysten der Investmentbank Morgan Stanley wiesen darauf hin, dass Figmas KI-Offensive das Wachstum treibt, die schwarze Zahl unter dem Strich aber nach hinten verschiebt, weil die KI-Funktionen selbst teure Rechenleistung verschlingen. Der Spagat zwischen Wachstum und Gewinn ist die eigentliche Bewährungsprobe der kommenden Jahre.
Ein leiseres Risiko ist die Abhängigkeit von einer einzigen Person. Dylan Field prägt Produkt und Strategie so stark, dass ein Abgang oder ein Fehltritt des Gründers das Unternehmen unmittelbar treffen würde, zumal er über seine Sonderstimmrechte allein die Richtung bestimmt. Die Gründerkontrolle, die Figma bisher Stabilität gab, ist damit zugleich ein Klumpenrisiko.
Drei Szenarien lassen sich für die nächsten fünf Jahre skizzieren. Im optimistischen Fall gelingt Figma die Wende zur KI-Plattform und verkauft Guthaben so erfolgreich, dass der Umsatz weiter steigt. Im mittleren Fall bleibt Figma dominant, das Wachstum flacht aber ab, weil der Markt gesättigt ist. Im pessimistischen Fall knabbern KI-Werkzeuge und Plattform-Angebote gemeinsam an der Sitzbasis.
Damit der pessimistische Fall eintritt, müssten mehrere Entwicklungen zusammenkommen. Ein Plattform-Riese müsste ein wirklich gleichwertiges Design-Werkzeug kostenlos anbieten, die KI-Automatisierung müsste die Zahl der Gestalter spürbar senken, und der Preisfrust müsste die Bindung überwinden. Jede einzelne dieser Bedingungen ist für sich unwahrscheinlich, ihr Zusammentreffen wäre das eigentliche Bruchszenario.
- Selbstgefahr: Figmas eigene KI könnte die Zahl der bezahlten Gestalter senken.
- Plattformdruck: Große Anbieter könnten Design gratis in ihre Pakete bündeln.
- Gewinnfrage: Wachstum ja, schwarze Zahl später, so die Sorge der Analysten.
Was bedeutet Figma für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Unternehmen ist Figma längst das Standardwerkzeug ihrer Design-Teams, doch genau diese Abhängigkeit von einer US-Cloud wirft für Mittelstand und Behörden heikle Fragen auf. Von Zalando bis zu den Digitaleinheiten großer Konzerne arbeitet die deutsche Produktentwicklung heute überwiegend in Figma.
Der praktische Nutzen ist unbestritten. Verteilte Teams in Berlin, München und Osteuropa entwerfen gemeinsam in Echtzeit, was Abstimmungswege verkürzt und die Zusammenarbeit mit externen Agenturen erleichtert. Für viele Firmen wäre ein Verzicht auf Figma heute ein Wettbewerbsnachteil, so tief sitzt das Werkzeug im Arbeitsalltag.
Betroffen ist längst nicht nur die Startup-Szene. Von den Digitaleinheiten großer Handels- und Industriekonzerne bis zu den Produktteams etablierter Softwarehäuser gestaltet die deutsche Wirtschaft ihre Apps und Portale überwiegend in Figma. Diese Verbreitung macht das Werkzeug zu einer stillen Infrastruktur, deren Ausfall oder Preissprung sofort viele Häuser gleichzeitig träfe.
Die Kehrseite ist die Datenhoheit. Figma läuft ausschließlich in der Cloud eines US-Konzerns, und alle Design-Dateien liegen auf amerikanischen Servern. Für Behörden, Kliniken oder Rüstungszulieferer mit strengen Anforderungen an den Datenschutz ist das ein ernstes Hindernis, das quelloffene und selbst betreibbare Alternativen wie Penpot ins Spiel bringt.
Diese Frage gewinnt gerade an Gewicht, weil die öffentliche Verwaltung in Deutschland und der EU verstärkt auf digitale Souveränität setzt. Behörden, die Verwaltungsleistungen oder kritische Infrastruktur gestalten, wollen die Design-Daten nicht länger allein einem US-Anbieter anvertrauen. Genau in dieser Lücke positionieren sich europäische Werkzeuge, die den Betrieb auf eigenen Servern erlauben und damit die Kontrolle im Haus behalten.
Auch beim Preis spüren deutsche Kunden die Marktmacht direkt. Ein voller Sitz kostet rund 17 Euro im Monat, und die Erhöhung von 2025 traf jeden deutschen Kunden gleichermaßen. Ein Mittelständler mit fünfzig Gestaltern zahlt schnell einen fünfstelligen Jahresbetrag für ein Werkzeug, dessen Preisgestaltung allein in Kalifornien entschieden wird.
| Für wen | Empfehlung |
|---|---|
| Verbraucher und Kreative | Die kostenlose Einstiegsstufe nutzen und den Wechsel zu bezahlten Sitzen bewusst planen. |
| Mittelständische Unternehmen | Die Zahl aktiver Sitze regelmäßig prüfen, sonst wächst die Rechnung unbemerkt mit der Belegschaft. |
| Behörden und sensible Branchen | Datenhoheit früh klären und selbst betreibbare Alternativen ernsthaft prüfen. |
Für die kommenden zwölf Monate zeichnen sich drei Wege ab. Optimistisch betrachtet zwingt der Wettbewerbsdruck durch KI-Werkzeuge Figma zu fairen Preisen. Realistisch bleibt Figma der Standard, den kaum ein Team umgehen kann. Pessimistisch steigen die Kosten weiter, und deutsche Kunden zahlen den Preis für eine Abhängigkeit, die sie selbst aufgebaut haben.
Für deutsche Mittelständler lohnt sich deshalb ein nüchterner Blick auf die eigene Abhängigkeit. Eine regelmäßige Prüfung, welche Sitze wirklich aktiv genutzt werden und welche Teile des Design-Systems sich exportieren lassen, verschafft Verhandlungsmasse gegenüber der nächsten Preisrunde. Handlungsfähigkeit entsteht durch das Wissen um die eigene Ausstiegsoption, nicht durch den Verzicht auf das Werkzeug.
Unternehmen, die Figma heute einsetzen, sollten die Bindung nüchtern kalkulieren, statt sie zu ignorieren. Ein sauber gepflegtes Design-System spart Zeit, es fesselt aber zugleich an einen einzigen Anbieter. Wie sich ein solcher Klassiker gegen jüngere Herausforderer behaupten muss, zeigt das Beispiel von Dropbox und seiner Neuerfindung, und wie ein Abo-Modell zur Dauereinnahme wird, führt der Blick auf Adobes Wandel zum Abo-Konzern vor Augen. Die Lehre für deutsche Entscheider lautet: Bequemlichkeit hat einen Preis, und der steht in der nächsten Rechnung.
- Standard: Deutsche Design-Teams arbeiten überwiegend in Figma, ein Verzicht kostet Tempo.
- Datenhoheit: Die Cloud-Bindung an einen US-Konzern ist für Behörden ein echtes Problem.
- Kalkül: Sitzzahl regelmäßig prüfen, sonst wächst die Rechnung unbemerkt mit.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Figma und dem Geschäftsmodell

ARR (Annual Recurring Revenue)
ARR (Annual Recurring Revenue) bezeichnet den jährlich wiederkehrenden Umsatz aus laufenden Abonnements. Bei Figma ist der ARR die entscheidende Kennzahl, weil fast der gesamte Umsatz aus planbaren Abo-Verträgen statt aus einmaligen Verkäufen stammt.
Bruttomarge
Die Bruttomarge ist der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Kosten für die Leistungserbringung übrig bleibt. Figmas Bruttomarge von 85 Prozent zeigt, wie günstig ein zusätzlicher Cloud-Sitz zu bedienen ist.
Dev Mode
Der Dev Mode ist eine eigene Ansicht in Figma für Programmierer, die fertige Designs in Code übersetzen. Über einen günstigeren Dev-Sitz erschließt Figma damit die Entwickler als zusätzliche zahlende Nutzergruppe neben den Designern.
Killer-Akquisition
Eine Killer-Akquisition ist der Kauf eines aufstrebenden Konkurrenten mit dem Ziel, ihn vom Markt zu nehmen. Der geplante Kauf von Figma durch Adobe gilt als Musterbeispiel, weshalb die Wettbewerbshüter ihn stoppten.
Lock-in
Ein Lock-in beschreibt die Bindung eines Kunden an einen Anbieter durch hohe Wechselkosten. Bei Figma entsteht der Lock-in dadurch, dass ganze Design-Systeme im Werkzeug liegen und ein Umzug die Arbeitsweise zerstören würde.
Netto-Umsatzbindung
Die Netto-Umsatzbindung misst, wie sich der Umsatz mit Bestandskunden über ein Jahr verändert. Figmas Wert von 136 Prozent bedeutet, dass Bestandskunden im Schnitt 36 Prozent mehr ausgeben, ohne dass neue Kunden nötig sind.
Netzwerkeffekt
Ein Netzwerkeffekt liegt vor, wenn ein Produkt mit jedem zusätzlichen Nutzer wertvoller wird. Bei Figma zieht jeder geteilte Entwurf weitere Kollegen ins Werkzeug und verstärkt so die Marktstellung.
Produktgetriebenes Wachstum
Produktgetriebenes Wachstum bezeichnet eine Strategie, bei der das Produkt selbst neue Nutzer gewinnt statt ein klassischer Vertrieb. Figma wuchs so, weil jeder geteilte Design-Link neue Nutzer ohne Verkaufsgespräch hereinholte.
Quersubventionierung
Quersubventionierung bedeutet, dass ein Bereich Verluste macht, um einen anderen zu stärken. Figmas kostenlose Einstiegsstufe verdient kein Geld, dient aber als Trichter, der Nutzer später in bezahlte Abos führt.
Reverse Termination Fee
Eine Reverse Termination Fee ist eine Abfindung, die der Käufer zahlt, wenn eine Übernahme scheitert. Adobe überwies Figma nach dem Aus des Deals 867 Millionen Euro, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.
Sitz-Modell
Das Sitz-Modell rechnet den Preis pro aktivem Nutzer ab, nicht pro Unternehmen oder Gerät. Bei Figma wird jeder Mitarbeiter, der eine Datei aktiv bearbeitet, zum kostenpflichtigen Sitz.
WebGL
WebGL ist eine Technologie, mit der Grafik direkt in der Grafikkarte über den Browser berechnet wird. Figma nutzte WebGL, um professionelle Design-Leistung ohne Installation in den Browser zu holen.
FAQ: Figma: Wie wurde ein Design-Tool Milliarden wert?

Was ist Figma und wofür wird es genutzt?
Figma ist ein browserbasiertes Design-Werkzeug, mit dem Teams gemeinsam und in Echtzeit Benutzeroberflächen für Apps und Webseiten entwerfen. Es läuft ohne Installation im Browser und gilt bei professionellen Produktdesignern als Standardwerkzeug.
Wie verdient Figma sein Geld?
Figma verdient sein Geld fast ausschließlich mit Abonnements für Nutzersitze. Jeder Mitarbeiter, der aktiv in einer Datei gestaltet, wird zum bezahlten Sitz. Es gibt weder Werbung noch Datenverkauf noch einmalige Lizenzen.
Warum ist die Adobe-Übernahme von Figma gescheitert?
Adobe wollte Figma 2022 für rund 17,3 Milliarden Euro kaufen. Die Wettbewerbshüter in Großbritannien und der EU sahen darin eine gefährliche Marktkonzentration. Ende 2023 gaben beide Unternehmen den Deal auf, Figma erhielt 867 Millionen Euro Abfindung.
Was kostet Figma im Abo?
Ein voller Figma-Sitz kostet im Monatsabo rund 17 Euro, im Jahresabo etwas weniger. Ein günstigerer Dev-Sitz für Programmierer liegt bei rund 10 Euro im Monat. Im März 2025 hob Figma die Preise um bis zu ein Drittel an.
Ist Figma für deutsche Behörden datenschutzkonform?
Figma läuft ausschließlich in der Cloud eines US-Konzerns, alle Dateien liegen auf amerikanischen Servern. Für Behörden und sensible Branchen mit hohen Anforderungen an die Datenhoheit ist das ein Hindernis. Selbst betreibbare Alternativen wie Penpot sind hier eine Option.
Welche Alternativen zu Figma gibt es?
Nach dem Rückzug von Adobe XD und dem Ende von InVision ist der Markt ein Dreikampf. Neben Figma behaupten sich das ältere Sketch in einer Nische und das quelloffene, selbst betreibbare Penpot. Beide sind inhaltlich stark, aber deutlich weniger verbreitet.
Quellen
Figma, Inc. | Second Quarter 2026 Financial Results | https://investor.figma.com/news-events/news/news-details/2026/Figma-Announces-Second-Quarter-2026-Financial-Results/default.aspx | besucht am 10.08.2026
Figma, Inc. | Fourth Quarter and Fiscal Year 2025 Financial Results | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1579878/000162828026009024/fy25pressrelease.htm | besucht am 10.08.2026
TechCrunch | Figma’s IPO price hit a 19.3B valuation out of the gate | https://techcrunch.com/2025/07/30/figmas-ipo-price-hit-a-19-3b-valuation-out-of-the-gate/ | besucht am 10.08.2026
Forbes | Thwarted By Regulators, Vindicated By Wall Street | https://www.forbes.com/sites/iainmartin/2025/07/31/thwarted-by-regulators-dylan-field-vindicated-by-wall-street-design-startup-figmas-ceo-is-now-a-billionaire/ | besucht am 10.08.2026
6sense | Figma Market Share in Collaborative Design And Prototyping | https://6sense.com/tech/collaborative-design-and-prototyping/figma-market-share | besucht am 10.08.2026
Figma Learn | Updates to Figma’s pricing, seats, and billing experience | https://help.figma.com/hc/en-us/articles/27468498501527-Updates-to-Figma-s-pricing-seats-and-billing-experience | besucht am 10.08.2026