Bayer baut in New Albany im US-Bundesstaat Ohio für rund 1,9 Mrd. € ein Pharmawerk für Krebs-, Herz- und Nierenmedikamente. Die Ankündigung kam drei Tage, nachdem die US-Zölle auf patentierte Arzneimittel ihre letzte Stufe erreicht hatten. Der erste Produktionsabschnitt soll allerdings erst 2031 anlaufen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas neue Pharmawerk in Ohio entsteht im New Albany International Business Park, in dem Amgen, American Regent und Pharmavite bereits produzieren. Bayer stellt rund 600 Dauerarbeitsplätze in Aussicht, während der Bauphase kommen etwa 1.500 Stellen auf der Baustelle hinzu.[1] Ausgebildet werden die Fachkräfte in einem neuen Zentrum, in das Ohios Wirtschaftsförderung JobsOhio bis zu 26 Mio. € steckt.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Werk verbindet zwei Stufen: Wirkstoffherstellung ab 2031, Fertigung der Arzneien ab 2034.
- Null Prozent Zoll zahlen bis zum 20. Januar 2029 nur Hersteller mit Werkszusage und Preisvereinbarung, für Arzneimittel aus der EU gelten sonst 15 Prozent.
- Zölle erwähnt Bayer in seiner Mitteilung mit keinem Wort.
- In den vergangenen fünf Jahren steckte Bayer über 6 Mrd. € in Pharmaforschung und -produktion in den USA.
Warum baut Bayer gerade jetzt in Amerika?

Den Takt gibt die Zollproklamation des Weißen Hauses vom 2. April vor.[2] Auf patentierte Arzneimittel und ihre Wirkstoffe erheben die USA grundsätzlich 100 Prozent, für Ware aus der EU gilt ein Sondersatz von 15 Prozent. Hersteller mit einem genehmigten Verlagerungsplan zahlen 20 Prozent, nach vier Jahren steigt ihr Satz auf 100 Prozent. Zollfrei bleiben nur Hersteller, die zusätzlich eine Preisvereinbarung nach dem Meistbegünstigungsprinzip schließen. Seit dem 29. September gelten die Sätze für alle betroffenen Unternehmen.
Bayer begründet die Investition mit dem Markt. „Bayer sieht die Vereinigten Staaten seit Langem als wichtigen Produktionsstandort und Innovationszentrum. Diese richtungsweisende Investition unterstreicht unser Bekenntnis“, sagt Konzernchef Bill Anderson.[1] Die drei Therapiegebiete decken sich mit Bayers patentgeschützten Wachstumsprodukten wie dem Prostatakrebsmittel Nubeqa und dem Nierenmittel Kerendia, also genau mit der Warenklasse, auf die der Zoll zielt.
Was bringt ein Werk, das erst 2031 produziert?
Das Nullzoll-Fenster schließt sich am 20. Januar 2029, zwei Jahre bevor in Ohio der erste Wirkstoff entsteht. Bis 2031 erspart die Fabrik Bayer keinen einzigen Euro Zoll. Zählen dürfte das Projekt vorher als Nachweis: Ein Verlagerungsplan braucht Meilensteine, über deren Fortschritt die Hersteller dem US-Handelsministerium regelmäßig berichten.[2] Ob Bayer einen solchen Plan eingereicht hat oder eine Preisvereinbarung anstrebt, lässt die Mitteilung offen.
Boehringer Ingelheim erfüllte beide Bedingungen früher. Der Familienkonzern schloss schon im Dezember 2025 eine Preisvereinbarung mit Washington und sagte rund 8,7 Mrd. € für Investitionen in den USA bis 2028 zu. Bayers Werk fällt kleiner aus und produziert später.
Bayer baut in Ohio für die Zeit nach dem Zollfenster und sammelt bis dahin Pluspunkte in Washington. Die Zeche zahlt der Standort Deutschland, denn die nächste Wirkstofffabrik für Bayers Krebs- und Herzmittel entsteht in Amerika.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zollkalender gegen Bauplan
Was folgt daraus für Standorte und Zulieferer in Deutschland?
Der geplante Anstieg des Herstellerabschlags auf patentgeschützte Arzneimittel von 7 auf 20 Prozent bewog Boehringer bereits, rund 900 Mio. € an neuen Projekten in Ingelheim und Biberach auf Eis zu legen. Bayer selbst beschafft sich parallel frisches Geld: Der Konzern platzierte im September Hybridanleihen über 2 Mrd. € und verkauft das Krebsmittel Stivarga an Grünenthal.
Für Entscheider ergeben sich zwei Prüfpunkte:
- Anlagenbauer, Verpackungsspezialisten und Laborausrüster behalten die Vergaben für New Albany im Blick. Bayer plant einen modularen Campus mit hohem Automatisierungsgrad, einen Baubeginn nennt die Mitteilung noch nicht.
- Lohnhersteller und Wirkstofflieferanten mit Bayer als Kunden klären die ab 2031 in Ohio geplanten Mengen und richten ihre Auslastung in Europa danach aus.
Quellen
[1] JobsOhio: „Bayer to Invest $2.2 Billion in a New Manufacturing Site in Ohio“ (02.10.2026)
[2] The White House: „Adjusting Imports of Pharmaceuticals and Pharmaceutical Ingredients into the United States“ (02.04.2026)
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