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Speira hat im Neusser Rheinwerk einen vierten Recyclingofen für Aluminium in Betrieb genommen und dafür rund 40 Millionen Euro aus eigenen Mitteln ausgegeben. Auf demselben Gelände schmolz bis 2023 eine Hütte Primäraluminium, die der Konzern wegen der Strompreise stilllegte. Für den Standort zählt jetzt vor allem, wie viel Altmetall in Europa bleibt.

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Per Knopfdruck startete NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur am Donnerstagmittag den neuen Recyclingofen von Speira in Neuss, im Beisein von Bürgermeister Reiner Breuer, Landrätin Katharina Reinhold und Speira-Chef Einar Glomnes.[1] Der Ofen schmilzt vor allem gebrauchte Getränkedosen ein. Aus dem Metall entstehen nach dem Walzen wieder Dosen und Teile für die Autoindustrie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Speira hat am 8. Oktober 2026 im Neusser Rheinwerk den vierten Recyclingofen gestartet.
  • Die rund 40 Millionen Euro stammen vollständig aus eigenen Mitteln des Unternehmens.
  • Bis 2023 lief auf dem Gelände eine Aluminiumhütte, die Speira wegen der Strompreise stilllegte.
  • Eine Zahl neuer Arbeitsplätze nennt Speira nicht, der nächste Engpass ist der Schrott.

Was hat Speira in Neuss in Betrieb genommen?

Zerknitterte Aludose, Alubarren mit Anhänger „5% Strom“ auf Weiß
Sperias Zweikammerofen ging im Herbst in Betrieb. Die Anlage verarbeitet bis zu 83.000 Tonnen Schrott und 66.000 Tonnen Flüssigmetall jährlich. Budget: 40 Millionen Euro ohne Fördergeld

Angekündigt hatte Speira den Ofen mit 40 Millionen Euro Budget und einem Produktionsstart Anfang 2026,[2] in Betrieb ging der Zweikammerofen im Herbst. Nach Genehmigungsunterlagen, über die der Branchendienst EUWID berichtete, ist die Anlage für bis zu 83.000 Tonnen Schrott und höchstens 66.000 Tonnen Flüssigmetall im Jahr ausgelegt. Fördergeld steckt nach Unternehmensangaben nicht darin.

Pro Arbeitstag kommen im Rheinwerk rund 400 Tonnen Aluminiumabfälle an, im Jahr etwa 100.000 Tonnen.[1] Der neue Ofen ist dafür ausgelegt, künftig mit Wasserstoff zu laufen. Wie viele Arbeitsplätze der Ausbau sichert oder schafft, beziffert Speira nicht. Boris Kurth, Leiter des Rheinwerks, kündigte bei der Eröffnung an: „Wir wollen weiter wachsen.“

Warum schmilzt Speira in Neuss nur noch Schrott?

Eine Aluminiumhütte zieht rund um die Uhr Höchstlast aus dem Netz. Wegen der Strompreise hatte Speira die Primärproduktion im Rheinwerk bereits auf 70.000 Tonnen im Jahr gedrosselt und beschloss im März 2023 die komplette Stilllegung, von der rund 300 Beschäftigte betroffen waren.[3] Geschäftsführer Volker Backs nannte den Ausstieg „vor dem Hintergrund der energiepolitischen Perspektive für Deutschland“ unausweichlich.[4]

Eine Dose aus einer gebrauchten Dose herzustellen, spart nach Angaben von Speira-Sprecher Mauritz Faenger-Montag 95 Prozent der Energiekosten.[1] Neuss folgt einem Muster der deutschen Aluminiumindustrie: Branchenführer Trimet drosselte in der Energiekrise seine Hütten zeitweise um mehr als die Hälfte. Den Zuschuss aus dem neuen Industriestrompreis, der energieintensive Betriebe auf rund 5 Cent je Kilowattstunde bringen soll, zahlt der Bund erst 2027 rückwirkend aus. Für die Elektrolyse im Rheinwerk kommt das Geld zu spät.

Rheinwerk Neuss: von der Hütte zum Recyclingofen
Was Speira am Standort investiert hat und wie der Umbau verlief
40 Mio. €
investiert Speira in den vierten Recyclingofen, vollständig aus eigenen Mitteln
66.000 t
Flüssigmetall im Jahr erlaubt die Genehmigung höchstens, aus bis zu 83.000 t Schrott
95 %
der Energiekosten spart eine Dose aus einer gebrauchten Dose laut Speira
300
Beschäftigte betraf 2023 der Beschluss, die Hütte komplett stillzulegen
Wo der Umbau steht
Herbst 2022
Speira halbiert wegen der Strompreise die Hüttenproduktion auf 70.000 t im Jahr.
März 2023
Speira beschließt, die Elektrolyse komplett stillzulegen.
Juni 2024
Speira kündigt den vierten Recyclingofen an, Start geplant für Anfang 2026.
8. Oktober 2026
Der Ofen geht in Betrieb.
Offen
EU-Entscheidung über Ausfuhrschranken für Aluminiumschrott

Die Neusser Hütte ist am Strompreis gescheitert, der neue Recyclingofen hängt am Schrottpreis.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Woher soll der Schrott kommen?

Getränkedosen eignen sich für den Ofen besonders gut. Das Dosenpfand bringt fast alle Dosen zurück[1] und vom Abfüllen bis zum Recycling vergehen nach Speira-Angaben nur rund 60 Tage.[2] Ein Drittel der stillgelegten Hüttenhallen hat Speira zu einem Schrottlager umgebaut, in dem Altmetall beprobt und sortiert wird.[4]

Nach Einführung der US-Zölle auf Aluminium meldete Speira einen massiven Abfluss von Aluminiumschrott aus der EU, weil die Zölle Schrott ausnehmen und die Preise in den USA steigen. Über den Verband Aluminium Deutschland fordert der Konzern Exportzölle auf Aluminiumschrott in alle Drittstaaten.[5] Die EU-Kommission bereitet Ausfuhrschranken vor, beschlossen hat sie noch nichts. Recyclingverbände wie bvse und BDSV lehnen die Pläne ab und warnen vor gestörten Lieferketten.

Was bedeutet der Ofen für die Industrie am Niederrhein?

Im Rhein-Kreis Neuss liegen mehrere Glieder der Aluminiumkette dicht beieinander: In Neuss walzt das Gemeinschaftswerk Alunorf, in Grevenbroich veredelt Speira das Band weiter. Neubaur hatte erst im September die erste Kreislaufwirtschaftsstrategie des Landes vorgelegt. Einen ähnlichen Schritt ging im Juli der Kupferkonzern Aurubis, der in Hamburg eine Recyclinganlage für 190 Millionen Euro eröffnete.

Für Einkäufer von Aluminiumteilen verschiebt sich die Kalkulation. Seit Januar 2026 fallen über den EU-Grenzausgleich CBAM Kosten für die Emissionen in importiertem Aluminium an, Recyclingmetall aus europäischen Öfen ist davon nicht betroffen. Fragen Sie Ihre Lieferanten gerne nach Recyclinganteil und CO2-Fußabdruck je Tonne, bevor Sie Rahmenverträge für 2027 verhandeln.

Quellen

[1] Rheinische Post: „Neuer Recyclingofen bei Speira in Neuss ist gestartet“ (9. Oktober 2026)

[2] Speira: „Speira baut weiteren Recyclingofen im Rheinwerk“

[3] Speira: „Die Transformation von Speira wird weiter beschleunigt“ (9. März 2023)

[4] Speira: „Alles auf Recycling“

[5] Speira: „Nach US-Zöllen: Gefahr der Schrottverknappung“

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