Der SC Freiburg hat im Geschäftsjahr 2025/26 Erlöse von 212,1 Millionen Euro erzielt, 49,3 Millionen mehr als im Vorjahr. Den Sprung lieferten Prämien aus Europa League und DFB-Pokal sowie Transferüberschüsse, also Einnahmen, die kein Finanzvorstand fest einplanen kann. Wie der Verein den Geldsegen verbucht, kann sich jeder Mittelständler abschauen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Die Saison 2025/26 war sportlich und wirtschaftlich herausragend“, sagt Finanzvorstand Oliver Leki über das Geschäftsjahr des SC Freiburg, das am 30. Juni endete.[1] Der Jahresüberschuss stieg auf 30,5 Millionen Euro, nach 11,8 Millionen im Vorjahr. Ein Teil des Rekords kehrt nicht wieder; genau darin liegt die Lehre für Unternehmer.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Erlöse stiegen auf 212,1 Millionen Euro, nach 162,8 Millionen 2024/25 und 203,1 Millionen 2023/24.
- Das Eigenkapital wuchs um den vollen Jahresüberschuss auf 194,2 Millionen Euro, Bankkredite hat der Verein keine.
- Die Eigenkapitalquote von 79,4 Prozent liegt weit über dem Mittelstandsschnitt von 30,7 Prozent.
- Das Europa-League-Finale in Istanbul verlor der Sport-Club 0:3 gegen Aston Villa.
Woher kommen die 49,3 Millionen Euro mehr?

2024/25 setzte der Verein ohne Europapokal 162,8 Millionen Euro um, so viel wie nie in einer Saison ohne internationale Spiele. Leki nannte damals deutlich geringere Transfereinnahmen als in den Vorjahren.[2] 2023/24 lag der Umsatz mit Europapokal bei 203,1 Millionen.[1] Je nach Europapokal und Spielerverkäufen schwanken die Erlöse also um 40 bis 50 Millionen Euro.
2025/26 kam beides zusammen: Der Sport-Club erreichte das Endspiel der Europa League und verlor am 20. Mai in Istanbul 0:3 gegen Aston Villa.[3] Startgeld und Rundenprämien vom Achtelfinale bis zum Endspiel summieren sich nach dem UEFA-Verteilschlüssel auf 19,76 Millionen Euro.[4] Mit Siegprämien und Wertsäule kamen nach Berichten von der Mitgliederversammlung rund 33 Millionen Euro zusammen.
Als dritten Treiber nennt Leki hohe Transferüberschüsse.[1] In der Gewinn- und Verlustrechnung zählt nicht die Ablöse allein: Gekaufte Spieler stehen mit dem Kaufpreis in der Bilanz und werden über die Vertragslaufzeit abgeschrieben. Beim Verkauf steht dem Erlös der Restbuchwert gegenüber.
Was sagt eine Eigenkapitalquote von 79,4 Prozent?
Zum 30. Juni 2026 stand das Eigenkapital bei 194,2 Millionen Euro, die Bilanzsumme bei 244,7 Millionen.[1] Die Eigenkapitalquote liegt damit bei 79,4 Prozent, nach 82,7 Prozent ein Jahr zuvor.[2] Die Quote sank leicht, weil die Bilanzsumme um 46,8 Millionen Euro wuchs, das Eigenkapital nur um 30,5 Millionen.
Diese 30,5 Millionen entsprechen exakt dem Jahresüberschuss. Als eingetragener Verein ohne Investor hat der SC Freiburg den Gewinn vollständig einbehalten. Die übrigen 50,5 Millionen Euro der Passivseite entfallen auf Posten wie Rückstellungen und Verbindlichkeiten, Bankkredite sind nicht darunter.
Die KfW beziffert die durchschnittliche Eigenkapitalquote im deutschen Mittelstand für 2024 auf 30,7 Prozent.[5] Selbst der Sensorhersteller SICK aus dem benachbarten Waldkirch kam Ende 2025 auf eine Quote von 62,4 Prozent.[6]
Der SC Freiburg verbucht 30,5 Millionen Euro Überschuss wie ein badischer Familienbetrieb: Jeder Euro bleibt im Eigenkapital.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was lernen Unternehmer aus der Freiburger Bilanz?
Planbar ist für den Sport-Club nur der Sockel ohne Europapokal, alles darüber hängt an Spielglück und Transfermarkt. Der Abstand zwischen Erlösen und Überschuss, rechnerisch der gesamte Aufwand, wuchs von 151,0 auf 181,6 Millionen Euro; welcher Teil davon auf Prämien und Reisen entfällt, schlüsselt der Verein nicht auf.
Der nächste Sondererlös steht schon fest und fällt ins Geschäftsjahr 2026/27: Am 17. Juli meldete der Sport-Club den Wechsel von Johan Manzambi zu Aston Villa, ohne eine Ablöse zu nennen.[7]
Fixkosten wie Gehälter und Mieten planen Sie am besten auf Basis der Erlöse, die ohne Großauftrag oder Einmalverkauf hereinkommen. Sondergewinne lassen Sie gerne im Unternehmen: Eigenkapital ersetzt im nächsten schwachen Jahr den Kredit, den die Bank dann womöglich verweigert.
Quellen
[1] SC Freiburg: „SC Freiburg erwirtschaftet neuen Rekordumsatz“ (8. Oktober 2026)
[2] SC Freiburg: „Erfolgreiches Geschäftsjahr für den Sport-Club“ (9. Oktober 2025)
[6] SICK AG: „Geschäftsbericht 2025“, Kennzahlen und Konzernanhang
[7] SC Freiburg: „Johan Manzambi wechselt zu Aston Villa“ (17. Juli 2026)
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