Borussia Dortmund hat im Geschäftsjahr 2024/25 den höchsten Umsatz seiner Geschichte erwirtschaftet und trotzdem nur 6,5 Millionen Euro verdient. Ein Jahr zuvor sind 44,3 Millionen übrig geblieben. Der Unterschied hat nicht am laufenden Geschäft gelegen, sondern an einem einzigen Spielerverkauf.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Wer den einzigen börsennotierten Bundesligisten verstehen will, muss nicht spekulieren. Die KGaA veröffentlicht Quartalszahlen nach IFRS, meldet Prognoseänderungen ad hoc und legt jeden Erlösposten offen. Das macht Dortmund zum durchsichtigsten Fußballunternehmen Deutschlands. Die Durchsichtigkeit zeigt eine Konstruktion, die stabiler aussieht, als sie ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Konzernumsatz hat 2024/25 mit 526,0 Millionen Euro einen Rekordwert erreicht, der Jahresüberschuss ist gleichzeitig um 85 Prozent auf 6,5 Millionen Euro eingebrochen
  • Die vorgeschlagene Dividende von sechs Cent je Aktie kostet rund 6,6 Millionen Euro und übersteigt damit den kompletten Jahresgewinn
  • Nach dem Playoff-Aus in der Champions League hat die Geschäftsführung die Prognose für 2025/26 auf einen Konzernfehlbetrag zwischen 12 und 22 Millionen Euro gesenkt
  • Der Ballspielverein Borussia 09 e.V. hält nur 5,45 Prozent der Aktien und kontrolliert den Konzern trotzdem vollständig

Wem gehört Borussia Dortmund wirklich?

Silberpokal mit Fußballern auf Holzblöcken, links ein Zettel mit „Transfererlöse“
BVB-Verein kontrolliert Dortmund GmbH & Co. KGaA über Komplementärin trotz nur 5,45 Prozent Aktienanteil

Dem Verein gehören 5,45 Prozent der Aktien, die Macht liegt trotzdem komplett bei ihm. Möglich macht das die Rechtsform: Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA wird nicht von ihren Aktionären geführt, sondern von einer Komplementärin.

Diese Komplementärin heißt Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH. Alleinige Gesellschafterin dieser GmbH ist laut Geschäftsbericht 2024/25 der Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund. Damit bestimmt der Verein, wer die Geschäfte führt. Die Hauptversammlung hat auf diese Personalie keinen Zugriff.

Der Aufsichtsrat der KGaA, den die Aktionäre wählen, besitzt deutlich weniger Befugnisse als in einer normalen Aktiengesellschaft. Der Geschäftsbericht formuliert das ungewöhnlich offen: Das Gremium darf Geschäftsführer weder bestellen noch abberufen, keine Geschäftsordnung erlassen und keinen Katalog zustimmungspflichtiger Geschäfte festlegen. Diese Rechte liegen bei den Organen der Komplementär-GmbH, also beim Verein.

5,45 Prozent Anteile, 100 Prozent Kontrolle

Die Aktionärsstruktur der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA zum 30. Juni 2025 und die Frage, warum der Verein trotzdem allein bestimmt, wer den Klub führt.

110,4 Mio. Stückaktien, Grundkapital 110.396.220 Euro
Streubesitz61,72 %
Bernd Geske8,30 %
Evonik Industries8,20 %
SIGNAL IDUNA5,98 %
Ballspielverein Borussia 09 e.V.5,45 %
PUMA SE5,32 %
Ralph Dommermuth Beteiligungen5,03 %

Der Weg der Kontrolle läuft an den Aktionären vorbei

Kontrolle

Rechnen Sie die Anteile zusammen: 94,55 Prozent des Grundkapitals liegen außerhalb des Vereins. Dieses Kapital wählt zwar den Aufsichtsrat, doch der darf laut Geschäftsbericht weder Geschäftsführer bestellen noch abberufen, keine Geschäftsordnung erlassen und keinen Katalog zustimmungspflichtiger Geschäfte festlegen.

Für Anleger bedeutet das eine bemerkenswerte Asymmetrie. Rund 94,5 Prozent des Grundkapitals liegen außerhalb des Vereins. Dieses Kapital hat kein Mitspracherecht bei der Frage, wer den Klub führt. Wirtschaftlich beteiligt zu sein und mitzuentscheiden sind in Dortmund zwei vollständig getrennte Dinge.

Genau darin liegt der Zweck der Konstruktion. Die 50+1-Regel der DFL verlangt, dass der Mutterverein die Stimmenmehrheit in der ausgegliederten Kapitalgesellschaft behält. Über die Komplementär-Konstruktion konnte Borussia Dortmund fast das gesamte Eigenkapital an Dritte abgeben, ohne die Lizenzvoraussetzung zu verletzen. Die Börsennotierung ist also kein Widerspruch zu 50+1, sondern ein Ergebnis davon.

Zum Stichtag 30. Juni 2025 hielten sechs Aktionäre jeweils mehr als fünf Prozent: Bernd Geske mit 8,30 Prozent, Evonik Industries mit 8,20 Prozent, Signal Iduna mit 5,98 Prozent, der Verein mit 5,45 Prozent, Puma mit 5,32 Prozent und die Ralph Dommermuth Beteiligungen GmbH mit 5,03 Prozent. Die restlichen 61,72 Prozent liegen im Streubesitz.

Auffällig ist die Doppelrolle mehrerer Anteilseigner. Evonik, Signal Iduna und Puma sind gleichzeitig Großaktionäre und zentrale Vertragspartner im Sponsoring. Sponsoreneinnahmen und Eigentümerstruktur überlappen sich in Dortmund stärker als bei jedem anderen deutschen Klub. Diese Verflechtung schafft Stabilität samt Abhängigkeit im selben Atemzug.

Woher kommen 526 Millionen Euro?

Münzstapel und Papierflieger mit Beschriftungen auf weißem Hintergrund
Die TV-Vermarktung liefert 227,2 Mio. €, das Merchandising 40,0 Mio. €. Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Erlössäule beträgt das 5,7-Fache.

Aus fünf Quellen, von denen eine einzige fast die Hälfte trägt: Die TV-Vermarktung hat 2024/25 genau 227,2 Millionen Euro eingebracht, das sind 43 Prozent des Konzernumsatzes. Werbung, Spielbetrieb, Merchandising und das Sammelbecken aus Catering und sonstigen Erlösen teilen sich den Rest.

Der Löwenanteil der Medienerlöse kommt inzwischen aus dem Ausland. Von den 227,2 Millionen Euro stammten 137,3 Millionen aus der internationalen Vermarktung, davon allein 103,4 Millionen aus der Champions League. Die nationale TV-Vermarktung hat 89,25 Millionen Euro beigesteuert. Wichtiger als die Bundesliga ist für die Dortmunder Bilanz also längst Europa.

Dazu kommt ein Sonderposten, der so nicht wiederkehrt. Die FIFA-Klub-WM in den USA lief vom 15. Juni bis 13. Juli 2025 und fiel damit über den Bilanzstichtag hinweg in zwei Geschäftsjahre. Borussia Dortmund hat davon 33,9 Millionen Euro noch im Geschäftsjahr 2024/25 vereinnahmt, den Rest im laufenden Jahr. Ohne dieses Turnier wäre der Umsatzrekord ausgeblieben.

Woher die 526 Millionen Euro kommen

Konzernumsatz von Borussia Dortmund im Geschäftsjahr 2024/25, aufgeteilt nach den fünf Erlössäulen. Eine Säule trägt mehr als vier von zehn Euro.

526,0 Mio. €

Konzernumsatz 2024/25, höchster Wert der Vereinsgeschichte, plus 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr

TV-Vermarktung TV-Vermarktung 227,2 Mio. € · 43,2 %

Davon 137,3 Mio. € international, allein 103,4 Mio. € aus der Champions League und 33,9 Mio. € aus der Klub-WM.

Werbung Werbung 153,6 Mio. € · 29,2 %

Getragen von Champion Partnern, Premium Partnern und der Hospitality-Vermarktung. Erfolgsprämien sind gesunken.

Spielbetrieb Spielbetrieb 55,2 Mio. € · 10,5 %

81.365 Plätze, 17 nahezu ausverkaufte Heimspiele, sieben volle Häuser in der Champions League. Mehr Auslastung geht kaum.

Conference, Catering und Sonstiges Conference, Catering, Sonstiges 50,0 Mio. € · 9,5 %

Hospitality, Stadiontouren, Vorverkaufsgebühren und Abstellungsentschädigungen für Nationalspieler.

Merchandising Merchandising 40,0 Mio. € · 7,6 %

Minus 16 Prozent. Im Vorjahr hatten rund 95.000 Sondertrikots und das Champions-League-Finale den Verkauf getrieben.

Was diese Verteilung bedeutet

Die größte Erlössäule hängt am sportlichen Abschneiden in Europa, die kleinste am Tagesgeschäft im Fanshop. Beachten Sie dabei: In diesen 526,0 Mio. € steckt kein einziger Euro aus Spielerverkäufen. Das Transfergeschäft wird separat ausgewiesen, und genau dort entsteht der Gewinn.

Die Werbeerlöse sind auf 153,6 Millionen Euro gestiegen, getragen von Champion Partnern, Premium Partnern und der Hospitality-Vermarktung. Erfolgsprämien sind dagegen gesunken, weil die Mannschaft nach dem Finaleinzug 2024 in der Saison 2024/25 im Viertelfinale ausgeschieden ist. Sportlicher Erfolg schlägt bei Borussia Dortmund unmittelbar auf zwei Erlössäulen durch.

Erlössäule2024/252023/24Anteil 2024/25
TV-Vermarktung227,2 Mio. €206,1 Mio. €43,2 %
Werbung153,6 Mio. €146,6 Mio. €29,2 %
Spielbetrieb55,2 Mio. €52,6 Mio. €10,5 %
Conference, Catering, Sonstiges50,0 Mio. €56,0 Mio. €9,5 %
Merchandising40,0 Mio. €47,9 Mio. €7,6 %
Konzernumsatz526,0 Mio. €509,1 Mio. €100 %

Das Merchandising hat 7,9 Millionen Euro verloren. Der Geschäftsbericht nennt dafür einen sehr konkreten Grund: Im Vorjahr sind rund 95.000 Sondertrikots ausgeliefert worden, dazu kam der Verkaufsschub durch das Champions-League-Finale. Beide Effekte sind ausgeblieben. Schon rutscht eine ganze Säule um 16 Prozent ab.

Wie stark die zentrale Verteilung der Medienrechte über die Grundausstattung eines Bundesligisten entscheidet, haben wir in unserer Analyse zur Ökonomie der Bundesliga im Detail aufgeschlüsselt. Für Dortmund gilt: Die nationale Verteilung liefert Planungssicherheit, das Wachstum aber liefert sie nicht.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund in Zahlen?

Langer Bon bildet Fragezeichen, unten hängen 1 Cent und Schild mit „ERSPARNIS: € 0,01“
Von jedem Umsatzeuro bleiben 1,24 Cent als Jahresüberschuss stehen. Im Vorjahr waren es 8,70 Cent.

Das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund produziert viel Umsatz, viel Abschreibung und wenig Gewinn. Zwischen EBITDA und Jahresüberschuss liegen mehr als 109 Millionen Euro. Diese Lücke ist keine Ausnahme, sondern die Regel.

Der Personalaufwand hat 2024/25 bei 268,3 Millionen Euro gelegen, davon entfielen 201,2 Millionen auf den Lizenzspielerkader. Die Grundgehälter der Profis machten 122,5 Millionen Euro aus, die erfolgsabhängigen Prämien 25,4 Millionen. Gemessen am Konzernumsatz liegt die Personalquote bei 51 Prozent, ein für europäische Verhältnisse solider Wert.

Der eigentliche Brocken steht eine Zeile tiefer. Die Abschreibungen haben 105,3 Millionen Euro betragen, davon allein 92,5 Millionen auf Spielerwerte. Jeder gekaufte Profi wird über seine Vertragslaufzeit abgeschrieben, unabhängig davon, ob er spielt oder auf der Bank sitzt. Diese Buchungslogik frisst das operative Ergebnis auf.

Wie aus 526 Millionen 6,5 Millionen werden

Die Ergebnisstufen von Borussia Dortmund im Geschäftsjahr 2024/25, maßstabsgetreu gezeichnet. Die letzten beiden Säulen sind nicht zu klein geraten, sondern genau so klein.

526,0
115,9
10,5
6,5
UmsatzRekordwert, plus 3,3 Prozent
EBITDAoperativ weiterhin stark
EBITnach Abschreibungen
Gewinnnach Zinsen und Steuern
Personalaufwand 268,3 Mio. € PersonalDavon 201,2 Mio. € für den Lizenzspielerkader, darin 122,5 Mio. € Grundgehälter.
Abschreibungen 105,3 Mio. € AbschreibungenAllein 92,5 Mio. € auf Spielerwerte, verteilt über die Vertragslaufzeiten.
Dividende 6,6 Mio. € DividendeSechs Cent je Aktie kosten mehr, als der Konzern im selben Jahr verdient hat.

Beachten Sie das Verhältnis der ersten zur letzten Säule: Von jedem eingenommenen Euro bleiben rund 1,2 Cent als Jahresüberschuss stehen. Ein Jahr zuvor waren es 8,7 Cent, damals getragen vom Verkauf Jude Bellinghams an Real Madrid.

Kennzahl (IFRS-Konzern)2023/242024/259M 2025/26
Umsatz509,1 Mio. €526,0 Mio. €371,4 Mio. €
EBITDA150,3 Mio. €115,9 Mio. €94,1 Mio. €
EBIT45,9 Mio. €10,5 Mio. €9,5 Mio. €
Ergebnis nach Steuern44,3 Mio. €6,5 Mio. €5,9 Mio. €
Free Cash Flow−4,4 Mio. €21,0 Mio. €0,7 Mio. €

Die Substanz dahinter ist deutlich robuster, als diese Ergebnisreihe vermuten lässt. Zum 30. Juni 2025 hat das Eigenkapital bei 326,3 Millionen Euro gelegen, bei einer Bilanzsumme von 615,7 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote von 53 Prozent würde in den meisten Branchen als konservativ gelten.

Auch die Liquidität stimmt. Bestehende Kreditlinien von 75 Millionen Euro hat der Konzern zum Bilanzstichtag nach eigenen Angaben gar nicht in Anspruch genommen. Wackelig ist bei Borussia Dortmund also nicht die Bilanz, sondern die Gewinnquelle.

Warum ist der Transfermarkt die eigentliche Gewinnmaschine?

Oranger, getragener Fußballschuh mit „UNVERKÄUFLICH“-Schild und Souvenir-Plakette
Das Transferergebnis ist binnen eines Jahres von 97,9 auf 37,8 Mio. € gefallen. Der Jahresüberschuss folgte im Gleichschritt nach unten.

Ohne einen großen Spielerverkauf pro Saison bleibt vom Dortmunder Geschäft operativ nahezu nichts übrig. Das Transferergebnis ist der Posten, der aus einer schwarzen Null einen Gewinn macht oder eben nicht.

Die Zahlenreihe ist eindeutig. Im Geschäftsjahr 2023/24 hat das Transferergebnis 97,9 Millionen Euro betragen, getragen vom Wechsel Jude Bellinghams zu Real Madrid. Der Jahresüberschuss lag bei 44,3 Millionen Euro. Ein Jahr später ist das Transferergebnis auf 37,8 Millionen Euro gefallen, der Überschuss auf 6,5 Millionen. Der Gleichlauf dieser beiden Zeilen ist verräterisch.

Das laufende Geschäftsjahr bestätigt das Muster mit umgekehrtem Vorzeichen. Im ersten Halbjahr 2025/26 ist das Transferergebnis auf 54,9 Millionen Euro gesprungen, vor allem durch den Wechsel von Jamie Gittens zum FC Chelsea. Der Konzern hat 18,7 Millionen Euro verdient. Im dritten Quartal ist das Transferergebnis auf 0,2 Millionen Euro zusammengefallen. Aus dem Quartalsgewinn wurde ein Verlust von 12,8 Millionen Euro. Deutlicher lässt sich eine Abhängigkeit kaum belegen.

Ökonomisch betrachtet betreibt Borussia Dortmund damit zwei Geschäfte gleichzeitig. Das erste ist ein Veranstaltungs- und Medienunternehmen mit gut kalkulierbaren Erlösen. Das zweite ist ein Ausbildungs- und Handelsbetrieb für Spielerwerte, dessen Ertrag von Verhandlungen mit englischen Klubs abhängt, deren Fernsehgelder in einer anderen Liga liegen. Nur das zweite Geschäft erzeugt zuverlässig Marge.

Diese Struktur hat einen unangenehmen Nebeneffekt. Ein Klub, der jede Saison einen Leistungsträger abgeben muss, kann sportlich schwer nachlegen. Ausbleibender sportlicher Erfolg senkt wiederum Prämien, Medienerlöse und Marktwerte. Wir halten das für die zentrale strategische Schwachstelle des Modells. Hausgemacht ist diese Schwäche obendrein: Die Kostenbasis ist über Jahre auf ein Erlösniveau gewachsen, das nur mit regelmäßigen Verkäufen zu halten ist.

Was kostet ein Champions-League-Aus?

Schild „ACHTELFINALE“ und Kalenderblatt 25.02.2026 auf weißem Grund
Am Tag nach dem Playoff-Aus hat die KGaA ihre Prognose per Ad-hoc-Meldung auf einen Fehlbetrag von 12 bis 22 Mio. € gesenkt.

Zwischen 17 und 27 Millionen Euro, wenn man die Prognosekorrektur des Klubs als Maßstab nimmt. Am 25. Februar 2026 ist Borussia Dortmund im Playoff zum Achtelfinale an Atalanta Bergamo gescheitert, nach einem 2:0-Hinspielsieg und einer 1:4-Niederlage in Italien.

Einen Tag später hat die KGaA eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht. Die Ergebnisprognose für 2025/26 ist von einer Spanne zwischen minus fünf und plus fünf Millionen Euro auf einen Konzernfehlbetrag zwischen 12 und 22 Millionen Euro gesenkt worden. Als Begründung nennt die Meldung den Wegfall der geplanten Ergebnispotenziale aus dem Wettbewerb.

Bemerkenswert ist die Offenheit, mit der Sportdirektor Sebastian Kehl das eingeordnet hat. Das Weiterkommen sei eingeplant gewesen, die Einnahmen ebenfalls. Ein Fußballspiel entscheidet in Dortmund also nicht nur über eine Tabellenposition, sondern über eine zweistellige Millionensumme in der Konzernrechnung.

Die Quartalszahlen zeigen den Einschlag präzise. Die Konzernumsatzerlöse sind im dritten Quartal um 16,1 Prozent auf 124,9 Millionen Euro gesunken, das EBITDA von 29,6 auf 12,4 Millionen Euro. Kumuliert über neun Monate lag der Umsatz bei 371,4 Millionen Euro, ein Minus von 5,6 Prozent. Ein einzelner Abend in Bergamo hat diese Zahlen geprägt.

Wie die Prämienlogik der UEFA im Detail funktioniert und warum die Reform des Wettbewerbs die Schere zwischen den Ligen weiter öffnet, zeigt unsere Auswertung zur Verteilung der Champions-League-Milliarden. Für den Bilanzleser lässt sich daraus eine schlichte Regel ableiten: Jede Runde in Europa ist bei Borussia Dortmund ein eigener Ergebnisposten.

Warum verzichtet der BVB freiwillig auf Ticketerlöse?

Geklappter grauer Stadionsitz mit Preisplakette und Aufkleber vor weißem Grund
81.365 Plätze, nahezu ausverkaufte Heimspiele und trotzdem nur 10,5 Prozent Umsatzanteil aus dem Spielbetrieb.

Weil die günstige Südtribüne als Investition kalkuliert wird und nicht als Einnahmequelle. Der Signal Iduna Park fasst 81.365 Zuschauer und ist damit das größte Fußballstadion Deutschlands, allein die Stehplatztribüne bietet 24.454 Menschen Platz.

Trotz dieser Kapazität hat der Spielbetrieb 2024/25 nur 55,2 Millionen Euro eingebracht, also 10,5 Prozent des Umsatzes. Alle 17 Bundesliga-Heimspiele sind nahezu ausverkauft gewesen, dazu kamen sieben ausverkaufte Heimspiele in der Champions League. Mehr Auslastung ist rechnerisch kaum möglich.

Ein Vergleich macht die Größenordnung deutlich. Der VfB Stuttgart hat seine Spieltagerlöse laut Deloitte binnen einer Saison von 37 auf 70 Millionen Euro gesteigert, nach Stadionumbau und Champions-League-Teilnahme. Dortmund erzielt mit dem größten Stadion des Landes und einer nahezu perfekten Auslastung nur wenig mehr als das, weil die Preisstruktur eine andere ist.

Diese Entscheidung ist bewusst getroffen worden und lässt sich betriebswirtschaftlich verteidigen. Die Südtribüne erzeugt jene Atmosphäre, die den Klub international überhaupt erst vermarktbar macht. Diese Atmosphäre finanziert sich indirekt über Sponsoring, Merchandising und Medienpräsenz. Der Klub verkauft keine Sitzplätze zum Höchstpreis, sondern ein Bild, das jede Kamera transportiert.

Kaufmännisch bleibt trotzdem eine Lücke. Rund zehn Prozent Spieltagerlös bei 81.365 Plätzen bedeuten, dass die stärkste physische Ressource des Unternehmens den kleinsten Beitrag zum Umsatz leistet. Ein Möbelhersteller mit der größten Fabrik der Branche und dem niedrigsten Stückpreis müsste sich dieselbe Frage gefallen lassen. Die Antwort fiele vermutlich weniger romantisch aus.

Borussia Dortmund führt den einzigen Bundesligisten, dessen Zahlen jeder nachlesen kann. Genau diese Offenheit zeigt eine Wahrheit, die andere Klubs verbergen können: Ohne den Verkauf eines Leistungsträgers pro Jahr bleibt von 526 Millionen Euro Umsatz kein Gewinn übrig.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was hat der Börsengang nach 25 Jahren gebracht?

Gerahmte historische Berliner Straßenbahn-Aktie mit Modellstraßenbahn
Die vorgeschlagene Dividende kostet rund 6,6 Mio. € und übersteigt damit den Jahresüberschuss von 6,5 Mio. €.

Kapital für eine Rettung, Transparenz für den Markt und eine Aktie, die weit unter dem Ausgabepreis notiert. Borussia Dortmund ist seit Oktober 2000 börsennotiert und bis heute der einzige deutsche Profiklub mit eigenem Kürzel im SDAX.

Die Anfangsjahre sind ein Lehrstück über Fußball und Kapitalmarkt gewesen. Hans-Joachim Watzke hat auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz im August 2025 daran erinnert, dass er den Klub mit einem Verlust von 54 Millionen Euro bei nur 75 Millionen Euro Umsatz übernommen hat. Von diesem Punkt bis zu 526 Millionen Euro Umsatz ist ein weiter Weg gewesen.

Für Aktionäre ist die Bilanz durchwachsen geblieben. Das Grundkapital beträgt 110.396.220 Euro, verteilt auf ebenso viele Stückaktien. Der Börsenwert bewegt sich seit Jahren im Bereich von gut 300 Millionen Euro. Ein Unternehmen, das mehr als eine halbe Milliarde Euro umsetzt, wird an der Börse also mit weniger als seinem Jahresumsatz bewertet.

Besonders aufschlussreich ist der Umgang mit der Dividende. Für 2024/25 haben Geschäftsführung und Aufsichtsrat erneut sechs Cent je Aktie vorgeschlagen, was bei 110,4 Millionen Aktien rund 6,6 Millionen Euro kostet. Der Jahresüberschuss hat 6,5 Millionen Euro betragen. Geschäftsführer Thomas Treß hat das selbst so eingeordnet, dass die Dividende das gesamte Jahresergebnis verbraucht.

Die Ausschüttung ist damit kein Ergebnis wirtschaftlicher Stärke, sondern ein Signal an den Kapitalmarkt. Kritisch betrachtet zahlt ein Unternehmen hier seinen kompletten Gewinn aus, obwohl der Konzern für das Folgejahr einen zweistelligen Millionenverlust erwartet. Konsequent wäre die Thesaurierung, populär ist sie nicht.

Warum verdient der FC Bayern fast doppelt so viel?

Zwei orange Sparschweine, ein kleines und ein großes, stehen auf einer weißen Balkenwaage, die das größere Schwein mit dem Anhänger
Bei den Medienerlösen liegen 227 zu 252 Mio. € kaum auseinander, bei den kommerziellen Erlösen 209 zu 461 Mio. €.

Weil München die Erlössäulen breiter aufgestellt hat und weniger von einzelnen sportlichen Ergebnissen abhängt. Die Deloitte Football Money League vom Januar 2026 weist für die Saison 2024/25 in München 860,6 Millionen Euro aus, in Dortmund 531,3 Millionen.

Der Abstand liegt vor allem im kommerziellen Bereich. Bayern kommt laut der Auswertung auf 461 Millionen Euro kommerzielle Erlöse, Dortmund auf 209 Millionen. Bei den Medienerlösen ist der Unterschied dagegen klein, 252 gegenüber 227 Millionen Euro. Die zentrale Vermarktung der Bundesliga wirkt also ausgleichend, das Sponsoring wirkt spreizend.

Kennzahl (Saison 2024/25, Deloitte)Borussia DortmundFC Bayern München
Gesamtumsatz531,3 Mio. €860,6 Mio. €
Rang weltweit123
Veränderung zum Vorjahr+3 %+12 %
Kommerzielle Erlöse209 Mio. €461 Mio. €
Medienerlöse227 Mio. €252 Mio. €

Warum die Münchner Erlösstruktur so schwer angreifbar ist und welche Rolle die Beteiligungen von Adidas, Audi und Allianz dabei spielen, haben wir in der Analyse zum Geschäftsmodell des FC Bayern München aufgeschlüsselt. Der wichtigste Unterschied liegt weniger in der Höhe als in der Zusammensetzung.

Ein Detail relativiert den Vergleich allerdings. Beide Klubs haben 2024/25 an der Klub-WM teilgenommen. Laut Deloitte hat dieses Turnier die Medienerlöse der beteiligten Vereine um 17 Prozent gehoben. Der Rekordumsatz in Dortmund und der Sprung der Bayern auf Rang drei tragen also beide dasselbe Sternchen.

Reichen die Vodafone-Millionen als Ersatz?

Graues T-Shirt am Kleiderbügel mit Klettfeld und separatem Patch „bis 2030“
Der Vertrag mit dem neuen Hauptsponsor läuft mindestens bis zum 30. Juni 2030, der Ausrüstervertrag sogar bis 2034.

Der neue Trikotsponsor stabilisiert die Werbeerlöse, ersetzt aber keinen Transfergewinn. Seit der Saison 2025/26 tritt Vodafone als alleiniger Hauptsponsor in allen Wettbewerben auf, mit einer Mindestlaufzeit bis zum 30. Juni 2030.

Zuvor hat Borussia Dortmund eine Doppellösung gefahren, mit 1&1 in der Bundesliga und Evonik in den Pokalwettbewerben. Beide Verträge sind zum 30. Juni 2025 ausgelaufen. Evonik bleibt dem Klub als Champion Partner bis 2030 erhalten, nach 20 Jahren auf der Brust.

Über das Volumen schweigt der Klub. Mehrere Medien, darunter Bild und RevierSport, haben von einem jährlichen Volumen um 30 Millionen Euro beziehungsweise 150 bis 180 Millionen Euro über fünf Jahre berichtet. Bestätigt hat Borussia Dortmund diese Zahlen nicht, weshalb sie als Presseschätzung zu lesen sind und nicht als Bilanzgröße.

Die übrigen Ankerverträge laufen ungewöhnlich lang. Ausrüster Puma ist bis zum 30. Juni 2034 gebunden, Signal Iduna hält die Namensrechte am Stadion bis zum 30. Juni 2031. Diese Laufzeiten sichern die zweitgrößte Erlössäule über Jahre ab. Die langen Laufzeiten erklären, warum die Werbeerlöse selbst in schwachen Jahren kaum schwanken.

Genau darin liegt aber die Grenze. Langfristige Sponsorenverträge sind planbar und deshalb selten überraschend hoch. Die Differenz zwischen einem ausgeglichenen Jahr und einem Gewinnjahr entsteht bei Borussia Dortmund weiterhin auf dem Transfermarkt, nicht auf dem Trikot.

Kann das Modell gegen die Premier League bestehen?

Sanduhr mit Holzrahmen, gefüllt mit Münzen statt Sand, vor weißem Hintergrund
Zehn Jahre in Folge in der Champions League. Diese Konstanz ist im Modell keine Chance, sondern eingeplante Grundlage.

Kurzfristig ja, weil die Bilanz solide ist. Mittelfristig hängt alles an der Frage, ob englische Klubs weiter zweistellige Millionensummen für Dortmunder Spieler zahlen. Die Saison 2025/26 hat der Klub als Tabellenzweiter mit 73 Punkten beendet und sich damit direkt für die Champions League 2026/27 qualifiziert.

Sportlich ist das eine Verbesserung, wirtschaftlich zählt die Qualifikation zur Grundvoraussetzung. Zehn Jahre in Folge hat Borussia Dortmund die Königsklasse erreicht, laut Watzke als einer von nur sieben Klubs in ganz Europa. Diese Konstanz ist im Geschäftsmodell nicht als Chance eingepreist, sondern als Basis.

Die Risiken liegen an drei Stellen gleichzeitig. Die nationalen Medienerlöse wachsen kaum noch, die Konkurrenz um internationale Talente ist teurer geworden. Die Ausgabenregeln der UEFA begrenzen künftig den Anteil, den Klubs für Kader und Berater aufwenden dürfen. Jede dieser Entwicklungen trifft ein Modell härter, das seinen Gewinn aus Spielerverkäufen zieht.

Ein Ausweg wäre der Ausbau der planbaren Erlöse. Der Konzern arbeitet daran, sichtbar an Hospitality, Stadiontouren, digitalen Angeboten und internationalen Tochtergesellschaften in Singapur, Shanghai und den USA. Gemessen an 526 Millionen Euro Umsatz bleiben diese Bausteine bisher klein.

Unsere Einschätzung fällt deshalb zweigeteilt aus. Borussia Dortmund ist finanziell gesünder als die meisten europäischen Klubs seiner Größenordnung, mit 326 Millionen Euro Eigenkapital, ungenutzten Kreditlinien und einem abbezahlten Stadion. Das Modell steht trotzdem auf wackeligen Füßen, weil der Gewinn nicht im laufenden Betrieb entsteht, sondern am Verhandlungstisch. Solange die Premier League bestellt, funktioniert die Rechnung. Sobald sie das nicht mehr tut, zeigt die Prognose für 2025/26, wie das Ergebnis aussieht.

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie hoch war der Konzernumsatz von Borussia Dortmund im Geschäftsjahr 2024/25? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Der Konzernumsatz hat 526,0 Millionen Euro betragen, den höchsten Wert der Vereinsgeschichte. Die 371,4 Millionen Euro stammen aus den ersten neun Monaten des Folgejahres, die 860,6 Millionen Euro gehören dem FC Bayern.
2 Wie viele Aktien der KGaA hält der Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Der Verein hielt zum 30. Juni 2025 nur 5,45 Prozent der Aktien. Die Kontrolle sichert nicht der Anteil, sondern die Komplementärin, deren alleinige Gesellschafterin der Verein ist. Die 61,72 Prozent beschreiben den Streubesitz.
3 Warum bleiben vom Rekordumsatz nur 6,5 Millionen Euro Jahresüberschuss übrig? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Ein Personalaufwand von 268,3 Millionen Euro und Abschreibungen von 105,3 Millionen Euro zehren das Ergebnis auf. Allein 92,5 Millionen Euro entfallen dabei auf Spielerwerte, die über die Vertragslaufzeit abgeschrieben werden.
4 Was hat Borussia Dortmund nach dem Playoff-Aus in der Champions League gemeldet? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Einen Tag nach dem Ausscheiden hat die KGaA per Ad-hoc-Mitteilung die Prognose gesenkt, von einer Spanne zwischen minus fünf und plus fünf Millionen Euro auf einen Fehlbetrag zwischen 12 und 22 Millionen Euro. Als Börsenunternehmen ist der Klub zu dieser Offenlegung verpflichtet.
5 Welche Erlössäule trägt den größten Anteil am Umsatz? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die TV-Vermarktung hat 227,2 Millionen Euro eingebracht, also 43,2 Prozent des Konzernumsatzes. Davon stammen 137,3 Millionen Euro aus der internationalen Vermarktung, weshalb das Abschneiden in Europa unmittelbar auf die Bilanz durchschlägt.

Glossar: 18 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell Fußball

Miniaturkletterer auf einem Felsen vor farbigen Karteikarten-Trennblättern, die mit
Achtzehn Begriffe von der 50+1-Regel bis zur Zentralvermarktung, sortiert für den schnellen Nachschlag.

50+1-Regel

Die 50+1-Regel verpflichtet Bundesligaklubs, die Stimmenmehrheit in ihrer ausgegliederten Profiabteilung beim Mutterverein zu belassen. Der Klub erfüllt diese Vorgabe über die Komplementärkonstruktion der KGaA und konnte deshalb fast das gesamte Aktienkapital an Dritte abgeben.

Ad-hoc-Mitteilung

Eine Ad-hoc-Mitteilung informiert den Kapitalmarkt unverzüglich über kursrelevante Insiderinformationen, vorgeschrieben durch die EU-Marktmissbrauchsverordnung. Die Prognosesenkung nach dem Champions-League-Aus im Februar 2026 ist auf diesem Weg veröffentlicht worden.

Bruttokonzerngesamtleistung

Die Bruttokonzerngesamtleistung addiert zum Konzernumsatz die realisierten Brutto-Transfererlöse. Die KGaA nutzt diese Kennzahl, um die gesamte Finanzierungskraft eines Geschäftsjahres abzubilden, 2024/25 waren das 589,6 Millionen Euro.

Champion Partner

Champion Partner ist in Dortmund die höchste Sponsorenkategorie unterhalb des Hauptsponsors. Evonik ist nach 20 Jahren als Trikotsponsor 2025 in diese Kategorie gewechselt, mit Vertragslaufzeit bis 2030.

Dividende

Die Dividende ist der Anteil des Gewinns, den eine Gesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet. Für 2024/25 hat die Geschäftsführung sechs Cent je Aktie vorgeschlagen, was rechnerisch dem kompletten Jahresüberschuss entspricht.

EBITDA

Das EBITDA bezeichnet das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Bei Fußballunternehmen ist die Kennzahl besonders aussagekräftig, weil hohe Abschreibungen auf Spielerwerte das ausgewiesene Endergebnis stark verzerren.

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote misst den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme. Zum 30. Juni 2025 lag sie bei rund 53 Prozent, ein für die Branche ungewöhnlich stabiler Wert.

Free Cash Flow

Der Free Cash Flow zeigt, wie viel Geld nach Investitionen tatsächlich übrig bleibt. Für den Klub ist die Kennzahl zentral, weil der Klub sportlichen Erfolg ohne neue Schulden finanzieren will.

Grundkapital

Das Grundkapital entspricht dem in Aktien zerlegten Nennkapital einer Gesellschaft. Bei der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA beträgt es 110.396.220 Euro, verteilt auf ebenso viele Stückaktien ohne Nennwert.

IFRS

Die IFRS sind internationale Rechnungslegungsstandards, die kapitalmarktorientierte Konzerne in der EU anwenden müssen. Alle Konzernzahlen des Klubs folgen diesen Regeln, die Einzelabschlüsse der KGaA dagegen dem HGB.

Kommanditgesellschaft auf Aktien

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien verbindet Elemente von Personen- und Kapitalgesellschaft. Die Geschäftsführung liegt beim persönlich haftenden Gesellschafter, die Kommanditaktionäre stellen das Kapital, ohne die Leitung bestimmen zu können.

Komplementärin

Die Komplementärin ist die persönlich haftende Gesellschafterin einer KGaA. In Dortmund erfüllt diese Rolle die Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH, deren alleinige Gesellschafterin der eingetragene Verein ist.

Personalaufwand

Der Personalaufwand umfasst Gehälter, Prämien und Sozialabgaben aller Bereiche. In Dortmund lag er 2024/25 bei 268,3 Millionen Euro, wovon 201,2 Millionen auf den Lizenzspielerkader entfielen.

SDAX

Der SDAX ist der deutsche Auswahlindex für kleinere börsennotierte Unternehmen unterhalb von DAX und MDAX. Der Klub ist der einzige Fußballverein, der in diesem Index geführt wird.

Spielerwert

Der Spielerwert ist der bilanzierte Buchwert einer Spielerregistrierung, der über die Vertragslaufzeit planmäßig abgeschrieben wird. 2024/25 hat der Konzern 92,5 Millionen Euro auf immaterielle Vermögenswerte abgeschrieben, überwiegend auf Spielerregistrierungen.

Streubesitz

Der Streubesitz bezeichnet den Anteil der Aktien, der sich nicht in festen Händen befindet. Zum 30. Juni 2025 lag er bei 61,72 Prozent und damit höher als bei den meisten SDAX-Werten.

Transferergebnis

Das Transferergebnis saldiert Erlöse aus Spielerverkäufen mit den zugehörigen Restbuchwerten und Nebenkosten. In Dortmund entscheidet dieser Posten regelmäßig darüber, ob ein Geschäftsjahr mit Gewinn oder Verlust abschließt.

Zentralvermarktung

Die Zentralvermarktung bündelt die Medienrechte aller Bundesligaklubs bei der DFL, die den Erlös nach einem Verteilungsschlüssel ausschüttet. Die nationale Vermarktung hat 2024/25 89,25 Millionen Euro eingebracht.

FAQ: Borussia Dortmund: Ein Geschäftsmodell auf wackeligen Füßen

Karteikartenstapel mit Aufschrift FAQ und Ringbuchmechanismus, orangefarbener Pylon, weißer Grund
Sechs Fragen zu Eigentum, Umsatz und Dividende, beantwortet mit Zahlen aus dem geprüften Konzernabschluss.

Ist Borussia Dortmund an der Börse handelbar?

Ja. Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist seit Oktober 2000 börsennotiert und der einzige deutsche Profifußballklub mit einer eigenen Aktie. Das Grundkapital beträgt 110.396.220 Euro, verteilt auf ebenso viele Stückaktien. Rund 61,7 Prozent davon lagen zum 30. Juni 2025 im Streubesitz.

Wie viel Umsatz macht Borussia Dortmund pro Saison?

Im Geschäftsjahr 2024/25 hat der Konzern 526,0 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, den höchsten Wert der Vereinsgeschichte. Nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 lag der Umsatz bei 371,4 Millionen Euro und damit 5,6 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Gehört Borussia Dortmund seinen Aktionären?

Wirtschaftlich ja, unternehmerisch nein. Rund 94,5 Prozent des Kapitals liegen außerhalb des Vereins, die Geschäftsführung bestimmt jedoch die Komplementär-GmbH, deren alleinige Gesellschafterin der Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund ist. Der Aufsichtsrat der KGaA darf Geschäftsführer weder bestellen noch abberufen.

Warum macht Borussia Dortmund trotz Rekordumsatz kaum Gewinn?

Hohe Abschreibungen auf Spielerwerte und ein Personalaufwand von 268,3 Millionen Euro zehren das operative Ergebnis auf. 2024/25 standen einem EBITDA von 115,9 Millionen Euro Abschreibungen von 105,3 Millionen gegenüber, sodass nach Steuern nur 6,5 Millionen Euro übrig geblieben sind.

Zahlt Borussia Dortmund eine Dividende?

Für 2024/25 haben Geschäftsführung und Aufsichtsrat sechs Cent je Aktie vorgeschlagen. Bei 110,4 Millionen Aktien entspricht das rund 6,6 Millionen Euro und damit praktisch dem gesamten Jahresüberschuss. Geschäftsführer Thomas Treß hat die Ausschüttung ausdrücklich als Signal der Dividendenkontinuität bezeichnet.

Funktioniert das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund ohne Champions League?

Nur mit Verlust. Nach dem Playoff-Aus im Februar 2026 hat der Klub seine Prognose für 2025/26 auf einen Konzernfehlbetrag zwischen 12 und 22 Millionen Euro gesenkt, zuvor lag die Spanne zwischen minus fünf und plus fünf Millionen Euro.

Quellen

Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA | Geschäftsbericht 2024/2025, Konzernlagebericht und Konzernabschluss | https://report.bvb.de/annual-report/2024-2025/ | besucht am 23.07.2026

Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA | Bilanzpressekonferenz 2025: Höchster Umsatz der Konzern-Geschichte | https://www.bvb.de/de/de/aktuelles/news/news.html/2025/8/15/Bilanzpressekonferenz-2025-Hoechster-Umsatz-der-Konzern-Geschichte.html | besucht am 23.07.2026

Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA | Ad-hoc-Mitteilung: Prognoseänderung für das Geschäftsjahr 2025/2026 vom 26.02.2026 | https://www.eqs-news.com/news/inside-information-ad-hoc-release/prognoseaenderung-fuer-das-geschaeftsjahr-2025-2026/e229fc20-39bb-419d-b7e8-f6028f234bfb_de | besucht am 23.07.2026

Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA | Vorläufige Zahlen für das dritte Quartal 2025/2026 vom 04.05.2026 | https://www.onvista.de/news/2026/05-04-eqs-adhoc-borussia-dortmund-veroeffentlicht-vorlaeufige-zahlen-fuer-das-dritte-quartal-q3-2025-2026-0-37-26507622 | besucht am 23.07.2026

Deloitte | Football Money League 2026: Neue Umsatzrekorde im Weltfußball | https://www.deloitte.com/de/de/about/press-room/Neue-Umsatzrekorde-im-Weltfussball.html | besucht am 23.07.2026

kicker | BVB steigert Gewinn, Umsatz und Personalkosten: Halbjahreszahlen veröffentlicht | https://www.kicker.de/bvb-steigert-gewinn-umsatz-und-personalkosten-1192331/artikel | besucht am 23.07.2026

Bundesliga | Which Bundesliga clubs qualified for Europe for 2026/27 | https://www.bundesliga.com/en/bundesliga/news/european-qualification-2025-26-permutations-bayern-dortmund-leverkusen-leipzig-stuttgart-35915 | besucht am 23.07.2026

Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA | Vodafone becomes Borussia Dortmund’s new main shirt sponsor, Pressemitteilung vom 26.05.2025 | https://markets.financialcontent.com/wral/article/accwirecq-2025-5-26-vodafone-becomes-borussia-dortmunds-new-main-shirt-sponsor | besucht am 23.07.2026

4,4 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?