E.ON Drive Infrastructure übernimmt 79 Ladestandorte mit 370 Schnellladepunkten, die meisten an niederländischen Tankstellen der Kette OK. Die Säulen laufen künftig unter der Marke Essent, der niederländischen E.ON-Tochter. BP hat das Netz 2025 mit seinem Tankstellengeschäft abgegeben und trennt sich auch in Österreich und Frankreich von Ladesäulen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Schnellladenetz gehört künftig E.ON Drive Infrastructure, der Ladesparte des Konzerns, die Vermarktung übernimmt Essent.[1] „Die Niederlande sind einer der dynamischsten E-Auto-Märkte Europas, und das verlangt nach starken Partnern“, sagt Arjan van der Eijk, operativer Chef von E.ON Drive Infrastructure. Einen Kaufpreis nennen die Beteiligten nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- E.ON Drive Infrastructure übernimmt 79 Schnellladestandorte mit 370 Ladepunkten an früheren BP-Tankstellen, die heute die Kette OK betreibt.
- Zum Paket gehören 45 gesicherte Flächen für neue Ladeparks, alle Säulen tragen künftig den Namen Essent.
- Ein Teil der Lader puffert Strom in einer eingebauten Batterie und kommt so mit einem kleinen Netzanschluss aus.
- In Deutschland bleibt BP mit Aral pulse im Ladegeschäft.
Warum gibt BP das Laden in den Niederlanden ab?

BP hat seine Strategie 2025 neu ausgerichtet, investiert wieder mehr in Öl und Gas und will Geschäftsteile für umgerechnet rund 17 Milliarden Euro verkaufen. In den Niederlanden ging das gesamte Tankstellen- und Ladegeschäft an Catom, das die rund 300 Stationen unter der Marke OK weiterführt. Die Ladestationen an diesen Tankstellen übernimmt jetzt E.ON.
In Frankreich gibt BP 32 Ladeparks mit mehr als 600 Ladepunkten an den Versorger Sorégies ab, in Österreich gehen 250 Tankstellen samt Ladesäulen an die Schweizer Volenergy. Auch hierzulande trennen sich Eigentümer von ihren Säulen: Die BayWa verkauft ihr Schnellladenetz an die österreichische EVN. E.ON, Sorégies und EVN sind Energieversorger, die den Ladestrom ohnehin liefern.
Wie kommen Schnelllader mit einem kleinen Netzanschluss aus?
Ein Teil der übernommenen Säulen hat eine eingebaute Pufferbatterie. Der Speicher lädt sich tagsüber über einen gewöhnlichen Kleinverbraucheranschluss auf und gibt die Energie beim Ladestopp mit hoher Leistung wieder ab.[1] In den Niederlanden hilft der Batteriepuffer besonders, weil die Netzbetreiber dort in vielen Regionen keine größeren Anschlüsse mehr vergeben.
Die Alpitronic-Lader liefern bis zu 300 Kilowatt, die meisten aktuellen E-Autos laden damit in rund 20 Minuten auf 80 Prozent. Bezahlen lässt sich mit den gängigen Ladekarten und Apps oder kontaktlos mit Kredit- und Girokarte.
BP zieht sich aus dem Laden zurück, E.ON kauft die Säulen. Am Schnelllader verdient der Versorger, der den Strom ohnehin liefert.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Zukauf für Flotten aus Deutschland?
Fahrer von Dienstwagen finden die Säulen an denselben OK-Tankstellen wie bisher, nur unter neuem Namen. Die EU-Verordnung AFIR schreibt die Kartenzahlung vor: Seit dem 13. April 2024 brauchen neue Schnellladepunkte ab 50 Kilowatt ein Kartenlesegerät oder kontaktloses Bezahlen, bestehende Säulen an den Fernstraßen des TEN-V-Netzes müssen bis zum 1. Januar 2027 nachrüsten.[2]
In Deutschland betreibt E.ON Drive Infrastructure Ladeparks im Deutschlandnetz an der Autobahn, Marktführer beim Schnellladen bleibt EnBW, das nach Auslastung statt nach Standortzahl plant. Wenige Tage vor dem Zukauf hat E.ON die Software-Tochter Evailable abgewickelt, die Ausfälle an Ladesäulen vorhersagen sollte. Der Konzern setzt beim Laden auf eigene Hardware.
Prüfen Sie gerne, ob Ihre Ladekarte die Essent-Säulen abdeckt, und vergleichen Sie den Vertragstarif mit dem Preis am Kartenterminal, denn Roaming-Preise und App-Tarife liegen oft auseinander. Hat Ihr Firmengelände einen knappen Netzanschluss, lohnt für eigene Ladepunkte der Blick auf batteriegepufferte Schnelllader. Was das Laden unterwegs kostet, zeigt unser Vergleich der Ladetarife für E-Autos.
Quellen
[1] Essent: „Essent stapt in openbare snellaad-infrastructuur“ (Oktober 2026)
[2] Amtsblatt der EU: „Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR)“, Artikel 5
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