Bayer hat am 23. September zwei Hybridanleihen über zusammen 2 Milliarden Euro bei institutionellen Investoren platziert. S&P, Moody’s und Fitch rechnen die Hälfte davon als Eigenkapital an, obwohl der Konzern auf jeden Euro Zinsen zahlt. Diese Anrechnung schützt das Rating, während Bayer den Glyphosat-Vergleich über rund 6,3 Milliarden Euro finanziert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie neuen Bayer-Hybridanleihen laufen 30 Jahre und waren nach Angaben des Konzerns mehrfach überzeichnet.[1] Mit der Emission wächst das ausstehende Hybridkapital von 4,55 auf 6,55 Milliarden Euro.
Das Wichtigste in Kürze
- Bayer hat zwei Tranchen über je 1 Milliarde Euro mit 30 Jahren Laufzeit platziert.
- Die Kupons liegen bei 5,75 % (sechs Jahre Kündigungssperre) und 6,25 % (neun Jahre).
- Die drei großen Ratingagenturen werten die Papiere zur Hälfte als Eigenkapital.
- 2023 zahlte Bayer bei kürzeren Kündigungssperren noch 6,625 und 7,0 %.
Warum zählt geliehenes Geld zur Hälfte als Eigenkapital?

Nachrang ist der Preis. Bayers Hybridanleihen stehen im Rang hinter allen übrigen Finanzverbindlichkeiten des Konzerns.[2] Im Ernstfall kommen die Hybridgläubiger erst nach Banken und Inhabern gewöhnlicher Anleihen zum Zug. Wegen dieser Rangfolge und der langen Laufzeit behandeln die Ratingagenturen die Hälfte des Volumens wie Kapital der Aktionäre. Von den 2 Milliarden Euro fließt damit nur 1 Milliarde in die Schuldenkennzahlen, an denen die Agenturen die Bonität messen.
Keine Verwässerung. Eine Kapitalerhöhung hätte den Anteil der Altaktionäre geschmälert, eine gewöhnliche Anleihe die Bonitätskennzahlen voll belastet. Den Mittelweg lassen sich die Investoren mit einem Zinsaufschlag bezahlen. Dass die Agenturen Schuldenabbau mit besseren Noten belohnen, zeigte Moody’s im August mit der Heraufstufung von Evonik auf Baa1.
Wofür braucht Bayer die zwei Milliarden Euro?
Glyphosat-Vergleich. Offiziell fließt der Erlös in allgemeine Unternehmenszwecke. Parallel wartet der Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar, rund 6,3 Milliarden Euro, auf die endgültige Genehmigung durch das Gericht in Missouri.
Die neue Hybridanleihe ist der dritte Finanzierungsbaustein binnen weniger Monate. Im Juli sicherte sich der Konzern drei Milliarden Euro von Apollo, die Bayer als Eigenkapital verbucht. Außerdem platzierte Bayer in den vergangenen Monaten Anleihen über 5 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 4,35 Milliarden Euro. Kleinere Beträge kommen aus Verkäufen, etwa bis zu 375 Millionen Euro für das Krebsmittel Stivarga von Grünenthal.
Hybridkapital verschafft Bayer Zeit, entschuldet den Konzern aber nicht. Frühestens 2032 steht die erste Kündigung an, und bis dahin muss das operative Geschäft die Zinsen verdienen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was lernen Finanzchefs aus Bayers Hybridanleihen?
Über die tatsächliche Laufzeit entscheidet der Kündigungstermin. Die 30 Jahre stehen vor allem auf dem Papier, denn Emittenten lösen Hybridanleihen in der Regel zum ersten Kündigungstermin durch neue ab. Bayer selbst hat diesen Tausch 2023 vorgeführt: Mit 1,75 Milliarden Euro aus zwei neuen Hybridanleihen finanzierte der Konzern ein Rückkaufangebot für zwei ältere Papiere.[2] Das Hybridvolumen blieb damals unverändert, diesmal steigt der Bestand um 2 Milliarden Euro.
Der Nachrang kann die Anleger im Ernstfall fast alles kosten. Nach dem Sanierungskonzept vom September sollen die Gläubiger der Hybridanleihe von BayWa auf 98 % ihres Kapitals verzichten. Mittelständlern ohne Rating bleibt der Kapitalmarkt für solche Papiere meist verschlossen. Fragen Sie bei der nächsten Finanzierungsrunde gerne Ihre Hausbank, ob sie ein Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt als wirtschaftliches Eigenkapital wertet.
Quellen
[1] Bayer AG: „Bayer platziert Hybridanleihen über 2 Milliarden Euro“ (23.09.2026)
[2] Bayer AG: „Bayer issues 1.75 billion euro hybrid bond“ (20.09.2023)
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