Bayer verschafft sich drei Milliarden Euro frisches Eigenkapital, ohne eine neue Aktie auszugeben oder das profitable Verhütungsgeschäft zu verkaufen. Möglich macht das der Minderheitseinstieg des US-Investors Apollo. Für Finanzchefs unter Schuldendruck ist die Konstruktion ein Lehrstück.

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Bayer hat am 10. Juli 2026 einen Weg gefunden, drei Milliarden Euro einzusammeln, der weder die Aktionäre verwässert noch die Nettoschulden erhöht. Der Leverkusener Konzern bringt sein Geschäft mit hormonellen Langzeit-Verhütungsmitteln in eine neue Gesellschaft ein und gibt davon einen Minderheitsanteil an Apollo ab. Mehrheit und operative Kontrolle bleiben im Haus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Milliarden Euro Eigenkapital fließen Bayer aus dem Deal mit Apollo zu.
  • Betroffen ist das Geschäft mit Langzeit-Verhütung (Mirena, Kyleena, Jaydess), rund 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz.
  • Bayer behält die Anteilsmehrheit und die operative Kontrolle, die Sparte bleibt voll konsolidiert.
  • Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich der Kartellfreigabe.

Was Bayer da wirklich verkauft hat

Goldene Gans mit Ei und Preisschild neben einer Hand, die Geldbündel hält
Bayer gründet Gesellschaft für Langzeit-Kontrazeptiva, Apollo erwirbt Minderheitsanteil für drei Milliarden Euro

Die Schlagzeile klingt nach einem simplen Anteilsverkauf. Die eigentliche Pointe steckt jedoch in der Bilanzierung.

Bayer gliedert die reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva in eine eigene Gesellschaft aus. Apollo zeichnet dort einen nicht kontrollierenden Anteil und überweist dafür drei Milliarden Euro.[1]

Weil Bayer die Stimmenmehrheit und die operative Führung behält, bleibt die Tochter vollständig im Konzernabschluss. Das Verhütungsgeschäft zählt weiter zum Kern der Pharmasparte.

Warum das Eigenkapital ist und keine Schulden

Genau hier sitzt der Hebel. Eine klassische Anleihe hätte die Nettoverschuldung erhöht und das Rating belastet.

Die drei Milliarden Euro von Apollo verbucht Bayer dagegen als Eigenkapital, weil sie in die konsolidierte Tochter fließen. Die Nettoverschuldung sinkt, ohne dass ein Vermögenswert das Haus verlässt.

Für Apollo ähnelt die Beteiligung wirtschaftlich einer Vorzugsfinanzierung: eine Minderheit ohne Kontrolle, dafür eine kalkulierbare Rendite aus einem Geschäft mit stabilen Erlösen. Solche strukturierten Eigenkapital-Deals sind zum Standardwerkzeug der großen Private-Equity-Häuser geworden.

Bayers Drei-Milliarden-Deal mit Apollo

Wie der Konzern frisches Eigenkapital sichert, ohne das Verhütungsgeschäft zu verkaufen.

3,0 Mrd. €
Frisches Eigenkapital
von Apollo, ohne neue Aktien und ohne neue Anleihe
1,4 Mrd. €
Umsatz der Sparte (2025)
Langzeit-Verhütung mit Mirena, Kyleena und Jaydess
Mehrheit
bleibt bei Bayer
volle operative Kontrolle, Tochter voll konsolidiert
Q3 2026
geplanter Abschluss
vorbehaltlich der kartellbehördlichen Freigabe
Warum drei Milliarden Euro als Eigenkapital zählen

Klassische Anleihe

Frisches Geld gegen Rückzahlungspflicht: Die Nettoverschuldung steigt, das Rating gerät unter Druck.

Minderheit an der Tochter

Das Kapital fließt in die konsolidierte Gesellschaft und zählt als Eigenkapital. Die Nettoverschuldung sinkt, die Substanz bleibt im Haus.

Bayer verkauft nicht das Tafelsilber, sondern beleiht es elegant. Drei Milliarden Euro Eigenkapital ohne neue Aktien und ohne neue Anleihe sind Finanzarchitektur auf Konzernniveau.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was deutsche Finanzchefs mitnehmen

Neu ist die Idee nicht. Bayer hat schon früher Randgeschäfte zu Geld gemacht, etwa den Standortdienstleister Currenta im Jahr 2019.

Jene Fälle waren jedoch echte Verkäufe. Der Apollo-Deal folgt einem neueren Muster, das gerade Schule macht: Kontrolle behalten, nur eine Minderheit abgeben, den Erlös als Eigenkapital verbuchen. Ähnlich ordnen sich andere DAX-Konzerne neu, vom Alleingang bei Salzgitters Stahltochter HKM bis zur Milliardenübernahme des Panzerbauers FFG durch Deutz.

Der Druck dahinter ist real. Auf Bayer lasten die Kosten des US-Glyphosat-Streits; Branchenmedien beziffern den jüngsten Sammelvergleich auf rund 6,4 Milliarden Euro, dessen endgültige Genehmigung im August 2026 ansteht.

Zwei Lehren bleiben. Strukturiertes Eigenkapital senkt die ausgewiesene Verschuldung, verpflichtet den Konzern aber weiter gegenüber dem Investor. Und ein Minderheitspartner kann einen späteren Komplettausstieg oder Börsengang der Sparte verkomplizieren, wie der Streit um das Pflichtangebot bei Kontron zeigt.

Für Entscheider lohnt der zweite Blick auf die Bilanz. Sinkt die Nettoverschuldung, während die Substanz gleich bleibt, steckt oft eine solche Konstruktion dahinter. Wie teuer Bayer dieses Kapital erkauft hat, zeigt sich erst, wenn die Konditionen der Apollo-Beteiligung öffentlich werden.

Quelle

[1] Bayer AG: Ad-hoc-Mitteilung „Bayer secures 3.0 billion euros to improve capital structure“ (10.07.2026), Bayer Newsroom

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