Die neue Sanierungsvereinbarung von BayWa schont die Finanzierer und trifft die Nachranggläubiger. Gläubiger der 100-Millionen-Euro-Hybridanleihe sollen auf 98 % des Kapitals und sämtliche Zinsen verzichten. Der Kupon von 7,75 % war der Preis für genau dieses Risiko.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Zwei von hundert Euro: So viel bekommen BayWas Hybridgläubiger nach dem neuen Sanierungskonzept zurück. Am 16. September 2026 verkündete der Münchner Agrar- und Energiehändler ein Term Sheet mit fast allen Finanzierern, das die nachrangige Anleihe fast vollständig streicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gläubiger der 100-Millionen-Euro-Hybridanleihe erhalten nur 2 % zurück, 98 % und alle Zinsen entfallen.
  • Grund ist die Nachrangigkeit: Das Hybridkapital haftet vor den Bankkrediten.
  • 267 von 268 Finanzierern und beide Großaktionäre stehen hinter dem Term Sheet.
  • Die Sanierung läuft nun bis Ende 2030 statt bis 2028.

Wie hart trifft der Schnitt die Hybridgläubiger?

Zwei Euromünzen (2 und 1 Euro) stehen neben einem Schild mit der Aufschrift „NUR NOCH 2%“
Gläubiger der 2023 begebenen 100-Millionen-Euro-Hybridanleihe erhalten nur 2 Millionen Euro zurück, Zinsen entfallen völlig. Verzicht: 98 %

Von der 2023 begebenen Hybridanleihe über 100 Millionen Euro (ISIN DE000A351PD9) sollen die Gläubiger nur rund 2 Millionen Euro wiedersehen, die aufgelaufenen Zinsen entfallen vollständig.[1] Der Verzicht summiert sich auf 98 %, ohne jeden Ausgleich.

Gewöhnliches Fremdkapital war das Papier nie. Als ewig laufende Nachranganleihe mit 7,75 % Kupon bot die Anleihe hohe Zinsen und rangierte im Gegenzug hinter fast allen anderen Ansprüchen. Schon die erste Rettung im Sommer beruhte auf einem harten Sanierungskonzept, doch dieser Schnitt trifft gezielt die Nachranggläubiger.

Warum das Nachrangkapital zuerst brennt

In guten Jahren ist eine Hybridanleihe für den Emittenten bequem. Ratingagenturen rechnen das Papier teils als Eigenkapital an, der Kupon lässt sich aufschieben, und die endlose Laufzeit kennt kein festes Rückzahlungsdatum. Den höheren Zins zahlt der Anleger als Prämie für das Risiko, im Ernstfall ganz hinten zu stehen. Auch gesunde Konzerne nutzen den Anleihemarkt, wie zuletzt Fresenius mit einer Milliardenanleihe.

Im Sanierungsfall kehrt sich der Vorteil um. Weil das Hybridkapital hinter Banken und Lieferanten rangiert, greift der Schnitt hier zuerst. Denselben Mechanismus erlebten 2023 die AT1-Gläubiger der Credit Suisse, deren Nachrangpapiere im Wert von rund 16 Milliarden Euro bei der Notrettung wertlos wurden.

Die Hybridanleihe von BayWa war nie eine biedere Zinsanlage, sondern Risikokapital mit Anleihe-Etikett. 7,75 % Kupon und 98 % Verlust sind zwei Seiten derselben Medaille.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
BayWa-Hybridanleihe: der Schnitt in Zahlen

Was das Sanierungskonzept den Nachranggläubigern abverlangt

2 %
Rückzahlung an die Hybridgläubiger
98 Mio. €
Verzicht auf das Nominal, plus alle Zinsen
7,75 %
Kupon der ewigen Nachranganleihe
2030
Sanierung verlängert, bislang 2028

267 von 268 Finanzierern und beide Großaktionäre stehen hinter dem Term Sheet.

Was Anleger aus dem BayWa-Fall mitnehmen

Die Wurzel der Krise liegt in der Energiesparte BayWa r.e., deren rasche Expansion den Konzern überschuldete. Seither zieht sich die Rettung: Ein Treuhänder hält 67 Prozent der Stimmrechte, und die Sanierung reicht nun bis 2030.

Die Lehre für Anleger bleibt konkret. Eine Nachranganleihe gehört ins Risikobudget, nicht ins Sicherheitsdepot. Vor dem Kauf lohnt der Blick in den Prospekt, ob ein Papier nachrangig ausgestaltet ist und der Kupon ausfallen darf.

Endgültig ist der Schnitt noch nicht. Die Zustimmung der Anleihegläubiger und der Gremien steht aus, und erst deren Votum macht die 98 % unumkehrbar. Halter von BayWa-Papieren sollten die Einladung zur Abstimmung deshalb genau prüfen.

Quelle

[1] BayWa AG: „Einigung auf Term Sheet zu angepasster Sanierungsvereinbarung erzielt; Restrukturierung der Hybridanleihe geplant“ (Ad-hoc-Mitteilung, 16. September 2026)

Mehr Newshunger?

4,2 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?