Die beiden Raiffeisen-Ankeraktionäre der BayWa AG treten ihre Stimmrechte an einen Treuhänder ab. Die Gläubigerbanken machen den nächsten Sanierungsschritt zur Bedingung und wandeln dafür bis zu 700 Millionen Euro Kredite in Nachrangkapital. Für Entscheider zeigt der Fall, wie eine StaRUG-Sanierung die Machtverhältnisse in einem Konzern verschiebt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie BayWa-Sanierung erreicht eine neue Stufe: 67,1 Prozent der Stimmrechte wandern an einen Treuhänder, und die beiden Großaktionäre verlieren bis auf Weiteres ihren Zugriff auf die Hauptversammlung. Der Münchner Agrar- und Energiekonzern kämpft seit Mitte 2024 mit einem Schuldenberg von zeitweise über fünf Milliarden Euro. Jetzt geben die Banken das Tempo vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Ankeraktionäre BRB und Raiffeisen Agrar Invest übertragen 67,1 Prozent der Stimmrechte an einen Treuhänder.
- Die Banken wandeln bis zu 700 Millionen Euro Darlehen in Nachrangkapital und verlängern die Sanierung bis Ende 2030.
- Bis 2029 müssen die Eigner mindestens 220 Millionen Euro frisches Eigenkapital nachschießen, sonst darf der Treuhänder das Aktienpaket verkaufen.
- Der Verkauf der Mehrheit an BayWa r.e. soll rund 900 Millionen Euro für den Schuldenabbau bringen.
Was die Banken im Gegenzug verlangen

Die Gläubigerbanken tragen den nächsten Schritt nur mit, wenn die Eigentümerseite liefert. Konkret wandeln die Institute Darlehen von bis zu 700 Millionen Euro in nachrangige Forderungen um, treten also im Rang zurück und stärken so das Eigenkapital. Im Gegenzug verschiebt sich der Sanierungshorizont von Ende 2028 auf Ende 2030.[1]
Bereits Mitte Juli hatten sich Banken und Anteilseigner auf ein gemeinsames Sanierungskonzept verständigt und den Fahrplan bis Ende 2030 gestreckt. Der Preis für die Ankeraktionäre steht nun ebenfalls fest: Die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest müssen bis 2029 mindestens 220 Millionen Euro frisches Eigenkapital über eine Kapitalerhöhung einzahlen. Bleibt das Geld aus, darf der Treuhänder ihr Aktienpaket zugunsten der Banken verkaufen.
Was macht ein Treuhänder mit 67 Prozent der Stimmen?
Der Treuhänder bündelt die Stimmrechte der beiden Großaktionäre und stimmt in der Hauptversammlung unabhängig von deren Interessen ab. Der Streubesitz bleibt unberührt, die Aufsichtsratssitze von BRB und Raiffeisen Agrar Invest ebenfalls.
Der Kniff trennt Eigentum von Kontrolle. Die Raiffeisen-Eigner bleiben formal beteiligt, geben die Macht über zentrale Beschlüsse aber ab, bis sie das geforderte Kapital nachschießen. Für die Banken sichert die Konstruktion, dass keine Aktionärsgruppe den Sanierungsplan blockiert.
Eine Stimmrechtsübertragung ist kein Rückzug der Eigentümer, sondern der Preis für frisches Geld. Die Bank, die eine Sanierung finanziert, schreibt am Ende die Regeln.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die Bedingung der Banken
Zahlen die Raiffeisen-Eigner bis 2029 nicht mindestens 220 Millionen Euro frisches Eigenkapital nach, darf der Treuhänder ihr Aktienpaket zugunsten der Banken verkaufen.
Was das für BayWa r.e. und die Energiewende bedeutet
Die eigentliche Sanierungsmasse steckt in der Tochter BayWa r.e., einem der weltweit größten Projektentwickler für Solar- und Windparks. Der Verkauf der Mehrheit soll rund 900 Millionen Euro einbringen, die direkt in den Schuldenabbau fließen. Weil sich dieser Verkauf länger hinzieht als geplant, verschob sich der gesamte Zeitplan mit.
Für die Energiewende ist der Eigentümerwechsel heikel, denn ein großer Entwickler von Wind- und Solarprojekten wechselt den Besitzer, während der Ausbau ohnehin an Genehmigungen und Finanzierung hängt. Wie kapitalhungrig der Windausbau ist, zeigt der Milliarden-Garantierahmen, den der Hersteller Nordex zuletzt absichern musste. Die vinkulierte BayWa-Namensaktie notierte am 29. Juli 2026 bei 2,70 Euro.
Für Entscheider lohnt der Blick auf die Mechanik: Eine StaRUG-Sanierung greift, bevor eine Insolvenz droht, verschiebt aber Kontrolle und Haftung spürbar. Vergleichbare Debatten um Rettung und Eigentümerstruktur führt die Industrie längst auch beim Stahl, etwa rund um eine Deutsche Stahl AG. Prüfen Sie bei Lieferanten in Sanierung deshalb gerne früh, wer künftig die Stimmenmehrheit hält.
FAQ: BayWa-Sanierung: Warum jetzt ein Treuhänder 67 Prozent der Stimmen hält
Ist die BayWa insolvent?
Nein. Die BayWa AG saniert sich im Rahmen eines StaRUG-Verfahrens, also einer vorinsolvenzlichen Restrukturierung. Der Konzern arbeitet weiter, verhandelt aber mit seinen Gläubigerbanken über Fristen, Sicherheiten und die Umwandlung von Darlehen.
Wem gehört die BayWa?
Die beiden Ankeraktionäre Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest halten zusammen rund 67,1 Prozent der Anteile. Der Rest liegt im Streubesitz an der Börse.
Was ist ein StaRUG-Verfahren?
Das StaRUG ermöglicht Unternehmen seit 2021 eine gerichtlich bestätigte Sanierung, bevor eine Insolvenz eintritt. Ein Restrukturierungsplan bindet auch Gläubiger, die nicht zustimmen, sofern die nötigen Mehrheiten erreicht sind.
Was passiert mit BayWa r.e.?
Die Mehrheit an der Tochter BayWa r.e., einem der größten Projektentwickler für Solar- und Windparks, soll verkauft werden. Der erwartete Erlös von rund 900 Millionen Euro fließt direkt in den Schuldenabbau.
Wie hoch sind die Schulden der BayWa?
Der Konzern schleppte zeitweise mehr als fünf Milliarden Euro Schulden mit sich, aufgebaut über Jahre durch Zukäufe im Ausland. Durch Verkäufe von Tochtergesellschaften sank die Last bereits um rund 1,3 Milliarden Euro.
Quelle
[1] BayWa AG: „BayWa-Restrukturierungsplan mit den erforderlichen Mehrheiten angenommen“
Mehr Newshunger?
- 800 Millionen Euro weniger: Warum BayWa die Sanierung bis 2030 strecken muss
- BayWa gerettet? Banken und Aktionäre einigen sich auf Sanierungskonzept
- 18,50 Euro waren zu wenig: Salzgitters geplatzte Übernahme entfacht die Debatte um eine Deutsche Stahl AG
- Nach dem geplatzten Jindal-Deal: Thyssenkrupp prüft den Börsengang der Stahlsparte
- Nordex verdreifacht den Quartalsgewinn und knackt die Zehn-Prozent-Marke
- RWE erhöht die Prognose für 2026 und 2027