Ein Lidar mit bis zu 4.320 Laserzeilen geht bei Great Wall Motor in Serie, und das schon Ende 2026. Der chinesische Marktführer Hesai hat für sein neues Spitzenmodell ETX einen Serienauftrag des Autokonzerns gewonnen.[1] Damit erreicht eine Sensorklasse die Straße, die noch vor zwei Jahren als reine Labortechnik galt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Hesai liefert Great Wall sein neues ETX-Lidar mit wählbaren 1.080, 2.160 oder 4.320 Zeilen, Serienstart Ende 2026.
- Heutige Serienlidare arbeiten mit rund 128 Zeilen, die Auflösung springt damit um mehr als das Dreißigfache.
- Der Stückpreis für Autolidare ist von über 880 Euro auf teils unter 175 Euro gefallen und macht die Technik massentauglich.
- Mercedes-Benz bezieht Hesai-Lidar für sein Level-3-System, zugleich steht Hesai auf einer US-Militärliste.
Was kann ein Lidar mit 4.320 Zeilen?

Auflösungssprung. Die Zeilenzahl entscheidet, wie fein ein Lidar seine Umgebung abtastet. Das ETX baut auf einem eigenen SPAD-Chip mit dem Namen Picasso auf und reicht bis 600 Meter weit, bei schwach reflektierenden Objekten noch 400 Meter.[2]
Kleine Hindernisse. Der eigentliche Gewinn liegt nicht in der Reichweite, sondern im Detail. Erst eine vierstellige Zeilenzahl erkennt einen verlorenen Reifen, ein Kind oder ein Tier früh genug, damit ein System für assistiertes und autonomes Fahren ohne Fahrer bremsen darf. Genau diese Lücke bremst den Sprung zu Level 3 bislang aus.
Bekannter Kunde. Great Wall ist für Hesai kein Neuland, die vier Marken Wey, Tank, Ora und Haval fahren bereits mit Sensoren des Herstellers. Wie schnell diese Technik in China reift, zeigt auch XPengs erstes Serien-Robotaxi.
Warum drückt China den Lidar-Preis?
Preisverfall. Vor drei Jahren kostete ein Langstrecken-Lidar mehr als 880 Euro, heute liegen viele ADAS-Sensoren unter 175 Euro (Kurs vom 29. Juli 2026). Diesen Verfall treiben chinesische Anbieter mit eigener Chip-Fertigung und Stückzahlen, die europäische Zulieferer nicht erreichen.
Skaleneffekt. Hesai verdoppelt seine Jahreskapazität 2026 auf rund vier Millionen Sensoren und liefert Lidar für über 120 Modelle bei 24 Herstellern. Während Tesla weiter allein auf Kameras setzt, wird das Laserradar in China zur Standardausstattung, ähnlich wie BYD seinen Anteil am EU-Markt verdoppelt.
Der Preisverfall macht die Technik massentauglich
Nicht die Reichweite entscheidet das Rennen ums autonome Fahren, sondern der Preis. Den günstigsten Sensor in Serie zu bauen, entscheidet am Ende, wessen System auf der Straße den Ton angibt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Autobauer?
Deutsche Premiumklasse. Die Abhängigkeit ist konkreter, als vielen lieb ist. Mercedes-Benz bezieht Hesai-Lidar für sein Level-3-System und lässt die Sensoren in Thailand fertigen. Auch Volkswagen prüft chinesische Technik für Europa.
Sicherheitsfrage. Zugleich führt das US-Verteidigungsministerium Hesai seit 2024 auf seiner Liste chinesischer Militärfirmen, eine Klage dagegen hat der Konzern im Juli 2025 verloren. Ein Lidar vermisst die Umgebung dreidimensional und in Echtzeit, die Debatte um den Datenabfluss ähnelt der um Hikvision-Kameras. Ob sich das Vertrauen in chinesische Fahrzeugtechnik lohnt, wird so zur Führungsfrage.
Regulatorik. In der EU regelt die UN-Vorschrift R157 den Level-3-Betrieb, Deutschland erlaubt ihn per Gesetz bereits. Beim Einkauf solcher Systeme sollten Sie Herkunft und Datenpfade der Sensorik vertraglich klären, bevor die Technik ins Fahrzeug wandert.
Für Flottenbetreiber und Zulieferer heißt das, die Lidar-Frage ist keine reine Kostenfrage mehr, sondern eine Frage der Lieferkette und der Datenhoheit. Prüfen Sie jetzt, welche Sensorik in Ihren nächsten Fahrzeuggenerationen steckt und woher sie stammt.
Quellen
[1] Hesai: Newsroom mit den Serienaufträgen und Kapazitätsangaben
[2] Hesai: Produktseite des ETX-Lidars mit Auflösung und Reichweite
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