BSH Hausgeräte verlegt seine Staubsaugerfertigung von Bad Neustadt an der Saale ins rund 20 Kilometer entfernte Mellrichstadt. Der Projektentwickler Panattoni meldete am 25. September den Spatenstich für das neue Werk, ab 2028 sollen dort rund 450 Menschen arbeiten. Zusätzliche Stellen schafft BSH damit nicht, hält aber mitten im eigenen Sparkurs an einem deutschen Standort fest.

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Für rund 2,4 Millionen Staubsauger der Marken Bosch und Siemens pro Jahr legt BSH sein neues Werk in Mellrichstadt aus. Das bisherige Werk in Bad Neustadt geht auf das Jahr 1937 zurück, als die Siemens-Schuckertwerke dort ein Elektromotorenwerk gründeten. Seit 1996 gehört der Werksteil für Bosch- und Siemens-Geräte zur BSH.[3] Der Neubau ersetzt den Altstandort, liegt aber ebenfalls im Landkreis Rhön-Grabfeld.

Das Wichtigste in Kürze

  • Panattoni errichtet für BSH in Mellrichstadt eine Produktionshalle mit rund 26.600 Quadratmetern samt Büro-, Entwicklungs- und Laborbereich.
  • Rund 450 Beschäftigte sollen dort arbeiten, die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.
  • Eine Investitionssumme oder Fördermittel nennen weder BSH noch Panattoni.
  • Parallel schließt BSH die Werke in Nauen und Bretten, dort fallen rund 1.400 Stellen weg.

Was entsteht in Mellrichstadt?

Karton mit orangefarbenem Aufkleber „Mellrichstadt Umzug“ und ein Akku-Handstaubsauger
BSH fertigt Gebläse, spritzt Kunststoffteile, montiert und verlädt Geräte in einer Halle. Ein dreigeschossiger Trakt beherbergt Büros, Entwicklung und Labore

Alles unter einem Dach. Laut Panattoni wird BSH in der neuen Halle Gebläse fertigen, Kunststoffteile spritzen, die Geräte montieren und verladen. Ein dreigeschossiger Trakt mit rund 4.930 Quadratmetern nimmt Büros, Entwicklung und Labore auf.[1] Neben der Fertigung zieht auch die Entwicklung der Staubsauger nach Mellrichstadt um.

Eigenes Gleis. Zwei Verladegleise in einer rund 142 Meter langen Gleishalle binden das Werk an die Bahnstrecke Würzburg–Erfurt an, Lastwagen erreichen den Standort über die A 71 und die B 19. Panattoni baut das Gebäude als Build-to-Suit-Projekt, also nach den Vorgaben des späteren Nutzers BSH. Die Baugenehmigung lag nach Angaben des Entwicklers schnell vor.[1] Mit dem Spatenstich steht das Projekt am Baubeginn, der Produktionsstart ist für 2028 geplant.

Warum baut BSH neu, während zwei Werke schließen?

Harter Sparkurs. Im Oktober 2025 kündigte BSH an, die Fertigung in Nauen und Bretten zu beenden. In Nauen endet die Waschmaschinenproduktion bis Mitte 2027, rund 440 Beschäftigte sind betroffen, die Logistik bleibt. In Bretten enden die Fertigung von Herden und Dunstabzugshauben sowie die Logistik bis Ende März 2028, betroffen sind dort rund 980 Menschen.[2] Als Gründe nannte der Konzern eine dauerhafte Unterauslastung und Kunden, die verstärkt zu preisgünstigeren Geräten greifen.

Mehr Stückzahl. Bad Neustadt ist seit Jahrzehnten das Kompetenzzentrum des Konzerns für Bodenpflegegeräte. Laut dem BSH-Unternehmenswiki liefen dort über 70 Millionen Staubsauger vom Band, den Rekord hält das Jahr 2010 mit fast zwei Millionen Geräten.[3] Das neue Werk liegt mit 2,4 Millionen Stück pro Jahr deutlich darüber. BSH-Standortleiter Johann Ossner sagt über den Neubau: „Damit stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit […]“.[1] Wie hart der Wettbewerb geworden ist, zeigt der Markt für Saugroboter: Dort ist der chinesische Hersteller Dreame laut dem Marktforscher IDC inzwischen die Nummer eins in Europa.

BSH verlegt die Staubsaugerfertigung
Von Bad Neustadt an der Saale nach Mellrichstadt im selben Landkreis
2,4 Mio.
Staubsauger pro Jahr als Kapazität des neuen Werks
rund 450
Beschäftigte sollen in Mellrichstadt arbeiten
26.600 m²
Produktionshalle, dazu 4.930 m² für Büro, Entwicklung und Labor
rund 1.400
Stellen fallen parallel in Nauen (440) und Bretten (980) weg
1937
Siemens-Schuckertwerke gründen das Werk in Bad Neustadt
1996
BSH übernimmt die Fertigung für Bosch und Siemens
25.09.2026
Panattoni meldet den Spatenstich in Mellrichstadt
2028
geplante Inbetriebnahme des neuen Werks

Der Neubau in Mellrichstadt widerspricht dem Sparkurs der BSH nicht. Der Konzern schrumpft dort, wo die Auslastung fehlt, und investiert dort, wo Entwicklung und Fertigung einer Produktgruppe zusammenkommen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der Umzug für die Region?

Keine neuen Stellen. Für den Landkreis Rhön-Grabfeld bringt der Neubau vor allem Planungssicherheit. Einen Stellenaufbau beziffert keiner der Beteiligten. Landrätin Sonja Rahm sagte: „Dieser Spatenstich ist ein wirklich schöner Tag für unseren Landkreis.“ Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus betonte, mit dem Neubau blieben „der Region die Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten erhalten“.[1] Was mit dem Gelände in Bad Neustadt geschieht, lässt die Mitteilung offen.

Zeitplan prüfen. Zulieferer und Speditionen der BSH in Unterfranken sollten den Umzug bis 2028 früh in ihre Planung aufnehmen, denn Anlieferung und Verladung wechseln an einen neuen Ort mit eigenem Bahnanschluss. Für die Region reiht sich der Neubau in weitere Industrieinvestitionen ein, etwa den Ausbau von Kneipp in Ochsenfurt.

Quellen

[1] Panattoni via Konii: Panattoni entwickelt Produktions- und Logistikstandort für BSH Hausgeräte in Unterfranken (25.09.2026)

[2] Plasticker: BSH Hausgeräte: Produktionswerke in Nauen und Bretten sollen geschlossen werden (13.10.2025)

[3] BSH-Wiki: Bad Neustadt (abgerufen am 25.09.2026)

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