SoftBank leiht sich am Kapitalmarkt rund 9,7 Milliarden Euro, um die dritte Tranche seiner OpenAI-Beteiligung zu bezahlen. Die Papiere sind Hochzinsanleihen, weil die großen Ratingagenturen den japanischen Konzern seit Jahren unterhalb der Investment-Grade-Schwelle einstufen. So finanziert ein Ramsch-Schuldner den teuersten Namen des KI-Booms.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- SoftBank begibt Hochzinsanleihen über rund 9,7 Milliarden Euro und ersetzt damit einen Brückenkredit.
- Der Erlös zahlt die dritte OpenAI-Tranche über rund 8,7 Milliarden Euro, fällig zum 1. Oktober 2026.
- Die Bonds gelten als Junk: S&P und Fitch werten SoftBank mit BB+, Moody’s mit Ba2, jeweils unter Investment Grade.
- Über die Euro-Tranche finanzieren auch europäische Anleger die KI-Wette direkt mit.
Warum greift SoftBank zu Hochzinsanleihen?

SoftBank zahlt hohe Kupons, weil der Konzern kein günstiges Investment-Grade-Papier begeben kann. S&P und Fitch führen SoftBank bei BB+, Moody’s bei Ba2, also jeweils im spekulativen Bereich. Die neuen Anleihen sind zudem unbesichert: Die Gläubiger vertrauen allein auf die Bilanz des Konzerns, nicht auf ein hinterlegtes Pfand.
Die Struktur zeigt, wie SoftBank die Schulden streckt. Nach Finanzmedienberichten läuft die Dollar-Tranche über dreieinhalb, fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahre, die Euro-Tranche über vier und sechs Jahre. Der Erlös löst einen kurzfristigen Brückenkredit ab, den SoftBank im März über rund 35 Milliarden Euro aufnahm und bis Mitte September größtenteils zurückzahlte.[1] Zusammen kommen die Papiere auf rund 9,7 Milliarden Euro, umgerechnet zum Dollarkurs von 0,87 (Stand 21. September 2026).
Wer finanziert eigentlich den KI-Boom?
Mit der Schuldenwette steht SoftBank nicht allein. Der gesamte KI-Ausbau läuft zunehmend auf Pump. Oracle finanziert seine Rechenzentren mit Schulden und Stellenabbau, Nvidia sicherte OpenAIs Ohio-Rechenzentrum mit einer Milliardenbürgschaft ab. Auch in China wächst die Infrastruktur auf Kredit, etwa über Milliardendarlehen bei ByteDance oder die zinslose Wandelanleihe von Zhipu.
Der Unterschied liegt im Risiko der Beteiligung. SoftBank hält rund 11 Prozent an OpenAI, dessen Wert der Sekundärmarkt zuletzt auf geschätzt 435 Milliarden Euro taxierte. S&P nennt OpenAI die Position mit der schwächsten Bonität im Portfolio und senkte den Ausblick auf negativ, weil der Anteil unbörslicher Werte über die Hälfte steigt.
Ein Schuldner mit Ramsch-Rating finanziert den teuersten Namen der Branche. Platzt die KI-Euphorie, verliert nicht nur SoftBank, sondern auch der europäische Anleihekäufer sein Geld.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für europäische Anleger?
Mit der Euro-Tranche über 1 Milliarde Euro landet die KI-Wette direkt in europäischen Depots. Versicherer, Fonds und Privatanleger, die Hochzinsanleihen halten, tragen damit einen Teil des Risikos, das an OpenAIs Ertragskraft hängt.
Für Entscheider im Mittelstand zählt vor allem die Abhängigkeit. Unternehmen, die Geschäftsprozesse auf ChatGPT oder die OpenAI-Schnittstelle stützen, hängen mittelbar an einer Finanzierungskette aus Brückenkrediten, Bürgschaften und Anleihen. Die Europäische Zentralbank warnt seit Monaten vor der Konzentration im KI-Sektor. Ein zweiter Bezugsweg und ein prüfender Blick auf die Bonität der Anbieter gehören deshalb in jede KI-Strategie.
FAQ: SoftBank, OpenAI und die Hochzinsanleihen
Was ist eine Hochzinsanleihe?
Eine Hochzinsanleihe, auch Junk Bond genannt, ist eine Anleihe von Schuldnern unterhalb der Investment-Grade-Schwelle. Wegen des höheren Ausfallrisikos zahlen diese Emittenten deutlich höhere Zinsen als erstklassige Schuldner, um Käufer für ihre Papiere zu finden.
Wie hoch ist SoftBanks Anteil an OpenAI?
Nach dem Abschluss der laufenden Nachinvestition hält SoftBank rund 11 Prozent an OpenAI. Die Beteiligung entsteht über eine gestaffelte Finanzierung, deren dritte Tranche zum 1. Oktober 2026 fällig wird und über die neuen Anleihen bezahlt wird.
Warum gilt SoftBank als spekulativer Schuldner?
Die großen Ratingagenturen stufen SoftBank mit BB+ und Ba2 ein, jeweils unterhalb von Investment Grade. Deshalb zahlt der Konzern am Kapitalmarkt höhere Zinsen, und seine neuen Anleihen gelten als Hochzins- oder Junk-Papiere.
Können europäische Privatanleger diese Anleihen kaufen?
Ein Teil der Emission ist in Euro begeben und richtet sich vor allem an institutionelle Käufer wie Fonds und Versicherer. Privatanleger sind meist mittelbar über Fonds oder ETFs beteiligt, seltener über den direkten Kauf einzelner Hochzinsanleihen.
Quelle
[1] SoftBank Group: „Early Repayment of Bridge Loans“
Mehr Newshunger?
- 578 Milliarden Euro im Auftragsbuch: Oracle wird zum Vermieter der KI-Cloud
- Nvidia kürzt die Kreditgarantie für OpenAIs Ohio-Rechenzentrum
- 75 Milliarden: SoftBank baut Europas KI-Fundament
- Databricks: Wie viel ist die Daten-Plattform wert?
- 4,35 Milliarden Euro für Zhipu: zinslose Wandelanleihe finanziert den KI-Ausbau