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Zwischen 2019 und 2025 sanken die Investitionen in Deutschland um 6,4 Prozent, in den USA stiegen sie um 20,2 Prozent. Allianz Research beziffert den Rückstand auf bis zu 730 Milliarden Euro und sieht die Ursache im Mangel an lohnenden Projekten, nicht an Geld.

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Die Studie erschien am Freitag, drei Tage vor dem ersten „Invest in Germany Summit“ der Bundesregierung am 19. und 20. Oktober in Berlin.[1] Gegenüber dem übrigen Euroraum beträgt die Lücke rund 390 Milliarden Euro.

Das Wichtigste in Kürze

  • Haushalte und Unternehmen in Deutschland sparen mehr, als sie investieren; das Nettoauslandsvermögen liegt bei 87 Prozent der Wirtschaftsleistung.
  • Ausländische Firmen kündigten 2025 nur 548 neue Ansiedlungsprojekte an, so wenige wie seit 2009 nicht mehr.
  • Den Ausbau der Rechenzentren bremst vor allem der Netzanschluss.

Warum fließt das Kapital ins Ausland?

Weißes Sparschwein mit orangefarbenem Kofferanhänger 'AUSLAND' und kleinem Koffer daneben
Deutsche Haushalte und Unternehmen sparen mehr als sie investieren. Das Nettoauslandsvermögen beträgt 87 Prozent des BIP, wirft aber geringere Renditen ab als US-Anlagen

Deutsche Haushalte und Unternehmen sparen seit Jahren mehr, als sie im Inland investieren. Der Überschuss geht ins Ausland, das Nettoauslandsvermögen erreicht 87 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.[2] Laut Studie warfen deutsche Auslandsanlagen seit 1975 rund fünf Prozentpunkte weniger Rendite ab als die der USA und knapp drei Prozentpunkte weniger als die anderer europäischer Länder, sogar weniger als Anlagen im Inland.

Die Autoren verorten das Problem bei den Projekten: Hohe Energie- und Arbeitskosten, die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast der OECD und der Fachkräftemangel drücken deren Rendite. Die Bürokratie kostet laut ifo-Institut bis zu 146 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung im Jahr. Hinzu kommt die Kleinteiligkeit: 11.000 Kommunen und 800 Stadtwerke planen Vorhaben, die für Versicherer und Pensionsfonds oft zu klein sind.

Woher soll das Geld kommen?

Den Hebel sieht Allianz Research beim Sparvermögen: Flössen fünf Prozent der rund 9 Billionen Euro Finanzvermögen deutscher Haushalte aus Bankeinlagen in Investitionen, kämen rund 450 Milliarden Euro zusammen. Ab Januar 2027 soll das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot hinzukommen, für das die Studie in fünf Jahren rund 150 Milliarden Euro erwartet. Die Autoren warnen selbst, dass ein großer Teil davon in globale Fonds fließen könnte, solange Deutschland nicht attraktiver wird.

Der „Deutschlandfonds“ soll mit öffentlichen Garantien und Beteiligungen von 30 Milliarden Euro rund 130 Milliarden Euro privates Kapital anziehen. Der Bund übernimmt dafür Risiken, die private Anleger allein nicht eingehen.

Die Allianz ist dabei keine Unbeteiligte. Der Konzern hat rund 100 Milliarden Euro in Deutschland angelegt; seine Vermögensverwalter PIMCO und Allianz Global Investors betreuen weltweit 2,2 Billionen Euro für Dritte. Die geforderten öffentlich-privaten Partnerschaften mit langen Abnahmeverträgen richten sich an solche institutionellen Anleger.

Das Altersvorsorgedepot bringt Kapital nur dann nach Deutschland, wenn hier Projekte mehr abwerfen als ein globaler Fonds.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Deutschlands Investitionslücke in Zahlen
Was Allianz Research vor dem Investitionsgipfel der Bundesregierung vorrechnet
−6,4 %
Investitionen in Deutschland 2019 bis 2025, in den USA plus 20,2 %
730 Mrd. €
Lücke gegenüber den USA, gegenüber dem Euroraum rund 390 Mrd. €
87 %
des BIP beträgt das deutsche Nettoauslandsvermögen
548
neue Ansiedlungsprojekte ausländischer Firmen 2025, so wenige wie seit 2009 nicht
Investitionsbedarf nach Bereichen
Energie
1,3 Bio. €

bis 2045 für Erneuerbare, Netze, Speicher und Wasserstoff

Digitales
275–500 Mrd. €

bis 2030 für Telekommunikation, Software und Rechenzentren

Verkehr
166 Mrd. €

Bundesmittel 2025 bis 2029, davon 107 Mrd. € für die Schiene

Verteidigung
734 Mrd. €

Finanzierungsbedarf über fünf Jahre

Was bedeutet das für Rechenzentren und Mittelstand?

Für digitale Infrastruktur samt KI-Rechenzentren veranschlagt die Studie bis 2030 zwischen 275 und 500 Milliarden Euro. Den Engpass sehen die Autoren bei Netzanschluss und Genehmigungen, Anschlussanträge sollen deshalb Vorrang bekommen. In Schladen-Werla liegt der umgekehrte Fall vor: Der Netzanschluss für ein 200-Megawatt-Rechenzentrum ist reserviert, ein Betreiber fehlt noch.

Am Montag beginnt der Gipfel. Für denselben Tag haben Kanzler Friedrich Merz und Nvidia-Chef Jensen Huang einen KI-Pakt angekündigt. Zusagen vor solchen Terminen lohnen das Nachrechnen. Für die 850 Milliarden Euro der Initiative „Made for Germany“ fand das ZEW in den Abschlüssen der Mitglieder bislang keinen klaren Zusatzeffekt. Amazon rechnet in seine 100 Milliarden Euro seit 2010 auch Gehälter ein und will beim Gipfel weitere Investitionen nennen.

Mittelständler mit Bau- oder Rechenzentrumsplänen sollten den Netzanschluss früh beim Netzbetreiber anfragen, weil die Studie mehrjährige Wartezeiten dort als größtes Hindernis nennt. Für Kommunen und Stadtwerke schlägt die Studie vor, kleine Energieprojekte auf Kreisebene zu bündeln und einheitlich auszuschreiben, damit Versicherer und Fonds einsteigen.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Allianz SEDeutschlands Investitionslücke könnte seine größte Chance sein (Medienmitteilung vom 16.10.2026)
  2. Allianz ResearchInvest in Germany, Yes, But How? (Studie vom 16.10.2026, englisch)

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