Michael Intrator hat seit dem Börsengang von CoreWeave Aktien für rund 848 Millionen Euro verkauft, wie seine Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht SEC zeigen. Mit den Mitgründern Brian Venturo und Brannin McBee summieren sich die Verkäufe auf 2,85 Milliarden Euro. Die Stimmenmehrheit über den Rechenzentrumsbetreiber geben die drei Gründer trotzdem nicht ab.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKnapp 118 Millionen Euro im Monat: So viel holte der CoreWeave-Chef seit April im Schnitt aus dem Verkauf eigener Aktien, in den acht Monaten davor waren es knapp 18 Millionen. Die Summe für Intrator hatte Reuters am Freitag aus den Meldungen zusammengezählt, Bloomberg einen Tag zuvor die Verkäufe aller drei Gründer. Die Zahlen erscheinen in einer Woche, in der Anleger an der Finanzierung von CoreWeave zweifeln und Nvidia-Chef Jensen Huang dem Partner öffentlich den Rücken stärkte.
Das Wichtigste in Kürze
- Intrator verkaufte seit August 2025 gut 10,1 Millionen CoreWeave-Aktien.
- 96 Prozent der Erlöse stammen aus vorab festgelegten Verkaufsplänen.
- Im April 2026 kontrollierte Intrator 38,7 Prozent der Stimmen.
- Die Aktie fiel vom 7. bis 16. Oktober um rund 31 Prozent.
Warum verkauft Intrator schneller als vor einem Jahr?

Die Verkäufe laufen über Verkaufspläne nach der SEC-Regel 10b5-1. Ein Manager legt darin vorab fest, wann und zu welchen Bedingungen ein Broker seine Aktien verkauft, und greift danach nicht mehr ein. Den ersten Plan schloss Intrator am 23. Mai 2025 ab. Seit April 2026 verkauft Intrator nach einem zweiten Plan vom 20. November 2025, gut sechsmal so schnell wie zuvor: Bis Ende September brachte allein dieser Plan rund 691 Millionen Euro.[1] Die Bedingungen standen damit fest, lange bevor der Kurs im Oktober einbrach.
Ende September hielt Intrator laut seiner letzten Meldung noch knapp 52 Millionen Aktien, zum Schlusskurs vom Freitag knapp 2,8 Milliarden Euro wert. Palo-Alto-Chef Nikesh Arora ging einen anderen Weg und ließ sich für künftige Aktienverkäufe 128 Millionen Euro vorab auszahlen.
Wie behalten die Gründer die Kontrolle?
Der Großteil von Intrators Paket besteht aus B-Aktien mit je zehn Stimmen, an der Börse gehandelt werden A-Aktien mit einer Stimme. Laut den Hauptversammlungsunterlagen kontrollierte Intrator im April 38,7 Prozent der Stimmen, Venturo 20,3 und McBee 14,6 Prozent.[2] Beim Verkauf werden B-Aktien automatisch zu A-Aktien. Eine Umtauschvereinbarung vom September 2024 erlaubt den Gründern aber, A-Aktien aus Optionen und Aktienzuteilungen wieder in B-Aktien umzutauschen. Das Stimmgewicht der Gründer sinkt deshalb langsamer als ihr Aktienbesitz.[3]
Unbefristet gilt das Sonderstimmrecht nicht. Spätestens Ende Mai 2032 werden alle B-Aktien zu A-Aktien, früher, falls Intrator nicht mehr hauptberuflich für CoreWeave arbeitet.[3]
- Venturo
1,06 Mrd. € für 12,2 Mio. Aktien
- McBee
951 Mio. € für 11,4 Mio. Aktien
- Intrator
848 Mio. € für 10,1 Mio. Aktien
- Zusammen
2,85 Mrd. €
Summe der Pflichtmeldungen an die SEC (Formular 4) bis 30.09.2026, umgerechnet mit 0,87 € je Dollar.
- Intrator
38,7 Prozent der Stimmen
- Venturo
20,3 Prozent
- McBee
14,6 Prozent
B-Aktien haben je zehn Stimmen, an der Börse gehandelte A-Aktien eine.
- 23.05.2025
Erster Plan: im Schnitt knapp 18 Mio. € im Monat bis März 2026
- 20.11.2025
Zweiter Plan: ab April 2026 knapp 118 Mio. € im Monat
- Mai 2032
Spätestes Ende der B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht
Ein Verkaufsplan schützt vor dem Insiderverdacht, nicht vor der Frage, warum der Chef sein Verkaufstempo versechsfacht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Anleger und Kunden im DACH-Raum?
Deutsche Börsenkandidaten dürfen ein ähnliches Modell seit Dezember 2023 nutzen. Das Aktiengesetz erlaubt Mehrstimmrechtsaktien mit höchstens zehn Stimmen je Aktie, die bei börsennotierten Gesellschaften erlöschen, sobald die Aktie den Besitzer wechselt, spätestens aber zehn Jahre nach dem Börsengang.[4] Die Satzung von CoreWeave zieht die Grenze nach gut sieben Jahren. Wie eine Gründerfamilie ihre Kontrolle in Deutschland bündelt und wieder auflöst, zeigt der Stimmrechtspool der Familie Hopp bei SAP.
Am Mietvertrag für GPU-Rechenzeit ändern die Verkäufe nichts. Die Meldungen zeigen Kunden aber, dass die Gründer ihr Vermögen breiter streuen und trotzdem das Sagen behalten. Eigengeschäfte von Vorständen deutscher Börsenfirmen veröffentlicht die BaFin, meldepflichtig sind sie seit Januar 2026 ab 50.000 Euro im Kalenderjahr. Wie viel Vermögen in den Aktien der Tech-Gründer steckt, zeigt die Liste der reichsten Tech-Milliardäre, weitere Meldungen sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Intrators CoreWeave-Aktienverkäufe
Wie viele CoreWeave-Aktien hat Michael Intrator verkauft?
Laut seinen Pflichtmeldungen an die SEC verkaufte Michael Intrator von August 2025 bis Ende September 2026 gut 10,1 Millionen CoreWeave-Aktien für rund 975 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 848 Millionen Euro. Die Summe hatte zuerst Reuters zusammengezählt.
Warum verkauft der CoreWeave-Chef Aktien über einen Verkaufsplan?
Ein Verkaufsplan nach der SEC-Regel 10b5-1 legt Zeitpunkt und Bedingungen der Verkäufe im Voraus fest. Danach greift der Manager nicht mehr ein. Intrators zweiter Plan stammt vom 20. November 2025, seit April 2026 verkauft er danach deutlich schneller als zuvor.
Verliert Intrator durch die Verkäufe die Kontrolle über CoreWeave?
Nein. Intrator hält vor allem B-Aktien mit je zehn Stimmen und kontrollierte im April 2026 laut Hauptversammlungsunterlagen 38,7 Prozent der Stimmen. Eine Umtauschvereinbarung erlaubt den Gründern, A-Aktien aus Optionen wieder in B-Aktien umzutauschen.
Wie lange gilt das Sonderstimmrecht der CoreWeave-Gründer?
Laut Geschäftsbericht werden alle B-Aktien spätestens Ende Mai 2032 zu A-Aktien mit einer Stimme, früher, falls Intrator nicht mehr hauptberuflich für CoreWeave arbeitet. In Deutschland erlöschen Mehrstimmrechte börsennotierter Firmen spätestens nach zehn Jahren.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SEC EDGARForm-4-Meldungen von Michael Intrator zu CoreWeave, August 2025 bis Oktober 2026, zuletzt Meldung vom 1. Oktober 2026
- CoreWeaveProxy Statement zur Hauptversammlung 2026, Form DEF 14A
- CoreWeaveGeschäftsbericht 2025, Form 10-K
- Bundesministerium der Justiz§ 135a Aktiengesetz, Mehrstimmrechtsaktien
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