Palo-Alto-Chef Nikesh Arora bekam von einem Finanzhändler rund 128 Millionen Euro im Voraus und stellte dafür 500.000 Aktien als Pfand. Abgerechnet wird voraussichtlich im Oktober 2029, bis dahin behält Arora die Stimmrechte. Einen Teil des Geldes braucht der Konzernchef für Steuern auf seine aufgeschobene Aktienvergütung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm März kaufte Nikesh Arora für 8,7 Millionen Euro Aktien von Palo Alto Networks, im Schnitt zu 127,78 Euro das Stück.[1] Sieben Monate später zahlt ihm ein Händler 256,30 Euro je verpfändeter Aktie vorab. Die Erläuterung zur Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC vom 14. Oktober stellt klar, dass der Vertrag kein direkter Verkauf ist.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Arora schloss am 12. Oktober über seinen Aurora Trust einen Prepaid Variable Forward über bis zu 500.000 Aktien ab.
- Die Vorauszahlung beträgt rund 128 Millionen Euro, die Abrechnung folgt voraussichtlich im Oktober 2029.
- Laut Palo Alto Networks stehen Arora in den nächsten drei Jahren Steuern von mehr als 87 Millionen Euro auf Aktienvergütung ins Haus.
- In der EU müssten Führungskräfte auch eine Verpfändung eigener Aktien binnen drei Geschäftstagen melden.
Wie funktioniert der Vertrag?

Ein Prepaid Variable Forward verbindet eine Vorauszahlung mit einem Kursband. Arora verpfändete dem Händler 500.000 Aktien und erhielt dafür 128,2 Millionen Euro. Wie viele Aktien er 2029 abgibt, hängt vom Schlusskurs am Bewertungstag ab. Die Untergrenze liegt bei 297,87 Euro, die Obergrenze bei 657,07 Euro.[3] Am Tag des Abschlusses schloss die Aktie bei 351,33 Euro.
Unter der Untergrenze liefert Arora alle 500.000 Stück und behält die Vorauszahlung, weitere Kursverluste treffen den Händler. Zwischen beiden Grenzen liefert er Aktien im Wert von 148,9 Millionen Euro, jeden Kursgewinn über der Untergrenze behält er selbst. Oberhalb von 657,07 Euro geht der Zuwachs an den Händler. Rechnerisch kosten ihn drei Jahre Vorfinanzierung und Absicherung 20,8 Millionen Euro, die Differenz zwischen Vorauszahlung und Wert an der Untergrenze.
Warum verkauft Arora nicht einfach an der Börse?
Arora besitzt 1,1 Millionen Aktien, knapp 3 Millionen weitere liegen in einem Programm für aufgeschobene Vergütung und werden erst 2028 und 2036 ausgezahlt. Die US-Sozialabgabe FICA auf diese Aktien zahlt Arora trotzdem schon beim Erdienen, in bar. Seine gesamten aktienbezogenen Steuerlasten der nächsten drei Jahre beziffert das Unternehmen auf mehr als 87 Millionen Euro.[2]
Der Governance-Ausschuss des Boards genehmigte den Vertrag. Einen Blockverkauf über die Börse könnte der Aktienmarkt negativ deuten, lautet die Begründung. Der Ausschuss verweist zudem darauf, dass Arora kurz zuvor die Auszahlung von 1,48 Millionen Aktien von 2027 auf 2036 verschob; für weitere 1,48 Millionen plant er den Aufschub von 2028 auf frühestens 2033. Das Pfand macht nach Angaben des Unternehmens weniger als zehn Prozent seines Gesamtbestands aus.[2]
Bar an Arora, rund 256 Euro je verpfändeter Aktie.
Die Stimmrechte bleiben bis zur Abrechnung bei Arora.
Voraussichtlicher Termin. Lieferung in Aktien oder in bar, nach Wahl von Arora.
Steuern auf Aktienvergütung in den nächsten drei Jahren.
Arora liefert alle 500.000 Aktien und behält die Vorauszahlung. Den Verlust darunter übernimmt der Händler.
Arora liefert Aktien im Wert von 148,9 Mio. Euro. Jeder Kursgewinn über 297,87 Euro bleibt bei ihm.
Der Zuwachs oberhalb der Obergrenze geht an den Händler.
Arora behält Stimmrecht und Kurschance bis 657 Euro je Aktie, das Risiko unter 298 Euro trägt der Händler.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Anleger und Führungskräfte in Europa?
Im Form 4 steht der Vertrag nicht unter dem Kürzel S für Verkauf, sondern unter J für sonstige Geschäfte.[3] Anleger, die nur Verkaufsmeldungen filtern, übersehen ihn. Seit dem Kauf im März hat sich der Kurs fast verdreifacht. Mit dem Vertrag macht Arora einen Teil dieses Wertzuwachses zu Geld und verzichtet nur oberhalb von 657,07 Euro auf weitere Kursgewinne. Auch andere Tech-Milliardäre ordnen gerade ihre Aktienpakete neu: Michael Dells Family Office kaufte SK-Aktien vom SK-Chef, die Familie Hopp beendete ihren Stimmrechtspool bei SAP.
In der EU fällt ein solcher Vertrag unter die Marktmissbrauchsverordnung. Artikel 19 zählt auch das Verpfänden eigener Aktien zu den Geschäften, die Führungskräfte binnen drei Geschäftstagen dem Emittenten und der Aufsicht melden.[4] In Deutschland greift die Pflicht seit Januar 2026 ab 50.000 Euro im Kalenderjahr.[5] Für Sie heißt das:
- Lesen Sie bei Directors‘ Dealings die Art des Geschäfts, bevor Sie eine Meldung als Ausstieg des Vorstands deuten.
- Planen Sie als Vorstand oder Aufsichtsrat einer börsennotierten Firma ein Pfand oder eine Absicherung auf eigene Aktien, prüfen Sie zuerst die Sperrfrist von 30 Tagen vor jedem Finanzbericht.[4]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- U.S. Securities and Exchange CommissionForm 4 Palo Alto Networks, Nikesh Arora
- U.S. Securities and Exchange CommissionExhibit 99, Explanatory Note Regarding Reporting Person’s Variable Prepaid Forward Arrangement
- U.S. Securities and Exchange CommissionForm 4 Palo Alto Networks, Nikesh Arora
- Amt für Veröffentlichungen der EUVerordnung (EU) Nr. 596/2014 über Marktmissbrauch, Artikel 19
- BaFinAllgemeinverfügung zur Anhebung des Schwellenwertes auf 50.000 Euro für zu meldende Eigengeschäfte
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