Oliver Hopp stand in den Stimmrechtsmeldungen von SAP bisher mit 5,52 Prozent, seit dem 13. Oktober mit einer einzigen Aktie. Ein Verkauf geht aus den vier Pflichtmitteilungen der Gründerfamilie nicht hervor. Den Absturz der Prozentzahlen erklärt eine Zurechnungsregel im Wertpapierhandelsgesetz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVier Stimmrechtsmitteilungen veröffentlichte SAP am Mittwochmorgen über den Dienst EQS, alle mit demselben angekreuzten Grund: „Aufhebung eines Stimmrechtspools“. Gemeldet haben SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, seine Söhne Daniel und Oliver sowie die 72HODA80 GmbH aus St. Leon-Rot.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Dietmar Hopp kommt ohne Pool auf 4,49 Prozent der SAP-Stimmrechte, 3,67 Prozent davon liegen bei der Dietmar Hopp Stiftung.
- Daniel Hopp fällt von 5,06 auf 0,11 Prozent, Oliver Hopp von 5,52 Prozent auf eine einzige Aktie.
- Zusammen halten die vier Meldenden 62,7 Millionen Stimmrechte, mehr als der Pool im August 2025 umfasste.
- Die Familie des Mitgründers Klaus Tschira ging im Juli den umgekehrten Weg und bündelte ihre Stimmen.
Was steht in den vier Meldungen?

Dietmar Hopp meldet zum Stichtag 13. Oktober 4,49 Prozent der Stimmrechte, seine vorige Mitteilung nannte 5,04 Prozent. Den größten Block hält die gemeinnützige Dietmar Hopp Stiftung mit 3,67 Prozent.[1] Sein Sohn Daniel kommt direkt und über eigene Gesellschaften noch auf 0,11 Prozent.[2] Bei Oliver Hopp steht in der Tabelle genau eine Stimme.[3]
Die vierte Meldung betrifft die 72HODA80 GmbH, die 2018 noch Dietmar Hopp Stiftung GmbH hieß und bis September 2018 von Dietmar Hopp beherrscht wurde. Die Gesellschaft hält 0,51 Prozent direkt, zugerechnet waren ihr zuvor 5,52 Prozent. Laut Meldung beherrscht heute niemand die GmbH.[4]
Warum fallen die Prozentwerte ohne erkennbaren Verkauf?
Paragraf 34 Absatz 2 des Wertpapierhandelsgesetzes rechnet einem Aktionär die Stimmrechte aller Partner in voller Höhe zu, mit denen er sein Verhalten gegenüber dem Unternehmen per Vereinbarung abstimmt.[5] Im Pool meldete deshalb jedes Mitglied den ganzen Block. Im August 2025 traten dem Pool zwei Gesellschaften aus Daniel Hopps Firmengeflecht bei, damals meldete er für den Verbund 62,1 Millionen Stimmen.[6]
Addiert ergeben die vier neuen Meldungen 62,7 Millionen Stimmrechte oder 5,11 Prozent. Nach einem Abverkauf sieht diese Summe nicht aus. Seit Dienstag zählt in jeder Meldung nur noch der eigene Bestand samt eigener Gesellschaften. Eine Begründung für das Ende des Pools hat die Familie nicht veröffentlicht.
Zuvor gemeldet: 5,04 %. Davon liegen 3,67 % bei der Dietmar Hopp Stiftung.
Zuvor gemeldet: 5,06 %, fast alles über den Pool zugerechnet.
Zuvor gemeldet: 5,52 %. Heute steht in der Meldung eine einzige Stimme.
Zuvor zugerechnet: 5,52 %. Bis 2018 hieß die Gesellschaft Dietmar Hopp Stiftung GmbH.
Stimmrechte der vier Meldenden zusammen, das sind 5,11 % aller Stimmen.
So viele Stimmen meldete Daniel Hopp damals für den ganzen Verbund.
Stimmrechte von Blackrock laut Meldung vom August 2026.
Stimmrechtsmeldungen zeigen Einfluss, nicht Besitz: Bei Oliver Hopp standen 5,52 Prozent, wo heute eine einzige Aktie steht.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für SAP und für Familienunternehmer?
Auf der nächsten Hauptversammlung von SAP tritt die Familie Hopp nicht mehr als gebündelter Block auf. Unter den gemeldeten Großaktionären liegt der Vermögensverwalter Blackrock mit 6,69 Prozent der Stimmrechte vor jedem einzelnen Hopp-Anteil.[7] Harald und Udo Tschira gingen im Juli den umgekehrten Weg und bündelten ihre Stimmen per Stimmbindungsvertrag, Harald Tschira meldet seitdem 4,22 Prozent.[8] Auch bei Samsung ordnet eine Gründerfamilie gerade Anteile neu, Lee Jae-yong bekam von seiner Mutter Aktien für 1,74 Milliarden Euro.
Im Mittelstand dient der Poolvertrag vor allem der Erbschaftsteuer. Anteile an einer Kapitalgesellschaft gelten nur bei einer Beteiligung von mehr als 25 Prozent als begünstigtes Betriebsvermögen. Kleinere Gesellschafter dürfen zusammenrechnen, sofern sie einheitlich abstimmen und nur untereinander übertragen.[9] Heben die Gesellschafter die Stimmbindung innerhalb der Behaltensfrist auf, entfällt die Verschonung anteilig rückwirkend.[10] Für Sie heißt das:
- Prüfen Sie bei einer Stimmrechtsmitteilung den Grund in Feld 2 und die zugerechneten Stimmen in Feld 7, bevor Sie einen Rückgang als Verkauf deuten.
- Lassen Sie vor dem Ende eines Poolvertrags in Ihrem Familienunternehmen prüfen, ob aus einer begünstigten Schenkung oder Erbschaft noch eine Behaltensfrist läuft.
Quellen
10 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SAP SE über EQSStimmrechtsmitteilung Dietmar Hopp
- SAP SE über EQSStimmrechtsmitteilung Daniel Hopp
- SAP SE über EQSStimmrechtsmitteilung Oliver Hopp
- SAP SE über EQSStimmrechtsmitteilung 72HODA80 GmbH
- Bundesministerium der Justiz§ 34 Wertpapierhandelsgesetz, Zurechnung von Stimmrechten
- SAP SE über EQSStimmrechtsmitteilung Daniel Hopp
- SAP SE über EQSVoting Rights Announcement BlackRock, Inc.
- SAP SE über EQSStimmrechtsmitteilung Harald Tschira
- Bundesministerium der Justiz§ 13b Erbschaftsteuergesetz, Absatz 1 Nummer 3
- Bundesministerium der Justiz§ 13a Erbschaftsteuergesetz, Absatz 6 Satz 1 Nummer 5
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