Das Altersvorsorgedepot beerbt ab Januar 2027 die glücklose Riester-Rente. Der erste Wettbewerb läuft über den Preis: Scalable Capital verlangt für sein Standarddepot null Prozent im ersten Jahr und danach höchstens 0,15 Prozent, weit unter der gesetzlichen Ein-Prozent-Grenze. Ob am Ende mehr Rente herauskommt, hängt aber nicht am günstigsten Preis, sondern an der Aktienquote.

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Seit dem 21. August 2026 steht die erste Preismarke für das Altersvorsorgedepot bei null Euro. Scalable Capital nennt als erster Anbieter konkrete Konditionen für den staatlich geförderten Riester-Nachfolger und unterbietet die erlaubte Kostengrenze deutlich. In den neuen Markt könnten bald Milliarden aus auslaufenden Riester-Verträgen fließen. Der Wettbewerb um diese Kunden hat gerade begonnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente, neue Riester-Verträge sind dann nicht mehr möglich.
  • Scalable Capital verlangt für das Standarddepot 0 Prozent im ersten Jahr und danach höchstens 0,15 Prozent laufende ETF-Kosten.
  • Der Gesetzgeber deckelt die Kosten des Standardprodukts auf höchstens 1 Prozent pro Jahr.
  • Ohne Beitragsgarantie steigt die Renditechance, zugleich wächst das Kursrisiko.

Warum die Riester-Rente scheiterte

Weißes Sparschwein mit „0€“- und Altersvorsorge-Anhängern auf weißem Grund
Riester-Rente scheiterte an der Beitragsgarantie: Anbieter mussten Spareinzahlungen zu 100 Prozent garantieren, was Investitionen in renditestarke Aktien verhinderte und in der Nullzinsphase Gewinne aufzehrte

Der Konstruktionsfehler der Riester-Rente steckte in der Beitragsgarantie. Anbieter mussten Sparern zum Rentenbeginn 100 Prozent der Einzahlungen garantieren. Diese Zusage zwang das Geld in niedrig verzinste Anleihen statt in Aktien. In der Nullzinsphase blieb dadurch kaum Rendite übrig, während Abschluss- und Verwaltungskosten weiter am Guthaben zehrten.

Millionenfach abgeschlossen, galt die Riester-Rente über Jahre trotzdem als teuer und renditeschwach. Genau diesen Mechanismus kippt der Gesetzgeber jetzt: Das Altersvorsorgedepot kommt ohne Beitragsgarantie und erlaubt erstmals eine staatlich geförderte Anlage in reine Aktien-ETFs.[2]

Was Scalable beim Altersvorsorgedepot anders macht

Scalable Capital macht den Anfang und legt für sein Standarddepot einen Nulltarif vor. Konto, Depot, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe kosten nichts. Die laufenden ETF-Kosten liegen bei höchstens 0,15 Prozent im Jahr und entfallen im ersten Jahr ganz.[1]

Der Münchner Anbieter unterbietet die Ein-Prozent-Grenze für Standardprodukte damit deutlich. Bei freier ETF-Wahl kostet jede Order im kostenlosen Modell 0,99 Euro. Im Prime-Modell für 4,99 Euro pro Monat entfällt auch diese Gebühr.

Der Vorstoß setzt die Konkurrenz von Trade Republic bis zu den Direktbanken unter Zugzwang, denn die Neobroker verdienen ihr Geld längst mit Masse statt mit Marge. Wie profitabel dieses Modell ist, zeigt der jüngste Rekordgewinn von flatexDEGIRO.

Das Altersvorsorgedepot in Zahlen
Der Riester-Nachfolger ab 2027 und Scalables Preisvorstoß
2027
Start des Altersvorsorgedepots, neue Riester-Verträge enden
0 %
Kosten bei Scalable im ersten Jahr, danach höchstens 0,15 %
1,0 %
Gesetzliche Höchstkosten für das Standardprodukt pro Jahr
540 €
Maximale Grundzulage bei 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr
300 €
Kinderzulage je Kind und Jahr obendrauf

Ohne Beitragsgarantie: Das Depot erlaubt eine volle Aktienquote und damit höhere Renditechancen, dafür schwankt der Kurs.

Der Preiskampf entscheidet nicht über die Rente. Entscheidend ist, ob die Sparer die höhere Aktienquote auch bei einem Kurssturz durchhalten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was die Reform für Sparer und Anbieter bedeutet

Für Sparer verschiebt sich das Versprechen von der Sicherheit zur Renditechance. Ohne Beitragsgarantie erlaubt das Depot eine volle Aktienquote, die über lange Zeiträume die stärkste Rendite gebracht hat, in Schwächephasen aber auch spürbare Verluste. Wie sich früh und breit gestreut angelegtes Geld über Jahrzehnte entwickelt, rechnet unser Beitrag zum ETF-Sparen fürs Kind vor.

Als Vorbild dient Schweden, wo der staatliche Standardfonds AP7 Millionen Sparer günstig und automatisch am Aktienmarkt beteiligt. Das Kursrisiko bleibt real, gerade jetzt, da bekannte Investoren wie Michael Burry vor einer überhitzten KI-Bewertung warnen.

Bis zum Start bleibt Zeit für den Vergleich. Ein Blick auf Gesamtkosten, ETF-Auswahl und die Grundzulage von bis zu 540 Euro lohnt sich, bevor Sie ein Depot festlegen. Ein bestehender Riester-Vertrag lässt sich ab 2027 unter Bedingungen in das Altersvorsorgedepot überführen.

Quellen

[1] Scalable Capital: „Altersvorsorgedepot“

[2] Stiftung Warentest: „Altersvorsorgedepot: Was die Riester-Reform bedeutet“

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