Rund 500 Beschäftigte des früheren CureVac-Werks in Tübingen hätten laut Handelsblatt bei einem Investorenkonsortium weiterarbeiten können. Die Gruppe um den Münchner Investor Peter Löw bot bis zu 20 Millionen Euro, verlangte aber eine Barreserve von mehr als 200 Millionen Euro im Unternehmen. BioNTech brach die Gespräche ab und hält an der Schließung Ende 2027 fest.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Handelsblatt beruft sich auf Unterlagen zu Verhandlungen, die im Mai begannen und bis zuletzt liefen.[1] Ende September hatte der Mainzer Konzern das Aus für Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein bestätigt und den gescheiterten Verkauf mit dem schwierigen Markt- und Investitionsumfeld erklärt. Zu Einzelheiten der Gespräche äußerten sich weder BioNTech noch Löw.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Konsortium um Peter Löw bot laut Handelsblatt bis zu 20 Millionen Euro für das Tübinger Werk und wollte 500 Beschäftigte übernehmen.
- Die Interessenten verlangten, dass mehr als 200 Millionen Euro Barmittel im Unternehmen bleiben.
- BioNTech hält das Konzept für nicht tragfähig und schließt das Werk Ende 2027.
- An den drei deutschen Standorten fallen rund 1.800 Stellen weg.
Was bot das Konsortium für das Tübinger Werk?

Neben Löw gehörten laut Handelsblatt eine deutsche Immobiliengruppe, eine Investmentgesellschaft und das US-Biotechunternehmen Alloy Therapeutics zur Gruppe. Für die Übernahme planten die Partner eine eigene Gesellschaft, die Human Health Technologies AG. Verhandelt wurde den Unterlagen zufolge auch über Patentrechte und über eine Zusage, dass Alloy nicht in die Krebsmedizin einsteigt.
In Tübingen arbeiten nach Angaben der WirtschaftsWoche rund 820 Menschen. Mit 500 übernommenen Beschäftigten hätte die neue Gesellschaft rechnerisch gut sechs von zehn Arbeitsplätzen gehalten. Nun greifen für die Tübinger Belegschaft die Abfindungskonditionen, die BioNTech mit dem Konzernbetriebsrat vereinbart hat; Details hat der Konzern nicht veröffentlicht.
Warum verzichtet BioNTech auf den Verkauf?
Einem Kaufpreis von höchstens 20 Millionen Euro stand die geforderte Barreserve von über 200 Millionen Euro gegenüber. BioNTech hätte also rechnerisch mindestens 180 Millionen Euro mehr abgegeben als eingenommen. Insider sagten dem Handelsblatt, der Konzern hätte beim Verkauf draufzahlen müssen. Nach Informationen der Zeitung hielt BioNTech das Konzept der Interessenten zudem für nicht tragfähig.
Das Sparprogramm, zu dem die Schließungen gehören, soll nach vollständiger Umsetzung 2029 jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen. Die Ersparnis soll in die Entwicklung von Krebsmedikamenten fließen.[2] Für dieselbe Pipeline hatte der Konzern CureVac und dessen mRNA-Wissen übernommen. Weil beim Verkauf auch Patentrechte und eine Onkologie-Klausel verhandelt wurden, hätte ein Käufer mit den Tübinger Laboren nah an dieses Kerngeschäft heranrücken können.
Was bedeutet die Absage für Tübingen und andere Pharmastandorte?
Einen Ausstieg mit Zuzahlung wählte Boehringer Ingelheim: Der Konzern gab sein Biologika-Werk in Shanghai im September zum Basispreis von einem Yuan ab und beteiligt sich an den Kosten des Weiterbetriebs, während der Käufer die Belegschaft bis Ende 2028 halten muss. BioNTech zieht die Schließung einem Verkauf mit hoher Mitgift vor.
Ländern und Städten auf Investorensuche zeigt der Tübinger Fall, wo die Hürde liegt: Das Konsortium verlangte eine Barreserve von mindestens dem Zehnfachen seines Kaufpreises. In Dresden sucht Sachsen derzeit einen Investor für das Impfstoffwerk von GSK mit 641 Stellen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte schon Ende September gefordert, dass BioNTech alle realistischen Möglichkeiten für den Standort ausschöpft.
Biotechfirmen in der Region können sich auf frei werdende Fachkräfte aus mRNA-Entwicklung und Produktion einstellen. Bis Ende 2027 läuft der Betrieb in Tübingen weiter.
Quellen
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