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Seit dem 6. Oktober zeigt Chrome 155 Bilder im Format JPEG XL an, Firefox 158 zieht nach. Der Kompressionsentwickler Gianni Rosato hält den Einbau in die Browser für überflüssig, weil AVIF nach Rosatos Messungen schärfer komprimiert und schneller dekodiert. Allerdings verkauft Rosato mit Halide Compression selbst einen WebP-Encoder.

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Gianni Rosato hat am AVIF-Encoder SVT-AV1-PSY mitgearbeitet und JPEG XL für das Interop-Programm 2024 der Browserhersteller noch befürwortet. In einem Essay vom 13. September rückt der Encoder-Entwickler von dieser Empfehlung ab.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Rosato sieht AVIF bei verlustbehafteter Kompression und beim Dekodieren vor JPEG XL.
  • Eine präparierte JPEG-XL-Datei mit 1.918 Byte blockierte den Rust-Decoder 17,43 Sekunden lang.
  • Eine Studie von Cloudinary und der Universität Konstanz kommt bei HDR-Fotos zum umgekehrten Ergebnis.
  • AVIF erreicht 96,33 % der Browsernutzung, JPEG XL vollständig nur Chrome 155 und Firefox 158.

Was wirft Rosato JPEG XL vor?

Weißer Bilderrahmen mit hellblauen Multi-Tool-Teilen und Anhänger „ALLES DRIN“ auf Weiß
Rosato kritisiert JPEG XL: Bei verlustbehafteter Kompression unterlegen gegenüber AVIF, zu langsames Dekodieren, Vorteil bei verlustfreien Bildern nur Nischenvorteil

Rosato hält JPEG XL bei verlustbehafteter Kompression für AVIF unterlegen und beim Dekodieren für zu langsam. Den Vorsprung bei verlustfreien Bildern wertet der Kritiker als Nischenvorteil, weil Websites fast nur verlustbehaftet komprimierte Fotos und Grafiken ausliefern.[1]

Die Ursache liegt im Werkzeugkasten des Formats. JPEG XL fehlen die Richtungsvorhersage, mit der WebP und AVIF einen Bildblock aus seinen Nachbarn schätzen, und ein Filter gegen Blockkanten. Kanten franzen deshalb leichter aus. Die Ersatzwerkzeuge Splines und Patches nutzt der Referenz-Encoder libjxl bisher kaum.

Beim Dekodieren verglich Rosato gleich große Fassungen eines Fotos mit rund 2,5 Megabyte. WebP war mehr als zehnmal so schnell fertig wie JPEG XL im Rust-Decoder jxl-rs, den Chrome und Firefox einbauen.[2] Das verlustfreie Umpacken alter JPEGs spart die oft genannten 20 %, kostet nach Rosatos Rechnung aber etwa ein Drittel mehr Zeit beim Dekodieren.

Wie gefährlich sind präparierte JPEG-XL-Dateien?

Eine präparierte Datei lastet ein Gerät sekundenlang aus. Rosatos Testbild mit 1.918 Byte berechnet beim Anzeigen alle Primzahlen bis 33.599 und band den Rust-Decoder auf einem MacBook Pro mit M5-Pro-Chip 17,43 Sekunden lang.[1]

JPEG XL erlaubt bis zu 4.096 Kanäle, Ebenen und Überblendungen. Mit dieser Ausdrucksstärke gleicht eine Datei eher einem kleinen Programm als einem Pixelraster. Weil Safari das Format seit Version 17 anzeigt, bremsen ein paar Dutzend solcher Bilder nach Rosatos Einschätzung schon heute Geräte von Apple aus.

Gegen diese Angriffsklasse hilft auch die Programmiersprache Rust nicht. Google wählte den Rust-Decoder, weil Rust Speicherfehler wie die 2023 aktiv ausgenutzte WebP-Lücke CVE-2023-4863 verhindert.[3] Aus demselben Grund vollzieht Microsoft den Umstieg auf Rust. Ein gültiges, aber rechenintensives Bild rechnet ein speichersicherer Decoder trotzdem brav zu Ende.

JPEG XL im Web: zwei Lager, zwei Messreihen
Was die Kritik von Gianni Rosato und die Studie aus Konstanz jeweils belegen

Kennzahlen (Stand 15. Oktober 2026)

17,43 s
Rechenzeit des Rust-Decoders für ein präpariertes Bild mit 1.918 Byte
über 10 ×
schneller dekodierte WebP ein gleich großes Foto als JPEG XL
2,72 zu 5,47
Abstand zum Original in JND, JPEG XL gegen AVIF beim HDR-Testbild
96,33 %
der Browsernutzung zeigen AVIF an

Wer was misst

Kritik
Gianni Rosato
Methode: rechnerische Qualitätsmaße und Dekodierzeiten
Ergebnis: AVIF komprimiert besser, WebP dekodiert schneller
Interesse: verkauft den WebP-Encoder Iris-WebP
Gegenposition
Cloudinary und Universität Konstanz
Methode: Sehtest mit Versuchspersonen, HDR-Fotos
Ergebnis: JPEG XL näher am Original, Messwerte unterschätzen das Format
Interesse: Studienautor Jon Sneyers entwickelt JPEG XL mit
Browser
Unterstützung von JPEG XL
Chrome: ab Version 155 vollständig
Firefox: ab Version 158
Safari: seit Version 17, ohne schrittweisen Aufbau und Animation

Ein Bildformat, das Primzahlen berechnen kann, ist eine schöne Ingenieursleistung und für einen Online-Shop ein Risiko.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was spricht trotzdem für JPEG XL?

Für JPEG XL spricht ein Sehtest von Cloudinary und der Universität Konstanz mit HDR-Fotos. Beim Testbild alps-sunset mit 0,3 Bit pro Pixel lag JPEG XL 2,72 gerade wahrnehmbare Unterschiede vom Original entfernt, AVIF 5,47. Rechnerische Qualitätsmaße unterschätzten JPEG XL durchgehend.[4]

Der Kritiker hält diese Verzerrung der Messwerte für zu klein, um die eigenen Diagramme umzukehren. Beide Seiten sind Partei: Studienautor Jon Sneyers gehört zu den Hauptentwicklern von JPEG XL, Rosatos Firma Halide Compression vertreibt den WebP-Encoder Iris-WebP.[5]

In Kameras und Bildbearbeitung gesteht Rosato dem Format Stärken zu. Google ruft beim Start in Chrome 155 keinen Sieger aus und rät, beide Formate an eigenen Bildern zu testen.

Was sollten Website-Betreiber jetzt tun?

AVIF bleibt für Website-Betreiber das sichere Standardformat, JPEG XL lohnt bisher nur als Test. AVIF erreicht laut Can I use 96,33 % der Browsernutzung. Safari unterstützt JPEG XL nur teilweise, ohne schrittweisen Bildaufbau und ohne Animationen.[6]

Die Mediathek von WordPress lehnt .jxl-Dateien noch ab, Firefox schaltet das Format nach einer Verschiebung von Version 157 erst mit Version 158 frei. Bis dahin helfen zwei Schritte:

  • Messen statt glauben: Vergleichen Sie Dateigröße und Largest Contentful Paint beider Fassungen an Ihren zehn größten Bildern. Grenzwerte nennt der Ratgeber zu den Core Web Vitals, Grundlagen erklärt der Leitfaden zur Bildkompression.
  • Uploads begrenzen: Nimmt Ihre Website Bilder von Nutzern an, deckeln Sie Pixelzahl und Rechenzeit der Bildverarbeitung auf dem Server. Bei Anbietern aus dem WordPress-Hosting-Vergleich lohnt die Nachfrage, welche Grenzen die Bildbibliothek setzt.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Gianni RosatoThe case against JPEG XL13.09.2026
  2. Gianni RosatoSoftware and environment details, Messaufbau zum Essay
  3. NIST, National Vulnerability DatabaseCVE-2023-4863
  4. Jon Sneyers, Mohsen Jenadeleh, Dietmar Saupe (Cloudinary Research, Universität Konstanz)AIC-3 and HDR image quality assessmentMai 2025
  5. Halide CompressionIris-WebP
  6. Can I useAVIF image format und JPEG XL image format

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