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Siemens Mobility baut für Niedersachsen 113 dreiteilige Akkuzüge vom Typ Mireo Plus B. Rund eine Milliarde Euro kosten die Fahrzeuge, dazu kommen zwei Werkstätten in Goslar und Soltau sowie 30 Jahre Wartung. Den Zuschlag erhielt Siemens gut drei Jahre nach dem Beschluss des Landes, keine weiteren Wasserstoffzüge zu bestellen.

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„Mit dieser Investition setzen wir die SPNV-Strategie 2040+ ganz konkret um“, sagte Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover.[1] 83 Züge übernimmt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), 30 die Regionalbahnfahrzeuge Großraum Braunschweig GmbH. Zuerst fahren die Fahrzeuge im Weser-Leine-Netz und im Harz-Heide-Netz, später unter anderem im Heidekreuz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Siemens Mobility liefert 113 Batteriezüge, 83 für die LNVG und 30 für den Großraum Braunschweig.[1]
  • Die Fahrzeuge kosten rund eine Milliarde Euro, in der Überschrift seiner Mitteilung nennt das Ministerium mehr als zwei Milliarden für die Schiene.
  • Siemens hält die Flotte 30 Jahre lang instand und betreibt dafür zwei neue Werkstätten in Goslar und Soltau.
  • Die ersten Züge fahren ab Ende 2031. Im Jahr 2023 hatte das Land noch 2029 als Start genannt.

Warum setzt Niedersachsen auf Akku statt Wasserstoff?

Modellzug mit Ladeanzeige 113 % auf dem Dach neben Quietscheente auf Schienen
Niedersachsen setzt bei Neuanschaffungen auf Akkuzüge statt Wasserstoffzüge, obwohl Alstom-Coradia-iLint-Züge seit 2018 erfolgreich im Einsatz fahren

Seit 2018 fahren zwischen Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude Wasserstoffzüge vom Typ Coradia iLint, gebaut von Alstom in Salzgitter. Im Juli 2023 legte sich das Land nach einer Markterkundung der LNVG trotzdem fest: Für die Ablösung der Dieselflotten setzt Niedersachsen auf Akkuzüge, weil diese im Betrieb günstiger sind. Die iLint-Flotte bleibt auf ihrer Strecke, Nachfolger bestellt das Land nicht.

Der Kostenvorteil hängt an der Oberleitung. Ein Wasserstoffzug braucht Gas aus der Elektrolyse und eine eigene Tankstelle. Der Mireo Plus B lädt dagegen unter dem ohnehin vorhandenen Fahrdraht und überbrückt mit dem Akku die Abschnitte ohne Oberleitung.[1] Für die bisherige zweiteilige Version gibt Siemens rund 80 Kilometer Reichweite im Akkubetrieb an. In der Ortenau und in Ostbrandenburg fahren Mireo Plus B bereits mit Fahrgästen. Die neue dreiteilige Variante für Niedersachsen misst 63,46 Meter und erreicht bis zu 160 km/h.

Was steckt in den zwei Milliarden?

Aufgeschlüsselt hat das Ministerium die Differenz zwischen einer und zwei Milliarden Euro nicht. Den Rest dürften Werkstätten, Ersatzteile und die 30 Jahre Instandhaltung ausmachen, die der Hersteller übernimmt. Auf die Fahrzeuge allein entfallen rechnerisch knapp 8,9 Millionen Euro je Zug.

Mit dem Paket kaufen die Aufgabenträger Verfügbarkeit statt bloßer Fahrzeuge. Für die Reparatur ausgefallener Züge ist damit Siemens zuständig, in Goslar oder Soltau. Eine Wartung über 30 Jahre vereinbarte 2025 auch der Nahverkehr Westfalen-Lippe für 61 Mireo Plus B, die ab Dezember 2029 fahren sollen. Für Siemens wächst damit neben dem Bau von Hochgeschwindigkeitszügen in Krefeld das Servicegeschäft, das über Jahrzehnte planbare Einnahmen bringt.

Niedersachsen schickte 2018 weltweit als Erstes Wasserstoffzüge in den Linienbetrieb, Akkuzüge bekommt das Land erst Ende 2031.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Niedersachsens Akkuzug-Auftrag in Zahlen
Was das Land bei Siemens Mobility bestellt und wann die Züge den Diesel ablösen
113 Züge
83 für die LNVG, 30 für den Großraum Braunschweig
rund 1 Mrd. €
für die Fahrzeuge, knapp 8,9 Mio. € je Zug
30 Jahre
Instandhaltung durch Siemens, Werkstätten in Goslar und Soltau
über 170
Sitzplätze je dreiteiligem Zug, bis zu 18 Fahrradstellplätze
Juli 2023
Akku statt Wasserstoff

das Land plant 102 Akkuzüge, Start damals für 2029 vorgesehen

13. Oktober 2026
Bestellung bei Siemens

113 Züge vom Typ Mireo Plus B samt Werkstätten und Wartung

ab Ende 2031
Erste Einsätze

Weser-Leine-Netz und Harz-Heide-Netz

danach
Weitere Netze

unter anderem das Heidekreuz, bis dahin fahren dort Dieselzüge

Was bedeutet der Auftrag für Betriebe in der Region?

Bis Ende 2031 bleibt auf den betroffenen Strecken der Diesel im Einsatz, im Heidekreuz noch länger. Planen Sie gerade Jobtickets oder Pendlerkonzepte für Standorte im Harz-Heide- oder im Weser-Leine-Netz, kalkulieren Sie gerne mit dem heutigen Angebot. Berichtspflichtige Firmen, die Pendelwege in Scope 3 ihrer CO2-Bilanz erfassen, sehen den Effekt der neuen Züge frühestens ab 2032.

Mehr Raum bieten die neuen Züge auch für Fahrräder: mindestens sechs Stellplätze, in der Saison bis zu 18 je Zug.[1] Der Bahnindustrie im Land bringt der Auftrag vor allem die beiden Werkstätten. Alstom, Hersteller des iLint, will sich derweil von seinem Lokwerk in Kassel trennen, das an Rheinmetall gehen soll.

Quelle

1 Quelle anzeigenQuellen ausblenden
  1. Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und BauenMehr als zwei Milliarden Euro für die Schiene: Niedersachsen bestellt 113 neue Batteriezüge und stärkt Mobilität im ganzen Land13.10.2026

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