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Im Januar kaufte American Electric Power Brennstoffzellen für 2,3 Milliarden Euro, ohne den Abnehmer zu nennen. Erst am Mittwoch machte der US-Versorger den Namen öffentlich: Google bezieht 20 Jahre lang den gesamten Strom eines neuen Kraftwerks bei Cheyenne in Wyoming.

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702 Megawatt soll die Anlage leisten. AEP investiert dafür vier Milliarden Dollar, umgerechnet rund 3,5 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87 am 15. Oktober 2026. Konzernchef Bill Fehrman sieht neue Geschäftschancen „innerhalb und außerhalb unseres angestammten Versorgungsgebiets“. Wyoming zählt nicht zu den elf Bundesstaaten, in denen der Versorger aus Ohio Kunden beliefert.

Das Wichtigste in Kürze

  • AEP investiert rund 3,5 Milliarden Euro in ein Brennstoffzellenkraftwerk mit 702 Megawatt, voll in Betrieb ab Ende 2028.
  • Google kauft 20 Jahre lang den gesamten Strom, die Brennstoffzellen liefert Bloom Energy.
  • Auch ohne Verbrennung entsteht CO2, eine Abscheidung soll später folgen.
  • Rechenzentren in Deutschland müssen ab Januar 2027 ihren Strom bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energien decken.

Was baut AEP für Google in Wyoming?

Zwei weiße Schränke auf grauem Boden, verbunden durch ein Kabel, mit einem kleinen Gartenzwerg
Cheyenne Fuel Cell: AEP-Projekt mit Festoxid-Brennstoffzellen zur Stromerzeugung aus Erdgas, Baubeginn 2026, geplante CO2-Abscheidung

Die Projektgesellschaft Cheyenne Fuel Cell gehört zu rund 92 Prozent AEP, den Rest halten Fonds des Investors Basalt. Der Bau soll noch 2026 beginnen.[1] Die Technik stammt von Bloom Energy: Festoxid-Brennstoffzellen wandeln Erdgas elektrochemisch in Strom um, ohne Flamme. Kohlendioxid entsteht bei diesem Verfahren trotzdem, deshalb will AEP eine CO2-Abscheidung nachrüsten.

Die Brennstoffzellen sicherte sich AEP schon am 4. Januar: Für rund 2,3 Milliarden Euro zog eine Tochter den Großteil einer Kaufoption über 900 Megawatt. Scheitert der Abnahmevertrag an seinen Bedingungen, bekommt AEP alle Investitionen und Kosten ersetzt.[2] Rechnerisch kostet ein Megawatt knapp 5 Millionen Euro.

Warum zahlt Google ein eigenes Kraftwerk?

Google kauft mit dem Vertrag vor allem Zeit, denn AEP verspricht, die Bloom-Technik schnell aufzustellen. Für Googles geplantes Rechenzentrum in Cheyenne schloss der örtliche Versorger Black Hills Verträge bis 2048: Black Hills baut 564 Megawatt Gaskraftwerke und steuert zusätzlich rund 2,1 Gigawatt Leistung von Dritten über ein privates Inselnetz. Strom soll ab Ende 2027 fließen, die volle Last folgt 2030. Alle Kosten trägt Google, die übrigen Stromkunden der Region zahlen nichts dazu.[3]

Der Fall folgt einem Muster der KI-Branche: Die Konzerne umgehen die Warteschlange am öffentlichen Netz. Oracle plant für das OpenAI-Projekt Jupiter Bloom-Brennstoffzellen mit 2,45 Gigawatt und beliefert Rechenzentren per Lkw mit Erdgas, solange Pipelines fehlen. Anthropic mietet laut Bloomberg Rechenleistung auf einem Campus mit eigenem Inselnetz in West Virginia.

Google zahlt in Wyoming das Kraftwerk samt Risiko selbst und macht zwei Versorger zu Dienstleistern.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Eigener Strom für Googles Rechenzentrum in Cheyenne
Dollarbeträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro, Stand 15. Oktober 2026
702 MW
Leistung des Brennstoffzellenkraftwerks von AEP
3,5 Mrd. €
plant AEP für das Kraftwerk ein
20 Jahre
läuft der Abnahmevertrag, Google kauft den gesamten Strom
2,7 GW
umfasst die gesamte Versorgung des Rechenzentrums samt Reserve
Vom Optionsvertrag zum Kraftwerk
November 2024AEP bestellt 100 Megawatt bei Bloom Energy, Option auf 900 weitere
4. Januar 2026AEP zieht den Großteil der Option für einen ungenannten Abnehmer
30. September 2026Black Hills und Google schließen Verträge bis 2048
14. Oktober 2026AEP nennt Google als Abnehmer
Ende 2028Kraftwerk soll voll in Betrieb sein

Was bedeutet das für Rechenzentren in Deutschland?

Ein Erdgas-Kraftwerk nach dem Vorbild aus Wyoming stößt hierzulande an das Energieeffizienzgesetz. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Betreiber den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken.[4] Strom aus Erdgas zählt dafür nicht, die Lücke müssten zugekaufte Ökostrommengen schließen.

Erste deutsche Projekte setzen trotzdem auf eigene Erzeugung: In Schlüchtern plant die Argaman Group ein Kraftwerk mit 276 Megawatt, überwiegend aus Brennstoffzellen, für ein Rechenzentrum im nahen Birstein. Deutsche Hersteller bauen ihre Fertigung für solche Anlagen aus. 2G Energy baut in Heek eine zweite Montagehalle für Containerkraftwerke, die in US-Rechenzentren laufen sollen, Reverion aus Eresing sucht einen Standort für seine Brennstoffzellenfabrik.

Für IT-Leiter mit Colocation-Vertrag folgen daraus zwei Schritte:

  • Fragen Sie Ihren Rechenzentrumsbetreiber gerne, wie er die 100-Prozent-Pflicht ab 2027 nachweist und ob eigene Gaserzeugung zum Konzept gehört.
  • Planen Sie zusätzliche Serverkapazität mit Vorlauf, große Netzanschlüsse dauern oft Jahre.

Wo die größten Anlagen hierzulande stehen, zeigt die Übersicht der zehn größten Rechenzentren Deutschlands.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. American Electric PowerAEP Advances Innovative Energy Solution for Google with 702MW of Bloom Fuel Cells
  2. American Electric Power, SECForm 8-K vom 8. Januar 2026, Item 8.01
  3. Black Hills Corp., SECBlack Hills Corp. Executes Definitive Agreements to Serve Google’s Planned Data Center in Cheyenne, Wyoming
  4. Bundesministerium der Justiz§ 11 Energieeffizienzgesetz, „Klimaneutrale Rechenzentren“

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