26 der 38 Märkte liegen in Hessen, allein sechs in Kassel: Das Bundeskartellamt hat Rewe am Mittwoch erlaubt, dieses Paket der Supermarktkette Tegut zu übernehmen. Für zwei Standorte in Marburg und Schlüchtern gilt dagegen ein Erwerbsverbot von vier Jahren. Inzwischen hat das Amt 252 Tegut-Standorte für drei Käufer freigegeben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Ohne die Zusagen hätte der Zusammenschluss in drei regionalen Märkten zu einer erheblichen Behinderung des wirksamen Wettbewerbs geführt“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts.[1] Gemeint sind Schlüchtern, Marburg-Ketzerbach und die Marburger Innenstadt. Den Beschäftigten der 38 übernommenen Märkte will Rewe ein Beschäftigungsangebot machen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Rewe darf 38 Tegut-Märkte übernehmen: 26 in Hessen, 10 in Bayern, je einen in Erfurt und Göttingen.
- Auf die Märkte in Marburg-Ketzerbach und Schlüchtern verzichtet die Rewe-Gruppe vier Jahre lang, auch auf Anschlussmietverträge.
- Edeka erhielt Ende September die Freigabe für 178 Märkte, Tante Enso zuvor für 36. Auf 24 weitere Standorte muss Edeka vier Jahre verzichten.
- Die Tegut-Zentrale in Fulda schließt laut Eigentümerin Migros Zürich Ende März 2027.
Welche Tegut-Märkte gehen an Rewe?

Den Schwerpunkt bildet Nordhessen. Neben den sechs Kasseler Märkten gehen auch die Läden in Baunatal, Vellmar und Wolfhagen an Rewe. Im Raum Fulda wechseln fünf Märkte den Betreiber, in Bayern liegen die meisten zwischen Würzburg und Schweinfurt.[3] Rewe will die Läden als Rewe und Penny weiterführen und regionale Lieferbeziehungen erhalten.[2]
Die Freigabe ist ein Beschluss, aber noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt werden.[1] Die Vereinbarung über bis zu 40 Märkte hatten Rewe und die Migros Zürich im April unterzeichnet. Ab wann die Märkte unter neuem Namen öffnen, hat Rewe noch nicht genannt.
Warum sperrt das Kartellamt ausgerechnet Marburg und Schlüchtern?
Das Amt prüft Supermarkt-Fusionen vor Ort, im Einzugsgebiet jedes einzelnen Markts. In drei Gebieten in Hessen hätte die Übernahme den Wettbewerb laut Behörde erheblich behindert. Der Verzicht auf Marburg-Ketzerbach löst zugleich den Konflikt in der Innenstadt, weil sich beide Einzugsgebiete überschneiden.[1]
Bundesweit sieht das Amt kein Hindernis, obwohl die Konzentration hoch ist. Edeka, die Schwarz-Gruppe, Rewe und Aldi kamen 2025 zusammen auf mehr als 90 Prozent des Umsatzes im Lebensmittelhandel, Rewe allein auf rund 22 Prozent.[4] Am bundesweiten Einkaufsvolumen des Lebensmittelhandels wächst der Rewe-Anteil durch Tegut um weniger als 0,2 Prozentpunkte. „Die hohe Konzentration allein reicht kartellrechtlich nicht aus, um einen Zusammenschluss zu untersagen“, sagt Mundt.[1]
Vier Händler teilen sich mehr als 90 Prozent des Umsatzes. Rewe muss trotzdem nur auf zwei Straßenecken in Hessen verzichten, so eng misst das deutsche Kartellrecht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bleibt von Tegut in Fulda?
Mit der Rewe-Freigabe ist die Aufteilung von Tegut weitgehend genehmigt. Die Franchise-Kette Tante Enso darf 36 Standorte übernehmen, Edeka seit dem 28. September 178 Märkte samt weiterer Unternehmensteile.[4] Im Juli hatte die Behörde bei Edeka zunächst 38 Märkte beanstandet. Welcher Händler die 24 Edeka-Ausnahmen und die beiden Rewe-Ausnahmen künftig betreibt, legt das Kartellamt nicht fest.[1]
In Fulda verschwindet mit dem Verkauf der Verwaltungssitz. Die Tegut-Zentrale schließt laut Migros Zürich zum 31. März 2027, betroffen sind nach Angaben der Eigentümerin rund 470 Beschäftigte der zentralen Dienste, wie Fuldainfo berichtet. Interessenausgleich und Sozialplan sind beschlossen. Anders lief der Verkauf der Allgäuer Kette Feneberg an Rewe: Dort blieben Zentrale und Logistik in Kempten erhalten.
Ähnlich verteilt sich gerade die insolvente Baumarktkette Hellweg auf mehrere Käufer. Regionale Lieferanten von Tegut sollten ihre Listungen jetzt mit den neuen Betreibern klären, denn Rewe sagt den Erhalt regionaler Lieferbeziehungen bisher nur allgemein zu. Vermieter in Marburg-Ketzerbach und Schlüchtern müssen einen Mieter außerhalb der Rewe-Gruppe finden: Auch Anschlussmietverträge sind der Gruppe dort untersagt.
Quellen
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- BundeskartellamtBundeskartellamt gibt Übernahme von 38 tegut-Märkten durch REWE unter Nebenbestimmungen frei
- REWE GroupTegut: REWE GROUP erhält Freigabe durch das Bundeskartellamt unter Auflagen
- BundeskartellamtAnhang zur Pressemitteilung, Liste der 38 freigegebenen tegut-Standorte
- BundeskartellamtEDEKA darf tegut-Standorte unter weitreichenden Nebenbestimmungen übernehmen
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