Edeka darf die Supermarktkette Tegut nicht so umfassend übernehmen wie geplant. Das Bundeskartellamt hat bei 38 der beantragten Standorte Bedenken, weil der Marktführer dort regional zu stark würde. An einer Wettbewerbsfrage hängt damit die Zukunft von rund 1.100 Arbeitsplätzen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Edeka meldete beim Bundeskartellamt die Übernahme von 202 Tegut-Standorten und 41 Teo-Märkten an, nachdem sich die Schweizer Migros aus Deutschland zurückzieht.
- Bei 38 dieser Standorte sieht die Behörde die regionale Marktmacht kritisch; laut Branchenberichten bietet Edeka an, auf 9 davon zu verzichten.
- Das Hauptprüfverfahren wurde um einen Monat bis zum 23. September 2026 verlängert.
- Tegut wird zerlegt: 36 Standorte gehen bereits an die Kette Tante Enso, weitere Pakete prüft das Amt für Rewe und Edeka.
Warum stoppt das Kartellamt ausgerechnet 38 Märkte?

Regionale Marktmacht zählt, nicht der bundesweite Anteil. Das Bundeskartellamt prüft in der Fusionskontrolle keine Deutschlandquote, sondern einzelne Absatzgebiete im Umkreis weniger Fahrminuten. Edeka führt den Lebensmittelhandel bundesweit an, doch erst dort, wo ein Tegut-Markt neben bestehenden Edeka-Flächen liegt, kippt die lokale Wettbewerbsrechnung. Genau diese 38 Überschneidungen filtert die Behörde aus dem Paket von 202 Standorten heraus.[2]
Zugeständnisse sind die übliche Antwort. Nach Angaben aus Branchenkreisen verzichtet Edeka auf 9 der strittigen Standorte, um die übrigen genehmigt zu bekommen. Solche Zusagen sind das gängige Werkzeug, um eine Fusion doch noch durch die Kontrolle zu bringen. Über die restlichen Häuser wird bis zum 23. September verhandelt.
Ist die Tegut-Zerlegung ein Einzelfall?
Edeka kennt diesen Konflikt. Schon die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann scheiterte 2015 zunächst am Bundeskartellamt und kam erst 2016 über eine Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel zustande, gebunden an den Erhalt tausender Arbeitsplätze. Die Tegut-Prüfung folgt demselben Muster aus regionaler Dominanz und Arbeitsplatzdruck, nur ohne die politische Sonderroute.
Ein größerer Umbau steckt dahinter. Weil sich die Genossenschaft Migros Zürich aus dem deutschen Markt verabschiedet, verteilt sich Tegut auf mehrere Käufer. 36 kleinere Landstandorte hat das Amt bereits für die Franchise-Kette Tante Enso freigegeben, weil der Zukauf laut Behörde einen kleineren Wettbewerber stärkt. Parallel prüft es die Pakete für Rewe und Edeka.[1]
Nicht der Gesamtkonzern ist das Problem, sondern die Straßenecke. Fusionskontrolle im Lebensmittelhandel entscheidet sich im Umkreis von zehn Fahrminuten, nicht in der Deutschlandstatistik.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der große Deal und der kleine
Was bedeutet das für den Lebensmittelmarkt?
Der Handel verdichtet sich. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi teilen den deutschen Lebensmittelmarkt zu rund vier Fünfteln unter sich auf. Jede Tegut-Fläche, die an einen der Großen geht, festigt diese Struktur, und genau hier zieht das Kartellamt die Grenze. Ähnlich genau schaut die Behörde derzeit auf die geplante Ceconomy-Übernahme durch JD.com, während sie im Streit zwischen SAP und Celonis jüngst keinen Missbrauch sah.
Das Profil steht auf dem Spiel. Für Lieferanten und regionale Erzeuger entscheidet der Ausgang, ob Tegut als eigenständige Bio- und Regionalmarke erhalten bleibt oder in Edekas Eigenmarken aufgeht. Betroffene Standorte sollten die Frist bis zum 23. September im Blick behalten, denn erst danach steht fest, welche Märkte das Logo wechseln. Wie stark ein eigenständiges Bio-Profil trägt, zeigt der Händler Alnatura.
FAQ: Edeka, Tegut und das Bundeskartellamt
Wie viele Tegut-Märkte will Edeka übernehmen?
Edeka hat beim Bundeskartellamt die Übernahme von 202 Tegut-Standorten und 41 Teo-Märkten angemeldet. Anlass ist der Rückzug der Schweizer Genossenschaft Migros Zürich aus dem deutschen Markt, die die gesamte Tegut-Gruppe abgibt.
Warum hat das Bundeskartellamt Bedenken?
Bei 38 der beantragten Standorte wäre der regionale Marktanteil von Edeka nach einer Übernahme zu hoch. Die Fusionskontrolle bewertet nicht den bundesweiten Anteil, sondern einzelne Absatzgebiete, in denen ein Tegut-Markt und bestehende Edeka-Flächen zu nah beieinander liegen.
Wie viele Arbeitsplätze sind betroffen?
Fallen die 38 strittigen Märkte aus dem Paket, stehen nach Angaben aus Branchenkreisen rund 1.100 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Über die genaue Zahl entscheidet, auf welche Standorte Edeka am Ende verzichtet.
Wann fällt die Entscheidung über die Tegut-Übernahme?
Das Bundeskartellamt hat das Hauptprüfverfahren um einen Monat bis zum 23. September 2026 verlängert. Erst danach steht fest, welche Standorte Edeka tatsächlich übernehmen darf und welche Märkte das Logo wechseln.
Was passiert mit den übrigen Tegut-Märkten?
Tegut wird auf mehrere Käufer aufgeteilt. 36 kleinere Landstandorte hat das Amt bereits für die Kette Tante Enso freigegeben, weitere Pakete prüft es parallel für Rewe und Edeka.
Quellen
[1] Bundeskartellamt: „Bundeskartellamt gibt Erwerb von 36 tegut-Standorten durch Tante Enso frei“
[2] Bundeskartellamt: „Laufende Fusionskontrollverfahren“
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