Bei Sofia haben Brandstifter eine Bodenstation von Starlink angezündet, nach Darstellung der bulgarischen Opposition brannten elf von 17 Antennen. Bulgariens Geheimdienstchef Plamen Tontschew sprach am 14. Oktober vor dem Parlament von Sabotage. Für den Schutz der Anlage sieht die Regierung in Sofia den privaten Eigentümer in der Pflicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEnde September brannte bereits eine Starlink-Station südlich von Warschau. Polen wirft zwei türkischen Staatsangehörigen vor, das Feuer gelegt zu haben, Regierungschef Donald Tusk meldete am 12. Oktober ihre Festnahme in Nürtingen. In Bulgarien nahmen Ermittler am selben Tag zwei Männer mit deutschen Pässen fest, berichten bulgarische Medien. Ob die Fälle zusammenhängen, prüfen die Behörden noch.
Das Wichtigste in Kürze
- Bulgariens Geheimdienst DANS wertet den Brand an einer Starlink-Bodenstation bei Sofia als Sabotage.
- Für den Brand an einer Starlink-Station in Polen am 23. September wurden zwei Tatverdächtige in Nürtingen festgenommen. Warschau vermutet russische Geheimdienste als Auftraggeber, Moskau weist das zurück.
- Eine Studie der Universität Leiden zählt 145 Saboteure, die von 2022 bis 2025 in Europa für russische Dienste aktiv waren, mehr als ein Drittel bei mehreren Aktionen.
- Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet seit März 2026 auch Betreiber von Weltraum-Infrastruktur in Deutschland zu Mindeststandards beim physischen Schutz.
Wie liefen die Anschläge in Polen und Bulgarien ab?

In Wola Krobowska zerstörte das Feuer am 23. September die Stromversorgung der Station samt Notstromaggregat. Über solche Bodenstationen gelangt der Datenverkehr der Starlink-Satelliten ins Glasfasernetz, ohne Strom fällt die Anlage aus. Die polnische Station leitet auch Datenverkehr in die Ukraine weiter, deren Armee Starlink an der Front nutzt. Wie abhängig Kiew davon ist, zeigte zuletzt die Tempogrenze von 160 km/h, ab der SpaceX die Verbindung für das ukrainische Militär kappt.
Bei Sofia brannten die Antennen selbst. Ein Teil des Zauns war laut DANS-Chef Tontschew abgebaut, weil die Station erweitert werden sollte. Regierungschef Rumen Radew fragte im Parlament, ob der Staat etwa neben jede Antenne einen Polizisten stellen solle.
Wer steckt hinter den Bränden?
Polens Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak hat „keinerlei Zweifel daran, dass hinter diesem Sabotageakt russische Geheimdienste stehen“. Moskau nennt solche Vorwürfe haltlos. Radew lässt den Auftraggeber offen und verweist auf die laufenden Ermittlungen.
Bart Schuurman von der Universität Leiden hat 145 Personen ausgewertet, die zwischen 2022 und 2025 in Europa für russische Dienste sabotierten oder Brände legten.[1] Mehr als ein Drittel war an mehreren Aktionen beteiligt, mehr als ein Viertel in mehreren Ländern. Das Bild vom Wegwerf-Agenten, den ein Geheimdienst einmal über Telegram anheuert und dann fallen lässt, greift deshalb zu kurz. Die Netzwerke hinter den Tätern sind streng hierarchisch und abgeschottet, Führungsoffiziere halten über Mittelsleute Abstand.
So entwickelten sich die Fälle
Bei Sofia fehlte wegen eines Ausbaus ein Stück Zaun, in Polen brannte die Stromversorgung. Die Täter suchen die schwächste Stelle einer Anlage, nicht die teuerste.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Betreiber in Deutschland?
Die in Nürtingen Festgenommenen lebten laut polnischen Behörden in Deutschland. Seit dem 17. März 2026 gilt hier das KRITIS-Dachgesetz: Betreiber von Anlagen, die mehr als 500.000 Menschen versorgen, müssen Mindeststandards beim physischen Schutz einhalten, etwa Notfallteams und eine bessere Objektsicherung.[2] Zu den elf Sektoren zählt auch der Weltraum.
- Bauphasen: Planen Sie für Umbau und Erweiterung einen eigenen Schutz ein, etwa Bauzaun und Kamera, sobald der feste Zaun weichen muss. Bei Sofia lag genau dort die Lücke.
- Stromversorgung: Sichern Sie Einspeisung, Schaltschränke und Notstromaggregat so streng wie die eigentliche Technik, in Polen traf der Brand genau dort.
- Meldeweg: Melden Sie Ausspähung am Gelände sofort der Polizei. Wiederholungstäter lassen sich so schneller zuordnen.
Ein Zaun schützt keine Fernwartung: Konten, Zugänge und Steuerungstechnik gehören in dieselbe Risikoanalyse, den Einstieg liefern die Cybersecurity-Grundlagen für KMU.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Universität LeidenMapping Russia’s covert low-level agent networks in Europe (Bart Schuurman)
- BundesregierungStärkerer Schutz kritischer Infrastrukturen zum KRITIS-Dachgesetz
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