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Portugals Regierung hat sich am Mittwoch für Lufthansa als Partner ihrer Staatsairline TAP entschieden. Air France-KLM geht leer aus. Für 44,9 Prozent zahlt der Konzern 1,025 Milliarden Euro und damit je Prozentpunkt fast dreimal so viel wie beim Einstieg in Italien. Bis TAP tatsächlich zur Lufthansa Group gehört, vergehen nach Plan der Regierung noch 18 bis 24 Monate.

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Ministerpräsident Luís Montenegro verkündete den Zuschlag nach der Kabinettssitzung in Lissabon und sprach von der ersten Phase der Privatisierung. Das Lufthansa-Angebot lag nach seinen Worten 16 Prozent über dem des Konkurrenten. Auf die Wettbewerbshüter in Brüssel kommt damit das nächste große Airline-Verfahren zu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lufthansa zahlt 1,025 Milliarden Euro für 44,9 Prozent, mit Mitarbeiteranteil und Ticking Fee bis zu 1,2 Milliarden für 49,9 Prozent.[1]
  • Portugal behält vorerst 50,1 Prozent, Lufthansa übernimmt trotzdem die operative Führung.
  • Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento rechnet mit dem Abschluss 2028, nach der Freigabe durch die EU-Kommission.
  • TAP bleibt in der Star Alliance, der Wechsel ins Bündnis SkyTeam von Air France-KLM ist vom Tisch.

Warum zahlt Lufthansa für TAP so viel mehr als für ITA?

Weißes Flugzeugmodell auf Ständer mit orangem Streifen und Etikett „»44,9 %«“ vor weißem Grund
Lufthansa bietet 325 Millionen Euro für 41 Prozent von ITA Airways. Die Gesamtbewertung der Airline liegt bei 2,3 Milliarden Euro

Hochgerechnet bewertet das Gebot die ganze Airline mit rund 2,3 Milliarden Euro. Für 41 Prozent an ITA Airways brachte Lufthansa 325 Millionen Euro auf,[3] aufs ganze Unternehmen gerechnet knapp 800 Millionen. TAP schreibt derzeit Verluste. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Minus bei 99,2 Millionen Euro, 40 Prozent über dem Vorjahreswert. Für die Sanierung hatte Brüssel 2021 eine Staatshilfe von 2,55 Milliarden Euro genehmigt.[2]

Den Aufpreis rechtfertigt das Streckennetz, um das sich schon das Gebot im Juli drehte. TAP fliegt 15 Ziele in Brasilien an. Konzernchef Carsten Spohr nennt TAP eine „starke und profitable Airline“ und erwartet eine gestärkte Position auf dem Südatlantik.[1] Das Geld gibt Lufthansa in einem Jahr aus, in dem Kerosin und Streiks das bereinigte Quartalsergebnis mehr als halbiert haben.

Warum dauert der Abschluss bis 2028?

Weil Lufthansa trotz Minderheitsanteil die Führung übernimmt, muss die EU-Kommission den Einstieg als Zusammenschluss prüfen. Bei ITA dauerte die Prüfung rund ein Jahr, am 3. Juli 2024 kam die Freigabe nur mit Auflagen:[3] Lufthansa und ITA überließen einem Konkurrenten Start- und Landerechte in Mailand-Linate sowie einzelne Strecken zwischen Italien und Mitteleuropa und sagten Zubringerflüge von Rom zu fremden Drehkreuzen zu. Ähnliche Auflagen sind bei TAP denkbar. Die Airlines der Lufthansa Group fliegen schon heute 353-mal pro Woche sechs portugiesische Ziele an.[1]

Ein schnelles Verfahren wie beim ContiTech-Verkauf, den Brüssel nach 17 Arbeitstagen freigab, dürfte bei diesen Überschneidungen ausscheiden.

Den Zuschlag hat Lufthansa, den Preis bestimmt Brüssel: Jede Strecke, die der Konzern für die Freigabe abgibt, verteuert TAP nachträglich.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Der Zuschlag für TAP in Zahlen
Was Lufthansa für die portugiesische Staatsairline zahlt und wann der Kauf abgeschlossen sein soll
1,025 Mrd. €
für 44,9 % in der ersten Phase
bis 1,2 Mrd. €
für 49,9 %, mit Mitarbeiteranteil und Ticking Fee
50,1 %
bleiben vorerst beim portugiesischen Staat
2,9-fach
höherer Preis je Prozentpunkt als beim Einstieg in ITA Airways
29. Juli 2026
Verbindliche Gebote

Lufthansa und Air France-KLM bieten für einen Minderheitsanteil an TAP

30. September 2026
Nachgebesserte Angebote

beide Bieter legen finale Fassungen vor

14. Oktober 2026
Zuschlag im Ministerrat

das Lufthansa-Angebot liegt laut Regierung 16 % über dem Konkurrenten

voraussichtlich 2028
Abschluss nach EU-Prüfung

Portugals Finanzminister rechnet mit 18 bis 24 Monaten

Was ändert sich für Geschäftsreisende und Partner?

Bis zum Abschluss fliegt TAP eigenständig weiter, Buchungen und Firmenverträge bleiben unberührt. Da TAP Mitglied der Star Alliance bleibt, laufen Umsteigeverbindungen über Frankfurt, München oder Zürich weiter im selben Bündnis. Planen Sie Dienstreisen nach Südamerika, prüfen Sie gerne, ob sich Flüge über Lissabon in Ihre Star-Alliance-Rahmenverträge aufnehmen lassen.

Portugals Regierung nennt als Zusagen 500 Millionen Euro für eine Pilotenschule in Tancos und eine Flotte von 117 Flugzeugen bis 2035. Ab 2030 sollen zudem bis zu acht Airbus A350-900 zu TAP wechseln. Lufthansa Technik baut bei Porto bis 2030 einen Standort mit mehr als 1.000 Arbeitsplätzen auf.[1] Nicht jede Beteiligung zahlt sich aus: An airBaltic hält Lufthansa seit 2025 zehn Prozent, die Airline aus Riga saniert sich inzwischen unter US-Gläubigerschutz.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Lufthansa GroupLufthansa Group begrüßt Zusage im TAP Air Portugal Privatisierungsverfahren14.10.2026
  2. Europäische KommissionState aid: Commission approves €2.55 billion Portuguese restructuring aid in favour of TAP Group and €107 million compensation for damages suffered due to coronavirus pandemic21.12.2021
  3. Lufthansa GroupEU Commission gives green light for Lufthansa Group’s participation in ITA Airways03.07.2024

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