Lufthansa hat ein verbindliches Angebot für einen Anteil an der portugiesischen Fluglinie TAP Air Portugal abgegeben und tritt damit gegen Air France-KLM an. Portugal verkauft 44,9 Prozent seiner Staatsairline an einen strategischen Partner und behält selbst die Kontrolle. Der Reiz für Lufthansa liegt weniger in Lissabon als in Rio de Janeiro, São Paulo und Recife.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Lufthansa und Air France-KLM gaben am 29. Juli 2026 verbindliche Gebote für 44,9 Prozent an TAP ab. Die Staatsholding Parpública prüft nun 30 Tage lang.
  • Portugal muss privatisieren, weil das EU-Beihilferecht nach der Corona-Rettung keine weiteren Staatszuschüsse mehr zulässt.
  • TAP steuert 15 Ziele in Brasilien an und ist die wichtigste Luftbrücke zwischen Europa und Südamerika, ein Markt, in dem Lufthansa schwach vertreten ist.
  • Als Star-Alliance-Mitglied fügt sich TAP nahtlos in die Lufthansa Group; ein Zuschlag für Air France-KLM würde die Airline ins SkyTeam-Bündnis zwingen.

Warum ist TAP für Lufthansa so wertvoll?

Zwei Hände ziehen an einem Seil über einem Modellflugzeug, mit DE, FR Flaggen und einem Schild Lissabon nach Brasilien auf weißem Hintergrund
TAP verbindet Lissabon mit 15 brasilianischen Städten und bietet das dichteste Streckennetz zu portugiesischsprachigen Ländern, das die Lufthansa Group bisher nicht abdeckt

Der Wert steckt im Streckennetz nach Südamerika und Afrika. TAP fliegt von Lissabon aus 15 brasilianische Städte an und verbindet Europa über den kürzesten Atlantikweg mit der portugiesischsprachigen Welt. Genau diese Region deckt die Lufthansa Group bisher kaum ab, während TAP dort seit sechzig Jahren das dichteste Streckennetz bietet.

Zum strategischen Wert kommt das Bündnis. TAP gehört zur Star Alliance rund um Lufthansa und United Airlines. Ein Zuschlag für Air France-KLM würde die Portugiesen aus diesem Verbund lösen und ins konkurrierende SkyTeam holen, samt Drehkreuz Lissabon. Lufthansa verteidigt mit dem Gebot also auch das eigene Netz. Konzernchef Carsten Spohr nennt den Zukauf den nächsten logischen Schritt: „Wir wollen Portugals nationale Fluggesellschaft als Teil der Lufthansa Group und als führende Airline für den Südatlantik stärken, mit Lissabon als strategischem Drehkreuz.“[1] Der Konzern fliegt Portugal schon heute mit 353 wöchentlichen Verbindungen an und beschäftigt dort über 500 Fachkräfte. Der Zukauf fällt allerdings in eine Phase, in der die Lufthansa Group in der eigenen Verwaltung den Rotstift ansetzt.

Wie läuft die Privatisierung ab?

Portugal verkauft 44,9 Prozent und bleibt Mehrheitseigner. Nach einem Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2021 genehmigte die EU-Kommission im Dezember 2021 eine Restrukturierungshilfe von 2,55 Milliarden Euro, verbunden mit der Auflage, einen privaten Partner zu suchen und die Subventionen einzustellen.[2] Insgesamt steckte der Staat rund 3,2 Milliarden Euro in die Rettung.

Der Zeitplan ist eng. Die Staatsholding Parpública bewertet die beiden Gebote binnen 30 Tagen und legt der Regierung einen Bericht vor. Die Entscheidung soll bis September fallen. Der neue Partner regiert ab 2026 mit, die eigentliche Kapitalspritze folgt erst im Sommer 2027. TAP flog 2025 immerhin 16,7 Millionen Passagiere und schrieb das vierte Jahr in Folge schwarze Zahlen. Damit ist die Airline ein begehrtes Ziel und kein Sanierungsfall.

Für Lufthansa ist TAP kein Portugal-Geschäft, sondern ein Brasilien-Geschäft mit Umstieg in Lissabon. Der Konzern kauft sich einen Südatlantik-Markt, den er selbst nie aufgebaut hat.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
TAP Air Portugal: Der Preis heißt Südatlantik
Zwei Bündnisse ringen um Portugals Staatsairline, entschieden wird über das Brasilien-Netz (Stand Juli 2026).
44,9 %
verkauft Portugal an einen strategischen Partner, die Mehrheit bleibt beim Staat
16,7 Mio.
Passagiere flog TAP 2025, ein Plus von 3,4 Prozent zum Vorjahr
15 Ziele
steuert TAP in Brasilien an, mehr als jede andere europäische Airline
2,55 Mrd. €
genehmigte die EU-Kommission 2021 an Rettungshilfe, im Tausch gegen die Privatisierung

Zwei Bieter, zwei Bündnisse

Air France-KLM
SkyTeam
ein Zuschlag risse TAP aus der Star Alliance und brächte das Lissabon-Drehkreuz ins konkurrierende SkyTeam
Der Zeitplan: Parpública prüft die Gebote 30 Tage, die Regierung entscheidet bis September 2026, der neue Partner regiert ab 2026 mit, die Kapitalspritze folgt im Sommer 2027.

Was bedeutet der Zuschlag für den Wettbewerb?

Europas Luftfahrt schrumpft auf drei große Blöcke zusammen. Die Lufthansa Group hat in den vergangenen Jahren Swiss, Austrian, Brussels, Eurowings und zuletzt die italienische ITA Airways eingesammelt. Air France-KLM kontert mit KLM, Transavia und der jüngst übernommenen skandinavischen SAS. TAP ist das nächste Stück in diesem Verdrängungswettbewerb, und nach der unverbindlichen Runde im April blieben genau diese zwei Bieter übrig.

Für die Brüsseler Wettbewerbshüter wird der Zuschlag zur Fleißarbeit, weil sich die Streckennetze an mehreren Drehkreuzen überschneiden. Schon bei ITA musste Lufthansa Zugeständnisse machen. Anders als bei zuletzt gescheiterten Angeboten wie dem abgelehnten Gebot für Hugo Boss gilt hier nur die Frage, wer am Ende den Zuschlag bekommt. Reisekostenverantwortliche mit Südamerika-Verkehr sollten die Entscheidung bis September im Blick behalten, denn Bündniszugehörigkeit und Vielfliegerprogramm ihrer Lissabon-Verbindungen hängen daran.

FAQ: Lufthansa und das Gebot für TAP Air Portugal

Wie viel Prozent von TAP Air Portugal verkauft Portugal?

Portugal verkauft 44,9 Prozent an TAP Air Portugal an einen strategischen Partner und behält selbst die Kontrolle über die Airline. Der Verkauf ist Teil der Privatisierung, die das Land nach der milliardenschweren Corona-Rettung unter Auflagen der EU-Kommission umsetzen muss.

Wer bietet für TAP Air Portugal?

Um den Anteil bieten die Lufthansa Group und Air France-KLM. Beide gaben am 29. Juli 2026 verbindliche Angebote bei der portugiesischen Staatsholding Parpública ab. Nach der unverbindlichen Runde im April sind sie die beiden verbliebenen Interessenten.

Warum muss Portugal TAP privatisieren?

Das EU-Beihilferecht verbietet nach der genehmigten Rettungshilfe von 2,55 Milliarden Euro weitere Staatszuschüsse. Portugal darf die Airline also nicht länger stützen und braucht einen privaten Partner, der frisches Kapital und Netzzugang mitbringt.

Wann fällt die Entscheidung über TAP?

Die Staatsholding Parpública bewertet die Gebote binnen 30 Tagen, die Regierung will bis September 2026 entscheiden. Der neue Partner soll ab 2026 mitregieren, die eigentliche Kapitalspritze ist für den Sommer 2027 geplant.

Was passiert mit der Star-Alliance-Mitgliedschaft von TAP?

Bei einem Zuschlag für Lufthansa bliebe TAP in der Star Alliance und ließe sich nahtlos einbinden. Gewinnt Air France-KLM, würde TAP das Bündnis verlassen und ins konkurrierende SkyTeam wechseln, samt Drehkreuz Lissabon.

Quellen

[1] Lufthansa Group: „Lufthansa Group Submits Bid for Minority Stake in TAP Air Portugal“

[2] Europäische Kommission: „State aid: Commission approves €2.55 billion Portuguese restructuring aid in favour of TAP“

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