Anthropic hat potenziellen Aktionären für das dritte Quartal einen Umsatz von umgerechnet 14,6 Milliarden Euro genannt, 45 Prozent mehr als im Vorquartal. Im Frühjahr hatte sich der Umsatz von Quartal zu Quartal noch mehr als verdoppelt. Belastbare Werte nach US-GAAP liefert erst der Börsenprospekt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm Mittwoch empfing die Führung des Claude-Entwicklers künftige Anleger in der Firmenzentrale in San Francisco. Ein Teilnehmer gab die Quartalszahlen an Reuters weiter, Bloomberg meldet zudem einen bereinigten Gewinn im dritten Quartal. Offiziell bestätigt hat Anthropic die Angaben nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz stieg im dritten Quartal laut Reuters auf 14,6 Milliarden Euro, nach 10,1 Milliarden im zweiten.
- Vom ersten zum zweiten Quartal hatte das Plus noch 147 Prozent betragen.
- Den Gewinn weist Anthropic nur bereinigt aus, die Rechnung dahinter ist unbekannt.
- Laut Bloomberg soll die Aktie noch vor Thanksgiving am 26. November gehandelt werden.
Wie schnell wächst Anthropic noch?

Von Januar bis September setzte das KI-Labor laut Reuters rund 28,8 Milliarden Euro um: 4,1 Milliarden im ersten, 10,1 Milliarden im zweiten und 14,6 Milliarden im dritten Quartal. Die Wachstumsrate fiel damit von 147 auf 45 Prozent. Alle Beträge sind zum Kurs von 0,87 Euro je Dollar umgerechnet, Stand 15. Oktober 2026.
Ende Juli hatte Bloomberg einen hochgerechneten Umsatzlauf von 56,6 Milliarden Euro gemeldet, also gut 4,7 Milliarden im Monat. Im dritten Quartal lag der Monatsschnitt bei knapp 4,9 Milliarden Euro. Aufs Jahr gerechnet ergibt der Quartalsumsatz 58,5 Milliarden Euro, nur 3 Prozent mehr als der Juli-Wert.
Für den Vergleich mit OpenAI zählt die Buchungsweise: Laut Financial Times bucht Anthropic Verkäufe über Amazon Web Services und Google Cloud mit dem vollen Rechnungsbetrag, während OpenAI nur den eigenen Anteil ausweist. Nach den Bilanzregeln ASC 606 und IFRS 15 entscheidet darüber, wer die Leistung vor der Übergabe an den Kunden kontrolliert.[2]
Was ist ein bereinigter Gewinn wert?
Schon im zweiten Quartal meldete Bloomberg einen bereinigten Betriebsgewinn von 486 Millionen Euro. Bereinigte Kennzahlen rechnen typischerweise Posten wie aktienbasierte Vergütung oder Einmalkosten heraus. Welche Posten Anthropic weglässt, hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
Im Börsenprospekt muss Anthropic die Rechnung offenlegen. Die US-Börsenaufsicht verlangt nach Item 10(e) der Regulation S-K, neben jeder bereinigten Kennzahl die vergleichbare Zahl nach US-GAAP mindestens gleich prominent zu zeigen, samt Überleitung zwischen beiden Werten.[1]
Ein bereinigter Gewinn zeigt, was Anthropic gern zählt. Erst der Prospekt zeigt, was nach US-GAAP übrig bleibt.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was ändert der Börsengang für Unternehmen, die Claude nutzen?
Nach dem Börsengang berichtet Anthropic jedes Quartal nach US-GAAP, im Prospektentwurf stehen bereits 80 Seiten Risikofaktoren. Einkäufer bekommen damit erstmals belastbare Daten für die Lieferantenbewertung.
Anthropic braucht für mehr Umsatz deutlich mehr Nutzung, denn die Preise fallen: Anfang Oktober senkte Anthropic den Grundpreis für Claude Haiku 5.5 um 90 Prozent. Für Ihre Verträge mit KI-Anbietern empfehlen sich zwei Schritte:
- Prüfen Sie nach Erscheinen des Prospekts die GAAP-Zahlen samt Überleitung, bevor Sie mehrjährige Rahmenverträge abschließen.
- Vereinbaren Sie gerne Preisanpassungen in beide Richtungen, damit sinkende Tokenpreise auch bei Ihnen ankommen.
Welches Modell zu Ihren Aufgaben passt, zeigt der Vergleich der KI-Textgeneratoren.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Legal Information Institute, Cornell Law School17 CFR § 229.10 (Item 10) General, Absatz (e) zu Kennzahlen außerhalb von US-GAAP
- EUR-LexVerordnung (EU) 2023/1803, IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“, Anhang B34 bis B38
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